Nordamerika - Dominikanische Republik - Puerto Plata

Dominikanische Träume: Auf der Suche nach Wellen und Nachhaltigkeit

Der Geruch von reifen Mangos und Abgasen kitzelte in meiner Nase, als ich aus dem winzigen Flughafen von Puerto Plata trat. Es war heiß, feucht und laut – eine ziemlich perfekte Mischung, um anzukommen. Ich hatte mir extra diesen kleinen Airport ausgesucht, um dem Massentourismus direkt aus dem Weg zu gehen. Nach fast 24 Stunden Reise, hauptsächlich mit gebrauchten Bussen und ein paar Anhaltern, fühlte ich mich irgendwie lebendig, ein bisschen dreckig und total bereit.

Warum die Dominikanische Republik?

Die Idee zu dieser Reise kam mir während einer ziemlich deprimierenden Zeit in Berlin. Ich arbeitete in einem Bürojob, der meine Seele aussaugte, und fühlte mich, als würde ich in einem Hamsterrad laufen. Ich brauchte dringend etwas, das mich aus der Komfortzone riss, etwas, das mir zeigte, dass es noch mehr im Leben gibt als Meetings und Deadlines. Ich hatte schon lange von der Dominikanischen Republik geträumt, nicht wegen der All-Inclusive-Resorts, sondern wegen der unberührten Natur, der Möglichkeiten zum Kitesurfen und der Geschichten über abgelegene Surfspots, die nur über staubige Pisten erreichbar sind. Ich bin kein typischer Tourist. Ich suche nicht nach Luxus oder Bequemlichkeit. Ich möchte eintauchen, die lokale Kultur kennenlernen, die Natur erleben und mich selbst herausfordern. Nachhaltigkeit ist mir dabei unglaublich wichtig. Ich versuche, so wenig wie möglich zu konsumieren, lokale Unternehmen zu unterstützen und meinen ökologischen Fußabdruck so gering wie möglich zu halten. Das bedeutet, dass ich meistens in Hostels oder bei lokalen Familien übernachte, öffentliche Verkehrsmittel nutze und versuche, Plastikmüll zu vermeiden.

Erste Schritte in Puerto Plata

Der Busbahnhof war ein chaotischer Ort, ein Gewirr aus Menschen, Gepäck und lauter Gespräche. Ich drängelte mich durch die Menge, auf der Suche nach einem *guagua*, einem lokalen Minibus, der in Richtung Cabarete fuhr, einem kleinen Surferstädtchen etwa eine Stunde entfernt. Ich hatte online gelesen, dass Cabarete ein guter Ausgangspunkt für meine Erkundungen sein könnte, und dass es dort einige interessante Projekte für nachhaltigen Tourismus gibt. Nach einigem Hin und Her und ein bisschen Verhandlungsgeschick (ich habe gelernt, dass man hier immer den Preis feilschen kann) fand ich einen guagua, der gerade abfuhr. Ich quetschte mich in einen freien Platz zwischen einem Sack Zement und einer alten Frau mit einem Huhn im Arm. Die Fahrt war holprig und laut, aber ich genoss jede Sekunde davon. Ich beobachtete die Landschaft, die an uns vorbeizog, die grünen Hügel, die kleinen Dörfer, die bunten Häuser. Es war ein völlig anderes Bild, als das, das ich aus Berlin kannte. Ich hatte mich bewusst für eine Unterkunft in Cabarete entschieden, die sich auf umweltfreundliche Praktiken konzentriert. Es war ein kleines Eco-Hostel, das von einem lokalen Surfer betrieben wurde, der sich leidenschaftlich für den Schutz der Umwelt einsetzte. Die Zimmer waren einfach, aber sauber und komfortabel, und das Essen war frisch und regional.

Auf der Suche nach dem perfekten Spot

Ich verbrachte die nächsten Tage damit, die Gegend zu erkunden, die Strände entlang zu wandern und mit Einheimischen zu sprechen. Ich lernte ein paar Surfer kennen, die mich auf die besten Surfspots mitnahmen, und ich entdeckte ein paar versteckte Buchten, die noch nicht vom Massentourismus überlaufen waren. Ich war begeistert von der Vielfalt der Landschaft, von den hohen Bergen bis zu den weißen Sandstränden. Ich hatte vor, einige abgelegene Surfspots auf der Halbinsel Samaná zu erkunden, die nur mit dem Geländewagen oder dem Boot erreichbar sind. Ich hatte auch geplant, einige der Wasserfälle in den Bergen zu besuchen und zu wandern. Aber ich wollte nicht nur die Schönheit der Natur genießen, sondern auch etwas Positives für die lokale Gemeinschaft tun. Ich recherchierte nach lokalen Initiativen, die sich für den Schutz der Umwelt einsetzen, und ich fand ein Projekt, das sich für die Wiederaufforstung von Mangrovenwäldern einsetzte. Ich beschloss, mich ehrenamtlich zu engagieren und bei der Pflanzung von Mangroven zu helfen. Ich wusste, dass dies eine kleine Geste war, aber ich wollte meinen Teil dazu beitragen, die Umwelt zu schützen und die lokale Gemeinschaft zu unterstützen. Und so begann meine Suche nach den besten Wellen, verbunden mit dem Wunsch, diesen wunderschönen Ort ein Stück besser zu machen.

Mangroven und Müllberge

Die Arbeit mit dem Mangroven-Projekt war intensiv, aber unglaublich erfüllend. Wir waren ein kleines Team aus Freiwilligen und lokalen Mitarbeitern, die den ganzen Tag in knietiefem Schlamm verbrachten, junge Mangroven-Setzlinge pflanzten. Die Hitze war brutal, und die Mücken hatten ein besonderes Interesse an meinem deutschen Blut, aber das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, überwog alle Unannehmlichkeiten. Was mich aber schockierte, war der Müll, der sich überall in den Mangrovenwäldern und an den Stränden befand. Plastikflaschen, Plastiktüten, Fischernetze – es war ein trauriger Anblick. Wir verbrachten fast genauso viel Zeit damit, Müll aufzusammeln, wie mit dem Pflanzen der Mangroven. Es war frustrierend zu sehen, wie die Menschen ihre eigene Umwelt zerstörten, aber es motivierte mich auch, noch mehr zu tun.

Entdeckung von Sosúa

Nach ein paar Tagen harter Arbeit in den Mangroven beschloss ich, einen Ausflug nach Sosúa zu machen, einem kleinen Fischerdorf etwas südlich von Cabarete. Ich hatte gehört, dass es dort eine interessante Mischung aus Kulturen und eine entspannte Atmosphäre gibt. Ich nahm einen *moto-concho*, eine Art Motorradtaxi, und ließ mich durch die engen Gassen fahren. Sosúa war ein lebendiger Ort, voller Farben, Gerüche und Geräusche. Ich sah alte Fischerboote, bunte Häuser, kleine Restaurants und Läden. Ich probierte *pescado frito* – gebratenen Fisch – in einem der Restaurants am Strand, und es schmeckte unglaublich frisch und lecker. Was mir besonders auffiel, war die starke Präsenz europäischer Einwanderer in Sosúa. Viele von ihnen waren in den 1930er Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg hierher gekommen und hatten sich eine neue Heimat aufgebaut. Ich unterhielt mich mit einigen von ihnen, und sie erzählten mir Geschichten über ihre Ankunft in der Dominikanischen Republik und ihr Leben hier. Es war faszinierend, ihre Perspektiven kennenzulernen und zu verstehen, wie die Geschichte dieses Landes ihre Gegenwart geprägt hat.

Abseits der Touristenpfade in Las Terrenas

Ich beschloss, noch weiter in den Norden zu reisen und besuchte Las Terrenas, ein kleines Fischerdorf an der Samaná-Halbinsel. Ich wollte unbedingt die abgelegenen Surfspots in dieser Gegend erkunden. Die Anreise war nicht einfach. Ich musste mit einem *guagua* bis zum nächsten großen Ort fahren und von dort aus ein Taxi mieten, um die staubige Piste bis zum Strand zu gelangen. Der Strand war atemberaubend, ein langer, weißer Sandstrand, gesäumt von Palmen. Es gab nur ein paar kleine Hütten, in denen man Getränke und Snacks kaufen konnte. Die Wellen waren perfekt, nicht zu groß, aber auch nicht zu klein. Ich surfte den ganzen Tag, und es war ein unvergessliches Erlebnis. Am Abend saß ich in einer kleinen Bar am Strand und beobachtete den Sonnenuntergang. Es war friedlich und ruhig, weit weg von den Touristenmassen. Ich unterhielt mich mit einigen Einheimischen, die mir von ihrem Leben erzählten. Sie waren arm, aber glücklich, und sie schätzten die einfachen Dinge im Leben. Ich lernte viel von ihnen, und ich fühlte mich dankbar für die Möglichkeit, ihre Kultur kennenzulernen. Eine kleine Panne gab es dann doch: Mein Moped, das ich für die Erkundung der Umgebung gemietet hatte, hatte eine Reifenpanne mitten im Nirgendwo. Zum Glück kam ein freundlicher Fischer vorbei und half mir, den Reifen zu flicken. Es war ein kleiner Moment der Menschlichkeit, der mir zeigte, dass man auch in den entlegensten Winkeln der Welt auf die Hilfe anderer zählen kann. Nach ein paar Tagen im Paradies war es Zeit, weiterzuziehen, doch die Erinnerungen an die dominikanische Gastfreundschaft und die Schönheit der Natur würden mich noch lange begleiten, und die Notwendigkeit, nachhaltiger zu reisen, war stärker denn je.

Die letzten Tage in der Dominikanischen Republik vergingen wie im Flug. Ich saß am Strand von Las Terrenas, beobachtete die Fischerboote, die am Horizont vorbeizogen, und versuchte, all die Eindrücke zu verarbeiten. Es war mehr als nur ein Urlaub gewesen; es war eine Reise zu mir selbst, eine Konfrontation mit einer anderen Lebensweise und eine Bestätigung meiner Überzeugung, dass Reisen mehr sein kann als nur das Abhaken von Sehenswürdigkeiten.

Reflexionen am Strand

Was mich am meisten beeindruckt hat, war die Lebensfreude der Menschen hier, trotz aller Widrigkeiten. Sie leben im Einklang mit der Natur, teilen, was sie haben, und lachen viel. Das ist etwas, das wir in unserer schnelllebigen Welt oft vergessen. Ich habe gelernt, dass Glück nicht von materiellen Dingen abhängt, sondern von den Beziehungen, die wir pflegen, und der Art und Weise, wie wir das Leben leben.

Es war auch ein Weckruf, was den Umgang mit Müll und die Umweltverschmutzung betrifft. Die Plastikfluten, die ich an den Stränden und in den Mangrovenwäldern gesehen habe, waren erschreckend. Es ist klar, dass wir dringend etwas ändern müssen, sowohl als Einzelpersonen als auch als Gesellschaft.

Nachhaltig reisen: Meine Tipps

Ich möchte meine Erfahrungen teilen und ein paar Tipps geben, wie man nachhaltig in der Dominikanischen Republik reisen kann:

  • Unterkünfte wählen: Sucht nach Eco-Lodges oder Hostels, die sich für den Umweltschutz engagieren.
  • Lokale Unternehmen unterstützen: Kauft Souvenirs von lokalen Handwerkern und esst in kleinen Restaurants, die regionale Produkte verwenden.
  • Öffentliche Verkehrsmittel nutzen: Vermeidet unnötige Flüge und nutzt stattdessen Busse oder Guaguas.
  • Plastikmüll vermeiden: Nehmt eine wiederverwendbare Wasserflasche, einen Einkaufskorb und Utensilien mit.
  • Respektiert die lokale Kultur: Lernt ein paar grundlegende Spanischkenntnisse und seid offen für neue Erfahrungen.

Abschied und Ausblick

Als ich mich am Flughafen von Puerto Plata verabschiedete, fühlte ich mich traurig, aber auch dankbar für all die Erfahrungen, die ich gemacht hatte. Ich hatte nicht nur Wellen geritten und wunderschöne Strände erkundet, sondern auch viel über mich selbst gelernt und meine Perspektive auf das Leben verändert. Ich weiß jetzt, dass Reisen mehr sein kann als nur ein Urlaub; es kann eine Möglichkeit sein, die Welt zu entdecken, neue Kulturen kennenzulernen und einen positiven Beitrag zu leisten.

Ich werde die Dominikanische Republik nie vergessen. Die herzlichen Menschen, die atemberaubende Natur und die unvergesslichen Momente werden immer in meinem Herzen bleiben. Und ich verspreche, dass ich auch weiterhin nachhaltig reisen und meinen Teil dazu beitragen werde, unsere Erde zu schützen.

    • Las Terrenas: Abgelegene Strände und perfekte Wellen für Surfer.
    • Mangrovenwälder: Wichtige Ökosysteme, die es zu schützen gilt.
    • Strände von Las Terrenas: Paradiesische Strände mit weißem Sand und türkisfarbenem Wasser.
    • Lokale Kunsthandwerksmärkte: Eine Möglichkeit, die dominikanische Kultur kennenzulernen und lokale Künstler zu unterstützen.
    • Puerto Plata: Der Ausgangspunkt meiner Reise, eine lebendige Stadt mit viel Geschichte und Kultur.
👤 Abenteuersuchender Alleinreisender (28), Fokus auf Extremsportarten und abgelegene Orte ✍️ ökologisch und nachhaltig