Ein Grazer Märchen: Familienurlaub mit Herz
Warum Graz?
Wir sind keine Familie, die jedes Jahr im Luxusresort Urlaub macht. Eher das Gegenteil. Wir lieben es, selbst zu organisieren, zu sparen und trotzdem viel zu erleben. Und für uns bedeutet Urlaub vor allem: Zeit zu zweit mit den Kindern, ohne den Stress des Alltags. Graz kam ins Spiel, weil es für uns die perfekte Mischung aus Kultur, Natur und bezahlbarem Urlaub bot. Österreich ist zwar nicht gerade das billigste Land, aber mit Campingplätzen in der Umgebung und der Möglichkeit, eine Ferienwohnung zu mieten, konnten wir das Budget einigermaßen im Griff behalten.
Die Vorbereitung
Die Reiseplanung hatte dieses Jahr etwas länger gedauert. Nicht wegen der Destination selbst, sondern weil wir versucht haben, einen guten Kompromiss zwischen den Interessen aller zu finden. Luca ist ein kleiner Technik-Fan und wollte unbedingt in ein Museum, das sich mit Raumfahrt beschäftigt. Mia liebt Pferde und Einhörner. Und wir Eltern wollten gerne ein bisschen Kultur und gutes Essen. Graz bietet all das – und noch viel mehr. Wir hatten uns vorab schon ein paar Museen ausgesucht, einen Ausflug zum Schloss Eggenberg geplant und natürlich eine Liste mit kinderfreundlichen Restaurants zusammengestellt. Aber wir wollten auch genug Zeit für spontane Entdeckungen und einfach nur zum Herumschlendern lassen.
Der Campingplatz und die erste Erkundung
Wir hatten uns für einen Campingplatz etwas außerhalb des Stadtzentrums entschieden. Er war zwar nicht direkt am Fluss, aber dafür ruhig und hatte einen kleinen Spielplatz. Das Wichtigste für die Kinder! Das Zelt aufbauen ging dieses Jahr erstaunlich reibungslos – Luca half schon fast wie ein Profi. Und dann ging es los, die Umgebung zu erkunden. Wir sind erst mal zum nächsten Supermarkt gegangen, um Proviant einzukaufen. Mia bestand darauf, selbst das Obst aussuchen zu dürfen. Und Luca war ganz aufgeregt, weil er eine Verpackung entdeckt hatte, auf der ein Dinosaurier abgebildet war.
Der erste Eindruck vom Stadtzentrum
Am nächsten Morgen sind wir dann in die Innenstadt gefahren. Graz ist wirklich eine wunderschöne Stadt. Die Altstadt ist UNESCO-Weltkulturerbe und voller beeindruckender Gebäude. Wir haben uns erstmal einen Überblick verschafft, sind über den Hauptplatz geschlendert und haben uns die Rathausfassade angeschaut. Mia war sofort begeistert von den bunten Verzierungen. Luca war eher an den Straßenbahnen interessiert. Er wollte unbedingt mitfahren und alle Linien ausprobieren. Wir haben dann entschieden, erstmal zum Schlossberg zu fahren. Die Auffahrt mit der Standseilbahn war schon ein Erlebnis für sich. Und die Aussicht von oben war einfach atemberaubend.
Kulturelle Highlights und kleine Entdeckungen
Die folgenden Tage waren gefüllt mit kulturellen Highlights und kleinen Entdeckungen. Wir haben das Joanneumsvitarium besucht, ein interaktives Museum, das den Kindern viel Spaß gemacht hat. Luca war begeistert von den technischen Exponaten, und Mia hat sich für die Tiere interessiert. Wir haben auch das Landeszeughaus besucht, eine beeindruckende Sammlung historischer Waffen und Rüstungen. Das war zwar nicht unbedingt etwas für Mia, aber Luca war fasziniert. Abends haben wir uns immer ein gemütliches Restaurant gesucht und die lokale Küche probiert. Besonders gut hat uns ein kleines Gasthaus gefallen, in dem es selbstgemachte Knödel gab. Und natürlich durften auch die süßen Sachen nicht fehlen. Graz ist nämlich auch für seine Torten und Kuchen bekannt.
Nach ein paar Tagen voller Eindrücke hatten wir das Gefühl, die Stadt schon ein bisschen kennengelernt zu haben. Wir wussten, wo die besten Eisdielen sind, wo es kinderfreundliche Parks gibt und welche Museen sich für einen Besuch lohnen. Aber Graz hat noch viel mehr zu bieten. Und wir waren gespannt darauf, was wir noch alles entdecken würden, bevor unsere Reise zu Ende ging. Denn die Mischung aus Kultur, Natur und entspanntem Urlaub hatte uns jetzt schon vollkommen in ihren Bann gezogen.
Abseits der Touristenpfade: Lendplatz und Murinsel
Nach den ersten Tagen, in denen wir die klassischen Sehenswürdigkeiten abgeklappert hatten, wollten wir Graz mal aus einer anderen Perspektive kennenlernen. Ich hatte im Internet gelesen, dass das Viertel rund um den Lendplatz und die Murinsel besonders lebendig sein soll. Also sind wir eines Nachmittags dorthin gefahren. Der Lendplatz ist ein großer, offener Platz, auf dem immer etwas los ist. Es gibt viele Cafés, Restaurants und kleine Geschäfte. Mia war sofort begeistert von einem kleinen Spielzeugladen, in dem sie sich einen glitzernden Einhorn-Anhänger gekauft hat. Luca hat sich für einen Stand interessiert, an dem man selbst Buttons gestalten konnte – er hat natürlich sofort einen mit einem Raketenmotiv entworfen.
Die Murinsel: Architektur für Kinder
Das absolute Highlight war aber die Murinsel. Dieses schwimmende Kunstwerk mitten in der Mur ist wirklich beeindruckend. Es sieht aus wie ein riesiger Korb, der auf dem Wasser treibt. Wir sind hineingegangen und haben uns die Ausstellung angeschaut. Es gab zwar keine klassischen Kinder-Exponate, aber die ungewöhnliche Architektur und die Aussicht auf den Fluss haben Mia und Luca gut gefallen. Sie sind über die verschiedenen Ebenen gerannt und haben versucht, den besten Blick auf die Stadt zu finden. Ich muss sagen, ich war auch beeindruckt – so etwas habe ich noch nie gesehen.
Ein kleiner Fauxpas und die Rettung durch lokale Gastfreundschaft
Eines Tages wollten wir einen Ausflug zum Schloss Eggenberg machen. Wir hatten uns im Internet informiert und herausgefunden, dass man dorthin am besten mit der Straßenbahnlinie 4 fahren kann. Wir sind also zur Haltestelle gegangen und haben gewartet. Irgendwann kam eine Straßenbahn, die die Nummer 4 trug, aber sie fuhr in die entgegengesetzte Richtung. Wir sind aufgeregt geworden und haben versucht, den Fahrer zu fragen, ob er uns in die richtige Richtung bringen kann. Aber er konnte kein Deutsch und kein Englisch. Wir waren kurz davor, die Nerven zu verlieren, als eine ältere Dame auf uns zukam und uns erklärte, dass wir die falsche Haltestelle gewählt hatten. Sie hat uns zur richtigen Haltestelle geführt und uns sogar noch ein paar Tipps für den Besuch des Schlosses gegeben. So etwas nennt man dann wohl österreichische Gastfreundschaft.
Schloss Eggenberg: Barockpracht und Parkidylle
Das Schloss Eggenberg ist wirklich beeindruckend. Es ist ein wunderschönes Beispiel barocker Architektur und liegt inmitten eines riesigen Parks. Wir haben uns die Innenräume angesehen und waren von der Pracht und den Details begeistert. Mia hat sich besonders für die vielen Gemälde interessiert, und Luca war fasziniert von den alten Möbeln. Aber das Highlight war der Park. Wir haben uns dort stundenlang aufgehalten, sind spazieren gegangen, haben uns auf einer Bank ausgeruht und haben einfach die Natur genossen. Es gab auch einen kleinen Spielplatz, auf dem Mia und Luca sich austoben konnten.
Abschied von Graz
Die Zeit in Graz ist viel zu schnell vergangen. Wir haben so viel erlebt und gesehen, dass wir gar nicht wissen, wo wir anfangen sollen. Graz hat uns mit seiner Schönheit, seiner Kultur und seiner Gastfreundschaft verzaubert. Es war ein perfekter Urlaub für unsere Familie, und wir werden diese Stadt nie vergessen. Am Abreisetag saßen wir noch einmal in einem kleinen Café, tranken einen Kaffee und ließen die Eindrücke Revue passieren. Als der Zug losfuhr, blickten wir noch einmal zurück und versprachen uns, irgendwann wiederzukommen, um noch mehr von dieser wunderbaren Stadt zu entdecken, denn die Mischung aus Geschichte, Kultur und familiärer Atmosphäre hatte uns ganz in ihren Bann gezogen.
Die letzten Sonnenstrahlen tanzten auf den Dächern von Graz, als wir am Bahnhof standen und uns von dieser wundervollen Stadt verabschiedeten. Mia klammerte sich an ihren neuen Einhorn-Anhänger, Luca tippte stolz auf seinen selbstgestalteten Raketen-Button. Es war mehr als nur ein Urlaub gewesen – es war eine Zeit voller gemeinsamer Erlebnisse, kleiner Entdeckungen und unvergesslicher Momente.
Rückblick und Fazit
Graz hat uns positiv überrascht. Wir hatten erwartet, eine schöne Stadt zu sehen, aber wir haben uns in sie verliebt. Die Mischung aus Kultur, Natur und familiärer Atmosphäre ist einfach einzigartig. Besonders gut hat uns gefallen, dass es so viele kostenlose oder günstige Aktivitäten gibt. Der Schlossberg, die Parks, die Spaziergänge entlang der Mur – all das hat unseren Geldbeutel geschont und uns trotzdem viel Freude bereitet.
Camping und Ferienwohnungen: Die perfekte Kombination
Für uns als Familie mit kleinem Budget war die Kombination aus Camping und Ferienwohnung ideal. Auf dem Campingplatz konnten die Kinder sich austoben und neue Freunde finden, während wir in der Ferienwohnung etwas mehr Komfort und Ruhe hatten. Es ist wichtig, sich vorab gut zu informieren und einen Campingplatz oder eine Ferienwohnung zu wählen, der zu den Bedürfnissen der Familie passt. Wir haben uns für einen Platz entschieden, der einen Spielplatz hatte und gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar war.
Ein paar Tipps für andere Familien
Wenn ihr mit Kindern nach Graz reist, solltet ihr unbedingt folgende Dinge berücksichtigen:
- Die Murinsel: Ein architektonisches Highlight, das Kinder begeistern wird.
- Den Schlossberg: Bietet nicht nur eine tolle Aussicht, sondern auch viele Möglichkeiten zum Spielen und Toben.
- Die grünen Parks: Graz hat viele schöne Parks, in denen man sich entspannen und die Natur genießen kann.
Plant genügend Zeit für spontane Entdeckungen ein. Lasst euch treiben und entdeckt die Stadt auf eigene Faust. Und vergesst nicht, die lokale Küche zu probieren. Die steirischen Knödel sind einfach köstlich!
Abschied von Graz
Als wir im Zug saßen und Graz hinter uns ließen, waren wir uns einig: Wir kommen wieder. Diese Stadt hat uns verzaubert und wir freuen uns schon darauf, neue Abenteuer zu erleben. Graz ist ein Ort, an dem man sich wohlfühlt, an dem man zur Ruhe kommen kann und an dem man unvergessliche Erinnerungen sammeln kann. Ein Grazer Märchen, das noch lange in unseren Herzen weiterleben wird.
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