Asien - Südkorea - Busan

Busan: Mehr als nur Kimchi und Strand

Der Geruch von Kimchi und gebratenem Fleisch hing schon in der Luft, als ich aus der Rolltreppe des Busan-Bahnhofs kam. Völlig überwältigend! Ich hatte mir die Haare kurz vor dem Abflug noch zu einem strengen Dutt gebunden, weil ich dachte, das wäre praktisch – jetzt wirbelten einzelne Strähnen wild um mein Gesicht, während ich versuchte, mich zu orientieren. Busan! Endlich angekommen.

Die Spontaneität siegt

Ich hatte eigentlich einen Plan gehabt. Ein ziemlich detaillierten sogar. Seoul, dann Jeju-do, dann zurück nach Seoul. Aber das Leben – oder zumindest mein Reiseleben – hat ja seine eigenen Pläne. Ein günstiges Flugticket nach Busan war mir über den Weg gelaufen, und bevor ich überhaupt richtig darüber nachdenken konnte, hatte ich gebucht. Seoul konnte warten. Und Jeju-do vielleicht auch. Ich bin ja eher der Typ Backpackerin, die sich treiben lässt. Mit minimalem Budget und maximaler Neugier. 22 Jahre alt, gerade das College hinter mir und eine vage Idee, dass ich irgendwas "finden" will. Was genau, wusste ich noch nicht. Wahrscheinlich mich selbst. Klingt kitschig, ich weiß. Aber hey, ich bin ja noch jung. Und pleite.
Ich hatte mir ein Hostel in der Nähe des Haeundae-Strandes ausgesucht. Irgendwas Simples, mit gemischten Schlafsälen und hoffentlich funktionierendem WLAN. Das ist für mich das A und O. Ich brauche das WLAN, um meine Familie zu beruhigen und um meine Fotos auf Instagram zu posten. Ja, ich bin ein Instagram-Kid. Aber ich bin auch ein pragmatisches Instagram-Kid.

Erste Schritte in der Großstadt

Der Weg zum Hostel führte mich durch ein Gewirr aus Straßen und Gassen. Überall blinkende Neonlichter, bunte Schilder und Menschenmassen. Ich versuchte, mich zu erinnern, was ich über Busan gelernt hatte. Zweitgrößte Stadt Südkoreas, Hafenstadt, bekannt für ihre Strände und das köstliche Essen. Kimchi, natürlich. Und Meeresfrüchte. Viel Meeresfrüchte. Ich passierte einen kleinen Laden, in dem ältere Herren am Boden saßen und Karten spielten. Sie musterten mich neugierig, aber freundlich. Ein paar tuschelten auf Koreanisch, dann lachten sie. Ich lächelte zurück und versuchte, nicht zu offensichtlich verloren auszusehen. Das klappte nicht besonders gut, glaube ich.
Die Häuser waren eine Mischung aus modernster Architektur und traditionellen koreanischen Häusern, den sogenannten Hanoks. Irgendwo zwischen riesigen Einkaufszentren und kleinen Tempeln. Es war faszinierend, wie alt und neu hier nebeneinander existierten.

Hostel-Leben

Das Hostel stellte sich als ziemlich gemütlich heraus. Ein kleines, einfaches Gebäude mit freundlichem Personal und einer entspannten Atmosphäre. Ich teilte mir einen Schlafraum mit ein paar anderen Backpackern: einem deutschen Studenten, einem australischen Paar und einer japanischen Künstlerin. Wir stellten uns kurz vor und tauschten Reisepläne aus. Ich war froh, dass ich nicht alleine unterwegs war. Es ist schön, andere Reisende zu treffen, die die gleiche Leidenschaft für das Entdecken teilen. Und es ist noch schöner, wenn man sich gegenseitig helfen kann, wenn man mal den Überblick verliert.
Nachdem ich mein Gepäck verstaut hatte, machte ich mich auf den Weg zum Haeundae-Strand. Es war schon dunkel, aber der Strand war voller Leben. Menschen saßen am Feuer, spielten Musik und unterhielten sich. Ich setzte mich in den Sand und atmete tief durch. Die salzige Luft und das Rauschen des Meeres waren unglaublich beruhigend.
Ich bestellte mir ein Tteokbokki – scharfe Reiskuchen in einer würzigen Soße – an einem kleinen Straßenstand. Es war unglaublich lecker, aber auch unglaublich scharf. Meine Augen tränten und meine Nase lief, aber ich konnte nicht aufhören zu essen. Ich hatte das Gefühl, dass ich hier, in Busan, etwas Besonderes erleben würde. Ein Abenteuer, das mich verändern würde. Ich wusste nur noch nicht, wie genau. Aber ich war bereit dafür. Und ich war gespannt darauf, was die nächsten Tage bringen würden. Jetzt galt es erstmal, die Stadt zu erkunden und mich in das lokale Leben einzutauchen – und vielleicht den ein oder anderen verborgenen Schatz zu entdecken.

Der Gamcheon Culture Village – ein Farbenrausch

Am nächsten Morgen war ich fest entschlossen, Busan wirklich kennenzulernen. Das Gamcheon Culture Village stand ganz oben auf meiner Liste. Ich hatte Bilder davon gesehen – ein Hügel voller bunter Häuser, verwinkelter Gassen und versteckter Kunstinstallationen. Klingte perfekt für mich. Die Anreise war etwas komplizierter, als ich erwartet hatte. Mehrere Busse, eine U-Bahn-Fahrt und ein steiler Anstieg den Hügel hinauf. Ich verirrte mich mindestens dreimal, aber irgendwann erreichte ich dann doch mein Ziel. Und was soll ich sagen? Es war noch beeindruckender, als auf den Fotos. Die Häuser waren in allen möglichen Farben gestrichen – pink, blau, gelb, grün. Überall hingen Blumenkästen und kleine Kunstwerke. Die Gassen waren eng und verwinkelt, und man konnte stundenlang darin umherwandern, ohne sich zu langweilen. Ich fühlte mich wie in einem Märchen. Ich kaufte mir ein Eis von einem kleinen Straßenstand und setzte mich auf eine Mauer, um die Aussicht zu genießen. Von hier oben konnte man das ganze Stadtbild sehen – das Meer, die Berge, die modernen Hochhäuser und die traditionellen Hanoks. Es war atemberaubend.
Ich entdeckte ein kleines Café in einem der Häuser und bestellte mir einen Dalgona-Kaffee. Dieser süße, schaumige Kaffee war in Korea gerade total im Trend. Im Café unterhielt ich mich mit einer älteren Dame, die dort arbeitete. Sie erzählte mir, dass das Gamcheon Culture Village früher ein armes Viertel war, aber durch die Kunst und den Tourismus wiederbelebt wurde. Das fand ich total inspirierend.

Ein Missverständnis auf dem Jagalchi Fischmarkt

Am Nachmittag wollte ich den Jagalchi Fischmarkt besuchen. Ich hatte gehört, dass es dort die frischesten Meeresfrüchte der Stadt gibt. Und ich hatte Hunger. Ich war ziemlich überwältigt, als ich dort ankam. Überall standen Tische voller Fische, Krabben, Muscheln und anderen Meeresfrüchten. Die Verkäufer riefen lautstark, um die Aufmerksamkeit der Kunden auf sich zu ziehen. Es roch intensiv nach Fisch – nicht unbedingt unangenehm, aber auch nicht gerade zart. Ich versuchte, mir etwas auszusuchen, aber ich wusste nicht genau, was ich kaufen sollte. Ich zeigte auf einen großen Tintenfisch, aber der Verkäufer schüttelte den Kopf und deutete auf etwas anderes. Ich verstand nicht, was er meinte, und er sprach kein Englisch. Schließlich zeigte er auf eine Schüssel mit fermentierten Garnelen. Ich hatte keine Ahnung, was das war, aber ich wollte nicht unhöflich sein, also nickte ich und sagte „Ja, bitte“.
Ich setzte mich an einen Tisch und wartete auf mein Essen. Als es endlich ankam, stellte ich fest, dass es sich um eine Schüssel voll stinkender, fermentierter Garnelen handelte. Der Geruch war unerträglich. Ich versuchte, einen Bissen zu nehmen, aber ich konnte es einfach nicht schaffen. Es schmeckte genauso schlimm, wie es roch.
Ich bat den Kellner, mir etwas anderes zu bringen, aber er sagte, ich müsse für die fermentierten Garnelen bezahlen. Ich war frustriert und hungrig, aber ich wollte keinen Streit anfangen, also bezahlte ich und verließ den Markt. Ich hatte gelernt, dass man nicht alles essen sollte, was einem auf einem Fischmarkt angeboten wird.

Nacht am Haeundae Strand

Den Abend verbrachte ich wieder am Haeundae Strand. Ich kaufte mir ein paar Tteokbokki und setzte mich in den Sand, um das Meer zu beobachten. Die Lichter der Stadt spiegelten sich im Wasser. Es war friedlich und entspannend. Ich dachte über die letzten paar Tage nach. Busan war eine faszinierende Stadt voller Kontraste. Moderne Architektur und traditionelle Kultur, geschäftige Märkte und ruhige Strände, köstliches Essen und ungenießbare Spezialitäten. Ich hatte viel erlebt und gelernt. Und ich wusste, dass ich diese Stadt so schnell nicht vergessen würde. Es war an der Zeit, mich auf das nächste Abenteuer vorzubereiten, aber ich würde die Erinnerungen an Busan für immer in meinem Herzen tragen, und sie würden mich auf meiner Reise begleiten.

Ich saß gerade in einem kleinen Café, nippte an meinem Eistee und beobachtete das bunte Treiben auf der Straße. Busan hatte mich wirklich in seinen Bann gezogen. Es war nicht nur die atemberaubende Landschaft oder das leckere Essen, sondern auch die Menschen, die so freundlich und hilfsbereit waren. Ich hatte schon so viele verschiedene Kulturen erlebt, aber Korea fühlte sich anders an. Eine Mischung aus Tradition und Moderne, die mich faszinierte.

Reflexionen am Hafen

Ich hatte mir vorgenommen, die Stadt mit allen Sinnen aufzusaugen. Nicht nur die Sehenswürdigkeiten abzuklappern, sondern auch das alltägliche Leben zu beobachten. Die kleinen Geschäfte, die Familien, die in den Parks picknickten, die alten Männer, die am Meer fischten. Das waren die Dinge, die mir am meisten im Gedächtnis bleiben würden.

Ich hatte gelernt, dass Reisen mehr ist als nur Urlaub. Es ist eine Möglichkeit, den eigenen Horizont zu erweitern, neue Perspektiven zu gewinnen und sich selbst besser kennenzulernen. Man lernt, mit Unsicherheit umzugehen, improvisieren und sich auf neue Situationen einzustellen. Und man lernt, die kleinen Dinge im Leben zu schätzen.

Der Taejongdae Park – Ein letzter Blick aufs Meer

Am letzten Tag in Busan besuchte ich den Taejongdae Park. Ein wunderschöner Park auf einer kleinen Halbinsel, von dem aus man einen atemberaubenden Blick auf das Meer hat. Ich wanderte stundenlang auf den Klippen, atmete die salzige Luft ein und genoss die Ruhe. Es war ein perfekter Abschluss meiner Reise.

Ein paar Tipps für angehende Busan-Reisende

Wenn ich jemandem eine Reise nach Busan empfehlen würde, hätte ich ein paar Tipps auf Lager. Erstens: Habt keine Angst, euch zu verirren. Busan ist eine sichere Stadt, und man kann fast überall Hilfe bekommen. Zweitens: Probiert das lokale Essen. Es gibt so viele leckere Gerichte zu entdecken, von Kimchi bis zu Meeresfrüchten. Und drittens: Seid offen für neue Erfahrungen. Lasst euch einfach treiben und genießt das Abenteuer.

Ich hatte gelernt, dass Reisen nicht immer perfekt sein muss. Manchmal sind es die kleinen Pannen und Missverständnisse, die die Reise erst richtig unvergesslich machen. Und man lernt, dass man mit wenig Geld viel erleben kann. Man muss nur bereit sein, kreativ zu sein und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Als ich am Flughafen saß und auf meinen Flug wartete, fühlte ich mich traurig, Busan zu verlassen. Aber ich wusste auch, dass ich diese Stadt immer in meinem Herzen tragen würde. Und ich wusste, dass ich irgendwann wiederkommen würde.

    • Gamcheon Culture Village
    • Haeundae Strand
    • Haeundae Strand
    • Gamcheon Culture Village (Kunstinstallationen)
    • Jagalchi Fischmarkt
👤 Backpackerin Anfang 20 mit sehr kleinem Budget ✍️ spannend und abenteuerlich