Namibia: Stille und Weite
Erste Orientierung
Das Hotel ist, wie erwartet, tadellos. Modern, minimalistisch, mit Blick auf die Stadt. Ich ignoriere bewusst die Broschüren für Safari-Touren, die bereits auf dem Empfangstisch liegen. Dafür komme ich später. Jetzt brauche ich erst einmal einen guten Espresso und etwas Zeit, um anzukommen. Ich reise viel. Geschäftsreisen, meist. Aber in den letzten Jahren habe ich versucht, das zu kombinieren. Ein paar Tage Arbeit, gefolgt von ein paar Tagen, die ich mir selbst gönne. Namibia stand schon lange auf meiner Liste. Nicht, weil ich unbedingt wilde Tiere sehen wollte – das ist nicht mein Hauptantrieb. Ich war neugierig auf die Weite, die Kargheit, die besonderen Lichtverhältnisse, von denen ich so viel gelesen habe. Und natürlich, auf die Küche. Man sagt, Namibia habe eine interessante Mischung aus deutschen, afrikanischen und portugiesischen Einflüssen. Das wollte ich überprüfen.Hintergrund der Reise
Eigentlich sollte ich mit meiner Frau kommen. Wir hatten alles gebucht, Monate im Voraus. Dann kam dieses Projekt in New York, kurzfristig, unaufschiebbar. Sie sagte, ich solle trotzdem gehen. "Du brauchst das", sagte sie. "Und ich kann jederzeit nachkommen, wenn es dir gefällt." Es war eine Geste, die ich sehr schätzte. Wir sind seit über 30 Jahren zusammen. Wir verstehen einander gut. Manchmal brauchen wir einfach etwas Raum, um uns selbst zu sein. Ich habe mich entschieden, die Reise alleine anzutreten, um die Möglichkeit zu haben, meine eigenen Interessen zu verfolgen. Keine Kompromisse, keine Diskussionen über die Route oder die Aktivitäten. Einfach nur das tun, was ich will, wann ich will. Es ist ein Luxus, den ich mir ab und zu gönne. Und es fühlt sich gut an.Die Stadt erkunden
Nach dem Espresso und einer kurzen Dusche verlasse ich das Hotel. Die Stadt ist ruhig, zumindest für afrikanische Verhältnisse. Es gibt einige Geschäfte, Cafés und Restaurants, aber keine Hektik, kein Chaos. Die Gebäude sind eine Mischung aus Kolonialstil und moderner Architektur. Man spürt die deutsche Vergangenheit, aber auch den afrikanischen Einfluss. Ich spaziere durch die Independence Avenue, die Hauptstraße der Stadt. Es gibt viele Souvenirläden, die Holzmasken, Schmuck und andere Handwerksarbeiten verkaufen. Ich interessiere mich nicht besonders dafür. Ich bin nicht der Typ für Souvenirs. Ich ziehe es vor, Erinnerungen zu sammeln, Erfahrungen zu machen.Erste kulinarische Eindrücke
Ich entscheide mich, in einem kleinen Restaurant zu Mittag zu essen, das ich online gefunden habe. „Joe’s Beerhouse“ steht auf dem Schild. Es sieht rustikal aus, ein bisschen wie ein bayerischer Biergarten, aber mit afrikanischem Flair. Ich bestelle ein Kudu-Steak, eine lokale Spezialität. Das Fleisch ist zart und saftig, gewürzt mit Kräutern und Gewürzen. Dazu ein Glas südafrikanischen Wein. Es schmeckt ausgezeichnet. Während ich esse, beobachte ich die anderen Gäste. Es sind Touristen, Geschäftsleute und Einheimische. Sie sitzen zusammen an langen Holztischen, lachen und unterhalten sich. Es ist eine entspannte Atmosphäre, ein Gefühl von Gemeinschaft. Ich fühle mich wohl, willkommen. Ich habe das Gefühl, dass diese Reise mehr sein wird, als nur eine Gelegenheit, eine neue Stadt und eine neue Kultur kennenzulernen. Es ist eine Gelegenheit, mich selbst neu zu entdecken, meine Prioritäten zu überdenken und neue Energie zu tanken. Die Weite der Landschaft, die Ruhe der Stadt und die Gastfreundschaft der Menschen haben mich bereits verzaubert. Ich bin gespannt, was die nächsten Tage bringen werden. Es liegt eine gewisse Erwartung in der Luft, die mich dazu einlädt, mich einfach treiben zu lassen und mich auf das Abenteuer einzulassen.Ich sitze am Pool zurück, die Sonne wärmt meine Haut. Der Gin Tonic schmeckt nach Freiheit. Es ist angenehm still hier, weit weg vom Büro, von Terminen, von Erwartungen.Durch die Altstadt
Am Nachmittag erkunde ich die Altstadt. Ein nettes Viertel mit bunten Häusern, kleinen Galerien und Cafés. Es ist nicht so poliert wie die moderne Innenstadt, sondern eher authentisch, ein bisschen rau, ein bisschen verwahrlost. Ich mag das. Ich treffe auf einen alten Mann, der vor seinem Laden sitzt und Holzmasken schnitzt. Er spricht kaum Englisch, aber wir verstehen uns trotzdem. Er zeigt mir seine Arbeit, erklärt mir die Bedeutung der verschiedenen Motive. Ich kaufe eine kleine Maske, nicht weil ich sie brauche, sondern weil ich ihn unterstützen möchte. Es ist eine Geste, die mir wichtig ist.Ein unerwarteter Zwischenfall
Ich verirre mich in den engen Gassen. Die Beschilderung ist mangelhaft, die Orientierung schwierig. Plötzlich werde ich von einem kleinen Jungen angerannt, der mir die Handtasche meiner Frau entreißt. Ich reagiere instinktiv, renne hinterher, packe ihn an der Schulter. Er lässt die Tasche fallen und flieht. Ich bin erschrocken, aber erleichtert, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Ich kontrolliere den Inhalt der Tasche. Alles ist noch da. Nur mein Portemonnaie fehlt. Ich seufze. Es ist ärgerlich, aber nicht unüberwindbar. Ich habe noch genug Bargeld dabei, um den Tag zu überstehen. Und ich habe eine gute Reiseversicherung.Kulinarische Entdeckungen
Am Abend gehe ich in ein Restaurant, das mir ein Einheimischer empfohlen hat. „The Stellenbosch Wine Bar & Bistro“. Es ist etwas außerhalb der Stadt, aber die Fahrt lohnt sich. Das Essen ist ausgezeichnet, die Weinkarte beeindruckend. Ich wähle ein Lammgericht mit südafrikanischem Rotwein. Es schmeckt himmlisch. Ich sitze auf der Terrasse und genieße die Aussicht auf die Stadt. Die Lichter glitzern in der Dunkelheit. Es ist ein friedlicher Moment, ein Moment der Ruhe und Entspannung. Ich fühle mich wohl, geborgen, zufrieden.Der Blick vom Tintenpalast Tags darauf steige ich auf den Tintenpalast, ein historisches Gebäude mit einem fantastischen Blick über die Stadt. Von hier oben kann ich die Weite der Landschaft erahnen, die Berge, die Wüsten, die unendliche Weite Afrikas. Es ist atemberaubend. Ich beobachte die Menschen unten, die ihr Leben leben, die arbeiten, lachen, streiten, lieben. Es ist ein faszinierendes Schauspiel, ein Spiegelbild der menschlichen Existenz. Ich spüre eine tiefe Verbundenheit mit diesem Land, mit diesen Menschen, mit dieser Kultur. Ich bin froh, dass ich diese Reise unternommen habe. Sie hat mir die Augen geöffnet, meinen Horizont erweitert, meine Seele bereichert. Der Abschied naht, und mit ihm die Erkenntnis, dass Namibia mehr ist als nur eine Destination – es ist ein Gefühl, das noch lange nachhallen wird.
Die letzten Tage sind fast vergangen. Ich sitze auf der Terrasse meines Zimmers, trinke einen letzten Espresso und blicke auf die Stadt hinunter. Es ist still hier, friedlich. Die Hitze des Tages hat nachgelassen, eine leichte Brise weht.
Rückblick
Ich bin nicht der Typ für actiongeladene Reisen. Ich brauche keine Abenteuer, keine Nervenkitzel. Ich suche die Ruhe, die Stille, die Möglichkeit, mich zu entspannen und neue Energie zu tanken. Namibia hat mir genau das gegeben. Die Weite der Landschaft, die Kargheit der Wüste, die Ruhe der Stadt – es hat etwas Magisches.
Es war nicht immer einfach. Der Diebstahl meiner Geldbörse war unangenehm, aber auch eine Lektion. Man muss immer wachsam sein, egal wo man sich befindet. Aber es hat mich nicht davon abgehalten, das Land zu genießen. Im Gegenteil, es hat mich gelehrt, die kleinen Dinge zu schätzen, die wirklich wichtig sind.
Kulinarische Entdeckungen und Empfehlungen
Das Essen hier war überraschend gut. Ich habe mich von der Mischung aus deutschen, afrikanischen und portugiesischen Einflüssen überraschen lassen. Besonders gut hat mir das Kudu-Steak im Joe’s Beerhouse geschmeckt, und das Lammgericht im Stellenbosch Wine Bar & Bistro war einfach himmlisch.
Wenn ich jemandem eine Reise nach Namibia empfehlen würde, würde ich ihm raten, sich Zeit zu nehmen. Nicht zu viel auf einmal sehen wollen, sondern sich einfach treiben lassen, die Landschaft genießen, die Menschen kennenlernen. Und unbedingt Joe’s Beerhouse besuchen, es ist ein Erlebnis für sich.
Ein Tipp für Nachtschwärmer
Für einen Drink am Abend empfehle ich die Dachterrasse des Hilton Hotels. Von dort hat man einen fantastischen Blick auf die Stadt.
Abschied und Ausblick
Ich verlasse Namibia mit einem Gefühl der Dankbarkeit. Ich bin froh, dass ich diese Reise unternommen habe. Sie hat mir die Augen geöffnet, meinen Horizont erweitert, meine Seele bereichert. Ich werde dieses Land nie vergessen.
Vielleicht komme ich eines Tages zurück. Dann möchte ich die Wüste erkunden, die Tierwelt beobachten, die Kultur noch tiefer kennenlernen. Aber im Moment reicht es mir, die Erinnerungen zu bewahren und die Ruhe mitzunehmen, die ich hier gefunden habe.
- Joe’s Beerhouse
- Stellenbosch Wine Bar & Bistro
- Windhoek (Altstadt)