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Irland - Wo die Wildnis ruft

Der Geruch von Salz und Seetang schlug mir entgegen, als ich aus dem Flughafen Cork rollte. Es war nicht der sterile, künstliche Duft, den man oft in Flughafengebäuden findet, sondern der echte, raue Geruch des Ozeans. Draußen nieselte es leicht, ein typisch irischer Empfang, dachte ich grinsend. Ich hatte mir extra eine wasserdichte Jacke eingepackt.

Ein lang gehegter Traum

Seit Jahren hatte ich Irland auf meiner Liste stehen. Nicht die touristischen Hotspots, sondern die wilden, unberührten Landschaften. Ich bin Fotograf, und mein Ding ist es, die Schönheit der Natur und das Leben der Tiere festzuhalten. Ich suche nach Momenten, die erzählen, nach Geschichten, die in den Bildern stecken. Und Irland, mit seinen steilen Klippen, den grünen Hügeln und der reichen Tierwelt, schien der perfekte Ort dafür.

Die Idee kam mir eigentlich schon während meiner Zeit in Schottland. Die Landschaft dort war zwar atemberaubend, aber irgendwie immer ein bisschen… gezähmt. Irland wirkte auf Fotos, die ich gesehen hatte, viel rauer, ursprünglicher. Die Küstenlinien schienen zerklüfteter, die Hügel grüner, die Stimmung melancholischer. Ich wollte das spüren, das fotografieren, das in meinen Bildern vermitteln.

Cork – Der erste Eindruck

Die Fahrt vom Flughafen in die Stadt war schon ein Erlebnis. Überall saftig grüne Wiesen, gesäumt von Steinmauern. Kühe und Schafe grasten friedlich auf den Feldern. Es war ein friedliches Bild, das sich fast schon kitschig anfühlen könnte, wenn da nicht die ständige Nieselregen und der Wind wären, die alles ein bisschen rauher machten.

Cork selbst ist eine überraschend lebendige Stadt. Es ist nicht so touristisch überlaufen wie Dublin, was mir sehr entgegenkam. Die Straßen sind eng und verwinkelt, die Häuser bunt und schief. Überall gibt es kleine Pubs mit Live-Musik, in denen man sich schnell wohlfühlen kann. Ich checkte in meinem kleinen B&B ein, einem wunderschönen alten viktorianischen Haus, das von einer alten Dame namens Mary geführt wurde. Sie war unglaublich freundlich und gab mir sofort ein paar Tipps für die Gegend.

Nachdem ich mein Gepäck abgestellt hatte, machte ich mich gleich auf den Weg, um die Stadt zu erkunden. Ich schlendere am Fluss Lee entlang, vorbei an der St. Fin Barre’s Cathedral, einem beeindruckenden neugotischen Bauwerk. Die Atmosphäre war entspannt und freundlich. Überall sah ich Menschen, die lachten und plauderten. Es war eine Atmosphäre, die mich sofort in ihren Bann zog.

Auf der Suche nach dem Besonderen

Ich hatte mir vorgenommen, die ersten Tage damit zu verbringen, die Umgebung von Cork zu erkunden. Ich wollte nicht nur die offensichtlichen Sehenswürdigkeiten sehen, sondern auch die versteckten Juwelen entdecken. Mary hatte mir ein paar Tipps gegeben, unter anderem den Blarney Castle und die Old Head of Kinsale. Aber ich wollte auch abseits der Touristenpfade wandern, die Küstenlinie erkunden und die Tierwelt beobachten.

Besonders interessiert war ich an den Seevögeln. Irland ist ein Paradies für Ornithologen, und ich hoffe, einige seltene Arten fotografieren zu können. Ich hatte meine Ausrüstung schon vorbereitet: ein Teleobjektiv, ein Stativ und ein wasserdichter Rucksack. Ich war bereit für alles, was die irische Natur mir entgegenwerfen würde.

Am Abend saß ich in einem kleinen Pub, trank ein Guinness und lauschte der Live-Musik. Die Atmosphäre war ausgelassen und fröhlich. Ich kam mit ein paar Einheimischen ins Gespräch, die mir noch mehr Tipps für meine Reise gaben. Sie erzählten mir von versteckten Buchten, abgelegenen Wanderwegen und den besten Orten, um Robben zu beobachten.

Ich fühlte mich bereits jetzt wohl in Irland. Die Landschaft war atemberaubend, die Menschen freundlich und die Atmosphäre einladend. Ich hatte das Gefühl, dass dies eine Reise werden würde, die ich nie vergessen würde. Und als ich am nächsten Morgen aufwachte und den Blick aus meinem Fenster schweifen ließ, wusste ich, dass ich mich auf etwas ganz Besonderes vorbereiten musste – die wahre irische Wildnis sollte sich mir bald offenbaren, und ich war bereit, sie mit meiner Kamera einzufangen.

Die Wildnis ruft: Kinsale und die Old Head

Der nächste Morgen begann grau, aber trocken – zumindest für den Moment. Ich beschloss, direkt nach Kinsale zu fahren, einem kleinen Küstenort, der für seine bunten Häuser und seine ausgezeichnete Fischküche bekannt ist. Die Fahrt dorthin führte mich durch eine abwechslungsreiche Landschaft mit sanften Hügeln, steinigen Feldern und kleinen Wäldchen. Überall grasende Schafe, die scheinbar ganz unbeeindruckt von der rauen Umgebung waren.

Kinsale selbst war wirklich malerisch. Die Häuser in allen Farben des Regenbogens drängten sich an den engen Gassen, und der Hafen war voller kleiner Fischerboote. Ich verbrachte ein paar Stunden damit, durch die Stadt zu schlendern, die Atmosphäre aufzusaugen und ein paar Fotos zu machen. Dann ging es weiter zur Old Head of Kinsale, einer dramatischen Landzunge, die sich ins Meer hinausstreckt.

Stürmische See und seltene Beobachtungen

Die Old Head war atemberaubend. Die Klippen waren steil und zerklüftet, und die See tobte unterhalb. Der Wind peitschte mir ins Gesicht, und der Himmel war voller grauer Wolken. Ich stellte mich an den Rand der Klippen und beobachtete die Möwen, die im Wind tanzten. Es war ein wilder, ungezähmter Ort, der mich tief beeindruckte.

Ich hatte gehofft, einige seltene Seevögel zu sehen, und ich wurde nicht enttäuscht. Ich entdeckte eine Gruppe von Lummen, die an den Klippen brüteten, und einen einzelnen Tordalk, der elegant über die Wellen glitt. Ich packte meine Kamera aus und begann zu fotografieren. Es war schwierig, bei dem starken Wind und den Gischtnebel ein scharfes Bild zu bekommen, aber ich gab nicht auf. Ich wollte diese besonderen Momente festhalten.

Plötzlich bemerkte ich etwas Ungewöhnliches im Wasser. Es waren keine Möwen und auch keine Robben. Erst als ich mein Teleobjektiv benutzte, erkannte ich es: ein paar kleine Tümmler spielten in den Wellen. Es war ein unglaublicher Anblick. Ich verbrachte eine ganze Weile damit, sie zu beobachten und zu fotografieren, bevor sie wieder im Meer verschwanden.

Ein missglücktes Abenteuer in Cork City

Zurück in Cork City beschloss ich, das English Market zu besuchen, einen über 200 Jahre alten Markt, der für seine frischen Produkte und seine lokale Küche bekannt ist. Ich hatte gehört, dass man dort die besten Käse und Wurstwaren Irlands bekommt. Und tatsächlich, der Markt war ein Paradies für Feinschmecker. Überall standen Stände mit frischem Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch und Käse. Ich probierte ein paar lokale Spezialitäten und kaufte ein paar Souvenirs.

Dann wollte ich noch das Cork City Gaol, ein altes Gefängnis, besichtigen. Ich verließ den Markt und versuchte, den Weg dorthin mit dem öffentlichen Nahverkehr zu finden. Das erwies sich als schwieriger als gedacht. Die Busse fuhren unregelmäßig, und die Fahrpläne waren schwer zu verstehen. Ich stieg in den falschen Bus und landete am anderen Ende der Stadt. Nach einer Stunde des Herumirrens und mehreren Fehlversuchen fand ich endlich den richtigen Bus und erreichte das Gefängnis.

Das Cork City Gaol war ein düsterer und bedrückender Ort. Ich machte eine Führung und erfuhr viel über die Geschichte des Gefängnisses und die Lebensbedingungen der Häftlinge. Es war ein erschütterndes Erlebnis, das mich lange beschäftigt hat. Aber es war auch wichtig, sich mit der dunklen Seite der Geschichte auseinanderzusetzen.

Mit einem gemischten Gefühl verließ ich Cork. Die Reise hatte mir bereits jetzt einige unvergessliche Momente beschert, aber ich spürte, dass die wahre irische Wildnis noch auf mich wartete und ich freute mich darauf, sie in den nächsten Tagen zu entdecken.

Der Regen hatte mittlerweile aufgehört, aber die Luft war noch feucht und kühl. Ich saß in einem kleinen Café in Kinsale und wärmte mir die Hände an einer Tasse Tee. Die letzten Tage waren intensiv gewesen, voller neuer Eindrücke und unvergesslicher Momente. Ich hatte die zerklüftete Küste erkundet, die sanften Hügel durchwandert und die reiche Tierwelt beobachtet. Und ich hatte das Gefühl, dass ich Irland noch lange nicht vollständig erfasst hatte.

Reflexionen am Ende der Reise

Was mich besonders beeindruckt hat, war die Authentizität des Landes. Irland ist nicht darauf aus, zu gefallen. Es ist rau, ungezähmt und voller Widersprüche. Aber genau das macht es so faszinierend. Die Menschen sind ehrlich und herzlich, die Landschaft atemberaubend und die Kultur reich an Traditionen.

Ich hatte mir vorgenommen, die Schönheit der irischen Natur und das Leben der Tiere festzuhalten. Ich glaube, ich bin dem Ziel ein Stück näher gekommen. Ich habe Bilder gemacht, die Geschichten erzählen, die die Seele berühren. Ich habe Momente eingefangen, die ich nie vergessen werde.

Die Tierwelt Irlands – Mehr als nur Schafe

Besonders die Begegnung mit den Tümmlern in der Bucht von Kinsale hat mich tief beeindruckt. Es war ein magischer Moment, als diese intelligenten und verspielten Tiere im Wasser tobten. Aber auch die Seevögel, die an den Klippen brüteten, und die Robben, die an den Stränden sonnten, waren ein faszinierender Anblick. Irland ist ein Paradies für Ornithologen und Tierfotografen.

Cork – Eine Stadt mit Herz

Cork selbst hat mich positiv überrascht. Die Stadt ist lebendig, freundlich und voller Kultur. Die engen Gassen, die bunten Häuser und die zahlreichen Pubs verleihen ihr einen ganz besonderen Charme. Ich habe mich in der Stadt schnell wohlgefühlt und konnte mich gut entspannen.

Ein paar Tipps für deine Reise

Wenn du planst, Irland zu besuchen, habe ich ein paar Tipps für dich:

  • Sei vorbereitet auf das Wetter. Irland ist bekannt für seinen wechselhaften Wetterbedingungen. Packe wasserdichte Kleidung und Schuhe ein, und sei bereit für Regen, Wind und Sonne.
  • Miete ein Auto. Irland ist am besten mit dem Auto zu erkunden. So kannst du die abgelegenen Landschaften und versteckten Juwelen entdecken.
  • Sei offen für neue Erfahrungen. Irland ist ein Land voller Überraschungen. Lass dich treiben, sei spontan und genieße die einzigartige Atmosphäre.
  • Probiere die lokale Küche. Irland hat eine reiche kulinarische Tradition. Probiere die frischen Meeresfrüchte, das herzhafte Irish Stew und das leckere Guinness.

Abschied von der grünen Insel

Ich verlasse Irland mit einem weinmütigen Gefühl. Ich habe mich in dieses Land verliebt, in seine Schönheit, seine Wildheit und seine Menschen. Ich werde auf jeden Fall wiederkommen, um weitere Teile dieser faszinierenden Insel zu erkunden.

    • Old Head of Kinsale (zerklüftete Küste und Tierbeobachtungen)
    • Kinsale (malerischer Küstenort)
    • Cork City (lebendige Stadt mit freundlicher Atmosphäre)
👤 Fotograf (35) der atemberaubende Landschaften und Tierwelt dokumentieren möchte ✍️ spannend und abenteuerlich