Europa - Griechenland - Mykonos

Licht und Schatten auf Mykonos

Der salzige Wind peitschte mir ins Gesicht, vermischt mit dem Geruch von Sonnencreme und irgendwelchen frittierten Leckereien. Ich stand also da, am Flughafen Mykonos, völlig überwältigt von der Hitze und dem Trubel. Um mich herum ein buntes Gemisch aus Touristen, die mit riesigen Koffern kämpften, und Einheimischen, die lässig durch das Chaos schlenderten. War das schon der berühmte griechische Sommer, von dem ich so lange geträumt hatte?

Ein langer Weg zur Ägäis

Eigentlich hatte ich gar nicht geplant, nach Griechenland zu reisen. Ich war eher der Typ für abgelegene Naturlandschaften, für die Tierwelt Afrikas oder die eisigen Weiten Kanadas. Meine Kamera und ich, wir sind ein Team, das darauf spezialisiert ist, die Schönheit der Wildnis einzufangen. Aber meine Freundin, Lena, hat mich überredet. Sie ist Lehrerin und hatte während ihrer Erasmus-Zeit in Athen eine Art Verliebtsein mit Griechenland entwickelt. "Du musst es sehen, es ist nicht nur die Geschichte, es ist das Licht!", hatte sie gesagt. Und da sie mich mit ihrem Enthusiasmus angesteckt hatte, hatte ich zugesagt.

Nun, hier war ich also. Mit meiner Ausrüstung, die gefühlt mein halbes Leben wiegt, und einer vagen Vorstellung davon, was mich erwarten würde. Ich hatte mir vorgenommen, nicht nur die typischen Postkartenmotive einzufangen, sondern auch das authentische Griechenland, die kleinen Geschichten hinter den Fassaden. Und natürlich die Tierwelt – ich hatte gehört, dass es auf den Inseln eine überraschende Vielfalt an Vögeln und Meeresbewohnern gibt.

Erste Schritte in Mykonos-Stadt

Nachdem ich mein Gepäck eingesammelt und ein Taxi erwischt hatte, ging es Richtung Mykonos-Stadt, auch Chora genannt. Die Fahrt war schon ein Erlebnis für sich. Schmale, kurvenreiche Straßen, vorbei an weiß getünchten Häusern mit blauen Fensterläden, und immer wieder dieser atemberaubende Blick aufs Meer. Die Stadt selbst war noch lebendiger als am Flughafen. Ein Labyrinth aus engen Gassen, gefüllt mit Souvenirläden, Tavernen und Bars. Überall Menschen, die flanierten, lachten und sich unterhielten.

Ich checkte in mein kleines Hotel ein, das etwas abseits vom Trubel lag. Ein einfacher, aber sauberes Zimmer mit einem Balkon, der einen herrlichen Blick auf die Ägäis bot. Sofort griff ich zur Kamera und machte ein paar erste Aufnahmen. Das Licht war unglaublich, golden und weich, und es schien, als würde alles in einem warmen Schein baden.

Nach einer kurzen Verschnaufpause ging ich auf Erkundungstour. Ich schlenderte durch die Gassen, vorbei an den berühmten Windmühlen, die sich majestätisch über die Stadt erhoben. Ich entdeckte kleine, versteckte Kirchen mit ihren leuchtenden Kuppeln und ihren bunten Ikonen. Ich beobachtete die Fischer, die ihre Boote am Hafen vorbereiteten, und die alten Männer, die auf ihren Bänken saßen und Karten spielten.

Mehr als nur Postkartenmotive

Es war faszinierend, zu sehen, wie sich das traditionelle Griechenland mit dem modernen Tourismus vermischte. Überall gab es schicke Boutiquen und luxuriöse Hotels, aber auch kleine, authentische Tavernen, in denen die Einheimischen ihre Mahlzeiten einnahmen. Ich versuchte, beides einzufangen, die Pracht und den Charme, die Kontraste und die Gemeinsamkeiten.

Am Abend fand ich eine kleine Taverne, die etwas abseits vom Trubel lag. Ich setzte mich an einen Tisch und bestellte ein Glas lokalen Wein und einen griechischen Salat. Die Besitzerin, eine freundliche ältere Dame, sprach kaum Englisch, aber wir verstanden uns trotzdem. Sie erzählte mir von ihrem Leben auf Mykonos, von den Traditionen und Bräuchen, von den Herausforderungen und Freuden des Insellebens. Es war ein wunderschöner Moment, ein echtes, authentisches Erlebnis.

Die Sonne ging langsam unter, und der Himmel färbte sich in den schönsten Farben. Ich stand auf dem Balkon meines Hotels und blickte aufs Meer. Der Wind wehte sanft, und die Wellen rauschten leise. Ich spürte, wie sich eine tiefe Ruhe in mir ausbreitete. Ich war angekommen, mitten im griechischen Sommer, und ich freute mich darauf, die Insel mit meiner Kamera zu erkunden und ihre Geschichten einzufangen. Aber diese ersten Eindrücke ließen mich ahnen, dass Mykonos weit mehr zu bieten hatte, als nur glitzerndes Meer und weiße Häuser.

Abseits der Postkartenidylle

Am nächsten Morgen beschloss ich, mich abseits der ausgetretenen Pfade zu bewegen. Die kleinen Gassen von Mykonos-Stadt waren zwar wunderschön, aber ich wollte das „echte“ Leben auf der Insel spüren. Also mietete ich einen kleinen Roller und machte mich auf den Weg nach Ano Mera, einem traditionellen Dorf im Inselinneren.

Die Fahrt dorthin war schon ein Abenteuer für sich. Die Straßen waren schmal und kurvenreich, und es ging steil bergauf. Aber die Aussicht entschädigte für alle Mühen. Überall grüne Hügel, Olivenhaine und Weinberge. Und immer wieder dieser Blick aufs Meer.

Ano Mera: Ein Hauch von Authentizität

Ano Mera war eine Offenbarung. Ein friedliches, beschauliches Dorf, in dem die Zeit langsamer zu vergehen schien. Keine Touristenmassen, keine schicken Boutiquen, sondern kleine, traditionelle Häuser, gemütliche Tavernen und eine lebendige Dorfgemeinschaft. Ich parkte meinen Roller am Dorfplatz und begann, die Gassen zu erkunden.

Ich entdeckte die Panagia Tourliani, eine wunderschöne Klosterkirche, die für ihre beeindruckende Ikonostase und ihre kunstvollen Holzschnitzereien bekannt ist. Ich verbrachte eine Weile damit, die Kirche zu besichtigen und die Atmosphäre zu genießen. Es war ein Ort der Ruhe und Besinnung, weit entfernt vom Trubel der Stadt.

In einer kleinen Taverne am Dorfplatz bestellte ich ein Mittagessen. Die Wirtin, eine freundliche Dame mit einem breiten Lächeln, sprach kaum Englisch, aber wir verstanden uns trotzdem. Ich aß Moussaka, ein traditionelles griechisches Gericht, und trank lokalen Wein. Es war unglaublich lecker. Und während ich aß, beobachtete ich das Dorfleben. Die alten Männer, die auf ihren Bänken saßen und Karten spielten, die Frauen, die ihre Wäsche aufhingen, die Kinder, die auf der Straße spielten. Es war ein authentisches, ungeschöntes Bild des griechischen Lebens.

Ein unglücklicher Zwischenfall in Paraportiani

Am nächsten Tag wollte ich unbedingt die Paraportiani, eine Gruppe von fünf miteinander verbundenen Kirchen, fotografieren. Sie ist wohl das bekannteste Wahrzeichen von Mykonos und steht auf einem kleinen Hügel oberhalb der Stadt. Ich hatte mich vorher über die besten Lichtverhältnisse informiert und wollte am frühen Morgen dort sein.

Alles lief nach Plan, bis ich versuchte, einen besonders schönen Blickwinkel zu erreichen. Ich kletterte auf einen kleinen Felsen, um die Kirchen besser zu fotografieren, und plötzlich verlor ich den Halt. Ich stürzte und landete unsanft im Sand. Zum Glück ging es mir nicht schlimm, aber meine Kamera war nicht so glücklich. Das Objektiv war beschädigt. Ich war fassungslos. Das war eine teure Angelegenheit, und ich war mitten in meiner Reise.

Nachdem ich mich beruhigt hatte, untersuchte ich den Schaden. Das Objektiv war nicht mehr zu retten. Ich musste es reparieren lassen oder ein neues kaufen. Das war ein echter Rückschlag. Ich verbrachte den Rest des Tages damit, nach einer geeigneten Werkstatt zu suchen und mich über die Kosten zu informieren.

Aber trotz des Vorfalls ließ ich mich nicht entmutigen. Ich wusste, dass ich die Reise fortsetzen musste. Ich würde eine Lösung finden, und ich würde weiterhin die Schönheit von Mykonos mit meiner Kamera festhalten – notfalls mit einem geliehenen Objektiv. Denn diese Insel, mit all ihren Facetten, hatte mich bereits in ihren Bann gezogen.

Trotz kleiner Pannen und unvorhergesehener Ereignisse begann ich zu verstehen, dass Mykonos mehr zu bieten hatte, als nur glitzerndes Meer und weiße Häuser – es war ein Ort, der das Herz berührte und die Seele befreite, und ich war bereit, mich ihm ganz hinzugeben, bevor ich mich auf den Weg machte, um die restlichen griechischen Inseln zu erkunden.

Die Reparatur meines Objektivs zog sich länger hin als erwartet. Ich verbrachte fast einen ganzen Tag damit, Werkstätten abzuklappern und Preise zu vergleichen. Am Ende fand ich eine kleine, unscheinbare Werkstatt in Ano Mera, die sich auf die Reparatur von Kameras spezialisiert hatte. Der Besitzer, ein älterer Mann mit erfahrenen Händen, versprach, das Objektiv innerhalb von zwei Tagen zu reparieren. Ich war erleichtert.

Zeit für einen Perspektivenwechsel

Die Wartezeit nutzte ich, um die Insel noch einmal anders zu betrachten. Ich mietete ein kleines Boot und machte mich auf den Weg, um die Küste von Mykonos zu erkunden. Das glitzernde türkisfarbene Wasser, die versteckten Buchten und die zerklüfteten Felsen waren atemberaubend. Ich fotografierte die Landschaft aus allen möglichen Perspektiven, vom Meer aus, von oben aus, aus der Nähe und aus der Ferne. Es war eine wunderbare Erfahrung.

Ein Tag in Little Venice

Einen Tag verbrachte ich in Little Venice, einem malerischen Viertel von Mykonos-Stadt. Die bunten Häuser, die direkt am Wasser stehen, sind ein beliebtes Fotomotiv. Ich saß in einem der vielen Cafés und beobachtete das Treiben. Der Wind wehte sanft, und die Wellen schlugen an die Mauern. Es war ein friedlicher Moment.

Tierbeobachtungen

Ich hatte gehofft, auf Mykonos einige interessante Tierarten zu entdecken, und ich wurde nicht enttäuscht. Ich beobachtete zahlreiche Seevögel, darunter Möwen, Pelikane und Kormorane. In den Buchten entdeckte ich kleine Fische und Krebse. Und einmal hatte ich sogar das Glück, eine Meeresschildkröte beim Schwimmen zu sehen. Es war ein unvergesslicher Moment.

Fazit: Mehr als nur ein Postkartenmotiv

Nach zwei Wochen auf Mykonos war es Zeit, weiterzuziehen. Ich hatte viele schöne Erfahrungen gemacht und unzählige Fotos geschossen. Aber ich hatte auch gelernt, dass Mykonos mehr ist als nur ein Postkartenmotiv. Es ist eine Insel mit einer reichen Geschichte, einer lebendigen Kultur und einer atemberaubenden Natur. Es ist ein Ort, der das Herz berührt und die Seele befreit.

Ich bin dankbar für die Zeit, die ich auf Mykonos verbringen durfte. Ich habe viele neue Freunde kennengelernt, unvergessliche Momente erlebt und meine fotografischen Fähigkeiten verbessert. Und ich werde die Insel nie vergessen.

Wenn ich jemandem raten sollte, nach Mykonos zu reisen, würde ich ihm sagen: „Geh nicht nur auf der Suche nach dem perfekten Strand oder dem perfekten Sonnenuntergang. Tauche ein in die Kultur, sprich mit den Einheimischen, entdecke die versteckten Winkel der Insel. Und lass dich von der Schönheit und der Magie von Mykonos verzaubern.“

    • Panagia Tourliani (Klosterkirche in Ano Mera)
    • Little Venice (malerisches Viertel in Mykonos-Stadt)
    • Ano Mera (traditionelles Dorf im Inselinneren)
👤 Fotograf (35) der atemberaubende Landschaften und Tierwelt dokumentieren möchte ✍️ interaktiv und dialogorientiert