Reisebericht Europa - Island - Golden Circle
Erste Eindrücke und die Entscheidung für Island
Ich bin Alex, 28, und ich reise am liebsten allein. Nicht, weil ich keine Freunde habe, sondern weil ich dann wirklich meinen eigenen Rhythmus finden kann. Und meinen Rhythmus, das bedeutet meistens: Abseits der ausgetretenen Pfade und mit möglichst viel Adrenalin. Die Alpen, die Dolomiten, Patagonien – ich war schon einiges unterwegs. Aber Island stand lange auf meiner Liste. Nicht wegen der Nordlichter, ehrlich gesagt. Die sind zwar cool, aber ich brauche mehr. Ich wollte die rohe, ungezähmte Natur erleben, die vulkanische Landschaft, die Geysire und Gletscher. Und ich wollte tauchen – Silfra-Spalte stand ganz oben. Ich hatte monatelang recherchiert, Karten studiert und mich mit den Wetterbedingungen auseinandergesetzt. Island ist eben kein typisches Urlaubsland. Man muss vorbereitet sein. Und das hat mir gefallen. Es war eine bewusste Entscheidung, im September zu kommen. Weniger Touristen als im Hochsommer, aber noch akzeptables Wetter und genügend Tageslicht für lange Wanderungen.Die Anreise und der Mietwagen
Der Bus brachte mich zum Mietwagenbüro. Ein robuster Dacia Duster, 4x4 natürlich. Unverzichtbar, wenn man wirklich in die abgelegenen Gebiete vordringen will. Ich hatte mir extra einen mit Unterfahrschutz und Allterrain-Reifen gebucht. Man weiß nie, was einen auf den Schotterpisten erwartet. Nach einer kurzen Einweisung und der obligatorischen Kontrolle auf Kratzer und Dellen konnte ich los.Die Fahrt von Keflavík nach Reykjavik war schon beeindruckend. Lavafelder soweit das Auge reichte, bedeckt mit Moos und Flechten. Immer wieder kleine, dampfende Quellen am Straßenrand. Die Landschaft war karg, aber unglaublich schön. Ich habe ein paar kurze Stopps eingelegt, um Fotos zu machen und die Atmosphäre aufzusaugen. Reykjavik selbst ist eine überraschend lebendige Stadt. Bunte Holzhäuser, kleine Cafés und eine entspannte Atmosphäre. Ich habe mir kurz einen Kaffee gegönnt und die Route für den nächsten Tag geplant.
Der Golden Circle – Mehr als nur Touristenpfad
Der Golden Circle ist natürlich der Klassiker, wenn man zum ersten Mal nach Island kommt. Thingvellir Nationalpark, Geysir und Gullfoss – alles in relativ kurzer Distanz voneinander. Aber ich wollte mehr, als nur die Postkartenmotive abzuklappern. Ich hatte mir vorgenommen, ein paar abgelegene Wanderwege zu erkunden und die Gegend abseits der Hauptrouten zu erkunden. Ich begann mit Thingvellir. Nicht nur, um die tektonischen Platten zu sehen, sondern auch, um in der Silfra-Spalte zu tauchen. Das Wasser ist kristallklar und die Sichtweite unglaublich. Man taucht zwischen den amerikanischen und eurasischen Kontinentalplatten – ein surrealeres Erlebnis kann man sich kaum vorstellen. Das Wasser ist zwar nur knapp über dem Gefrierpunkt, aber die trockenen Neoprenanzüge halten warm.Danach ging es weiter zu Geysir. Strokkur spuckt alle paar Minuten eine beeindruckende Wasserfontäne in die Luft. Aber es ist mehr als nur ein Spektakel. Die Gegend ist voller kleiner, dampfender Quellen und Schlammtümpel. Man spürt die immense Energie, die unter der Erdoberfläche schlummert. Gullfoss ist beeindruckend, aber auch hier war es sehr voll mit Touristen. Ich bin ein Stück den Fluss entlang gewandert, um etwas Ruhe zu finden und die Landschaft aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.
Aufbruch ins Hinterland
Die ersten Eindrücke waren überwältigend. Doch der Golden Circle war nur der Auftakt. Ich spürte, dass die eigentliche Herausforderung erst noch vor mir lag. Ich hatte geplant, die nächsten Tage im Landesinneren zu verbringen, abseits der ausgetretenen Pfade und in der Nähe der Gletscher. Ich wollte wandern, klettern und die Wildnis erleben. Und ich wusste, dass Island mich nicht enttäuschen würde. Ich verließ den Golden Circle und fuhr in Richtung Highlands, fest entschlossen, das wahre Herz dieser faszinierenden Insel zu entdecken.Die Highlands – Eine andere Welt
Die Piste nach Landmannalaugar war schon beim Anblick auf der Karte beeindruckend. Eine Schotterstraße, die sich durch eine bizarre Vulkanlandschaft schlängelte, mit Flussüberquerungen und steilen Anstiegen. Mein Dacia Duster wurde definitiv auf die Probe gestellt. Ich hatte mich vorher gründlich informiert und wusste, dass man nicht jeden Fluss einfach so durchfahren kann. Die Wasserstände können schnell steigen, und die Strömung ist oft stärker als man denkt. Ich beobachtete einen anderen Wagen, der gerade einen Fluss durchquerte, und wartete, bis er sicher am anderen Ufer war. Dann folgte ich, langsam und vorsichtig. Das Adrenalin pumpte, aber ich genoss die Herausforderung. Landmannalaugar selbst ist ein Paradies für Wanderer und Naturliebhaber. Bunte Rhyolithberge, dampfende Thermalquellen und endlose Weiten. Ich checkte in der einfachen Hütte ein und machte mich sofort auf den Weg, um die Umgebung zu erkunden. Ich wählte einen anspruchsvollen Weg, der mich über Hügel und durch Täler führte. Die Landschaft war atemberaubend, und ich fühlte mich winzig klein angesichts der immensen Naturgewalten. Am Abend badete ich in den Thermalquellen und ließ den Tag Revue passieren. Das warme Wasser tat gut, und ich entspannte mich unter dem Sternenhimmel.Unvorhergesehene Begegnungen und kleine Pannen
Am nächsten Tag plante ich eine Wanderung zum Bláhnúkur, einem Vulkan mit spektakulärem Blick auf die Umgebung. Das Wetter spielte zwar mit, aber ich hatte unterschätzt, wie schnell es in den Highlands wechseln kann. Auf halbem Weg zog plötzlich ein dichter Nebel auf, und die Sichtweite sank auf wenige Meter. Ich orientierte mich anhand meiner Karte und meines Kompasses, aber es war trotzdem beängstigend. Ich verlor kurzzeitig die Orientierung, aber ich blieb ruhig und versuchte, den Weg zurückzufinden.Dann traf ich auf eine Gruppe von Wanderern, die ebenfalls im Nebel verloren hatten. Wir schlossen uns zusammen und fanden schließlich den Weg zurück zum Ausgangspunkt. Es war eine gute Erfahrung, um zu lernen, wie wichtig es ist, vorbereitet zu sein und sich nicht zu überschätzen. Am Abend saß ich mit den anderen Wanderern in der Hütte und tauschte Geschichten aus. Es war schön, andere Menschen zu treffen, die die gleiche Leidenschaft für die Natur teilten.
Die einsame Küste des Südens
Nach ein paar Tagen in den Highlands zog es mich an die Südküste Islands. Ich wollte die schwarzen Sandstrände, die Felsklippen und die tosenden Wellen des Atlantiks erleben. Ich fuhr entlang der Ringstraße und machte Halt an einigen abgelegenen Orten. Dyrhólaey, ein Felsbogen, der ins Meer ragt, war besonders beeindruckend. Ich wanderte entlang der Klippen und beobachtete die Seevögel, die in der Luft kreisten. Reynisfjara, der schwarze Sandstrand mit den Basaltsäulen, war ein weiteres Highlight. Die Wellen waren riesig und tosend, und die Atmosphäre war mystisch und unheimlich.Ich fand eine kleine, abgelegene Bucht, in der ich ein paar Stunden lang ganz allein war. Ich saß am Strand, lauschte dem Rauschen der Wellen und genoss die Stille. Es war ein Moment der absoluten Freiheit und Entspannung. Ich fühlte mich eins mit der Natur und spürte eine tiefe Dankbarkeit für diese einzigartige Erfahrung.
Ein unerwarteter Fund
Auf dem Rückweg zur Ringstraße entdeckte ich etwas Ungewöhnliches am Strand: einen alten, verwitterten Holzkasten. Neugierig öffnete ich ihn und fand darin eine Sammlung von Muscheln, Steinen und kleinen, handgeschriebenen Notizen. Es war, als hätte jemand seine Erinnerungen an diesen Ort konserviert. Ich ließ den Kasten an seinem Fundort zurück, in der Hoffnung, dass ihn jemand anderes entdecken und seine Geschichte weiter erzählen würde. Diese kleine Begegnung erinnerte mich daran, dass Island ein Ort voller Geheimnisse und verborgener Geschichten ist.Mit einem Gefühl der Erfüllung und dem Versprechen, bald zurückzukehren, verließ ich die Südküste und machte mich auf den Weg zurück nach Reykjavik, wo ich die Vorbereitungen für meine Heimreise treffen würde.
Die letzten Tage in Island waren geprägt von einer Mischung aus Abenteuer, Einsamkeit und tiefer Verbundenheit mit der Natur. Reykjavik, in dem ich mich nun wieder befand, wirkte fast surreal nach der Stille der Highlands. Die Stadt war lebendig, voller Touristen, Cafés und bunter Häuser. Ich gönnte mir einen letzten, starken Kaffee und versuchte, die unzähligen Eindrücke zu verarbeiten.
Rückblick auf die Reise
Island ist anders. Es ist kein Land, das man einfach nur bereist, man erlebt es. Die Landschaft ist rau, ungezähmt und voller Überraschungen. Von den dampfenden Geysiren und den tosenden Wasserfällen bis hin zu den eisigen Gletschern und den schwarzen Sandstränden – Island bietet eine unglaubliche Vielfalt an Naturerlebnissen.
Was mich am meisten beeindruckt hat, war die Stille. In den Highlands, fernab von den Touristenpfaden, herrschte eine tiefe, fast meditative Stille. Man konnte dem Rauschen des Windes und dem Knistern des Gletschereises lauschen und spürte eine tiefe Verbundenheit mit der Natur. Ich hatte das Gefühl, ganz bei mir selbst zu sein, frei von den Zwängen des Alltags.
Herausforderungen und Lernerfahrungen
Die Reise war nicht immer einfach. Das Wetter in Island ist unberechenbar, und man muss sich auf alles vorbereiten. Ich hatte ein paar Mal mit starken Stürmen und Nebel zu kämpfen, aber ich habe gelernt, mich an die Bedingungen anzupassen und auf meine Intuition zu vertrauen. Ich habe auch gelernt, dass man nicht alles kontrollieren kann und dass es manchmal gut ist, sich einfach treiben zu lassen.
Eine besonders prägende Erfahrung war die Wanderung im Bláhnúkur im Nebel. Ich hatte kurzzeitig die Orientierung verloren, aber ich bin ruhig geblieben und habe mich auf meine Karte und meinen Kompass verlassen. Ich habe gelernt, dass man auch in schwierigen Situationen einen klaren Kopf bewahren und auf seine Fähigkeiten vertrauen kann.
Die Begegnung mit der Wildnis
Die Begegnung mit der Wildnis hat mich tief berührt. Ich habe Robben beobachtet, die am Strand faulenzten, Vögel, die in der Luft kreisten, und Spuren von Rentieren im Schnee entdeckt. Ich habe das Gefühl, dass ich einen kleinen Einblick in das Leben dieser Tiere erhalten habe und dass ich eine größere Wertschätzung für die Natur entwickelt habe.
Empfehlungen für andere Reisende
Wenn ihr nach Island reist, solltet ihr euch auf jeden Fall genügend Zeit nehmen, um das Land zu erkunden. Plant nicht zu viele Aktivitäten ein, sondern lasst euch einfach treiben und genießt die Atmosphäre. Vergesst nicht, wetterfeste Kleidung einzupacken, und seid auf alle Eventualitäten vorbereitet.
Wenn ihr abseits der Touristenpfade wandern möchtet, solltet ihr euch unbedingt einen Geländewagen mieten und euch vorher über die Bedingungen informieren. Achtet auf die Wettervorhersage und seid vorsichtig, wenn ihr Flüsse oder Gebirge überquert.
Und vor allem: Seid offen für neue Erfahrungen und lasst euch von der Schönheit Islands verzaubern. Es ist ein Land, das man nicht vergessen wird.