Afrika - Seychellen - Mahé

Zwischen Granit und Kokosnüssen

Der Geruch von feuchter Erde und überreifen Mangos hängt in der Luft, vermischt mit dem salzigen Hauch des Indischen Ozeans. Ich steige aus dem kleinen Propellerflugzeug, die Hitze schlägt mir sofort ins Gesicht. Mahé, Seychellen. Ein bisschen surreal, wenn man bedenkt, dass ich vor drei Monaten noch in einem muffigen Co-Working Space in Berlin saß und mir die Finger wundgetippt habe.

Flucht aus dem grauen Alltag

Die Idee kam mir während eines besonders deprimierenden Zoom-Meetings. Grau in grau, Regen draußen, und ich, ein weiterer digitaler Nomade, der versucht, den Lebensunterhalt zu verdienen, während er gleichzeitig so tut, als wäre das Leben ein endloser, inspirierender Urlaub. Ironisch, oder? Ich brauchte dringend einen Reset. Irgendwas, das mehr war als nur ein paar Tage am Strand in Thailand. Ich wollte raus aus dem Trott, weg von der ständigen Erreichbarkeit, und einfach mal wieder spüren, was es bedeutet, wirklich zu leben.

Die Seychellen waren eigentlich ein Zufall. Ich hatte irgendwann in einem Blog über versteckte Paradiese gelesen und das Bild von diesen riesigen Granitfelsen, die aus dem türkisfarbenen Wasser ragen, hatte sich in meinem Kopf festgesetzt. Es wirkte so… unwirklich, so fernab vom Alltag. Und genau das brauchte ich.

Ankunft in Victoria

Victoria, die Hauptstadt, ist… anders. Es ist keine Metropole, keine pulsierende Großstadt. Es ist eher ein verschlafenes Dorf, das irgendwie im Laufe der Zeit ein bisschen größer geworden ist. Die bunten Häuser, die sich an den Hang schmiegen, die kleinen Läden, in denen es alles Mögliche und Unmögliche zu kaufen gibt. Und überall diese unglaublich freundlichen Menschen. Ich habe mich sofort wohlgefühlt.

Ich hatte im Voraus ein kleines Airbnb in einem Viertel etwas außerhalb des Zentrums gebucht. Die Fahrt dorthin war schon ein Erlebnis für sich. Die Straßen sind eng und kurvig, und die Busse fahren, wie sie wollen. Aber irgendwie funktioniert alles. Ich saß neben einer alten Dame, die mir unaufhörlich von ihrem Enkel erzählte, der in England studiert. Sie sprach so schnell und mit so viel Begeisterung, dass ich kaum ein Wort verstand, aber ihre Energie war ansteckend.

Meine Unterkunft ist einfach, aber sauber und gemütlich. Ein kleines Zimmer mit Blick auf den Ozean. Ich habe mich sofort auf den Balkon gesetzt und einfach nur die Aussicht genossen. Das Rauschen der Wellen, der Wind in den Palmen, die Sonne auf meiner Haut. Es war, als würde der ganze Stress der letzten Monate einfach wegspülen. Ich habe mir eine Kokosnuss aus dem kleinen Supermarkt um die Ecke gekauft und sie direkt vor Ort getrunken. Frischer geht es kaum.

Erste Erkundungen

Am ersten Tag habe ich mich einfach treiben lassen. Ich bin durch die Stadt geschlendert, habe den Markt besucht, wo es eine unglaubliche Vielfalt an frischem Obst, Gemüse und Fisch zu kaufen gibt. Ich habe mit den Einheimischen geplaudert, habe versucht, ein paar Worte Seychellen-Kreolisch zu lernen (was sich als ziemlich schwierig erwies). Und ich habe unzählige Fotos gemacht. Von den bunten Häusern, den exotischen Blumen, den beeindruckenden Granitfelsen.

Ich habe auch einen ersten Abstecher zu einem der vielen Strände gemacht. Beau Vallon, einer der beliebtesten Strände auf Mahé. Das Wasser ist kristallklar, der Sand ist so fein und weiß, dass er sich wie Puder anfühlt. Ich habe mich ins Meer gestürzt und einfach nur getrieben. Ich habe die Sonne auf meiner Haut gespürt, das Salz auf meinen Lippen, das Rauschen der Wellen in meinen Ohren. Es war perfekt.

Ich merke schon, dass das hier anders ist als alles, was ich bisher erlebt habe. Es ist nicht nur die Schönheit der Landschaft, sondern auch die entspannte Atmosphäre, die Freundlichkeit der Menschen, die Art und Weise, wie das Leben hier zu funktionieren scheint. Es ist, als würde die Zeit langsamer vergehen. Und ich merke, dass ich das brauche. Ich brauche Zeit, um zu entspannen, um neue Energie zu tanken, um herauszufinden, was ich wirklich will. Ich bin gespannt, was die nächsten Wochen bringen werden. Aber eins weiß ich schon jetzt: Diese Reise wird mich verändern. Ich habe das Gefühl, dass ich erst jetzt wirklich anfange, das Leben zu entdecken. Und das, während ich plane, die Inseln zu erkunden und vielleicht sogar ein paar Unterwasserfotos zu schießen.

Abseits der Postkartenidylle

Ich hatte mir vorgenommen, nicht nur an den schönsten Stränden zu liegen, sondern auch das “echte” Leben auf Mahé kennenzulernen. Also habe ich mich abseits der Touristenpfade begeben, in die kleinen Viertel, wo die Einheimischen leben. Und das hat sich gelohnt. Besonders gut hat mir das Viertel Mont Fleuri gefallen. Keine schicken Boutiquen, keine luxuriösen Hotels, sondern kleine Werkstätten, Familien, die auf ihren Veranden sitzen und plaudern, und überall dieser süße Duft von frischem Essen. Dort habe ich einen kleinen Handwerker kennengelernt, der wunderschöne Holzskulpturen herstellt. Wir haben uns zwar kaum verständigen können, aber seine Begeisterung für seine Arbeit war spürbar. Ich habe ihm eine kleine Spende gegeben und dafür eine wunderschöne Schildkröte aus Holz bekommen, die jetzt einen Platz in meinem Airbnb hat.

Ein Ausflug nach Anse Lazio – und die Begegnung mit den Krabben

Natürlich durfte ein Besuch am Anse Lazio nicht fehlen. Dieser Strand ist wirklich so paradiesisch, wie auf den Bildern. Türkisblaues Wasser, feiner Sand, riesige Granitfelsen. Ich habe den ganzen Tag dort verbracht, mit einem guten Buch und einer Kokosnuss. Aber es gab auch eine kleine Überraschung. Ich wollte ein paar Fotos von den Felsen machen und bin dabei unglücklicherweise zu nah an ein Krabbenloch geraten. Eine riesige rote Krabbe ist sofort herausgekommen und hat mich angeknurrt! Ich bin fast in den Ozean gefallen, so erschrocken war ich. Aber nachdem ich mich beruhigt hatte, konnte ich sogar ein paar Fotos von dem kleinen Kerl machen. Er war gar nicht so furchteinflößend, eher witzig.

Victoria Market – ein Fest für die Sinne

Der Victoria Market ist ein absolutes Muss für jeden Besucher. Hier bekommt man alles, was das Herz begehrt: frischen Fisch, exotische Früchte, Gewürze, Kleidung, Souvenirs. Es ist ein rieses Gewusel, ein lautes Geschrei, ein Fest für die Sinne. Ich habe mir einen Strauß tropischer Blumen gekauft und bin dann mit dem Bus zurück zu meinem Airbnb gefahren. Unterwegs habe ich ein kleines lokales Restaurant entdeckt und mir ein Curry mit frischem Fisch gegönnt. Es war das beste Curry, das ich je gegessen habe! Die Leute dort waren so freundlich und herzlich, dass ich mich sofort wie zu Hause gefühlt habe. Ich habe mich mit ihnen unterhalten (so gut es eben ging) und viel über ihr Leben gelernt. Es war ein unvergessliches Erlebnis.

Ich habe auch gelernt, dass das Leben hier nicht immer perfekt ist. Es gibt Armut, es gibt Probleme, aber die Menschen sind trotzdem glücklich und zufrieden. Sie leben im Hier und Jetzt, sie genießen die kleinen Dinge im Leben, und sie sind dankbar für das, was sie haben. Das hat mich sehr beeindruckt und mir gezeigt, wie wichtig es ist, das Leben nicht zu ernst zu nehmen.

Die Tage vergehen wie im Flug und ich spüre, wie ich mich immer mehr mit der Insel und ihren Bewohnern verbunden fühle. Ich beginne, die Seychellen nicht mehr nur als ein Urlaubsparadies zu sehen, sondern als einen Ort mit einer eigenen Seele und Geschichte. Und ich weiß, dass diese Reise noch lange nicht zu Ende ist, denn es gibt noch so viel zu entdecken und zu erleben.

Ich beginne zu ahnen, dass die wahre Schönheit dieser Inseln nicht nur in den Postkartenmotiven liegt, sondern in den kleinen Momenten, den Begegnungen mit den Menschen und der Möglichkeit, endlich wieder ganz bei mir selbst zu sein.

Die letzten Tage sind wie im Flug vergangen. Ich sitze gerade auf meinem kleinen Balkon, trinke einen frisch gepressten Saft und schaue auf den Indischen Ozean. Die Sonne geht unter, der Himmel färbt sich in den schönsten Farben. Es ist ein friedlicher Moment, ein Moment der Stille und des Glücks.

Mehr als nur Postkartenidylle

Ich habe gelernt, dass die Seychellen mehr sind als nur ein Paradies für Honeymooner und Luxusreisende. Es ist ein Land mit einer reichen Kultur, einer freundlichen Bevölkerung und einer atemberaubenden Natur. Ich habe mich in die entspannte Lebensart der Menschen verliebt, in ihre Gastfreundschaft und ihre Lebensfreude. Ich habe gelernt, dass das Glück oft in den kleinen Dingen des Lebens liegt: ein Lächeln, ein Sonnenuntergang, ein gutes Gespräch.

Rückblick und Erkenntnisse

Die anfängliche Flucht aus dem grauen Alltag hat sich zu einer tiefgreifenden Erfahrung entwickelt. Ich bin nicht nur erholt und entspannt zurück, sondern habe auch eine neue Perspektive auf das Leben gewonnen. Ich habe erkannt, dass es wichtig ist, sich Zeit für sich selbst zu nehmen, um neue Energie zu tanken und die eigenen Bedürfnisse zu erkennen. Ich habe gelernt, dass man nicht immer alles kontrollieren kann, und dass es manchmal gut ist, einfach loszulassen und sich dem Fluss des Lebens hinzugeben.

Meine persönlichen Highlights

Es gibt so viele unvergessliche Momente, die ich mitnehmen werde. Die Wanderung durch den Morne Seychelois National Park, mit dem atemberaubenden Blick auf die Insel. Der Besuch des Victoria Marktes, mit den exotischen Früchten und dem lebhaften Treiben. Die entspannten Stunden am Anse Lazio, mit dem türkisfarbenen Wasser und dem weißen Sand. Aber am meisten werde ich die Begegnungen mit den Menschen in Erinnerung behalten: die freundlichen Verkäufer auf dem Markt, die hilfsbereiten Einheimischen, die mir den Weg gewiesen haben, die herzlichen Gespräche mit den Menschen, die ich kennengelernt habe.

Ein paar Tipps für angehende Entdecker

Wenn du auch vorhast, die Seychellen zu besuchen, habe ich ein paar Tipps für dich: Packe nicht zu viel ein! Hier braucht man nur leichte Kleidung, Badesachen und Sonnenschutz. Miete dir ein Auto oder einen Roller, um die Insel auf eigene Faust zu erkunden. Sei offen für neue Erfahrungen und lass dich einfach treiben. Probiere die lokale Küche! Das Essen hier ist unglaublich lecker und vielfältig. Und vergiss nicht, deine Kamera mitzunehmen, um die atemberaubende Landschaft festzuhalten.

Abschied und Vorfreude

Ich sitze hier, blicke auf den Ozean und spüre eine gewisse Wehmut. Ich werde die Seychellen vermissen, aber ich weiß, dass ich wiederkommen werde. Dieses Paradies hat einen festen Platz in meinem Herzen gefunden. Jetzt geht es weiter, zu neuen Abenteuern, zu neuen Herausforderungen, zu neuen Erfahrungen. Aber ich werde die Erinnerungen an die Seychellen immer mitnehmen, als ein kleines Stück Paradies in meinem Herzen.

    • Morne Seychelois National Park
    • Victoria Market
    • Anse Lazio
    • Mont Fleuri
👤 Alleinreisender digitaler Nomade um die 30 ✍️ audiovisuell und immersiv