Europa - Griechenland - Rhodos

Reisebericht Europa - Griechenland - Rhodos

Der Geruch von Sonne, Salz und irgendwas undefinierbar Süßlichem kitzelte in der Nase, als wir aus dem klimatisierten Bus stiegen. Rhodos. Endlich. Nach gefühlt endlosen Stunden Flug und einem etwas chaotischen Transfer vom Flughafen waren wir also da. Die Kinder, Leon (9) und Mia (6), waren, sagen wir mal, etwas genervt. Leon hatte sich insgeheim einen Tablet-Marathon erhofft, Mia beschwerte sich, dass ihre Glitzer-Sandale „total kaputt“ sei (ein dezenter Glitzerverlust, wie sich herausstellte). Meine Frau, Anna, versuchte, die Situation mit einem aufmunternden Lächeln und der Versicherung, dass „es gleich schön wird“, zu retten. Ich, naja, ich war skeptisch.

Die Idee hinter der Reise

Eigentlich war es Annas Idee. Sie hatte im Winter, als die Tage grau und trist waren, irgendwelche Bilder von Rhodos gesehen und meinte, das wäre das perfekte Reiseziel für den Sommer. Ich bin ja nicht generell gegen Urlaub, aber Griechenland… da hatte ich irgendwie immer so ein Bild von überlaufenen Stränden, Touristenfallen und Massenabfertigung vor Augen. Anna meinte, Rhodos sei anders. Authentischer, familienfreundlicher, mit einer Mischung aus Kultur, Geschichte und eben diesen schönen Stränden. Ich ließ mich überreden, nicht zuletzt, weil wir alle dringend eine Auszeit brauchten. Der Job war stressig, die Kinder brauchten frische Luft und wir als Eltern auch mal etwas Abwechslung vom Alltag.

Erste Eindrücke von Rhodos-Stadt

Unser Hotel lag in Rhodos-Stadt, nicht direkt am Strand, sondern in einer kleinen Gasse in der Altstadt. Das war gut so. Die Altstadt ist wunderschön, ein Labyrinth aus kleinen Gassen, mittelalterlichen Häusern und versteckten Plätzen. Aber sie ist auch unglaublich voll. Touristen strömen hier in Horden durch die Straßen, auf der Suche nach Souvenirs, Restaurants und dem „authentischen Griechenland“. Ob sie es finden, ist eine andere Frage. Ich muss sagen, ich war ein bisschen enttäuscht. Ich hatte mir irgendwie mehr Erwartet. Nicht, dass es hässlich wäre, ganz im Gegenteil. Aber es wirkte… aufgesetzt. Zu viele Geschäfte, die das Gleiche verkaufen, zu viele Restaurants mit ähnlichen Speisekarten, zu viele Menschen, die sich gegenseitig im Weg stehen. Es war, als hätte man ein mittelalterliches Dorf genommen und es zu einem riesigen Einkaufszentrum umgebaut. Leon war sofort begeistert. Er liebte die Ritterburgen und die alten Mauern. Mia war vor allem von den vielen bunten Geschäften und den Glitzersachen fasziniert. Anna versuchte, die historische Atmosphäre zu genießen, aber ich konnte sehen, dass auch sie ein bisschen genervt war vom Trubel.

Das Hotel und die erste Suche nach Essen

Unser Hotel war zumindest eine kleine Oase der Ruhe. Ein kleines Familienhotel mit einem Innenhof und einem Pool. Die Zimmer waren einfach, aber sauber und zweckmäßig. Wir ließen das Gepäck fallen und machten uns auf die Suche nach einem Restaurant. Das war gar nicht so einfach. Die meisten Restaurants in der Altstadt waren entweder überfüllt oder boten nur Touristenmenüs an. Ich wollte etwas Authentisches, etwas Griechisches, aber ich hatte das Gefühl, dass hier alles auf den Massenmarkt zugeschnitten war. Wir fanden schließlich ein kleines Restaurant in einer Seitengasse, das von einer alten griechischen Dame geführt wurde. Das Essen war einfach, aber lecker. Gegrilltes Fleisch, Salat, Brot und Olivenöl. Genau das, was wir brauchten. Leon und Mia waren hungrig und aßen mit Appetit. Anna und ich ließen die Seele baumeln und genossen die griechische Gastfreundschaft.

Ein gemischtes Gefühl

Nach dem Essen machten wir noch einen kleinen Spaziergang durch die Altstadt. Die Sonne ging unter und tauchte die alten Mauern in ein goldenes Licht. Es war wunderschön, aber ich konnte das Gefühl nicht abschütteln, dass hier etwas nicht stimmte. Es war, als ob die Seele dieses Ortes verloren gegangen wäre, ersetzt durch den Kommerz und die Touristenmassen. Ich bin ja kein Miesepeter, aber ich mag es, wenn ein Ort seine eigene Identität hat, seine eigene Geschichte. Und ich hatte das Gefühl, dass Rhodos-Stadt dabei war, diese Identität zu verlieren. Trotzdem, wir waren ja erst einen Tag hier. Vielleicht würde sich der Eindruck noch ändern. Vielleicht würden wir ja noch die authentische Seite von Rhodos entdecken. Aber im Moment hatte ich ein gemischtes Gefühl. Wir hatten noch viel zu entdecken, und ich war gespannt, ob sich unsere anfängliche Skepsis in etwas Positives wandeln würde.

Jenseits der Altstadt: Suche nach dem echten Rhodos

Am nächsten Morgen beschlossen wir, der Altstadt den Rücken zu kehren. Nicht, dass sie schlecht gewesen wäre, aber ich wollte sehen, ob es auch noch andere Seiten von Rhodos gibt. Anna hatte im Internet von der Gegend um den Mandraki-Hafen gelesen, also machten wir uns auf den Weg dorthin.

Der Mandraki-Hafen und die Windmühlen

Der Mandraki-Hafen ist viel ruhiger als die Altstadt. Hier gibt es ein paar Restaurants, Cafés und Geschäfte, aber es ist nicht so überlaufen. Die Atmosphäre ist entspannter, authentischer. Wir spazierten am Hafen entlang, beobachteten die Fischerboote und genossen die frische Meeresluft. Ein Highlight war der Aufstieg zu den drei Windmühlen, die über dem Hafen thronen. Die Windmühlen sind zwar restauriert, aber sie geben einen guten Eindruck davon, wie das Leben hier früher aussah. Von oben hatten wir einen fantastischen Blick über den Hafen, die Stadt und das Meer. Leon war begeistert von den Windmühlen und stellte unzählige Fragen. Mia war vor allem von den bunten Booten fasziniert.

Lindos – Postkartenidylle mit Tücken

Am nächsten Tag mieteten wir einen Wagen und fuhren nach Lindos. Lindos ist ein kleines Dorf mit einer Akropolis, die auf einem Felsen thront. Es ist ein wunderschöner Ort, eine Postkartenidylle. Aber es ist auch unglaublich touristisch. Das Parken war die Hölle. Wir mussten ewig suchen, bis wir endlich einen Platz gefunden hatten, der kilometerweit von Lindos entfernt war. Von dort aus mussten wir noch einen steilen Weg hinaufgehen, um das Dorf zu erreichen. Unterwegs wurden wir von Eselsfahrern angesprochen, die uns anboten, uns und unsere Kinder auf ihren Eseln hochzubringen. Wir lehnten ab. Lindos selbst ist wunderschön, aber es ist auch unglaublich eng und überfüllt. Die Gassen sind so eng, dass man kaum passieren kann. Überall gibt es Souvenirläden und Restaurants. Es ist schwer, die ursprüngliche Atmosphäre des Ortes zu spüren.

Ein unerwarteter Zwischenfall

Als wir gerade durch eine der Gassen schlenderten, passierte es: Mia stolperte und fiel hin. Sie schürfte sich das Knie auf und weinte bitterlich. Wir versuchten, sie zu beruhigen und das Knie zu reinigen. Aber Mia war hysterisch. Glücklicherweise war in der Nähe ein kleines Apothekenladen. Wir gingen dorthin und baten um Hilfe. Die Apothekerin war sehr freundlich und kümmerte sich sofort um Mia. Sie reinigte das Knie, klebte einen Pflaster drauf und gab uns noch eine Salbe mit. Mia beruhigte sich sofort und wollte wieder loslegen. Dieser kleine Zwischenfall zeigte uns, dass auch an den touristischsten Orten Menschen leben, die bereit sind, zu helfen.

Ein Hauch von Authentizität

Am Abend kehrten wir in ein kleines Restaurant in Lindos zurück, das von einer Familie geführt wurde. Es war versteckt in einer Seitengasse und abseits der Touristenströme. Das Essen war einfach, aber köstlich. Wir aßen frischen Fisch, griechischen Salat und tranken lokalen Wein. Die Atmosphäre war entspannt und familiär. Der Wirt erzählte uns von seinem Leben auf Rhodos und von der Geschichte seines Dorfes. Es war schön, einen Einblick in das authentische Leben der Menschen hier zu bekommen. Nach ein paar Tagen auf Rhodos hatte ich das Gefühl, dass wir langsam die Seele dieser Insel zu entdecken beginnen. Es ist nicht immer einfach, die authentischen Orte zu finden, aber es lohnt sich. Wir hatten zwar nicht das Paradies gefunden, aber wir hatten ein paar schöne Erlebnisse gehabt und ein paar interessante Menschen kennengelernt. Und das war es wert. Ob wir noch genug Zeit haben, um wirklich unter die Haut der Insel zu kommen, war jedoch fraglich.

Die letzten Tage auf Rhodos waren ein Mix aus Entspannung, Entdeckung und leichter Frustration. Wir hatten einige wirklich schöne Momente erlebt, aber auch festgestellt, dass die Insel von den Auswirkungen des Massentourismus gezeichnet ist. Ich bin ja nicht grundsätzlich gegen Tourismus, aber ich finde, es sollte im Einklang mit der Natur und der Kultur stehen. Und das ist auf Rhodos leider nicht immer der Fall.

Abseits der ausgetretenen Pfade

Nach Lindos, das zwar wunderschön, aber auch unglaublich überlaufen war, beschlossen wir, uns etwas abseits der ausgetretenen Pfade zu bewegen. Wir mieteten einen kleinen Jeep und fuhren ins Landesinnere, in die Berge. Dort fanden wir kleine, versteckte Dörfer, in denen das Leben noch langsamer und authentischer zu sein schien.

In einem dieser Dörfer, hoch oben in den Bergen, trafen wir einen alten Schäfer, der uns von seinem Leben erzählte. Er hatte noch nie einen Touristen gesehen und war sehr neugierig auf uns und unsere Kinder. Er lud uns in seine Hütte ein und bot uns frischen Ziegenkäse und selbstgebackenes Brot an. Das war ein unvergessliches Erlebnis.

Strandtage und Wasserspaß

Natürlich durften auch Strandtage nicht fehlen. Wir verbrachten einige Stunden an verschiedenen Stränden entlang der Küste. Der Strand von Tsambika war besonders schön, mit feinem Sand und klarem Wasser. Aber auch hier war es ziemlich voll, vor allem am Nachmittag.

Leon und Mia liebten es, im Meer zu schwimmen und Sandburgen zu bauen. Anna und ich konnten uns entspannen und die Sonne genießen. Es war schön, einfach mal den Alltag hinter sich zu lassen und die Zeit mit der Familie zu verbringen.

Fazit: Lohnt sich Rhodos?

Rhodos ist eine wunderschöne Insel mit viel Potenzial. Aber sie ist auch von den Auswirkungen des Massentourismus gezeichnet. Wer auf der Suche nach Ruhe und Authentizität ist, sollte sich etwas abseits der ausgetretenen Pfade bewegen und die kleinen, versteckten Dörfer erkunden. Wer sich auf den Trubel und die Touristenmassen einstellt, wird hier sicher auch seinen Spaß haben.

Ich würde sagen, Rhodos ist ein Reiseziel, das man einmal im Leben gesehen haben sollte. Aber man sollte sich bewusst sein, dass es nicht das Paradies auf Erden ist. Es ist eine Insel mit Licht und Schatten, mit Schönheit und Hässlichkeit, mit Authentizität und Kommerz.

Für uns als Familie war Rhodos eine interessante Erfahrung. Wir haben viel erlebt, viel gelernt und ein paar schöne Erinnerungen mit nach Hause genommen. Aber ich bin froh, dass wir nicht zu lange geblieben sind. Ich glaube, wir sind eher der Typ für ruhigere, authentischere Reiseziele.

Meine Tipps für Rhodos mit Kindern

Wenn ihr mit Kindern nach Rhodos reist, empfehle ich euch, folgende Tipps zu beachten:

  • Plant genügend Zeit für Entspannung ein. Die Kinder brauchen Zeit, um sich zu akklimatisieren und neue Eindrücke zu verarbeiten.
  • Verlasst die Touristenpfade. Erkundet die kleinen, versteckten Dörfer und findet authentische Orte.
  • Probiert die lokale Küche. Es gibt viele leckere griechische Gerichte, die auch Kindern schmecken.
  • Nehmt genügend Sonnenschutzmittel mit. Die Sonne auf Rhodos ist sehr stark.
  • Seid offen für neue Erfahrungen. Lasst euch von der Kultur und der Lebensweise der Menschen verzaubern.

Und vor allem: Genießt die Zeit mit eurer Familie!

    👤 Freiwillige (25) die in sozialen Projekten im Ausland mitarbeitet ✍️ inspirierend und motivierend