Europa - Kroatien - Istrien (Poreč)

Reisebericht Europa - Kroatien - Istrien (Poreč)

Das Geräusch von Grillen und das leise Rauschen der Adria. Ehrlich gesagt, dachte ich, ich würde sofort einen Sonnenstich bekommen, als wir aus dem winzigen Flughafen Pula kamen. Es war heiß. Echt heiß. So richtig „Ich brauche sofort einen eiskalten Aperol Spritz“-heiß. Wir, das sind ich und mein Freund Max, sind quasi chronisch reise-süchtig. Nicht so im Sinne von „wir sammeln Reisepässe“, sondern eher im Sinne von „wir brauchen dringend eine Auszeit vom Alltag, bevor wir uns gegenseitig in die Haare kriegen“.

Warum Istrien?

Die Entscheidung für Istrien fiel uns nicht leicht. Eigentlich wollten wir nach Italien, aber Max meinte, da wären schon zu viele Touristen. Logisch, als ob Kroatien leer wäre, aber okay. Hauptsache, er hat seine Ruhe. Also recherchierten wir, lasen Blogs und stießen auf Fotos von Poreč. Eine mittelalterliche Stadt direkt am Meer mit netten Gassen und angeblich gutem Essen. Klingte nach einem guten Kompromiss. Und ehrlich gesagt, die Bilder sahen echt hübsch aus.

Die Fahrt vom Flughafen nach Poreč war…interessant. Unser vorab gebuchter Transfer erwies sich als ein älterer Herr in einem noch älteren Auto, das offensichtlich schon bessere Tage gesehen hat. Die Klimaanlage war eher ein Luftverwirbler und der Fahrstil…nun ja, sagen wir mal, er hat es faustdick hinter den Ohren. Max und ich haben uns mehrfach gefragt, ob wir nicht doch lieber aussteigen und zu Fuß gehen sollten. Aber was soll’s, gehört ja auch zur Urlaubsromantik, oder?

Erster Eindruck von Poreč

Poreč selbst ist…klein. Sehr klein. Aber charmant. Die Altstadt ist ein Labyrinth aus engen Gassen, die alle irgendwie zum Hafen führen. Überall kleine Cafés, Restaurants und Souvenirläden. Und natürlich jede Menge Touristen. Aber es ist nicht so überlaufen wie in einigen italienischen Städten, was uns dann doch sehr freut.

Wir checkten in unser Apartment ein, das sich in einem alten Steinhaus befand. Es war winzig, aber sauber und hatte einen kleinen Balkon mit Blick auf eine Gasse. Perfekt, um den Tag mit einem Glas Wein ausklingen zu lassen. Oder eben, um die Nachbarn zu beobachten. Die scheinen ein sehr lebhaftes Leben zu führen.

Kulinarische Entdeckungen (und Missgeschicke)

Das erste, was wir natürlich machen mussten, war Essen gehen. Wir fanden ein kleines Restaurant am Hafen, das frischen Fisch anbot. Max bestellte gegrillten Tintenfisch, ich entschied mich für Spaghetti mit Meeresfrüchten. Es roch fantastisch. Und es schmeckte auch gut. Bis Max‘ Tintenfisch anfing, Tinte zu spritzen. Über ihn, über mich, über den Tisch, über die Nachbarin. Es war ein einziges Chaos. Die Nachbarin war nicht begeistert. Aber der Kellner meinte nur, das sei ein gutes Zeichen. „Frischer geht’s nicht!“. Nun ja. Wir lachten jedenfalls viel.

Die Euphrasius-Basilika

Am nächsten Tag erkundeten wir die Euphrasius-Basilika, eine wunderschöne frühchristliche Kirche mit atemberaubenden Mosaiken. Ehrlich gesagt, Kirchen sind normalerweise nicht so unser Ding. Aber diese Basilika war wirklich beeindruckend. Die Mosaiken waren unglaublich detailliert und die Farben leuchteten förmlich. Sogar Max war beeindruckt, obwohl er normalerweise bei sowas eher gelangweilt guckt.

Nach dem Kirchenbesuch schlenderten wir am Hafen entlang und beobachteten die Fischer, die ihre Netze auslegten. Es war ein friedlicher Moment, der uns daran erinnerte, warum wir eigentlich hier waren: um dem Alltag zu entfliehen und die Seele baumeln zu lassen. Und um guten Fisch zu essen, natürlich.

Die ersten Tage in Poreč waren also ein voller Erfolg. Wir haben viel gelacht, gut gegessen und die Stadt erkundet. Aber das war erst der Anfang. Es gab noch so viel zu entdecken. Und ich hatte das Gefühl, dass uns noch einige Überraschungen bevorstanden. Denn was wäre ein Urlaub ohne ein paar kleine Pannen und unvergessliche Momente?

Und so machten wir uns auf den Weg, die Umgebung von Poreč zu erkunden, bereit für neue Abenteuer und hoffentlich ohne weitere Tintenfisch-Katastrophen. Denn auch wenn es lustig war, könnte man sich ab und zu einfach mal einen ruhigen Abend wünschen.

Abseits der Altstadt: Richtung Land

Nach ein paar Tagen in der charmanten, aber doch recht touristischen Altstadt, beschlossen wir, etwas abseits der Pfade zu erkunden. Max hatte in irgendeinem Blog von einem Weingut in der Nähe gelesen, das Weinproben anbietet. Ich bin ja nicht so der Wein-Experte, aber eine entspannte Nachmittagskulisse klang verlockend. Die Anfahrt gestaltete sich…interessant. Unser Navi hatte anscheinend eine persönliche Abneigung gegen befestigte Straßen und führte uns über Feldwege, die aussahen, als hätten sie seit Jahrzehnten keine Wartung gesehen. Max fluchte leise vor sich hin, während ich versuchte, nicht seekrank zu werden.

Das Weingut selbst war dann aber wirklich wunderschön. Ein kleines, familiengeführtes Unternehmen mit Blick auf die sanften Hügel Istriens. Der Winzer, ein älterer Herr mit einem verschmitzten Lächeln, führte uns durch die Weinberge und erklärte stolz den Anbauprozess. Die Weinprobe war dann…informativ. Max probierte jeden Wein mit konzentriertem Gesichtsausdruck und versuchte, die Aromen zu identifizieren. Ich beschränkte mich auf zwei Sorten und genoss die Atmosphäre. Nach zwei Gläsern Wein sah die holprige Anfahrt plötzlich gar nicht mehr so schlimm aus.

Porečs versteckte Strände

Eines Tages beschlossen wir, die Küste entlang zu erkunden und nach versteckten Stränden zu suchen. Wir hatten gehört, dass es in der Nähe von Poreč einige kleine Buchten gibt, die nicht so überlaufen sind wie die Strände in der Stadt. Wir mieteten uns ein kleines Boot und stachen in See. Max übernahm die Navigation, was sich als riskant erwies. Er bestand darauf, dass er einen „guten Orientierungssinn“ habe, was sich schnell als Illusion herausstellte. Wir fuhren im Kreis herum, bevor wir endlich eine kleine Bucht entdeckten. Der Strand war winzig, aber idyllisch. Klares, türkisfarbenes Wasser und feiner Kies. Wir verbrachten den Nachmittag mit Schwimmen, Sonnenbaden und Lesen. Es war perfekt. Bis Max versuchte, mit dem Boot anzulanden und in den Felsen krachte. Zum Glück ging nichts kaputt, aber wir mussten einiges lachen.

Das "romantische" Abendessen

Wir hatten uns vorgenommen, ein romantisches Abendessen in einem der schicken Restaurants am Hafen zu verbringen. Wir reservierten einen Tisch und freuten uns auf einen schönen Abend. Aber dann kam es zu einem Regenschauer. Nicht so ein leichter Nieselregen, sondern ein richtiges Unwetter. Wir saßen also draußen, eingehüllt in Plastikplanen, während der Wind die Servietten davonfegte und das Essen kalt wurde. Das war nicht ganz so romantisch, wie wir es uns vorgestellt hatten. Aber wir lachten viel und beschlossen, dass auch das zum Urlaubsabenteuer gehört. Der Kellner brachte uns sogar kostenlose Grappa, um uns aufzuheitern. Vielleicht war es ja doch ein bisschen romantisch.

Die Tage in Istrien vergingen wie im Flug. Wir haben viel gesehen, viel gelacht und einige unvergessliche Momente erlebt. Es war nicht immer perfekt, aber es war echt. Und es hat uns gezeigt, dass man auch in einem touristischen Gebiet noch authentische Erlebnisse haben kann. Mit all den kleinen Pannen und Überraschungen. Und so standen wir kurz davor, uns auf den Heimweg zu machen, erfüllt von schönen Erinnerungen und mit dem Gefühl, dass dieser Teil Europas noch lange in unseren Herzen bleiben wird.

Der Abschied von Istrien fiel uns überraschend schwer. Nicht, weil wir uns nicht auf ein weiches Bett und ein funktionierendes Navi freuten, sondern weil wir uns in diese kleine Ecke Europas wirklich verliebt hatten. Es war nicht perfekt – es gab holprige Straßen, Tintenfisch-Massaker und den einen oder anderen missglückten romantischen Moment. Aber genau das machte es so authentisch und unvergesslich.

Was wir gelernt haben (oder auch nicht)

Max hat gelernt, dass er kein guter Navigator ist und dass er seinen Sinn für „gute Orientierung“ besser zu Hause lassen sollte. Ich habe gelernt, dass ich zwar gut darin bin, mich zu entspannen, aber nicht unbedingt darin, mich vor fliegenden Tintenfischspritzern zu schützen. Und wir beide haben gelernt, dass ein Urlaub nicht nur darin besteht, perfekte Fotos zu machen, sondern auch darin, die kleinen Pannen und Überraschungen zu genießen.

Die kleinen Dinge, die zählen

Es waren nicht die beeindruckenden Kirchen oder die malerischen Ausblicke, die uns am meisten in Erinnerung bleiben werden. Es waren die kleinen Dinge: das Lachen mit den Einheimischen, der Duft von frischem Fisch auf dem Markt, die Wärme der Sonne auf unserer Haut und die entspannte Atmosphäre, die uns umgab. Es waren die Momente, in denen wir einfach nur waren, ohne uns um irgendetwas zu kümmern.

Ein paar Tipps für eure Reise

Wenn ihr nach Istrien reist, solltet ihr euch unbedingt ein Boot mieten und die Küste erkunden. Aber lasst Max nicht navigieren. Ernsthaft. Und probiert unbedingt den lokalen Wein, aber übertreibt es nicht, sonst landet ihr noch im Felsen. Und vergesst nicht, genügend Sonnencreme einzupacken, denn die Sonne kann ganz schön heftig sein. Und seid bereit, eure Komfortzone zu verlassen und euch auf ein paar Überraschungen einzulassen. Denn das ist es, was einen Urlaub wirklich unvergesslich macht.

Unser Fazit

Istrien ist nicht nur ein wunderschönes Reiseziel, sondern auch ein Ort, an dem man zur Ruhe kommen und die Seele baumeln lassen kann. Es ist ein Ort, an dem man die kleinen Dinge im Leben wiederentdecken und sich von der Hektik des Alltags erholen kann. Und es ist ein Ort, an dem man sich einfach nur wohlfühlen kann. Wir werden auf jeden Fall wiederkommen. Und hoffentlich überleben wir dann auch das nächste Tintenfisch-Essen.

    👤 Alleinerziehende Mutter (35) mit einem Teenager (15) ✍️ persönlich und intim