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Ella: Gartenzwerge, Tee und die Suche nach innerer Ruhe

Der Geruch von Curry und Abgasen kitzelte in meiner Nase, bevor ich überhaupt richtig realisiert hatte, dass ich aus dem klimatisierten Flughafen Colombo trat. Ach ja, Sri Lanka. Das Land, das meine Tochter als „perfekt für entschwundene Gemütszustände“ beschrieben hatte. Ich nannte es eher „das Land, in das mich meine erwachsene Tochter verbannt hat, damit ich ihr nicht mehr ständig mit meinen Gartenzwergen-Sammler-Problemen auf die Nerven gehe.“ Aber wer zählte schon die Details?

Die Flucht vor dem Gartenzwerg-Diktat

Es war nicht so, dass ich gegen Gartenzwerge etwas hätte. Im Gegenteil. Ich schätzte ihre stoische Ruhe, ihre unerschütterliche Präsenz im grünen Reich meines Hinterhofs. Aber meine Tochter sah das anders. „Papa, du hast bald mehr Gartenzwerge als Garten! Das ist nicht mehr gesund!“ Gesagt von einem Menschen, der gerade eine Sammlung von 27 verschiedenen Sorten von Kaktus erworben hatte. Die Ironie. Also hatte ich mich, mit widerwilliger Zustimmung und einem Koffer voller Insektenschutzmittel, auf den Weg gemacht. Sri Lanka sollte meine Auszeit sein, meine digitale Entgiftung, meine Flucht vor der Gartenzwerg-Diktatur. Und natürlich, ganz nebenbei, ein Versuch, nicht mehr ständig von meiner Tochter mit Wellness-Broschüren bombardiert zu werden.

Der Bus nach Ella – Ein Abenteuer für Fortgeschrittene

Ich hatte mich für einen Bus nach Ella entschieden. Warum? Gute Frage. Vermutlich, weil ich ein masochistisches Verlangen danach hatte, meinen alten Knochen noch eine letzte Herausforderung zu stellen. Die Online-Reiseführer hatten es als „authentische Erfahrung“ bezeichnet. Ich nannte es „eine potenziell lebensgefährliche Prüfung meiner Überlebensinstinkte“. Der Bus war – sagen wir mal – lebendig. Eine bunte Mischung aus Hühnern, Reisepassagieren und einer erstaunlichen Anzahl von Plastiktüten. Das Fenster, das ich ergattert hatte, war teilweise blind von einer Art undefinierbarer Flecken bedeckt, was die Aussicht auf die vorbeiziehende Landschaft zu einem interessanten Ratespiel machte. Ich vermutete, dass es sich um die Überreste eines vergangenen Curry-Essens handelte. Oder vielleicht auch nicht.

Die Kunst des Überlebens im Bus

Die Fahrt war eine Meisterklasse in Sachen Körperbeherrschung. Jeder Schlag, jede Kurve, jeder abruptes Bremsen fühlte sich an wie eine Achterbahnfahrt im Dunkeln. Ich hatte gelernt, mich an den Sitz vor mir zu klammern, als wäre er meine letzte Rettung. Der Mann neben mir, ein freundlicher Herr mit einem beeindruckenden Schnurrbart, schien die Situation gelassen zu nehmen. Er kaute an Betelnuss und lächelte mich mitleidig an, als wäre ich ein hilfloses Kind. Ich versuchte, die Landschaft zu genießen, aber es war schwierig. Die Straße schlängelte sich durch dichten Dschungel und Teeplantagen, aber das meiste davon war durch die verschmutzten Fenster und meine angespannte Körperhaltung verdeckt. Hin und wieder erhaschte ich einen Blick auf Wasserfälle, die in die Tiefe stürzten, aber meistens sah ich nur grüne Flecken und die Rückseite der Köpfe meiner Mitreisenden.

Erste Eindrücke von Ella

Nach gefühlt zwanzig Stunden (oder waren es nur sieben?) erreichte der Bus endlich Ella. Ich stieg aus, mit steifen Gliedmaßen und einem Gesichtsausdruck, der vermutlich an einen verängstigten Hamster erinnerte. Ella war – überraschenderweise – hübsch. Eine kleine Stadt, eingebettet zwischen grünen Hügeln und Teeplantagen. Die Luft war frisch und klar, und das Rauschen des Wasserfalls, der in der Ferne zu hören war, beruhigte meine strapazierten Nerven. Ich fand ein kleines Gästehaus, das von einer freundlichen Familie geführt wurde, und checkte ein. Das Zimmer war einfach, aber sauber, und hatte einen Balkon mit Blick auf die Berge. Ich stand auf dem Balkon, atmete tief durch und betrachtete die Landschaft. Vielleicht, nur vielleicht, würde diese Reise doch noch etwas werden. Vielleicht würde ich sogar lernen, die Ruhe und Entspannung zu genießen, nach denen meine Tochter so dringend gerufen hatte. Aber zuerst brauchte ich eine Tasse Tee. Und eine gründliche Reinigung meiner Kleidung. Und vielleicht eine neue Wirbelsäule. Aber das wäre vermutlich etwas zu viel verlangt. Die ersten Tage verbrachte ich damit, die Umgebung zu erkunden – Wanderungen zu Teeplantagen, Besuche von Wasserfällen und Tempeln. Langsam, ganz langsam, begann ich, mich zu entspannen. Die Hektik des Alltags verblasste, und ich lernte, die einfachen Dinge zu schätzen. Aber eine Sache blieb: Ich vermisste meine Gartenzwerge.

Der Nine Arch Bridge Zirkus

Die Nine Arch Bridge. Jedes Reisebüro, jeder Blog, jede Instagram-Influencerin schien davon zu schwärmen. Also, was blieb mir anderes übrig, als mich ebenfalls dorthin zu begeben? Ich hatte mir im Vorfeld natürlich nicht die Mühe gemacht, mich über die besten Besuchszeiten zu informieren. Warum auch? Ich bin schließlich ein erfahrener Reisender, der das Chaos liebt. (Okay, vielleicht nicht *liebt*, aber zumindest akzeptiert.) Das Ergebnis? Ein Touristenauflauf, der an eine Wanderung der Massen erinnerte. Hunderte von Menschen, die sich gegenseitig über die Schultern blickten, Selfies machten und versuchten, den Zug zu filmen, bevor er verschwand. Ich versuchte, einen ruhigen Platz zu finden, um die Landschaft zu genießen, aber das war so erfolgreich wie der Versuch, einen trockenen Fleck während eines Monsunregens zu finden. Ich landete schließlich auf einem kleinen Felsvorsprung, von dem ich zumindest einen Teil der Brücke sehen konnte, ohne von einem Selfie-Stick attackiert zu werden. Der Zug kam tatsächlich – nach einer gefühlten Ewigkeit. Er rumpelte über die Brücke, während die Touristen wild drauf los knipsten. Ich, ehrlich gesagt, war mehr damit beschäftigt, nicht vom Fels zu stürzen. Es war ein Spektakel, ja, aber auch ein Beweis dafür, dass die Menschheit in der Lage ist, jede noch so schöne Naturlandschaft mit ihrer Anwesenheit zu ruinieren.

Ella Town – Zwischen Curry und Krimskrams

Der Hauptort von Ella war – sagen wir mal – lebendig. Eine lange Straße, gesäumt von Restaurants, Geschäften und Souvenirläden. Überall roch es nach Curry, Gewürzen und frischem Tee. Ich verbrachte Stunden damit, durch die Straßen zu schlendern, die bunten Läden zu erkunden und mich von den Gerüchen verführen zu lassen. Ich entdeckte einen kleinen Laden, der handgemachte Holzschnitzereien verkaufte. Es gab Elefanten, Löwen, Affen – die ganze Tierwelt Sri Lankas in Holzform. Ich kaufte einen kleinen Elefant als Andenken. Vermutlich würde er in meiner Wohnung neben meinen Gartenzwergen einen Ehrenplatz einnehmen. (Ja, ich hatte sie doch vermisst!) Allerdings war die Straße auch ein Paradies für Verkäufer, die mir ständig ihre Waren aufdrängen wollten. „Sir, very good price! Only for you!“ „Sir, beautiful silk scarf! Very cheap!“ Es war anstrengend, ständig abblocken zu müssen. Ich begann, den Blickkontakt zu vermeiden und in eine andere Richtung zu starren, als ob ich ein besonders interessantes Insekt entdeckt hätte.

Little Adam’s Peak – Der Aufstieg des alten Mannes

Little Adam’s Peak. Klingt harmlos, oder? Nun, für einen 60-jährigen mit leicht arthritischen Knien war es eine Herausforderung. Der Weg führte steil bergauf durch Teeplantagen und dichten Dschungel. Ich musste regelmäßig Pausen einlegen, um nach Luft zu schnappen und meine Beine zu massieren. Unterwegs begegnete ich einer Gruppe junger Backpacker, die mit Leichtigkeit den Berg hinaufschossen. Sie musterten mich mitleidig, als ob ich ein aussterbendes Fossil wäre. Ich lächelte zurück und dachte: „Ihr werdet auch noch 60!“ Der Aufstieg lohnte sich jedoch. Vom Gipfel hatte man einen atemberaubenden Blick über die umliegenden Berge und Täler. Ich setzte mich auf einen Felsen, atmete tief durch und genoss die Aussicht. Für einen Moment vergaß ich meine schmerzenden Glieder und meinen erschöpften Körper. Es war ein friedlicher Moment, der mir die Erinnerung an all die Strapazen wert war. Und vielleicht, nur vielleicht, begann ich, die Ruhe und Entspannung zu finden, nach denen ich gekommen war. Doch während ich dort saß und die Aussicht genoss, dämmerte mir eine Sache: Ich brauchte dringend ein neues Paar Wandersocken. Und vielleicht ein paar neue Knie. Und ganz sicher eine große Tasse Tee. Und am Ende dieser Reise, würde ich vielleicht doch noch ein kleines Fleckchen für ein paar Gartenzwerge in meinem Garten finden.

Der Monsunregen hatte sich zum Glück verzogen, als ich am nächsten Morgen aufwachte. Ich saß auf meinem Balkon, schlürfte einen viel zu süßen Tee und betrachtete die Teeplantagen, die sich bis zum Horizont erstreckten. Es war friedlich, ja, aber auch ein bisschen eintönig. Ich meine, man kann nur so lange Tee trinken und grüne Hügel anschauen, bevor einem langweilig wird. Ich brauchte Abwechslung. Ich brauchte… einen guten Buchladen.

Die Suche nach dem perfekten Souvenir (und einem Buchladen)

Ich verbrachte den Vormittag damit, die kleinen Läden in Ella Town zu erkunden. Es gab jede Menge Souvenirs: bunte Sarongs, hölzerne Elefanten, gewürzte Teesorten. Alles in allem sehr kitschig. Ich fand einen kleinen Laden, der handgemachte Keramik verkaufte, und kaufte eine kleine Schale als Andenken. Ich überlegte kurz, ob ich einen Gartenzwerg kaufen sollte, aber dann erinnerte ich mich daran, dass ich bereits genug davon hatte. (Meine Tochter würde stolz auf mich sein.) Der Buchladen, den ich suchte, blieb jedoch weiterhin ein Mysterium.

Rückblick: Was Ella wirklich zu bieten hat

Ella ist, um ehrlich zu sein, ein bisschen überbewertet. Es ist ein hübscher Ort, aber er ist voller Touristen. Die Preise sind hoch, und man muss sich durch eine Menschenmenge kämpfen, um irgendetwas zu sehen. Aber es hat auch seine guten Seiten. Die Landschaft ist atemberaubend, und die Menschen sind freundlich. Ich habe gelernt, die einfachen Dinge zu schätzen: einen guten Tee, eine friedliche Aussicht, ein bisschen Ruhe. Und ich habe gelernt, dass man auch mit 60 Jahren noch Abenteuer erleben kann. (Auch wenn diese Abenteuer manchmal nur darin bestehen, einen Berg hinaufzusteigen und nicht vom Fels zu stürzen.)

Empfehlungen für angehende Ella-Reisende

Wenn du nach Ella reist, hier ein paar Tipps:

  • Vermeide die Hauptsaison. Im Dezember und Januar ist es in Ella überfüllt. Wenn du Ruhe suchst, reise lieber in der Nebensaison.
  • Sei auf Regen vorbereitet. Ella liegt in einer Bergregion, und es kann jederzeit regnen. Nimm eine wasserdichte Jacke und ein Regenschirm mit.
  • Probiere den lokalen Curry. Das Essen in Sri Lanka ist köstlich. Probiere unbedingt das lokale Curry. Aber sei vorsichtig mit der Schärfe!
  • Sei nicht zu ehrgeizig. Ella ist ein Ort, an dem man sich entspannen und die Landschaft genießen sollte. Du musst nicht jeden Berg besteigen und jede Sehenswürdigkeit besuchen.

Und wenn du einen Buchladen findest, sag mir Bescheid. Ich brauche Lesestoff.

    • Nine Arch Bridge
    • Little Adam’s Peak
    • Ella Town
👤 Alleinreisender (60) der Ruhe und Entspannung sucht ✍️ sarkastisch und ironisch