Asien - China - Xi’an

Reisebericht Asien - China - Xi’an

Der Geruch von gebratenem Knoblauch und irgendetwas undefinierbar Süßem kitzelte in meiner Nase, während ich mich aus dem Taxi kämpfte. Xi’an, China. Endlich. Nach gefühlt 72 Stunden Flughafenterror und einer unfreiwilligen Yoga-Session im Flugzeug, um die Durchblutung wiederherzustellen, stand ich also da, inmitten eines Verkehrschaos, das selbst die Rushhour in Nairobi alt aussehen lässt. Aber hey, ich bin ja schließlich ein Tierliebhaber, der sich freiwillig in die Wildnis stürzt – und ein chinesischer Großstadt-Dschungel ist auch irgendwie Wildnis, oder?

Warum eigentlich China?

Die Frage stellen sich wahrscheinlich alle, die mich kennen. Ich meine, ich verbringe meine Wochenenden normalerweise damit, Löwen in Kenia zu fotografieren oder Faultiere in Costa Rica zu beobachten. Was macht ein Mensch wie ich also in einer Stadt, die mehr Menschen beherbergt als manche Länder? Nun, es ist eine lange Geschichte, die mit einem fehlgeschlagenen Versuch beginnt, den Schneeleoparden aufzuspüren. Ja, richtig gelesen. Der Schneeleopard. Ich hatte einen Auftrag für ein Naturmagazin angenommen, und irgendwie hatte ich unterschätzt, wie… unzugänglich diese Katzen sind. Nach zwei Wochen eiskalten Windes, steilen Hängen und dem ständigen Gefühl, jeden Moment ins Nichts zu stürzen, gab ich auf. Aber ich hatte schon den Flug nach Asien gebucht, also musste ein Plan B her. Und da kam mir die Terrakottaarmee in den Sinn. Ich meine, das ist doch auch irgendwie eine Art Tierreich, oder? Nur aus Ton. Und mit viel mehr Soldaten als Löwen.

Erste Orientierung

Die Hotelwahl war… interessant. Sagen wir mal so, es war ein „lokales“ Hotel. Das bedeutet: das Badezimmer hatte eine interessante Farbgebung (denk an Avocado-Grün kombiniert mit Karamell), die Dusche spritzte eher horizontal als vertikal und das Frühstück bestand hauptsächlich aus Nudeln und irgendwelchen eingelegten Dingen, die ich lieber nicht identifizieren wollte. Aber hey, ich bin ja nicht pingelig. Hauptsache, es gibt Kaffee. Und WLAN. Das WLAN war, wie so oft in solchen Situationen, eher eine Illusion. Aber ich hatte meinen mobilen Hotspot dabei, also alles gut. Der erste Spaziergang durch die Stadt war ein Schock für meine Sinne. Überall Menschen, Fahrräder, Roller, Autos, Händler, Essensstände und ein Lärmpegel, der selbst in der Serengeti nicht erreicht wird. Ich versuchte, mich zu orientieren, aber es war, als würde man versuchen, ein Puzzle zu lösen, bei dem alle Teile gleich aussehen. Ich lief an Geschäften vorbei, die alles verkauften, von Seide bis hin zu gefiederten Hühnern (lebendig, versteht sich). Ich sah einen Mann, der mit einem lebenden Frosch spazieren ging (ja, wirklich!). Und ich roch ständig dieses undefinierbare Etwas, das irgendwo zwischen gebratenem Knoblauch, exotischen Gewürzen und Abgasen lag.

Ein kultureller Unterschied

Ich versuchte, mich mit ein paar Worten Chinesisch zu verständigen, aber meine Versuche endeten meistens in peinlichem Gestammel und verständnislosen Blicken. Ich merkte schnell, dass mein begrenzter Wortschatz aus „ni hao“ (hallo) und „xie xie“ (danke) nicht ausreichte, um komplexe Gespräche zu führen. Also beschloss ich, auf Körpersprache zu setzen. Das funktionierte… manchmal. Zumindest konnte ich so ein paar freundliche Lächeln ernten. Aber ich merkte auch, dass meine westliche Art der Kommunikation manchmal missverstanden wurde. Ich versuchte zum Beispiel, einen Taxifahrer nach dem Weg zu fragen, indem ich ihm eine Karte zeigte. Er starrte mich an, als hätte ich ihm ein Alien präsentiert. Irgendwann gab er auf und winkte einfach in eine zufällige Richtung. Ich hatte keine Ahnung, ob er mich richtig verstanden hatte, aber ich beschloss, seinem Rat zu folgen. Es war schließlich ein Abenteuer. Und mal ehrlich, was könnte schon schiefgehen? Nach ein paar Stunden des Herumirrens und des Versuchs, mich in dieser chaotischen Stadt zurechtzufinden, begann ich, mich langsam wohlzufühlen. Ich lernte, den Verkehr zu überqueren, ohne mein Leben zu riskieren. Ich lernte, wie man mit den Händlern feilscht. Und ich lernte, wie man Nudeln mit Stäbchen isst (naja, zumindest versuchte ich es). Ich begann, die Energie dieser Stadt zu spüren, die gleichzeitig überwältigend und faszinierend war. Und ich begann, mich auf das zu freuen, was die nächsten Tage bringen würden. Denn schließlich war ich ja nicht nur wegen der Terrakottaarmee hier. Ich wollte die Kultur erleben, das Essen probieren und die Menschen kennenlernen. Und ich hatte das Gefühl, dass ich hier noch viele Überraschungen erwarten würden. Jetzt gilt es erstmal, den Weg zu den berühmten Stadtmauern zu finden, bevor ich mich komplett verirrt habe.Ich irrte also ziellos umher, in der Hoffnung, die berühmten Stadtmauern zu entdecken, bevor mein innerer Kompass komplett den Geist aufgab. Und dann stolperte ich über das muslimische Viertel. Der Kontrast zur restlichen Stadt war frappierend. Plötzlich war es ruhiger, die Luft roch nach Gewürzen und frisch gebackenem Brot, und die Menschen lächelten freundlicher. Hier herrschte eine ganz andere Atmosphäre.

Ein Fest für die Sinne

Ich ließ mich einfach treiben, durch die engen Gassen schlendern, und bestaunte die kleinen Geschäfte, die alles Mögliche verkauften: bunte Laternen, handgefertigte Teppiche, getrocknete Früchte und natürlich jede erdenkliche Art von Nudeln. Überall standen Essensstände, die köstliche Gerüche verströmten. Ich probierte hier und da ein paar Snacks, ohne genau zu wissen, was ich eigentlich aß, aber alles schmeckte fantastisch. Irgendwann landete ich vor einem kleinen Laden, der handgemachte Bi Yun-Nudeln verkaufte – eine lokale Spezialität. Der alte Mann, der den Laden führte, sprach kein Englisch, aber er verstand meine begeisterte Mimik und bot mir sofort eine Probe an. Die Nudeln waren unglaublich lecker – zart, aromatisch und mit einer leicht scharfen Soße. Ich bestellte sofort eine große Portion und aß sie mit Genuss.

Die Große Moschee und ein kleiner Fauxpas

Nach dem Mittagessen besuchte ich die Große Moschee von Xi’an, eine beeindruckende Anlage, die im 8. Jahrhundert erbaut wurde. Die Architektur war wunderschön, und die Innenräume waren mit kunstvollen Verzierungen und Kalligraphien geschmückt. Ich war so fasziniert von dem Anblick, dass ich versehentlich in ein Gebet gestört habe. Ein älterer Mann blickte mich missbilligend an, und ich entschuldigte mich sofort, natürlich ohne zu wissen, was ich eigentlich gesagt hatte. Er nickte widerwillig, aber ich konnte spüren, dass er nicht sehr erfreut war. Ich zog mich schnell zurück und versuchte, unauffälliger zu sein.

Die Terrakottaarmee – mehr als nur Ton

Am nächsten Tag war es endlich soweit: Ich besuchte die Terrakottaarmee. Ich hatte so viel über sie gelesen und Bilder gesehen, aber nichts konnte mich auf das vorbereiten, was ich dort zu sehen bekam. Die schiere Größe und Detailgenauigkeit der Armee war überwältigend. Tausende von Tonfiguren, die jeden einzelnen Soldaten mit seinen individuellen Gesichtszügen und seiner Uniform darstellten. Es war, als ob eine ganze Armee aus der Vergangenheit auferstanden wäre. Ich verbrachte Stunden damit, durch die Ausstellung zu schlendern, die einzelnen Figuren zu betrachten und zu versuchen, die Geschichte hinter ihnen zu verstehen. Ich stellte mir vor, wie diese Soldaten vor über 2000 Jahren gelebt haben, wie sie gekämpft und wie sie gestorben sind. Es war eine bewegende Erfahrung, die mich tief beeindruckt hat. Ich versuchte, ein gutes Foto von den Figuren zu machen, aber es war unmöglich, die ganze Pracht und den Ausdruck der Figuren einzufangen. Irgendwann gab ich auf und beschloss, einfach den Moment zu genießen.

Ein kleiner tierischer Zwischenfall

Beim Verlassen der Terrakottaarmee passierte mir etwas Unerwartetes. Eine kleine Katze sprang mir auf die Schulter und weigerte sich, herunterzukommen. Sie schnurrte und kuschelte sich an meinen Hals, als ob sie mich seit Jahren kennen würde. Ich versuchte, sie herunterzulassen, aber sie klammerte sich fest an meine Jacke. Schließlich musste ich den Sicherheitsbeamten um Hilfe bitten, die die Katze vorsichtig von meiner Schulter entfernten. Es stellte sich heraus, dass die Katze ein Maskottchen des Geländes war und dafür bekannt war, sich an Besucher zu kuscheln. Ich lachte über den Vorfall und freute mich, dass ich zumindest ein tierisches Erlebnis in China hatte. Nach ein paar Tagen voller Eindrücke und Abenteuer war es Zeit, Xi’an zu verlassen. Ich hatte die Stadt kennengelernt, die Kultur erlebt und das Essen genossen. Und ich hatte gelernt, dass es manchmal gut ist, sich einfach treiben zu lassen und sich von neuen Erfahrungen überraschen zu lassen. Die Reise nach China war anders als alles, was ich bisher erlebt hatte, und ich würde sie so schnell nicht vergessen. Und vielleicht, nur vielleicht, war es doch mehr als nur eine Ablenkung von meiner verregneten Suche nach dem Schneeleoparden.

Der Abschied von Xi’an fiel mir überraschend schwer. Ich hatte mich in diese chaotische, faszinierende Stadt verliebt, trotz – oder vielleicht gerade wegen – all ihrer Eigenheiten. Es war ein Abenteuer, das meine Vorstellungskraft übertroffen hatte, und ich hatte das Gefühl, dass ich noch viele unentdeckte Ecken und verborgene Schätze entdeckt hätte. Das Gefühl, komplett verloren zu sein und dann doch wieder den Faden zu finden, hatte etwas Befreiendes. Und die Nudeln… oh, die Nudeln! Ich glaube, ich habe in ein paar Tagen mehr Nudeln gegessen als in meinem ganzen Leben zuvor.

Was ich gelernt habe

China ist nicht das, was man erwartet. Es ist anders, fremd und manchmal auch verwirrend. Aber genau das macht es so spannend. Man muss bereit sein, sich auf das Unbekannte einzulassen, seine Komfortzone zu verlassen und sich von neuen Erfahrungen überraschen zu lassen. Und man muss lernen, über sich selbst zu lachen. Ich habe gelernt, dass man nicht alles kontrollieren kann, und dass es manchmal gut ist, einfach loszulassen und sich treiben zu lassen.

Ein paar Tipps für angehende China-Reisende

Wenn du planst, nach Xi’an zu reisen, hier ein paar Tipps, die dir helfen könnten:

  1. WLAN: Verlasse dich nicht auf öffentliches WLAN. Besorge dir eine lokale SIM-Karte oder einen mobilen Hotspot. Es ist Gold wert, wenn du dich nicht verirren willst (oder zumindest vorgeben kannst, zu wissen, wo du bist).
  2. Verhandeln: Scheue dich nicht, auf den Märkten zu verhandeln. Es gehört zur Kultur und kann dir ein paar Yuan sparen. Aber sei fair und respektvoll.
  3. Nudeln: Probiere so viele verschiedene Nudelsorten wie möglich. Du wirst nicht enttäuscht sein. Und lerne, wie man sie mit Stäbchen isst (oder zumindest versucht es).
  4. Sei offen: Sei offen für neue Erfahrungen, neue Kulturen und neue Geschmäcker. China ist ein Land voller Überraschungen, und du wirst umso mehr davon haben, je offener du bist.

Und die Tiere?

Okay, zugegeben, die Tierwelt war in Xi’an nicht so spektakulär wie in Afrika. Aber ich habe immerhin eine Katze auf meiner Schulter gehabt, und das zählt doch auch. Außerdem habe ich auf den Märkten einige interessante Vögel und Fische gesehen (die ich nicht essen konnte, weil ich nicht wusste, was es war). Und ich habe gelernt, dass auch in China Tiere ein wichtiger Teil der Kultur sind.

Ich verlasse Xi’an mit einem Koffer voller Erinnerungen, einem Bauch voller Nudeln und einem Herzen voller Freude. Es war eine Reise, die mich verändert hat, und ich bin dankbar für jede einzelne Erfahrung. Ich werde zurückkehren, irgendwann. Und dann werde ich noch mehr Nudeln essen.

    👤 Abenteuersuchender Alleinreisender (28), Fokus auf Extremsportarten und abgelegene Orte ✍️ praktisch und informativ