Kathmandu – Mehr als nur Tempel und Gebetsfahnen
Eine Idee reift
Ja, definitiv anders. Mallorca war der Kompromiss der letzten Jahre. Sonne, Strand, Eis – für ihn. Ich brauchte… irgendwas anderes. Nach der Trennung von seinem Vater war alles so vorhersehbar, so gefühlt steril geworden. Ich wollte, dass Leo lernt, dass die Welt riesig ist, dass es nicht nur das gibt, was wir kennen. Und ganz ehrlich? Ich wollte auch raus. Einfach nur weg von allem. Nepal kam ins Gespräch, weil Leo sich für Buddhismus interessiert. Ein bisschen Kultur, ein bisschen Abenteuer, ein bisschen Abstand. Und dann, zack, hatten wir gebucht. Im Winter ist’s hier nicht ideal, aber die Touristenmassen sind kleiner. Und es war wichtig, dass es nicht zu lange dauerte. Leo hat noch die Schule.Erste Orientierung
Der Flughafen in Kathmandu ist… chaotisch. Nicht unbedingt unorganisiert, aber definitiv anders. Menschen überall, ein ständiges Kommen und Gehen, das ständige Hupen der Taxen und Rikschas. Wir hatten einen Fahrer über das Hotel gebucht, was sich als Glück erwies. Ich hätte mich sonst wahrscheinlich sofort verirrt. Auf dem Weg in die Stadt wurde mir klar, dass Fotos die Realität nur annähernd einfangen können. Die Luft ist dick, voller Feinstaub und dem Geruch von Gewürzen, Abgasen und eben diesem Räucherstäbchen. Überall stehen kleine Läden, die alles verkaufen – von Trekkingausrüstung bis zu bunten Strickjacken. Und überall sind Kabel. Überall. Vermutlich führen sie alle irgendwo wichtig hin.Thamel: Ein Schock für die Sinne
Unser Hotel liegt in Thamel, dem Touristenzentrum. Ich hatte mir das schlimmer vorgestellt. Ja, es ist quirlig, laut und voll mit Geschäften, die ständig versuchen, dir irgendwas zu verkaufen. Aber es ist auch lebendig und irgendwie charmant. Leo war sofort begeistert. Er zog eine Kamera aus dem Rucksack und begann, wild drauf loszufotografieren. „Mama, guck mal! Der Mann mit dem Affen!“ Tatsächlich. Ein Mann führte einen kleinen, geketteten Affen an der Leine. Das fand ich ehrlich gesagt nicht gut. Aber Leo war fasziniert. Wir checkten ins Hotel ein, ein kleines, unscheinbares Haus mit einem Innenhof. Die Zimmer sind einfach, aber sauber. Und es gibt warmes Wasser. Das ist wichtig.Die ersten Stunden
Nachdem wir unser Gepäck abgelegt hatten, machten wir uns auf den Weg, um uns etwas zu essen zu suchen. Leo wollte unbedingt Momos probieren, diese tibetischen Teigtaschen. Wir fanden ein kleines Restaurant, das aussah, als wäre es seit Generationen in Familienbesitz. Die Momos waren lecker, aber scharf. Sehr scharf. Leo schwitzte Tränen. Aber er aß sie trotzdem auf. „Mama, das ist krass gut!“ Ich lächelte. Das war genau das, was ich mir erhofft hatte. Er war offen für Neues, neugierig, begeistert. Nach dem Essen schlenderten wir noch ein bisschen durch die Straßen. Leo kaufte sich ein paar Postkarten und einen kleinen Buddha aus Holz. Ich beobachtete ihn, wie er mit einem alten Mann über den Preis feilschte. Er war selbstbewusster, als ich erwartet hatte.Ein Gefühl von Andersartigkeit
Ich spürte, wie die Anspannung der letzten Monate langsam von mir abfiel. Hier, in dieser fremden, pulsierenden Stadt, war alles anders. Die Gerüche, die Geräusche, die Menschen. Und irgendwie auch ich. Ich war nicht mehr nur die alleinerziehende Mutter, die versucht, alles unter Kontrolle zu haben. Ich war einfach nur eine Reisende, die sich treiben lässt. Und Leo war nicht nur mein Sohn, sondern ein junger Mann, der die Welt entdeckt. Wir haben noch viel vor. Wir wollen Tempel besichtigen, Trekkingtouren machen und uns in die nepalesische Kultur eintauchen. Aber im Moment genieße ich einfach nur den Moment. Und ich bin gespannt, was die nächsten Tage bringen werden. Denn das Gefühl, dass diese Reise uns beiden guttun wird, ist jetzt schon ganz stark.Tempel und Gebetsfahnen
Am nächsten Morgen sind wir früh aufgestanden, um den Swayambhunath Tempel, auch bekannt als Affentempel, zu besuchen. Der Weg dorthin war schon ein Abenteuer für sich. Kleine Gassen, steile Treppen, überall Menschen und Rikschas. Leo war begeistert von den bunten Gebetsfahnen, die im Wind flatterten. Ich war mehr damit beschäftigt, nicht über die vielen Tauben zu stolpern. Der Tempel selbst ist beeindruckend. Eine riesige Stupa, umgeben von kleineren Tempeln und Schreinen. Leo war sofort fasziniert von den vielen buddhistischen Mönchen, die dort umhergingen. Er versuchte, ein paar Fotos zu machen, aber er war etwas schüchtern. Ich ermutigte ihn, einen Mönch um Erlaubnis zu fragen. Das klappte überraschend gut. Der Mönch lächelte freundlich und posierte sogar für ein Foto.Ein bisschen viel Trubel
Der Swayambhunath Tempel war allerdings auch sehr überfüllt. Touristen aus aller Welt drängelten sich um die besten Fotomotive. Leo fand es irgendwann etwas stressig. „Mama, können wir hier weg? Das ist mir zu viel.“ Ich verstand ihn gut. Manchmal braucht man einfach etwas Ruhe. Wir sind also weiter zum Boudhanath Stupa gefahren, einem der größten buddhistischen Stupas der Welt. Dort war es etwas ruhiger. Der Stupa ist wunderschön, ein riesiges, weißes Bauwerk mit den Augen Buddhas auf allen Seiten. Leo setzte sich auf eine Bank und beobachtete die Pilger, die um den Stupa herumgingen und Mantras murmelten. Ich habe ein bisschen Zeit für mich genutzt, um die Atmosphäre aufzusaugen und einfach nur dazusitzen. Es war friedlich und entspannend.Pashupatinath: Ein ungewöhnlicher Anblick
Am Nachmittag haben wir uns nach Pashupatinath begeben, einem der wichtigsten hinduistischen Tempel Nepals. Dieser Ort war… anders. Der Tempel liegt am Ufer des heiligen Bagmati-Flusses, wo täglich hinduistische Verbrennungszeremonien stattfinden. Ich war mir nicht sicher, ob das für Leo geeignet ist. Aber er wollte es unbedingt sehen. Und ich wollte ihm nicht vorenthalten, die Realität zu erleben. Es war ein schockierender Anblick. Leichen wurden auf Holzscheiten verbrannt, und der Rauch stieg in den Himmel auf. Ich versuchte, Leo zu erklären, was hier geschieht, dass es Teil der hinduistischen Glaubenswelt ist. Er war still und nachdenklich. Es war ein Moment, der uns beide geprägt hat.Eine kleine Panne
Auf dem Rückweg ins Hotel sind wir in einen kleinen Verkehrsstau geraten. Ein Lastwagen hatte eine Straßensperre verursacht. Leo war genervt, weil er unbedingt noch ein paar Souvenirs kaufen wollte. Wir sind also ausgestiegen und haben uns zu Fuß den Rest des Weges zurückgelegt. Dabei haben wir uns in einer kleinen Gasse verlaufen. Zum Glück konnte ein freundlicher Einheimischer uns den Weg zurück zum Hotel zeigen. Er sprach zwar kein Englisch, aber er verstand, dass wir Hilfe brauchten. Er führte uns durch ein Labyrinth von Gassen, bis wir endlich unser Hotel erreicht hatten. Es war ein kleines Abenteuer, das wir gemeinsam erlebt haben.Mehr als nur Kultur
Diese Tage in Kathmandu waren intensiv und vielfältig. Wir haben Tempel besichtigt, uns in der Kultur verloren, kleine Pannen erlebt und neue Erfahrungen gesammelt. Aber es war mehr als nur ein kultureller Trip. Es war eine Zeit, in der wir uns nähergekommen sind, in der wir uns besser verstanden haben. Und ich bin dankbar dafür, dass ich Leo diese Reise ermöglicht habe, denn ich spüre, dass diese gemeinsamen Erlebnisse uns noch lange verbinden werden.Der Abschied von Kathmandu fiel uns schwerer, als ich gedacht hätte. Ich hatte erwartet, dass Leo am liebsten wieder im WLAN des Hotels sitzt, aber er war richtig traurig, die Stadt zu verlassen. Er hatte sich in das bunte Chaos verliebt, in die freundlichen Menschen und in die ganz andere Lebensweise. Ich auch. Es war mehr als nur eine Reise, es war eine Erfahrung, die uns beide verändert hat.
Ein letzter Blick
Am Morgen vor unserem Abflug sind wir noch einmal durch Thamel geschlendert. Leo wollte unbedingt noch ein paar Postkarten für seine Freunde kaufen. Ich habe mir eine handgemachte Strickjacke gegönnt, als Erinnerung an diese besondere Zeit. Die Gassen waren schon voller Touristen, aber es hatte trotzdem etwas Magisches. Wir haben uns noch ein letztes Mal ein Momo gegönnt – Leo bestand darauf. Und dann ging es zum Flughafen.
Was bleibt
Ich habe gelernt, dass man nicht alles kontrollieren kann. In Kathmandu läuft vieles anders, als man es gewohnt ist. Man muss sich einfach treiben lassen, offen sein für Neues und sich auf die Unterstützung anderer verlassen. Das war eine wertvolle Lektion, nicht nur für mich, sondern auch für Leo. Er hat gelernt, selbstständiger zu sein, Verantwortung zu übernehmen und mit anderen Kulturen umzugehen. Und er hat gelernt, dass es mehr gibt auf der Welt, als nur seine eigene kleine Blase.
Ein paar Tipps für Reisende
Packliste
Unbedingt bequeme Schuhe einpacken! Man läuft viel, und die Straßen sind oft uneben. Auch warme Kleidung ist wichtig, vor allem, wenn man in den Bergen unterwegs ist. Und eine gute Kamera, um die wunderschönen Landschaften und Tempel festzuhalten. Außerdem empfehle ich, eine kleine Reiseapotheke mitzunehmen, mit den wichtigsten Medikamenten.
Essen
Probiert unbedingt die lokale Küche! Momo sind ein Muss, aber es gibt noch so viel mehr zu entdecken. Dal Bhat, Thukpa, Sel Roti – lasst euch überraschen. Aber Vorsicht: Das Essen kann scharf sein! Und achtet auf die Hygiene, vor allem bei Straßenständen.
Verkehr
Der Verkehr in Kathmandu ist chaotisch. Lasst euch am besten von einem Fahrer herumfahren oder nutzt Rikschas. Seid vorsichtig beim Überqueren der Straßen und achtet auf die vielen Motorräder und Autos. Und verhandelt den Preis, bevor ihr ein Taxi besteigt.
Fazit
Kathmandu ist eine Stadt, die unter die Haut geht. Es ist ein Ort voller Gegensätze, voller Schönheit und Armut, voller Chaos und Frieden. Es ist eine Stadt, die einen verändert, die einen inspiriert, die einem zeigt, dass das Leben mehr zu bieten hat, als man denkt. Ich kann jedem nur empfehlen, diese besondere Stadt selbst zu erleben.
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- Swayambhunath Tempel (Affentempel)
- Boudhanath Stupa
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- Pashupatinath Tempel (als kultureller Ort)
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- Thamel (als Viertel)