Europa - Ungarn - Budapest

Reisebericht Europa - Ungarn - Budapest

Der Geruch von gebackenem Gebäck und starkem Kaffee hing in der Luft, vermischt mit dem leisen Brummen der Straßenbahnen. Ich stand gerade aus dem Zug gestiegen, am Keleti pályaudvar in Budapest. Es war Mitte September, die Sonne schien warm, aber es lag schon ein Hauch von Herbst in der Luft. Ich hatte mir extra einen Platz am Fenster gesucht, um schon während der Fahrt einen ersten Eindruck von der Landschaft zu bekommen. Die ungarische Tiefebene war überraschend grün, unterbrochen von kleinen Dörfern und Feldern. Und jetzt, hier in Budapest, war alles viel lebendiger, als ich es mir vorgestellt hatte.

Warum Budapest?

Ich studiere Geschichte im fünften Semester, Schwerpunkt Osteuropa. Ungarn ist ein Land, das mich schon lange fasziniert. Nicht nur wegen seiner bewegten Geschichte, sondern auch wegen der kulturellen Vielfalt. Die Habsburger, die Türken, die Sowjets – alle haben ihre Spuren hinterlassen. Und genau das wollte ich sehen, spüren, verstehen. Ich wollte nicht nur in Geschichtsbüchern lesen, sondern die Geschichte mit eigenen Augen erleben. Budapest ist da natürlich perfekt. Eine Stadt, die auf beiden Seiten der Donau liegt, mit einer beeindruckenden Architektur, die von verschiedenen Epochen geprägt ist.

Erste Orientierung

Ich hatte mir ein kleines Apartment in Pest gemietet, nicht weit vom Stadtzentrum entfernt. Die Gegend war lebendig, aber nicht zu touristisch. Kleine Cafés, Bäckereien, Lebensmittelläden – alles, was man zum Leben braucht. Ich ließ mein Gepäck fallen und machte mich sofort auf den Weg, um die Umgebung zu erkunden. Die Straßen waren voller Menschen, Touristen und Einheimische. Es gab Straßenmusiker, die ungarische Volkslieder spielten, und Verkäufer, die Souvenirs anboten. Ich kaufte mir einen *kürtőskalács*, ein traditionelles ungarisches Gebäck, das über offenem Feuer gebacken wird. Es roch unglaublich lecker und schmeckte noch besser.

Die Donau als Lebensader

Ich ging dann zum Ufer der Donau. Die Brücken, die über den Fluss führen, sind beeindruckend. Besonders die Kettenbrücke ist ein Wahrzeichen der Stadt. Ich stand lange dort und beobachtete das Treiben auf dem Wasser. Es gab Ausflugsschiffe, Partyboote und sogar Kajaks. Die Donau ist wirklich die Lebensader der Stadt. Sie teilt Budapest in zwei Teile: Pest und Buda. Buda ist der Hügelteil mit der Burg, während Pest der flache Teil mit den meisten Geschäften und Restaurants ist.

Der Schatten der Geschichte

Aber Budapest ist nicht nur eine schöne Stadt. Sie hat auch eine dunkle Seite. Die Narben des Zweiten Weltkriegs sind noch immer sichtbar. Viele Gebäude wurden zerstört und wieder aufgebaut, aber die Erinnerung an die Opfer ist noch lebendig. Auch die Zeit unter der sowjetischen Herrschaft hat ihre Spuren hinterlassen. Ich besuchte das Haus des Terrors, ein Museum, das an die Verbrechen des NS-Regimes und des kommunistischen Regimes erinnert. Es war eine erschütternde Erfahrung, aber auch eine wichtige Erinnerung daran, dass wir aus der Geschichte lernen müssen.

Erste Begegnungen

Ich hatte vor der Reise versucht, ein paar Brocken Ungarisch zu lernen, aber es war nicht einfach. Die Sprache ist ganz anders als Deutsch oder Englisch. Aber die Leute waren sehr freundlich und hilfsbereit. Sie versuchten, mein holpriges Ungarisch zu verstehen, und wenn das nicht klappte, wechselten sie auf Englisch. Ich kam mit einigen Einheimischen ins Gespräch und erfuhr viel über das Leben in Budapest. Sie erzählten mir von ihren Traditionen, ihren Sorgen und ihren Hoffnungen. Es war schön, die Stadt nicht nur als Tourist, sondern auch als Mensch zu erleben.
Die ersten paar Stunden in Budapest haben mich tief beeindruckt. Die Stadt ist voller Kontraste, voller Schönheit und voller Geschichte. Ich habe das Gefühl, dass ich hier noch viel entdecken werde, und ich bin gespannt darauf, mehr über dieses faszinierende Land zu erfahren. Es war ein guter erster Tag, und ich freue mich darauf, die kommenden Tage damit zu verbringen, tiefer in das Herz und die Seele Budapests einzutauchen, um die vielen Facetten dieser Stadt zu erkunden, die hinter den ersten Eindrücken verborgen liegen.

Jüdisches Viertel: Mehr als nur Ruinen

Am nächsten Tag beschloss ich, das jüdische Viertel zu erkunden. Ich hatte viel über die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Budapest gelesen und wollte mir ein eigenes Bild machen. Es ist ein Gebiet, das stark unter dem Zweiten Weltkrieg und der kommunistischen Herrschaft gelitten hat, aber in den letzten Jahren eine Renaissance erlebt. Die Synagogen sind beeindruckend, besonders die Große Synagoge, die größte in Europa. Aber was mich wirklich fasziniert hat, waren die Ruinenbars. Das sind Bars, die in alten, verlassenen Gebäuden eingerichtet wurden. Sie sind oft mit Flohmarkt-Möbeln und Kunstwerken dekoriert und haben eine ganz besondere Atmosphäre. Ich landete in Szimpla Kert, einer der bekanntesten Ruinenbars. Es war voll, laut und ein bisschen chaotisch, aber es hat mir gefallen. Ich saß an einem alten Küchentisch, trank ein ungarisches Bier und beobachtete die Leute. Es war ein guter Ort, um die Seele Budapests zu spüren.

Budaer Burg: Auf den Spuren der Habsburger

Natürlich durfte ich auch die Budaer Burg nicht verpassen. Ich nahm die Standseilbahn hoch, um die Aussicht zu genießen. Die Burg ist riesig und umfasst mehrere Museen, Kirchen und Paläste. Ich besuchte das Ungarische Nationalmuseum und erfuhr viel über die Geschichte des Landes. Aber was mich am meisten beeindruckt hat, war die Matthiaskirche. Sie ist eine wunderschöne gotische Kirche mit einem bunten Dach und einem beeindruckenden Innenraum. Ich saß lange dort und betrachtete die Glasfenster und die Statuen. Danach spazierte ich durch die Gärten der Burg und genoss die Aussicht auf die Donau und Pest. Es war ein ruhiger Ort, um dem Trubel der Stadt zu entfliehen. Ich versuchte, mir vorzustellen, wie die Habsburger hier gelebt haben, und wie sie das Schicksal Ungarns beeinflusst haben.

Kleine Pannen und ungarische Gastfreundschaft

An einem Nachmittag wollte ich mit der Straßenbahn zu einem kleinen Café außerhalb des Stadtzentrums fahren. Ich hatte mir die Route auf meinem Handy angeschaut und war mir ziemlich sicher, dass ich die richtige Bahn nehmen würde. Aber ich stieg an der falschen Haltestelle aus und landete in einem Wohngebiet, das meilenweit von meinem Ziel entfernt war. Ich war ziemlich frustriert und wusste nicht, wie ich wieder zurückkommen sollte. Zum Glück sprach eine ältere Dame, die mich beobachtet hatte, Englisch. Sie erklärte mir den Weg und begleitete mich sogar zur nächsten Haltestelle. Sie erzählte mir, dass sie früher als Lehrerin gearbeitet hatte und dass sie es gerne tat, anderen zu helfen. Ihre Gastfreundschaft hat mich sehr berührt. Es ist diese Art von Begegnung, die eine Reise wirklich besonders macht.

Markthalle: Aromen und Farben

Die Große Markthalle war ein Fest für die Sinne. Überall waren Stände mit frischem Obst, Gemüse, Fleisch, Käse und Gewürzen. Ich probierte verschiedene ungarische Spezialitäten, wie Langos (ein frittiertes Brot mit Knoblauch und Sauerrahm) und Paprikawurst. Die Aromen und Farben waren überwältigend. Ich kaufte ein paar Souvenirs für meine Familie und Freunde. Aber was mich am meisten beeindruckt hat, waren die alten Damen, die an den Ständen saßen und ihre Waren verkauften. Sie waren alle sehr freundlich und gesprächig. Ich unterhielt mich mit einer von ihnen über die ungarische Küche und die Traditionen des Landes. Sie erzählte mir, dass sie schon seit über 50 Jahren auf dem Markt arbeitete und dass sie es liebte, mit den Menschen in Kontakt zu treten.
Nach einer Woche in Budapest hatte ich das Gefühl, die Stadt ein bisschen besser kennengelernt zu haben. Es ist eine Stadt voller Geschichte, Kultur und Gastfreundschaft. Aber es ist auch eine Stadt, die noch viele Geheimnisse birgt. Ich verließ Budapest mit dem Gefühl, dass dies nicht meine letzte Reise nach Ungarn sein würde, denn die Mischung aus Vergangenheit und Gegenwart, die ich hier erlebt habe, hat in mir den Wunsch nach weiteren Erkundungen geweckt.

Die letzten Tage in Budapest vergingen wie im Flug. Ich saß oft in kleinen Cafés, beobachtete die Leute und versuchte, die Atmosphäre der Stadt aufzusaugen. Es ist eine Stadt, die mich tief beeindruckt hat, nicht nur wegen ihrer historischen Sehenswürdigkeiten, sondern auch wegen ihrer lebendigen Kultur und ihrer freundlichen Menschen.


Ich habe viel über die Geschichte Ungarns gelernt, über die Habsburger, die Türken, die Sowjets und die schwierigen Zeiten, die das Land durchgemacht hat. Aber ich habe auch gelernt, dass Ungarn ein Land mit einer starken Identität und einer reichen Kultur ist. Die Musik, die Kunst, die Architektur – all das zeugt von der Kreativität und dem Stolz der ungarischen Bevölkerung.


Die Budaer Burg aus neuer Perspektive

Ich kehrte noch einmal zur Budaer Burg zurück, diesmal aber nicht als Tourist, sondern als jemand, der die Geschichte des Ortes besser versteht. Ich stellte mir vor, wie die Könige und Kaiser hier gelebt haben, wie sie Entscheidungen getroffen haben, die das Schicksal des Landes beeinflusst haben. Es war eine bewegende Erfahrung, die mir die Vergangenheit näher gebracht hat.


Jüdisches Viertel: Mehr als nur Ruinenbars

Das jüdische Viertel hat mich besonders berührt. Die Synagogen sind beeindruckend, aber was mich wirklich fasziniert hat, waren die Geschichten der Menschen, die hier gelebt haben und gelitten haben. Die Ruinenbars sind ein Symbol für die Wiedergeburt des Viertels, aber sie dürfen nicht vergessen lassen, dass hier einst eine blühende jüdische Gemeinde existierte, die fast vollständig ausgelöscht wurde.


Kulinarische Entdeckungen

Ich habe auch die ungarische Küche entdeckt, mit ihren herzhaften Gerichten und ihren süßen Desserts. Gulasch, Langos, Kürtőskalács – alles lecker! Aber was mir am besten geschmeckt hat, war die Gastfreundschaft der Menschen, die mir immer gerne Tipps gegeben und mir ihre Lieblingsrestaurants empfohlen haben.


Empfehlungen für andere Reisende

Wenn du Budapest besuchst, solltest du unbedingt die Budaer Burg, das jüdische Viertel und die Große Markthalle besichtigen. Nimm dir Zeit, um die Stadt zu Fuß zu erkunden, um die kleinen Cafés und Läden zu entdecken und um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Und vergiss nicht, die ungarische Küche zu probieren!


Ein Tipp: Wenn du dich für Geschichte interessierst, solltest du das Haus des Terrors besuchen. Es ist ein erschütterndes Museum, aber es ist wichtig, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, um aus ihr zu lernen. Und wenn du ein bisschen Zeit hast, solltest du einen Ausflug zum Balaton machen, dem größten See Mittel-Europas. Er ist ein beliebtes Urlaubsziel für Einheimische und Touristen und bietet viele Möglichkeiten zum Baden, Segeln und Wandern.


Ich verlasse Budapest mit einem Koffer voller Erinnerungen und einem Herzen voller Dankbarkeit. Diese Reise hat mir viel bedeutet und ich hoffe, bald wiederzukommen, um noch mehr von diesem faszinierenden Land zu entdecken.

    👤 Alleinerziehende Mutter (35) mit einem Teenager (15) ✍️ sarkastisch und ironisch