Wüstenstaub und Cactus-Blüten
Ankunft im Wüstenstaat
Ich hab's geschafft. Nach gefühlt einer Ewigkeit im Flugzeug, zwei Umstiegen und einer ziemlich stressigen Passkontrolle stehe ich also hier. Phoenix war irgendwie ein Spontaneingfall. Eigentlich wollte ich nach Kalifornien, aber die Preise für Unterkünfte in San Francisco waren einfach absurd. Und dann hab' ich im Reiseforum von einem Freund gelesen, dass man in Arizona super günstig unterwegs sein kann, wenn man nicht gerade in den Luxusresorts absteigen will. Das passte perfekt zu meinem Budget. Ich hab' noch knapp 1500 Euro für die nächsten zwei Monate, und das muss reichen für alles: Unterkunft, Essen, Transport und ein bisschen was zum Erleben. Klingt ambitioniert, ich weiß, aber ich bin ja nicht die erste Backpackerin, die mit wenig Geld die Welt entdeckt.Die Suche nach dem Günstigsten
Ich hab' über Couchsurfing ein Quartier bei einer älteren Dame namens Carol gefunden. Sie wohnt in einem kleinen Häuschen am Stadtrand und hat sich bereit erklärt, mich für ein paar Tage aufzunehmen. Ich bin ihr unendlich dankbar, denn die ersten Nächte in einer neuen Stadt sind immer die schwierigsten. Und teuersten. Ich hab' auch schon einen Plan, wie ich mich fortbewegen werde: hauptsächlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln und zu Fuß. Ein Mietwagen ist definitiv zu teuer, und ich bin sowieso nicht so der Autofan. Ich stehe also am Gepäckband und warte auf meinen Rucksack. Er ist zwar ziemlich abgenutzt und mit Aufklebern übersät, aber er ist mein treuester Begleiter. Er hat schon so viel erlebt mit mir: Interrail durch Europa, Trekking in Nepal, Surfen in Portugal. Dieser Rucksack ist mehr als nur ein Gepäckstück – er ist ein Teil von mir. Als er endlich auf dem Band erscheint, atme ich erleichtert auf. Ich schnappe ihn mir und mache mich auf den Weg zum Ausgang, um Carol abzuholen. Sie hat angeboten, mich mit ihrem Auto abzuholen, was ich super finde, denn ich bin ziemlich müde von der langen Reise. Während ich auf sie warte, beobachte ich die Menschen um mich herum. Es ist eine bunte Mischung aus Touristen, Geschäftsleuten und Einheimischen. Die meisten sehen entspannt und freundlich aus. Ich frage mich, was sie alle so beschäftigt. Welche Geschichten haben sie zu erzählen? Carol ist pünktlich. Sie ist eine kleine, zierliche Frau mit silbergrauem Haar und einem freundlichen Lächeln. Sie umarmt mich herzlich und sagt: "Willkommen in Phoenix, meine Liebe! Ich bin so froh, dass du es gut geschafft hast." Auf der Fahrt zu ihrem Haus erzählt sie mir ein bisschen über die Stadt. Phoenix ist die Hauptstadt von Arizona und die fünftgrößte Stadt der USA. Sie liegt in der Sonora-Wüste und ist bekannt für ihr heißes Klima, ihre Kakteen und ihre atemberaubenden Sonnenuntergänge.Erste Eindrücke von Carols Zuhause
Carols Haus ist einfach, aber gemütlich. Es ist voller Bücher, Pflanzen und Fotos von ihren Enkeln. Sie hat mir ein kleines Zimmer zur Verfügung gestellt, das sauber und ordentlich ist. Ich fühle mich sofort wohl. Nachdem ich mein Gepäck ausgeräumt habe, sitzen wir zusammen in der Küche und trinken Tee. Carol erzählt mir von ihrem Leben, ihren Hobbys und ihren Erfahrungen als Gastgeberin für Couchsurfer. Sie ist eine unglaublich offene und herzliche Frau. Wir reden noch lange, bis die Sonne untergeht und der Himmel in leuchtenden Farben erstrahlt. Ich spüre, wie die Müdigkeit von mir abfällt und ich mich langsam zu Hause fühle. Es ist ein gutes Gefühl, an einem neuen Ort so freundlich aufgenommen zu werden. Ich bin gespannt, was die nächsten Wochen bringen werden. Ich will die Wüste erkunden, die Kultur kennenlernen und neue Leute treffen. Ich will mich treiben lassen und sehen, wohin mich die Reise führt. Arizona, ich bin bereit für dich. Und jetzt brauche ich erstmal Schlaf. Aber bevor ich mich ganz fallen lasse, überlege ich, wie ich am besten den ersten Eindruck von Phoenix vertiefen kann, denn es gibt noch so viel zu entdecken.Die Sonne kitzelte mich schon früh am Morgen wach, selbst durch die dicken Vorhänge hindurch. Carol hatte mir einen kleinen Reiseführer von Phoenix zusammengestellt, markiert mit ihren persönlichen Empfehlungen. Nach einem einfachen Frühstück mit Toast und selbstgemachter Marmelade (unglaublich lecker!) machte ich mich auf den Weg, die Stadt zu erkunden.Downtown Phoenix – Zwischen Kunst und Kontrasten
Carol hatte mir geraten, mit der Light Rail durch die Stadt zu fahren. Perfekt, dachte ich, das spart Geld und ich bekomme einen guten Überblick. Downtown Phoenix ist… interessant. Eine Mischung aus glänzenden Wolkenkratzern, verlassenen Lagerhäusern und Streetart-Kunstwerken. Es ist nicht so poliert wie andere US-amerikanische Innenstädte, eher rau und authentisch. Ich stieg an der Roosevelt Row aus, einer Art Künstlerviertel. Überall bunte Murals, kleine Galerien und Cafés. Ich schlenderte stundenlang durch die Straßen, bestaunte die Kunstwerke und versuchte, die Atmosphäre aufzusaugen. In einem kleinen Vintage-Laden fand ich ein total abgenutztes, aber cooles T-Shirt für ein paar Dollar. Jackpot!Ein kulinarisches Missgeschick
Ich hatte Hunger bekommen und entschied mich für einen Taco-Stand, der Carol empfohlen hatte. “Die machen die besten Tacos der Stadt!”, hatte sie gesagt. Ich bestellte drei verschiedene Sorten und freute mich auf ein Festmahl. Leider stellte sich heraus, dass “spicy” in Arizona eine ganz andere Bedeutung hat als in Europa. Der erste Bissen des Habanero-Tacos war ein einziger Feuerball in meinem Mund. Ich stammelte etwas von “Wasser, bitte!”, aber der Mann hinter dem Tresen lachte nur und reichte mir einen Becher Milch. Ich glaube, ich habe noch nie so schnell getrunken. Aber die Tacos waren wirklich lecker, sobald ich den Brand in meinem Mund gelöscht hatte.
Der Desert Botanical Garden – Eine andere Welt
Am nächsten Tag wollte ich unbedingt den Desert Botanical Garden besuchen. Carol bot an, mich hinzufahren, was ich dankend annahm. Der Garten ist einfach atemberaubend. Über 50.000 Wüstenpflanzen, darunter gigantische Kakteen, farbenprächtige Sukkulenten und seltene Blumen. Es war, als würde man in eine andere Welt eintauchen.
Ich verbrachte Stunden damit, durch die verschiedenen Pfade zu wandern, die Pflanzen zu bestaunen und Fotos zu machen. Ich entdeckte sogar einen kleinen Kojoten, der durch das Gelände streifte. Ein unvergesslicher Moment.
Unerwartete Begegnung
Während ich auf einer Bank saß und die Aussicht genoss, kam eine ältere Dame auf mich zu. Sie stellte sich als Martha vor und erzählte mir, dass sie seit über 20 Jahren als Freiwillige im Garten arbeitet. Wir kamen ins Gespräch und sie erzählte mir so viel über die Pflanzen, die Tiere und die Geschichte der Wüste. Sie war eine unglaublich inspirierende Frau und ich fühlte mich geehrt, sie kennengelernt zu haben.
Am Abend, zurück bei Carol, saßen wir auf der Veranda und sahen dem Sonnenuntergang entgegen. Der Himmel war in leuchtenden Farben gemalt, von Orange über Rosa bis hin zu Lila. Es war ein magischer Moment.
Die Zeit in Phoenix fliegt vorbei und obwohl ich noch viele Orte auf meiner Liste habe, spüre ich, dass diese ersten Tage schon einen tiefen Eindruck hinterlassen haben. Die Kombination aus der rauen Schönheit der Wüste, der freundlichen Atmosphäre und den unerwarteten Begegnungen hat mich verzaubert. Ich bin gespannt, wie sich diese Reise noch entwickeln wird, denn ich ahne, dass noch viele Abenteuer auf mich warten.
Die letzten Tage in Phoenix waren eine Mischung aus Entdeckungstouren und kleinen, alltäglichen Momenten, die diese Reise so besonders machen. Ich hab' mich dazu entschieden, noch ein paar Tage länger zu bleiben. Irgendwie hab' ich das Gefühl, ich hab' noch nicht alles gesehen und erlebt, was diese Stadt zu bieten hat. Und ehrlich gesagt, hab' ich mich auch einfach wohl gefühlt bei Carol. Sie ist wie eine zweite Mutter geworden, die mir immer mit Rat und Tat zur Seite steht.
Letzte Erkundungen und neue Freundschaften
Ich bin noch einmal in die Desert Botanical Garden gegangen, diesmal mit Carol. Sie kennt sich hier aus wie keine andere und hat mir so viele interessante Details über die Pflanzen und die Wüstentiere erzählt. Wir sind stundenlang durch den Garten spaziert und haben die Ruhe und die Schönheit der Natur genossen. Es war ein perfekter Tag.
An einem anderen Tag hab' ich einen Workshop für Keramik besucht. Ich bin zwar alles andere als talentiert, aber es hat unglaublich viel Spaß gemacht, mit Ton zu hantieren und etwas Eigenes zu erschaffen. Ich hab' ein kleines, klappriges Schälchen gemacht, das zwar nicht perfekt ist, aber dafür eine tolle Erinnerung an meine Zeit in Phoenix.
Ein Abendessen mit Blick
Carol hat mich zu einem kleinen, versteckten Restaurant eingeladen, das einen atemberaubenden Blick über die Stadt bietet. Wir haben dort zu Abend gegessen und den Sonnenuntergang beobachtet. Es war ein magischer Moment. Während des Essens hat sie mir von ihrem Leben erzählt, von ihren Träumen und ihren Ängsten. Ich hab' mich ihr geöffnet und ihr von meinen eigenen Erfahrungen erzählt. Es war ein tiefes und ehrliches Gespräch, das mir viel bedeutet hat.
Fazit: Mehr als nur Wüste
Phoenix hat mich überrascht. Ich bin hierher gekommen, um eine günstige Unterkunft zu finden, und hab' eine Stadt voller Leben, Kultur und freundlicher Menschen entdeckt. Die Wüste ist zwar beeindruckend, aber es ist die Kombination aus Natur und menschlicher Wärme, die Phoenix so besonders macht.
Ich hab' gelernt, dass man nicht viel Geld braucht, um glücklich zu sein. Man braucht nur eine offene Einstellung, die Bereitschaft, neue Erfahrungen zu machen, und die Fähigkeit, die kleinen Dinge im Leben zu schätzen. Und manchmal braucht man einfach eine zweite Mutter, die einen aufnimmt und einem das Gefühl gibt, nach Hause zu kommen.
Meine Tipps für Phoenix
Wenn ihr nach Phoenix reist, empfehle ich euch, unbedingt den Desert Botanical Garden zu besuchen. Es ist ein Ort, der euch die Schönheit und die Vielfalt der Wüste näherbringt. Und wenn ihr auf der Suche nach authentischer mexikanischer Küche seid, solltet ihr euch nicht scheuen, auch die kleinen, unscheinbaren Tacos-Stände auszuprobieren.
Vergesst nicht, genügend Wasser mitzunehmen, besonders wenn ihr im Sommer unterwegs seid. Und lasst euch einfach treiben und entdeckt die Stadt auf eigene Faust. Es gibt so viel zu sehen und zu erleben, abseits der touristischen Pfade.
-
- Desert Botanical Garden
-
-
- Roosevelt Row
-
- Downtown Phoenix