Formentera: Eine Insel für die Seele
Ankunft im Paradies
Der Flug nach Ibiza war routine. Ein bisschen Turbulenz, ein gelangweiltes Kind zwei Reihen vor mir, der übliche Flugzeugfraß. Aber dann die Fähre. Die kurze Überfahrt nach Formentera fühlte sich plötzlich anders an. Als ob man eine unsichtbare Grenze überschritt, die einen von der Hektik des Festlandes trennte. Ich hatte schon so viele Wanderwege in Europa erkundet – die rauen Küsten Irlands, die sanften Hügel der Toskana, die steinigen Pfade der Pyrenäen. Aber Formentera...das war anders. Irgendwie ursprünglicher.
Ich hatte dieses Jahr beschlossen, mal etwas anders zu machen. Keine anstrengenden Gipfelbesteigungen, keine langen Etappen durch unwegsames Gelände. Einfach mal langsamer werden. Die Finger auf den Puls der Natur legen. Ich hatte gelesen, dass Formentera kaum besiedelt ist, dass es nur ein paar kleine Dörfer und endlose Strände gibt. Und dass es perfekt ist, um einfach nur zu wandern, zu beobachten und die Seele baumeln zu lassen.
Ein bisschen Hintergrund
Ich bin, wie man so schön sagt, ein alter Wanderer. Seit über 30 Jahren bin ich mit dem Rucksack unterwegs. Angefangen hat alles mit einer spontanen Entscheidung nach dem Tod meines Vaters. Ich brauchte Luft, Weite, eine Möglichkeit, mit meiner Trauer umzugehen. Also habe ich meine Sachen gepackt und bin losgezogen. Erst nur ein paar Wochen, dann immer länger. Aus dem spontanen Ausflug wurde eine Lebensweise. Ich habe gelernt, mit wenig auszukommen, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und die Schönheit in den kleinen Dingen zu entdecken.
Die letzten Jahre habe ich mich hauptsächlich auf Europa konzentriert. Ich liebe die Vielfalt der Landschaften, die reiche Geschichte und die unterschiedlichen Kulturen. Aber ich merkte, dass ich mehr und mehr das Bedürfnis hatte, Orte zu finden, die noch nicht vom Massentourismus überrollt sind. Orte, an denen man die Natur noch ungestört erleben kann. Und Formentera schien genau der richtige Ort dafür zu sein.
Ich hatte ein kleines, einfaches Hotel in Es Pujols gebucht, einem der wenigen größeren Orte auf der Insel. Ich hatte bewusst kein luxuriöses Resort gewählt. Ich wollte nicht abgeschottet sein, sondern mitten im Leben. Ich wollte die Einheimischen kennenlernen, ihre Geschichten hören und ihre Kultur verstehen. Ich wollte mich fühlen wie ein Teil dieser Insel, auch wenn es nur für ein paar Wochen war.
Erste Eindrücke
La Savina war ein bunter, lebhafter Ort. Kleine Restaurants, Souvenirläden und Autovermietungen reihten sich aneinander. Es roch nach frischem Fisch und Paella. Überall wuselte es von Menschen – Touristen, Einheimischen, Seglern. Aber es war nicht so überfüllt und hektisch wie ich es von anderen Urlaubsorten gewohnt war. Hier herrschte eine entspannte, gemächliche Atmosphäre.
Ich nahm einen kleinen Elektrobus nach Es Pujols. Die Fahrt dauerte nur etwa 20 Minuten, aber es fühlte sich an, als würde man in eine andere Welt eintauchen. Die Landschaft wurde immer grüner, die Häuser immer kleiner und einfacher. Überall blühten bunte Bougainvilleen und Hibiskus. Und dann, plötzlich, lag das türkisfarbene Meer vor mir. Es war so klar und rein, dass man bis zum Grund sehen konnte.
Als ich in Es Pujols ankam, war ich sofort begeistert. Der Ort war klein und übersichtlich, mit einer langen Strandpromenade, die von Restaurants und Bars gesäumt war. Überall saßen Leute draußen und tranken Kaffee oder aßen Tapas. Ich checkte in meinem Hotel ein, einem kleinen, einfachen Haus mit einem charmanten Innenhof. Ich ließ mein Gepäck fallen und ging sofort zum Strand. Der Sand war weiß und fein, das Wasser warm und einladend. Ich tauchte meine Füße ins Meer und schloss die Augen. In diesem Moment wusste ich, dass ich den richtigen Ort gefunden hatte. Ich spürte, wie die Anspannung der letzten Wochen von mir abfiel. Ich war angekommen. Und bereit, diese Insel zu erkunden. Die kommenden Tage würden sich zeigen, wie sehr diese kleine Insel meine Wanderseele berühren würde und welche Pfade und Geschichten sie für mich bereithalten würde.
Erste Schritte ins Inselleben
Am ersten Abend erkundete ich den kleinen Ort. Es Pujols hatte etwas Besonderes. Nicht die typische Touristenmasse, sondern eine Mischung aus Einheimischen und Leuten, die wirklich die Ruhe suchten. Ich fand ein kleines Restaurant direkt am Strand, „Can Rafal“, wo ich eine unglaublich leckere Paella mit Meeresfrüchten aß. Der Besitzer, ein freundlicher Mann mit wettergegerbtem Gesicht, erzählte mir, dass er die Paella nach dem Rezept seiner Großmutter zubereitet. Das schmeckte man. Nach dem Essen saß ich noch eine Weile am Strand und beobachtete den Sonnenuntergang. Der Himmel leuchtete in allen Farben – Orange, Rot, Violett. Es war ein magischer Moment.
Aufbruch in den Süden: Ses Illetes
Am nächsten Tag beschloss ich, Ses Illetes zu erkunden, das wohl berühmteste Strandgebiet Formenteras. Ich mietete mir ein E-Bike – die Insel ist relativ flach, ideal zum Radfahren. Der Weg dorthin führte mich durch duftende Pinienwälder und entlang von Salzseen. Die Landschaft war atemberaubend. Ses Illetes selbst war ein Paradies auf Erden. Kilometerlanger, weißer Sand, türkisfarbenes Wasser, kleine Strandbars. Ich verbrachte den ganzen Tag damit, zu schwimmen, zu sonnen und die Seele baumeln zu lassen. Allerdings stellte ich fest, dass mein Sonnenhut im Hotelzimmer lag. Eine kleine Panne, aber zum Glück hatte ich ein altes T-Shirt dabei, das ich mir über den Kopf zog.
Was mich an Ses Illetes besonders beeindruckte, war die unglaubliche Wasserqualität. Es war so klar, dass man die Fische sehen konnte, die um die Füße schwammen. Ich schnorchelte ein bisschen und entdeckte eine bunte Unterwasserwelt.
Entdeckung von La Savina: Mehr als nur ein Hafen
Ich wollte auch La Savina genauer erkunden, den Ort, wo ich angekommen war. Abgesehen von der An- und Abreise hatte ich bisher nur einen flüchtigen Blick geworfen. Ich verbrachte einen Nachmittag damit, durch die kleinen Gassen zu schlendern, die Fischerboote im Hafen zu beobachten und die lokalen Geschäfte zu besuchen. Ich entdeckte einen kleinen Laden, der handgemachten Schmuck aus Muscheln und Treibholz verkaufte. Ich kaufte meiner Nichte ein Armband als kleines Souvenir.
Ich fand auch ein kleines Café, „Bar Maria“, wo ich einen starken Espresso trank und ein paar Einheimische kennenlernte. Sie erzählten mir von ihrem Leben auf der Insel, von den Herausforderungen des Tourismus und von ihrer Liebe zur Natur. Es war interessant, ihre Perspektive zu hören. Ich verstand langsam, dass Formentera mehr ist als nur ein Urlaubsort. Es ist ein lebendiger Ort mit einer eigenen Kultur und Geschichte. Ich entdeckte außerdem einen Markt, wo frisches Obst, Gemüse, Käse und Fisch verkauft wurden. Die Produkte waren von hoher Qualität und schmeckten unglaublich lecker. Ich kaufte ein paar Tomaten, Gurken und Olivenöl, um mir selbst ein kleines Picknick zu bereiten.
Die Tage vergingen wie im Flug. Ich wanderte, radelte, schwamm und las. Ich genoss die Ruhe und die Schönheit der Insel. Ich lernte die Einheimischen kennen und ihre Lebensweise. Ich entdeckte versteckte Buchten und atemberaubende Landschaften. Und ich spürte, wie meine Seele immer mehr zur Ruhe kam. Diese Insel hatte mich verzaubert. Es war Zeit, mich auf den Rückweg zu machen, aber ich wusste, dass ich einen Teil meines Herzens hier zurücklassen würde, und dass ich eines Tages wiederkehren würde, um die Pfade dieser magischen Insel erneut zu erkunden.
Der letzte Morgen auf Formentera. Ich saß auf der kleinen Terrasse meines Hotels, trank meinen Kaffee und beobachtete, wie die ersten Sonnenstrahlen über das Meer aufstiegen. Es war still, nur das leise Rauschen der Wellen und das Zwitschern der Vögel waren zu hören. Ich spürte eine tiefe Dankbarkeit für diese wunderschöne Insel und die Zeit, die ich hier verbringen durfte.
Abschied vom Paradies
Die letzten Tage waren geprägt von kleinen Entdeckungen und Begegnungen. Ich hatte einen Ausflug mit dem Fahrrad zum Cap de Barbaria unternommen, einem beeindruckenden Leuchtturm auf der südlichen Spitze der Insel. Der Wind peitschte mir ins Gesicht, und der Blick auf das tiefblaue Meer war atemberaubend. Ich hatte auch einen Tag in einem kleinen Fischerdorf verbracht, wo ich mit den Einheimischen geplaudert und frischen Fisch gegessen hatte.
Die Stille genießen
Was mir auf Formentera am meisten gefallen hat, war die Stille. Die Abwesenheit von Massentourismus und Lärm ermöglichte es mir, mich voll und ganz auf die Natur zu konzentrieren und meine Batterien aufzuladen. Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken und Meditieren. Ich hatte meine alten Wanderwege im Kopf rekonstruiert, neue geplant und mich einfach treiben lassen. Es war eine wohltuende Erfahrung, die ich so schnell nicht vergessen werde.
Ein paar Tipps für angehende Entdecker
Für diejenigen, die Formentera selbst erkunden möchten, habe ich ein paar Tipps: Mieten Sie sich ein Fahrrad oder ein E-Bike, um die Insel auf eigene Faust zu erkunden. Die Wege sind flach und gut ausgebaut. Packen Sie unbedingt Sonnenschutzmittel, einen Hut und bequeme Schuhe ein. Seien Sie offen für Begegnungen mit den Einheimischen. Sie sind freundlich und hilfsbereit. Und vor allem: Lassen Sie sich treiben und genießen Sie die Stille.
Was Formentera besonders macht
Formentera ist nicht der Ort für Partytiere und Nachtschwärmer. Es ist ein Ort für Menschen, die die Natur lieben, die Ruhe suchen und die Seele baumeln lassen möchten. Es ist ein Ort, an dem man dem Alltag entfliehen und sich wieder mit sich selbst verbinden kann. Es ist ein Ort, der einen verändert.
Fazit
Ich werde Formentera nicht vergessen. Diese kleine Insel hat einen tiefen Eindruck in meinem Herzen hinterlassen. Ich werde wiederkommen, um die Pfade erneut zu erkunden und die Stille zu genießen. Und ich hoffe, dass auch Sie die Chance haben, dieses Paradies selbst zu entdecken.
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- Cap de Barbaria (Leuchtturm und atemberaubende Aussicht)
- La Savina (Ankunftsort und lokales Leben)
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- Ses Illetes (Traumstrand mit klarem Wasser)
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- Es Pujols (kleiner Ort mit entspannter Atmosphäre)