Afrika - Tunesien - Djerba

Reisebericht Afrika - Tunesien - Djerba

Der Geruch von Datteln und etwas Blumigem hing in der Luft, vermischt mit dem warmen Staub, der von den Palmen herabfiel. Ich stand also da, am Flughafen Houmt Souk auf Djerba, leicht verloren, aber angenehm überwältigt. Die Sonne war schon recht hoch und schien durch die Blätter, malte tanzende Muster auf den hellen Fliesen. Es war anders, als ich es von anderen Urlaubsorten kannte, irgendwie…ruhiger, gedämpfter.

Eine Reise mit Geschichte

Djerba. Ein Name, der in meinem Herzen schon lange schlummert. Meine Frau, Elisabeth, und ich hatten immer davon geträumt, hierherzukommen. Sie liebte die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht, und Djerba, mit seiner arabischen Kultur und den alten Traditionen, schien ihr wie ein Märchen aus Fleisch und Blut. Elisabeth ist leider vor zwei Jahren verstorben, und ich…ich brauchte eine Veränderung. Eine Reise, die mich an sie erinnerte, aber auch neue Kraft gab. Die Enkelkinder sind aus dem Haus, die Rente ist bescheiden, aber eben doch da. Also habe ich mir gesagt: "Mach es, Karl. Erlebe es für euch beide."

Es war nicht einfach, alles zu organisieren. Als Rentner muss man eben ein bisschen genauer hinsehen, wo man sparen kann. Die Flüge waren günstig, das Hotel…naja, es war zweckmäßig. Aber ich brauche keinen Luxus, mir geht es um das Erlebnis, um die Atmosphäre. Und die war schon beim Aussteigen aus dem Flugzeug spürbar. Eine Wärme, die nicht nur vom Wetter kam.

Der erste Eindruck von Houmt Souk

Ich hatte ein kleines Taxi zum Hotel bestellt. Der Fahrer, ein freundlicher Mann mit zerfurchtem Gesicht, sprach kaum Deutsch, aber mit Händen und Füßen verstanden wir uns ganz gut. Auf dem Weg durch Houmt Souk, die Hauptstadt der Insel, sah ich schon erste Einblicke in das Leben hier. Kleine Geschäfte mit bunten Gewürzen, Handwerksbetriebe, in denen Männer an Holz und Metall arbeiteten, und überall diese alten, weiß getünchten Häuser. Ein Labyrinth aus engen Gassen, in denen das Leben pulsierte.

Das Hotel war, wie gesagt, einfach. Aber sauber und ordentlich. Ein kleines Zimmer mit Blick auf einen Innenhof, in dem ein paar Palmen standen. Ich packte meine Sachen aus und ging sofort wieder runter, um die Gegend zu erkunden. Ich wollte nicht warten, ich wollte alles sehen, alles erleben.

Ich schlenderte durch die Medina, den alten Stadtkern von Houmt Souk. Überall duftete es nach Minztee und Jasmin. Ich kaufte ein paar Datteln von einem Straßenhändler, süß und klebrig, und probierte einen frisch gepressten Orangensaft. Der Himmel war strahlend blau, und die Sonne wärmte meine Haut. Ich setzte mich auf eine Bank und beobachtete das Treiben um mich herum. Männer spielten Schach, Frauen kauften auf dem Markt ein, und Kinder jagten sich durch die Gassen. Es war ein friedliches Bild, ein Bild des einfachen Lebens.

Erinnerungen an Elisabeth

Ich stellte mir Elisabeth neben mich. Sie hätte das alles geliebt. Sie hätte sich über die bunten Gewürze gefreut, über die freundlichen Menschen, über die Wärme und die Sonne. Sie hätte wahrscheinlich versucht, ein paar Worte Arabisch zu lernen, und wäre dabei kläglich gescheitert. Aber das wäre ihr egal gewesen. Sie hätte einfach nur das Leben genossen.

Ein leichter Wind wehte durch die Palmen, und ich schloss die Augen. Ich konnte Elisabeths Lachen hören, ich konnte ihre Hand in meiner spüren. Es war, als ob sie mir den Weg wies, als ob sie mir Mut machte. Ich lächelte. Ich war nicht allein.

Am Abend aß ich in einem kleinen Restaurant am Hafen. Ich bestellte einen Fisch, der frisch aus dem Meer gefangen war. Er schmeckte hervorragend. Ich saß draußen und beobachtete die Fischerboote, die in den Hafen einfuhren. Der Mond schien hell am Himmel, und das Wasser glitzerte silbern. Es war ein friedlicher Moment, ein Moment der Stille und der Besinnung.

Die ersten Tage vergingen wie im Flug. Ich erkundete die Insel, besuchte alte Moscheen, wanderte durch Palmenhaine, badete im Meer. Ich lernte ein paar freundliche Menschen kennen, die mir viel über die Kultur und die Geschichte Djerbas erzählten. Ich fühlte mich wohl, ich fühlte mich lebendig.

Doch es war mehr als nur ein Urlaub. Es war eine Reise zu mir selbst, eine Reise der Erinnerung und der Heilung. Ich spürte, dass ich langsam wieder zu Kräften kam, dass ich wieder ins Leben fand. Und ich wusste, dass Elisabeth das sehr gefreut hätte.

Die Insel barg noch viele Geheimnisse, viele Geschichten, und ich war gespannt darauf, sie zu entdecken. Ich hatte das Gefühl, dass diese Reise mich noch lange begleiten würde, und ich freute mich darauf, was die nächsten Tage bringen würden.

Auf den Spuren der Berber

Ich beschloss, einen Ausflug in das Landesinnere zu unternehmen, weg von den touristischen Orten. Ich hatte gelesen, dass es in der Umgebung von Tataouine, ein paar Kilometer von Djerba entfernt, alte Berberdörfer gibt. Also stieg ich in einen *louage*, einen Sammeltaxi, und ließ mich dorthin bringen. Die Fahrt war abenteuerlich, die Straßen waren holprig und kurvenreich, aber die Landschaft war atemberaubend. Olivenhaine, karge Hügel und kleine Dörfer zogen an uns vorbei.

In einem dieser Dörfer, Chenini, angekommen, war es, als würde man in eine andere Zeit zurückreisen. Die Häuser waren aus Lehm gebaut und schienen direkt aus dem Fels zu wachsen. Es gab keine Straßen, nur schmale Pfade, die sich durch das Dorf schlängelten. Ich wanderte stundenlang umher, beobachtete die Menschen bei ihrer Arbeit und versuchte, ein paar Worte Arabisch zu sprechen. Es war schwierig, aber die Menschen waren freundlich und hilfsbereit. Eine alte Frau bot mir einen Tee an, süß und stark, und erzählte mir etwas über die Geschichte des Dorfes. Sie sprach kaum Deutsch, aber mit Händen und Füßen verstanden wir uns ganz gut.

Missverständnisse und Lachen

Ich versuchte, mir einen Weg zum *Kasbah* zu erkundigen, aber mein Arabisch war miserabel. Ich deutete auf eine Skizze in meinem Reiseführer, und der Mann, den ich ansprach, nickte eifrig und führte mich…zum Gemüseladen. Nun ja, das war nicht ganz das, was ich wollte, aber ich musste lachen. Irgendwann stellte sich heraus, dass ich mich mit einem alten Schafhirten unterhalten hatte, der keinerlei Deutsch oder Französisch verstand. Er deutete mir mit wilden Gesten den Weg, und irgendwann erreichte ich tatsächlich die Kasbah, eine alte Festung mit einer atemberaubenden Aussicht auf die Umgebung.

Houmt Souk bei Nacht

Zurück in Houmt Souk, entdeckte ich ein ganz anderes Gesicht der Stadt. Bei Nacht verwandelte sich die Medina in einen lebendigen Markt mit unzähligen Ständen, an denen Gewürze, Kleidung, Schmuck und Souvenirs verkauft wurden. Überall duftete es nach Essen und Gewürzen. Ich probierte verschiedene Spezialitäten, wie *brik*, ein dünnes Teigblatt gefüllt mit Ei und Thunfisch, und *couscous*, den es in unzähligen Varianten gab.

Ich setzte mich in ein kleines Café und beobachtete das Treiben um mich herum. Männer spielten *tavli*, eine Art Backgammon, Frauen unterhielten sich und lachten, und Kinder jagten sich durch die Gassen. Es war ein lebendiges, authentisches Bild, das ich so schnell nicht vergessen würde.

Ein kleiner Stolperstein

Eines Tages wollte ich zum Strand von Sidi Mahrez, einem abgelegenen Paradies mit weißem Sand und türkisfarbenem Wasser. Ich hatte mich erkundigt, wie ich hinkommen kann, und mir wurde gesagt, dass ich einen Bus nehmen muss. Ich stieg in den Bus, und alles schien gut zu laufen, bis wir an einer Kreuzung anhielten. Der Fahrer sprach mich an, und ich verstand nur Bahnhof. Ich versuchte, ihm zu erklären, wohin ich wollte, aber er schüttelte nur den Kopf. Irgendwann stellte sich heraus, dass ich in den falschen Bus gestiegen war. Ich musste aussteigen und mir ein Taxi nehmen. Nun ja, so ist das Reisen, manchmal läuft nicht alles nach Plan. Aber auch diese kleinen Stolpersteine gehören dazu, sie machen die Reise erst richtig interessant.

Die Tage auf Djerba vergingen viel zu schnell. Ich hatte so viel gesehen und erlebt, so viele freundliche Menschen kennengelernt. Ich hatte mich in die Insel verliebt, in ihre Schönheit, ihre Kultur, ihre Wärme. Ich spürte, dass ich hier etwas gefunden hatte, das ich lange gesucht hatte: Frieden, Ruhe, und eine neue Lebensfreude. Und ich wusste, dass ich diese Reise noch oft in Erinnerung behalten würde, als ein kleines, kostbares Juwel in meinem Herzen. Mit dem Blick auf die untergehende Sonne am Strand von Sidi Mahrez fühlte ich mich bereit für die Heimreise, erfüllt von Dankbarkeit und der Gewissheit, dass Elisabeth hier einen Teil ihrer Seele hinterlassen hatte.

Der letzte Morgen auf Djerba. Ich saß auf dem Balkon meines kleinen Hotels und trank meinen Kaffee. Die Sonne ging gerade auf, und der Himmel war in den schönsten Farben gemalt. Ich atmete tief ein und spürte die Wärme auf meiner Haut. Es war, als ob die Insel mir noch ein letztes Geschenk machen wollte, einen Moment der Ruhe und Besinnlichkeit.

Abschiednehmen und Erinnerungen bewahren

Ich dachte an Elisabeth. Sie hätte diesen Moment genauso genossen wie ich. Sie hätte sich über die Farben des Himmels gefreut, über das Zwitschern der Vögel, über die Wärme der Sonne. Und sie hätte mich daran erinnert, dankbar zu sein für all die schönen Dinge im Leben.

Die Reise neigte sich dem Ende zu, aber die Erinnerungen würden bleiben. Ich hatte so viel erlebt, so viele neue Menschen kennengelernt, so viel Schönheit gesehen. Und ich hatte gelernt, dass man auch mit kleinem Budget ein großes Abenteuer erleben kann.

Ein paar Tipps für andere Reisende

Wenn ich anderen Reisenden einen Tipp geben könnte, dann wäre es dieser: Seien Sie offen für neue Erfahrungen. Lassen Sie sich treiben, erkunden Sie die Insel, lernen Sie die Menschen kennen. Und vergessen Sie nicht, die kleinen Dinge zu genießen. Ein Lächeln, ein Sonnenuntergang, ein gutes Gespräch. Das sind die Dinge, die das Leben wertvoll machen.

Ich habe gelernt, dass Djerba mehr ist als nur ein Urlaubsort. Es ist ein Ort der Ruhe, der Schönheit, der Gastfreundschaft. Ein Ort, an dem man die Seele baumeln lassen kann und neue Kraft tanken kann.

Was ich besonders empfehlen würde

Die Medina von Houmt Souk ist ein Muss für jeden Besucher. Hier kann man das authentische Leben der Insel erleben, in den kleinen Gassen stöbern und sich von den Düften und Farben verzaubern lassen. Auch ein Besuch des Strand von Sidi Mahrez ist sehr empfehlenswert. Hier kann man in türkisfarbenem Wasser baden und die Ruhe genießen. Und wer sich für die Geschichte der Insel interessiert, sollte unbedingt die Kasbah in Chenini besuchen. Dort kann man einen atemberaubenden Blick auf die Umgebung genießen und mehr über die Berberkultur erfahren.

Ich habe auch festgestellt, dass die Menschen auf Djerba sehr gastfreundlich sind. Sie sind immer bereit, einem zu helfen, und sie freuen sich, wenn man sich für ihre Kultur interessiert. Ich habe viele nette Gespräche geführt und viel über das Leben auf der Insel gelernt.

Diese Reise war für mich mehr als nur ein Urlaub. Es war eine Reise der Erinnerung, der Heilung und der neuen Lebensfreude. Ich bin dankbar für jede Sekunde, die ich auf Djerba verbringen durfte, und ich weiß, dass ich diese Insel nie vergessen werde.

Ich saß noch eine Weile auf dem Balkon und genoss die Aussicht. Dann packte ich meine Sachen und machte mich auf den Weg zum Flughafen. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verließ ich Djerba, wohl wissend, dass ich irgendwann wiederkommen würde. Elisabeth hätte sich gefreut.

    👤 Geschichtsstudent (22) auf der Suche nach historischen Stätten und kulturellem Erbe ✍️ fachkundig und expertenwissen