Afrika - Tansania - Daressalam

Reisebericht Afrika - Tansania - Daressalam

Der Geruch von Nelken und Diesel hängt in der feuchten Luft, vermischt mit dem salzigen Hauch des Indischen Ozeans. Ich stehe am Julius Nyerere International Airport in Daressalam, die Hitze schlägt mir entgegen wie eine warme Decke. Es ist anders, viel anders, als alles, was ich bisher erlebt habe. Nicht nur das Klima, sondern eine Energie, die vibriert, ein Summen, das tief in der Brust spürbar ist.

Erste Eindrücke: Ein Wirbelwind der Sinne

Es ist nicht meine erste Reise nach Afrika. Vor ein paar Jahren war ich in Marokko, habe die Dünen der Sahara erlebt und die Aromen der Gewürzmärkte eingesaugt. Aber Tansania… Tansania fühlt sich an, als würde ich einen Schritt tiefer in etwas Uraltes, Ursprüngliches eintreten. Alles ist intensiver: die Farben, die Geräusche, die Gerüche. Selbst das Licht scheint hier anders zu fallen, wärmer, goldener. Ich bin Yoga-Lehrerin, seit etwa acht Jahren. Eigentlich habe ich BWL studiert, ein ganz anderes Leben geführt. Aber irgendwann, nach einem Burnout, habe ich alles hinter mir gelassen und mich meinen eigentlichen Leidenschaften zugewandt: Yoga, Meditation und das Reisen. Ich organisiere mittlerweile Yoga-Retreats, kombiniere das Praktizieren mit Wellness-Angeboten und dem Erleben anderer Kulturen. Und Tansania stand schon lange auf meiner Liste.

Dieses Mal ist es aber nicht nur ein Retreat. Ich bin hier, um zu lernen, um mich weiterzubilden. Ich habe einen Kurs für traditionelle afrikanische Heilmethoden gebucht, der in einem kleinen Dorf außerhalb von Daressalam stattfindet. Ich möchte mehr über die Verbindung von Körper, Geist und Seele aus afrikanischer Perspektive erfahren, das Wissen der Heiler verstehen und in meine eigene Arbeit integrieren.

Die Fahrt ins Chaos

Die Taxifahrt ins Stadtzentrum ist… interessant. Man könnte sagen, chaotisch. Die Straßen sind eng und voll von “Dalas” – kleinen, überfüllten Sammeltaxis – Motorrädern und Fahrrädern. Hupen sind die Hauptform der Kommunikation, und die Fahrer scheinen die Verkehrsregeln eher als Vorschläge zu betrachten. Ich klammere mich an meinem Sitz fest, versuche nicht in Panik zu geraten und konzentriere mich darauf, die vorbeiziehende Landschaft aufzusaugen. Ich sehe Frauen mit bunten Kopfbinden, die Wasserkanister tragen, Kinder, die Fußball spielen, Männer, die am Straßenrand sitzen und Karten spielen. Überall gibt es Leben, eine ungefilterte, authentische Energie. Es ist anstrengend, aber auch unglaublich belebend.
Ich hatte mich im Vorfeld über Tansania informiert, viel gelesen, versucht, mich vorzubereiten. Aber keine Vorbereitung kann einen wirklich darauf vorbereiten, hier zu sein, all das mit eigenen Augen zu sehen, zu spüren. Es ist ein bisschen so, als würde man einen alten Freund wieder treffen, den man lange nicht gesehen hat. Man kennt die Geschichte, aber die Energie, die Wärme, die Ausstrahlung – die muss man selbst erleben.

Ein Gefühl von Zuhause

Mein Hotel ist ein kleines, unscheinbares Haus in einer ruhigen Seitenstraße. Die Besitzerin, Mama Aisha, empfängt mich mit einem breiten Lächeln und einer Umarmung. Sie spricht kaum Englisch, aber ihre Wärme und Gastfreundschaft sprechen für sich. Sie zeigt mir mein Zimmer, das einfach, aber sauber und gemütlich ist. Es gibt ein Bett, einen Schrank und ein kleines Fenster, durch das ich den Blick auf einen üppigen Garten habe.

Ich setze mich auf den Balkon, atme tief ein und lasse die Eindrücke auf mich wirken. Der Duft von Frangipani liegt in der Luft, vermischt mit dem Geräusch von Vogelgezwitscher. Es ist ein Moment der Ruhe und des Friedens, mitten im Trubel der Stadt.


Ich fühle mich seltsam heimisch hier. Vielleicht liegt es an der Wärme der Menschen, der Schönheit der Landschaft oder der Energie des Ortes. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mich auf der Suche nach etwas befinde, nach einer tieferen Verbindung zu mir selbst und zu der Welt um mich herum. Und vielleicht ist Tansania genau der Ort, an dem ich es finden kann.

Die nächsten Tage werden intensiv sein, voller neuer Erfahrungen, Herausforderungen und Erkenntnisse. Ich bin gespannt darauf, was diese Reise noch für mich bereithält und wie sie mich verändern wird.

Ich spüre, dass dies nicht nur eine Reise ist, sondern eine Art von Heimkehr – zu einem Ort, den ich noch nie zuvor gesehen habe, aber der sich dennoch vertraut anfühlt. Und ich ahne, dass ich hier nicht nur lernen, sondern auch viel geben kann, meine Erfahrungen teilen und vielleicht sogar einen kleinen Beitrag dazu leisten, das Leben anderer Menschen positiv zu beeinflussen. Die Vorfreude auf die bevorstehenden Begegnungen und das Eintauchen in die Kultur ist groß.

Erste Erkundungen: Kariakoo und die Kunst des Handelns

Am nächsten Morgen wage ich mich allein ins Getümmel. Ich möchte Kariakoo, den größten Markt von Daressalam, erkunden. Mama Aisha hat mir zwar geraten, einen Fahrer zu nehmen, aber ich möchte das Leben hier aufsaugen, mich treiben lassen und selbst entdecken. Es ist eine gute Entscheidung, auch wenn es anfangs überwältigend ist.

Kariakoo ist ein Labyrinth aus Gassen und Ständen. Überall türmen sich Waren: Stoffe in allen Farben und Mustern, Gewürze, Obst, Gemüse, Schuhe, Kleidung, Elektronik, Spielzeug. Die Luft ist erfüllt von einem Gemisch aus süßen, würzigen und erdigen Düften. Verkäufer preisen ihre Waren an, bieten Tee an, rufen nach Kunden. Es ist laut, chaotisch, aber auch voller Leben und Energie.

Ich verliere mich in den Gassen, lasse mich treiben und beobachte das Treiben. Ich kaufe ein paar bunte Stoffe, eine Packung Gewürze und eine frische Mango. Die Leute sind freundlich und hilfsbereit, auch wenn sie kaum Englisch sprechen. Ein älterer Mann erklärt mir mit Händen und Füßen, wie man die Gewürze am besten verwendet. Ich lächle und bedanke mich. Es ist schön, sich ohne Worte verständigen zu können.

Eine kleine Panne und die Gastfreundschaft der Einheimischen

Auf dem Rückweg verirre ich mich. Die Gassen sehen alle gleich aus, und ich habe keine Ahnung mehr, wo ich bin. Ich frage ein paar Leute um Hilfe, aber sie können mir keine klare Auskunft geben. Langsam bekomme ich Panik.

Zum Glück bemerkt eine junge Frau, dass ich mich verirrt habe. Sie spricht ein bisschen Englisch und bietet mir an, mich zurück zu meinem Hotel zu begleiten. Unterwegs erzählt sie mir von ihrem Leben, von ihren Träumen und Hoffnungen. Sie arbeitet als Verkäuferin auf dem Markt und träumt davon, eines Tages ein eigenes Geschäft zu eröffnen. Ich bin beeindruckt von ihrer Lebensfreude und ihrem Optimismus.

Als wir vor meinem Hotel ankommen, bedanke ich mich überschwänglich bei ihr. Sie lächelt und sagt: „Karibu sana“ – Willkommen. Es ist ein Moment der Wärme und Verbundenheit, der mir zeigt, dass Gastfreundschaft hier nicht nur eine Floskel ist, sondern eine Lebenseinstellung.

Ein Besuch im Viertel Oyster Bay – ein Hauch von Ruhe

Nach dem Trubel von Kariakoo brauche ich etwas Ruhe. Ich beschließe, einen Spaziergang durch Oyster Bay zu machen, ein Viertel am Meer, das für seine eleganten Villen, schicken Restaurants und Kunstgalerien bekannt ist.

Oyster Bay ist ein Kontrast zu Kariakoo. Hier herrscht eine entspannte Atmosphäre, die Straßen sind sauber und ordentlich, die Luft ist frisch und klar. Ich spaziere am Strand entlang, beobachte die Fischerboote und genieße den Blick auf den Indischen Ozean. Ich besuche eine kleine Kunstgalerie und bewundere die Werke lokaler Künstler.

In einem kleinen Café setze ich mich hin und bestelle einen frisch gepressten Mangosaft. Ich beobachte das Treiben, die Menschen, die hier leben oder zu Besuch sind. Es ist ein angenehmer Kontrast zum Trubel von Kariakoo, eine Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen und die Eindrücke zu verarbeiten.

Ich beginne, die Komplexität dieser Stadt zu verstehen. Es ist nicht nur ein Ort des Chaos und der Armut, sondern auch ein Ort der Schönheit, der Kreativität und der Hoffnung. Und ich ahne, dass ich hier noch viel zu entdecken und zu lernen habe, dass diese Reise noch lange nicht zu Ende ist.

Während ich den Sonnenuntergang über dem Indischen Ozean beobachte, spüre ich, wie sich eine tiefe innere Ruhe in mir ausbreitet, ein Gefühl der Dankbarkeit und der Verbundenheit mit diesem magischen Ort.

Die Mischung aus pulsierendem Leben und friedlicher Ruhe lässt mich daran glauben, dass ich hier nicht nur eine Reise mache, sondern eine Transformation erlebe, die mich für immer verändern wird.

Die Tage sind wie im Flug vergangen. Ich sitze jetzt in einem kleinen Café in Oyster Bay, nippe an einem Chai und versuche, all die Eindrücke der letzten Wochen zu verarbeiten. Es ist schwer, in Worte zu fassen, was Tansania in mir ausgelöst hat. Es ist mehr als nur eine Reise, es ist eine Art von innerer Transformation.

Mehr als nur Yoga: Die Verbindung von Körper, Geist und Kultur

Ich bin als Yoga-Lehrerin hierhergekommen, um zu lernen, um meine Arbeit zu vertiefen. Aber ich habe so viel mehr mitgenommen. Ich habe gelernt, dass wahre Heilung nicht nur von innen kommt, sondern auch von der Verbindung zur Natur, zur Gemeinschaft und zur Kultur. Die traditionellen Heilmethoden, die ich kennengelernt habe, sind tief verwurzelt in der afrikanischen Spiritualität und Weisheit. Sie betrachten den Menschen als Einheit von Körper, Geist und Seele und berücksichtigen die Auswirkungen von Umwelt und Gemeinschaft auf das Wohlbefinden.

Ich habe gelernt, dass Yoga nicht nur eine körperliche Praxis ist, sondern auch ein Weg, um sich mit der eigenen inneren Weisheit zu verbinden und die eigene innere Stärke zu entdecken. Und ich habe gelernt, dass es wichtig ist, die eigene Komfortzone zu verlassen und sich neuen Erfahrungen zu öffnen, um zu wachsen und sich weiterzuentwickeln.

Ein Blick zurück: Die kleinen Momente, die bleiben

Es sind oft die kleinen Momente, die am meisten berühren. Das Lächeln eines Kindes auf der Straße, die Wärme der Gastfreundschaft der Menschen, die Schönheit der Landschaft, der Duft von Gewürzen auf dem Markt. Diese Momente bleiben im Herzen und erinnern daran, dass das Glück oft in den einfachen Dingen des Lebens zu finden ist.

Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einer älteren Frau auf dem Markt in Kariakoo. Sie hat mir von ihrem Leben erzählt, von ihren Herausforderungen und ihren Träumen. Sie hat mir gesagt, dass das Wichtigste im Leben ist, dankbar zu sein für das, was man hat, und die Liebe mit anderen zu teilen. Diese Worte haben mich tief berührt und mir gezeigt, dass wahre Weisheit oft in den einfachen Dingen des Lebens zu finden ist.

Tipps für deine eigene Reise: Was du wissen solltest

Wenn du planst, nach Tansania zu reisen, möchte ich dir ein paar Tipps geben. Erstens: Sei offen und neugierig. Tansania ist ein Land voller Überraschungen, und es lohnt sich, sich auf das Unerwartete einzulassen. Zweitens: Sei respektvoll gegenüber der Kultur und den Traditionen. Tansania ist ein konservatives Land, und es ist wichtig, sich an die lokalen Gepflogenheiten anzupassen. Drittens: Sei vorbereitet auf chaotische Verkehrsverhältnisse und unvorhersehbare Situationen. Tansania ist ein Land, in dem nicht alles reibungslos läuft, und es ist wichtig, flexibel und geduldig zu sein.

Und schließlich: Vergiss nicht, die Schönheit der Natur zu genießen. Tansania ist ein Land mit atemberaubenden Landschaften, von den schneebedeckten Gipfeln des Kilimandscharo bis zu den endlosen Savannen des Serengeti. Nimm dir Zeit, um die Natur zu erkunden und die Schönheit der Welt zu genießen.

Ich werde Tansania nie vergessen. Es ist ein Land, das mich tief berührt und verändert hat. Ich bin dankbar für all die Erfahrungen, die ich hier gemacht habe, und ich hoffe, dass ich bald wiederkommen kann.

    👤 Kulturinteressierte (65) die Museen, Galerien und Theater besucht ✍️ locker und umgangssprachlich