Ein alter Mann in Japan – oder: Wie ich versuchte, nicht unterzugehen
Ankunft und erste Eindrücke
Der Flughafen hier ist… effizient. Das ist wohl das Wort. Alles glatt, sauber, aber irgendwie auch steril. Kein Chaos, keine Schreienden, keine verlorenen Koffer. Fast schon unheimlich. Ich habe mich gefühlt wie in einem riesigen Ameisenhaufen, wo alle wissen, was sie tun, nur ich nicht. Ich versuchte, mein Kauderwelsch-Japanisch anzuwenden – also ein paar Wörter, die ich mir vor der Reise mühsam angeeignet hatte – aber die Beamten sahen mich nur fragend an. Zum Glück waren sie freundlich und dirigierten mich mit Händen und Füßen zum Gepäckband.Das Gepäckband war natürlich ganz am anderen Ende des Flughafens. Ist ja klar. Ich schleppte meinen Koffer – ein echtes Leichtgewicht, ironischerweise – durch die Menschenmenge und versuchte, nicht über die Füße von irgendjemanden zu stolpern. Die Japaner sind klein. Sehr klein. Ich fühlte mich wie ein Riese. Und ständig entschuldigte ich mich, auch wenn ich nichts falsch gemacht hatte. Ist halt so eine Angewohnheit.
Warum Hiroshima?
Die Frage kommt natürlich sofort: Warum Hiroshima? Nun, meine Frau Martha war Geschichtslehrerin. Und sie hatte einen Tick für den Zweiten Weltkrieg. Nicht so, dass sie ihn glorifiziert hätte, Gott bewahre, aber sie war fasziniert von den Ereignissen und den Auswirkungen. Sie hatte immer gesagt, ich solle Hiroshima besuchen, wenn ich mal die Gelegenheit dazu hätte. Sie ist vor zwei Jahren verstorben, und ich dachte, jetzt ist vielleicht der richtige Zeitpunkt. Eine Art Pilgerfahrt, wenn man so will. Nur ohne Rosenkranz und ohne Glauben. Ich bin ja ein pragmatischer Mensch.
Der Zug nach Hiroshima
Der Zug war pünktlich. Natürlich. In Japan scheint die Zeit anders zu laufen. Alles ist auf Effizienz ausgelegt. Kein Platz für Verspätungen oder ungeplante Ereignisse. Ich hatte mir einen Fensterplatz gesichert und beobachtete die Landschaft. Grüne Reisfelder, kleine Dörfer, hügelige Berge. Und überall diese kleinen Häuser. Ich stellte mir vor, wie die Leute dort leben, was sie denken, was sie essen. Wahrscheinlich Reis. Sehr viel Reis.
Im Zug teilte ich mir die Bank mit einem jungen Mann, der ständig in sein Smartphone starrte. Keine Begrüßung, kein Blickkontakt, einfach nur stummes Tippen. Die Jugend von heute… Manchmal frage ich mich, ob die überhaupt noch wissen, wie man ein Gespräch führt. Ich versuchte, ihn zu ignorieren und mich auf die Landschaft zu konzentrieren, aber es war schwer. Dieses leise Tippen ging mir echt auf die Nerven.
Das Budget und die Herausforderungen
Das Budget ist, sagen wir mal, angespannt. Ich bin ja Rentner, nicht Rockefeller. Deshalb habe ich mich für ein einfaches Hotel entschieden – ein sogenanntes Business Hotel. Klingt schick, ist aber eigentlich nur ein winziges Zimmer mit einem Bett, einem Schreibtisch und einem winzigen Badezimmer. Aber hey, ich brauche ja nicht viel. Hauptsache, es ist sauber und sicher. Und dass es WLAN gibt, ist auch nicht schlecht. Meine Enkelin Lisa will ständig wissen, was ich mache.
Die Sprachbarriere ist natürlich ein Problem. Ich spreche kein Japanisch, und die meisten Japaner sprechen kein Deutsch. Zum Glück gibt es Google Translate, aber das ist nicht immer zuverlässig. Manchmal übersetzt es Sätze so, dass man nicht mehr weiß, was man eigentlich sagen wollte. Ich habe schon ein paar lustige Situationen erlebt, aber ich versuche, darüber hinwegzusehen. Es ist halt so, wenn man in ein fremdes Land reist.
Jetzt, wo ich angekommen bin und mein Hotelzimmer bezogen habe, frage ich mich, was die nächsten Tage bringen werden. Ich habe ein paar Museen und Gedenkstätten auf meiner Liste, aber ich will auch einfach nur durch die Stadt schlendern und das Leben hier aufsaugen. Und vielleicht finde ich ja noch ein gutes, günstiges Restaurant, wo ich ein bisschen japanische Küche probieren kann. Es wird sicher nicht einfach, aber ich bin bereit für die Herausforderung. Schließlich bin ich ja ein Rentner mit kleinem Budget und einer großen Neugier. Und morgen werde ich den Friedenspark besuchen, um Martha zu ehren und mich mit der Geschichte dieses Ortes auseinanderzusetzen.
Der Friedenspark und die Schatten der Vergangenheit
Der Friedenspark… Nun, das ist ein Ort, der einen wirklich nachdenklich macht. Ich war früh da, um den schlimmsten Touristenmassen zu entgehen, aber selbst um acht Uhr morgens waren schon einige Leute unterwegs. Die Atmosphäre ist… schwer zu beschreiben. Einerseits herrscht eine gespenstische Ruhe, andererseits spürt man förmlich die Geschichte, die an diesem Ort geschah. Das Friedensdenkmal ist beeindruckend, dieser riesige Bogen, der die Gesichter der Opfer widerspiegelt. Ich habe versucht, ein Foto zu machen, aber mein Handy wollte nicht so richtig mitspielen. Irgendwas mit dem Akku, glaube ich. Typisch.
Ich bin dann durch den Park geschlendert und habe die verschiedenen Gedenkstätten besucht. Da gibt es den Atomic Bomb Dome, die Ruine eines Gebäudes, das als eines der wenigen die Atombombe überstanden hat. Ein schrecklicher Anblick, aber auch ein wichtiges Mahnmal. Ich habe mich gefragt, wie die Menschen damals gelebt haben, was sie gefühlt haben, als diese Bombe explodierte. Es ist unvorstellbar.
Ein Ausflug in die Altstadt
Nach dem Friedenspark brauchte ich dringend etwas Ablenkung. Also bin ich in die Altstadt gegangen, nach Hondori. Ein lebendiges Viertel mit vielen kleinen Geschäften und Restaurants. Dort konnte man wenigstens noch lachen und das normale Leben beobachten. Ich habe mir eine Art Reisteigwaren-Pfanne gegönnt, war aber etwas enttäuscht. Schmeckte irgendwie nach nichts. Wahrscheinlich bin ich zu sehr auf die deutsche Küche eingestellt.
Ich habe versucht, mich mit den Einheimischen zu unterhalten, aber das war schwierig. Mein Kauderwelsch-Japanisch reichte einfach nicht aus. Ich habe dann auf Zeichensprache zurückgegriffen, was zu einigen amüsanten Situationen führte. Einmal habe ich versucht, nach der Toilette zu fragen, aber ich habe versehentlich gesagt, dass ich einen Elefanten sehen will. Der Verkäufer hat mich verdutzt angeschaut.
Die Herausforderungen des öffentlichen Nahverkehrs
Der öffentliche Nahverkehr hier ist… effizient. Ja, ich weiß, ich habe das schon gesagt. Aber es ist wirklich so. Die Züge und Busse fahren pünktlich und sind sauber. Allerdings ist es auch kompliziert. Die Liniennetze sind riesig, und die Schilder sind alle auf Japanisch. Ich habe mich ein paar Mal verlaufen, aber zum Glück waren immer freundliche Menschen da, die mir den Weg gezeigt haben.
Einmal habe ich versucht, mit dem Bus zu fahren, aber ich hatte Probleme, den richtigen zu finden. Ich stand eine ganze Weile an der Bushaltestelle und starrte auf die Fahrpläne. Schließlich hat mir ein junger Mann geholfen. Er konnte kein Deutsch, aber er hat mir auf seinem Smartphone die richtige Linie gezeigt. Ich war ihm sehr dankbar. Allerdings war der Bus dann so voll, dass ich mich an einen Pfosten klammern musste, um nicht zu stürzen. Das war nicht gerade komfortabel.
Ein unerwarteter Fund
Ich bin dann noch durch das Viertel Okonomimura geschlendert, eine Art Food-Court, wo man Okonomiyaki essen kann. Das ist eine Art japanischer Pfannkuchen mit verschiedenen Zutaten. Ich habe mir eine vegetarische Variante bestellt und war begeistert. Endlich mal ein Gericht, das richtig gut geschmeckt hat. Ich habe dann noch einen kleinen Sake dazu getrunken. Das war ein schöner Abend.
Auf dem Rückweg zu meinem Hotel bin ich noch an einem kleinen Tempel vorbeigekommen. Ich bin hineingegangen und habe ein paar Fotos gemacht. Die Atmosphäre war friedlich und ruhig. Ich habe mich gefragt, wie viele Menschen hier im Laufe der Jahre beten und meditieren. Es war ein schöner Abschluss des Tages.
Die Tage in Hiroshima waren intensiv und nachdenklich stimmend, doch sie haben mir auch gezeigt, dass das Leben weitergeht und dass es immer Gründe gibt, optimistisch in die Zukunft zu blicken, und so kehre ich nun mit vielen Eindrücken und Gedanken nach Hause zurück, um diese Reise zu verdauen und die Erinnerungen an Hiroshima für immer zu bewahren.
Nach ein paar Tagen in Hiroshima ging es dann auch schon wieder zurück zum Flughafen. Ich muss sagen, die Japaner sind schon ein komisches Völkchen. Immer höflich, immer freundlich, aber manchmal auch so unheimlich distanziert. Manchmal hatte ich das Gefühl, ich bin ein Geist, den sie kaum wahrnehmen. Aber was soll’s, ich bin ja auch nur ein alter Mann mit einem Koffer voller Erinnerungen.
Rückblick und Erkenntnisse
Die Reise nach Hiroshima war… intensiv. Nicht gerade ein Urlaub im klassischen Sinne, aber eine Erfahrung, die ich so schnell nicht vergessen werde. Ich habe viel über die Geschichte gelernt, über die Schrecken des Krieges und über die Bedeutung des Friedens. Und ich habe gelernt, dass man auch mit einem kleinen Budget und viel Humor die Welt entdecken kann.
Ich muss zugeben, am Anfang war ich skeptisch. Hiroshima ist nicht gerade das typische Urlaubsziel für einen Rentner. Aber ich wollte Martha eine Art Versprechen einhalten und mich mit diesem dunklen Kapitel der Geschichte auseinandersetzen. Und ich bin froh, dass ich es getan habe. Es war nicht einfach, aber es war lohnend.
Die kleinen Freuden
Neben den historischen Stätten und den Gedenkstätten habe ich auch die kleinen Freuden des Alltags genossen. Das Essen, die Menschen, die Atmosphäre. Ich habe mich in die japanische Kultur verliebt, auch wenn ich sie nicht immer ganz verstanden habe. Ich habe gelernt, dass man auch ohne viele Worte und Gesten kommunizieren kann. Und ich habe gelernt, dass man auch mit einem kleinen Budget gut leben kann.
Besonders gut hat mir das Okonomiyaki geschmeckt, diese Art von japanischem Pfannkuchen. Ich habe ihn in einem kleinen Restaurant in Okonomimura gegessen, einem Viertel voller Köche und Essensstände. Es war ein Fest für den Gaumen und eine Freude für das Auge. Und ich habe gelernt, dass man auch in Japan gutes Essen finden kann, auch wenn es nicht immer ganz billig ist.
Ein paar Tipps für angehende Japan-Reisende
Wenn ich jemandem eine Reise nach Japan empfehlen würde, dann hätte ich ein paar Tipps parat. Erstens: Packt bequeme Schuhe ein. Ihr werdet viel laufen. Zweitens: Lernt ein paar grundlegende japanische Wörter und Sätze. Es wird euch helfen, mit den Einheimischen zu kommunizieren. Und drittens: Seid offen für neue Erfahrungen. Japan ist ein Land voller Überraschungen.
Und noch ein Tipp: Vergesst nicht eure Reiseversicherung. Man weiß ja nie, was passieren kann. Ich hatte zum Glück keine Probleme, aber ich habe gehört, dass es in Japan schon einige Touristen erwischt hat. Und noch ein Tipp: Seid geduldig. Die Japaner sind zwar sehr hilfsbereit, aber sie sprechen nicht immer gut Englisch. Und noch ein Tipp: Seid respektvoll. Die japanische Kultur ist anders als unsere, und man sollte sie respektieren.
So, das war’s dann auch schon. Ich bin müde und erschöpft, aber glücklich und zufrieden. Ich habe viel erlebt und gelernt, und ich werde diese Reise nie vergessen. Und jetzt gehe ich erst mal ein Nickerchen machen. Vielleicht träume ich ja von Okonomiyaki.
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