Nordlicht-Träume und samische Begegnungen
Anreise und die stille Weite
Die Reise hatte schon lange begonnen, mit der Idee, mal wieder richtig rauszukommen, weit weg vom Alltag. Ich mache das ja schon seit Jahren, diese Art von Reisen. Eigentlich begann alles mit einer Safari in Botswana, als ich zwanzig war. Dieses überwältigende Gefühl, Teil einer größeren Welt zu sein, die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten… das hat mich geprägt. Danach folgten noch viele weitere Safaris in Afrika, aber auch Tierbeobachtungen in Costa Rica und Kanada. Irgendwann wollte ich aber etwas anderes, etwas… kühleres.Ich habe mich lange mit der Idee beschäftigt, in den Norden zu reisen, nach Schweden. Nicht, um Elche zu sehen – obwohl das natürlich ein netter Nebeneffekt wäre – sondern um die Landschaft zu erleben, die Stille, die Weite. Und natürlich, um mit etwas Glück, Nordlichter zu sehen. Ich habe viel gelesen über Kiruna, über die Samen, über das Leben im hohen Norden. Es schien mir ein Ort zu sein, der ganz anders ist als alles, was ich bisher erlebt hatte.
Der erste Eindruck
Der kleine Bus, der mich vom Flughafen in die Stadt bringen sollte, war fast leer. Nur ein älterer Mann saß vorne, in einen dicken Wollschal gehüllt. Er nickte mir kurz zu, aber sagte nichts. Draußen wurde es immer dunkler, die wenigen Straßenlaternen warfen lange, gespenstische Schatten. Die Landschaft war flach, übersät mit Schnee und vereinzelten Kiefernwäldern. Es wirkte fast unwirklich, wie eine Szene aus einem Film.Ich hatte mir vorgestellt, dass Kiruna eine lebhafte Stadt wäre, aber es war ganz anders. Es war still, sehr still. Die Häuser waren niedrig, meist aus Holz gebaut, und wirkten eher bescheiden als prunkvoll. Es gab keine großen Einkaufszentren, keine Neonreklamen, keine Hektik. Es war, als hätte die Zeit hier eine andere Geschwindigkeit.
Ich hatte ein kleines Hotel am Rande der Stadt gebucht, ein einfaches, aber gemütliches Haus mit Blick auf einen zugefrorenen See. Der Vermieter, ein freundlicher Mann namens Lars, begrüßte mich herzlich und zeigte mir mein Zimmer. Es war klein, aber warm und sauber, mit einem Bett, einem Schreibtisch und einem kleinen Fenster, durch das ich den See sehen konnte.Warum Kiruna?
Die Idee zu dieser Reise kam mir, als ich im letzten Jahr einen Dokumentarfilm über die Samen gesehen hatte. Ihr Leben, ihre Kultur, ihre Verbindung zur Natur… das hat mich tief beeindruckt. Ich wollte mehr darüber erfahren, diesen Menschen begegnen, ihre Geschichte kennenlernen.Ich bin kein Anthropologe, kein Wissenschaftler, nur ein Mensch, der sich für andere Kulturen interessiert. Ich glaube, dass wir viel voneinander lernen können, wenn wir bereit sind, zuzuhören und uns öffnen. Und ich glaube, dass die Samen eine wichtige Botschaft für uns haben, eine Botschaft über Nachhaltigkeit, Respekt vor der Natur und das einfache Leben.
Lars erzählte mir am Abend noch einiges über Kiruna und die Umgebung. Er erklärte, dass die Stadt vor allem wegen des Eisenerzabbaus entstanden ist, der bis heute eine wichtige Rolle spielt. Aber er erzählte auch, dass der Abbau die Landschaft verändert hat und dass es Konflikte mit den Samen gibt, die ihr traditionelles Land verteidigen.Es war ein interessantes Gespräch, das mir zeigte, dass Kiruna nicht nur ein idyllischer Ort ist, sondern auch ein Ort der Herausforderungen und Konflikte. Es war ein guter Einstieg in meine Reise, ein erster Hinweis darauf, dass es hier noch viel zu entdecken und zu lernen gibt.
Die kommenden Tage wollte ich nutzen, um die Umgebung zu erkunden, die Landschaft zu genießen und vielleicht, mit etwas Glück, einige der Wildtiere zu beobachten, die hier leben. Und natürlich, um die Menschen kennenzulernen, ihre Geschichten zu hören und ihre Kultur zu verstehen. Ich war gespannt darauf, was diese Reise bringen würde und welche Erkenntnisse ich daraus gewinnen könnte. Der erste Schritt war getan, ich war angekommen in Kiruna und bereit für das Abenteuer.Erste Erkundungen: Kiruna entdecken
Am nächsten Morgen wachte ich früh auf. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, aber der Himmel war bereits in ein zartes Rosa getaucht. Ich zog mich warm an und machte einen Spaziergang durch die Stadt. Es war unglaublich ruhig, nur das Knirschen des Schnees unter meinen Füßen durchbrach die Stille. Ich lief zunächst Richtung Kiruna kyrka, der Hauptkirche. Sie steht etwas außerhalb des eigentlichen Stadtzentrums und ist schon von Weitem gut zu erkennen. Eine imposante Holzkirche, dunkelbraun, fast schon düster. Aber von innen dann ganz warm und hell. Ich setzte mich kurz auf eine der Bänke und genoss die Ruhe. Es war ein guter Start in den Tag.Der Markt und erste Begegnungen
Nach dem Frühstück ging ich zum Markt, einem kleinen, überdachten Gebäude mitten in der Stadt. Dort gab es alles, was das Herz begehrt: frisches Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch, aber auch handgemachte Souvenirs und traditionelle samische Handwerkskunst. Ich kaufte mir ein paar Rentierkekse – die musste ich einfach probieren – und kam mit einer alten Frau ins Gespräch. Sie verkaufte handgestrickte Socken und Mützen. Sie erzählte mir, dass sie seit über 50 Jahren auf dem Markt stand und dass sie viel von den Veränderungen in Kiruna mitbekommen habe. Sie war eine warmherzige Frau, die mir das Gefühl gab, willkommen zu sein.
Ein Ausflug zum Eis Hotel
Am Nachmittag wagte ich mich etwas außerhalb der Stadt. Ich wollte das berühmte Eis Hotel besichtigen, das jedes Jahr neu aus Eis und Schnee gebaut wird. Es war eine beeindruckende Erfahrung, durch die eisigen Gänge zu laufen und die kunstvollen Eisskulpturen zu bewundern. Es war unglaublich, wie viel Kreativität und Arbeit in diesem Hotel steckt. Allerdings war es auch unheimlich kalt! Ich froh, dass ich meine warme Jacke dabei hatte. Dort traf ich einen jungen Mann aus Deutschland, der als Künstler arbeitete und an einer der Eisskulpturen mitgearbeitet hatte. Wir kamen ins Gespräch und er erzählte mir viel über die Herausforderungen und Freuden der Arbeit mit Eis.
Pannen und Überraschungen
Nicht alles verlief reibungslos. Einmal wollte ich mit dem Bus zu einem kleinen See fahren, der angeblich ein guter Ort war, um Nordlichter zu sehen. Ich stieg am falschen Haltestelle aus und landete mitten im Wald. Zum Glück hatte ich mein Handy dabei und konnte mich mit Hilfe der Karte orientieren. Es war ein etwas längerer Spaziergang, aber ich kam schließlich doch noch an mein Ziel. Und tatsächlich, ich wurde mit einem atemberaubenden Blick auf den zugefrorenen See und den sternenklaren Himmel belohnt. Leider keine Nordlichter, aber die Stille und die Schönheit der Landschaft waren genug.
Die samische Kultur entdecken
Ich besuchte auch das Samisch Kulturzentrum, um mehr über die samische Kultur und Geschichte zu erfahren. Dort gab es eine interessante Ausstellung über die traditionelle Lebensweise der Samen, ihre Kunst, ihre Musik und ihre Sprache. Ich lernte viel über die Herausforderungen, mit denen die Samen heute konfrontiert sind, und über ihren Kampf um ihre Rechte und ihre Kultur. Es war eine lehrreiche und bewegende Erfahrung, die mir die Augen für die Bedeutung der samischen Kultur geöffnet hat. Ich kaufte ein paar traditionelle Handwerksarbeiten als Andenken, um die Künstler zu unterstützen.
Die Tage in Kiruna vergingen wie im Flug. Ich genoss die Stille, die Weite, die Schönheit der Landschaft und die Begegnungen mit den Menschen. Es war eine Reise, die mich tief berührt hat und mir gezeigt hat, dass es noch so viel zu entdecken und zu lernen gibt. Auch wenn ich die Nordlichter nicht gesehen habe, so war die Reise doch ein voller Erfolg. Die Erfahrung, die ich hier gesammelt habe, wird mich noch lange begleiten, und ich bin dankbar für jede einzelne Begegnung und jeden einzelnen Moment. So langsam reifte in mir der Gedanke, dass dies nicht meine letzte Reise in den Norden sein würde.
Der Abschied von Kiruna fiel mir schwerer als gedacht. Ich hatte mich in die Stille, die Weite und die besondere Atmosphäre dieses Ortes verliebt. Es war nicht nur die Landschaft, die mich beeindruckt hatte, sondern auch die Menschen, ihre Geschichten und ihre Lebensweise. Ich hatte das Gefühl, einen kleinen Einblick in eine andere Welt erhalten zu haben, eine Welt, die geprägt ist von Respekt vor der Natur und von einem tiefen Verständnis für die Zusammenhänge des Lebens.
Reflexionen am Lagerfeuer
Einige Abende verbrachte ich mit Lars, dem Vermieter meines Hotels, am Lagerfeuer. Wir redeten über alles Mögliche: über die samische Kultur, über den Eisenerzabbau, über die Herausforderungen des Klimawandels und über die Bedeutung des Respekts vor der Natur. Lars erzählte mir, dass er selbst same ist und dass er sein Leben damit verbringt, die Traditionen seiner Vorfahren zu bewahren. Er erklärte mir, dass die Samen eine tiefe Verbindung zur Natur haben und dass sie sich als Teil eines größeren Ganzen betrachten. Das Gespräch mit Lars hat mir die Augen geöffnet und mir gezeigt, dass es noch so viel zu lernen gibt.
Tierbeobachtungen und die stille Hoffnung
Obwohl ich keine großen Tierbeobachtungen gemacht habe, so habe ich doch immer wieder Spuren von Wildtieren entdeckt: Fußabdrücke im Schnee, Kot auf den Wegen, vereinzelte Sichtungen von Rentieren in der Ferne. Es war ein beruhigendes Gefühl, zu wissen, dass diese Tiere hier zu Hause sind und dass sie in ihrer natürlichen Umgebung leben können. Ich hatte gehofft, einen Elch zu sehen, aber leider ist es mir nicht gelungen. Aber ich bin trotzdem zufrieden. Die Hoffnung bleibt, dass ich eines Tages die Gelegenheit haben werde, diese majestätischen Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten.
Empfehlungen für deine Reise
Was du unbedingt wissen solltest
Kiruna ist ein Ort, der seine Besucher mit seiner Schönheit und seiner Stille verzaubert. Aber es ist auch ein Ort, der Herausforderungen birgt. Der Abbau des Eisenerzes hat die Landschaft verändert und die Lebensweise der Samen beeinträchtigt. Es ist wichtig, sich dessen bewusst zu sein und respektvoll mit der Natur und den Menschen umzugehen.
Praktische Tipps
- Kleidung: Packe warme und wasserdichte Kleidung ein, auch im Sommer. Das Wetter in Kiruna kann unberechenbar sein.
- Transport: Wenn du die Umgebung erkunden möchtest, ist ein Mietwagen empfehlenswert. Es gibt aber auch Busverbindungen.
- Unterkunft: Buche deine Unterkunft frühzeitig, besonders in der Hochsaison. Es gibt eine Auswahl an Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen.
- Respekt: Sei respektvoll gegenüber der samischen Kultur und der Natur. Vermeide es, Müll zu hinterlassen oder die Tiere zu stören.
Meine persönlichen Highlights
Wenn ich einen Tipp geben müsste, dann würde ich sagen: Nimm dir Zeit, um die Stille zu genießen. Setze dich an den See, atme die frische Luft ein und lass deine Gedanken schweifen. Kiruna ist ein Ort, der dich mit sich selbst in Kontakt bringt und dir neue Perspektiven eröffnet. Besuche auch das Samisch Kulturzentrum, um mehr über die samische Kultur und Geschichte zu erfahren. Und wenn du Glück hast, kannst du vielleicht sogar das Nordlicht sehen. Es ist ein unvergessliches Erlebnis.
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- Samisch Kulturzentrum
- Lars' Lagerfeuergespräche (indirekt)
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- Eis Hotel (mit Kunst aus Eis)
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- Kiruna Stadtzentrum (klein, aber gemütlich)