Asien - Israel - Jerusalem

Reisebericht Asien - Israel - Jerusalem

Der Geruch von Zimt und etwas undefinierbar Süßlichem hing in der Luft, vermischt mit dem Lärm von rollenden Koffern und lautstarken Gesprächen in Hebräisch. Wir standen also endlich in Jerusalem, nach einer gefühlt endlosen Reise mit Zwischenstopp in Istanbul. Die Kinder, Lina (9) und Max (6), waren zwar müde, aber ihre Augen leuchteten, als sie die ersten Palmen und die hellen, sandfarbenen Gebäude sahen. Ich, ehrlich gesagt, war überwältigt. Nicht vom Lärm oder der Hitze, sondern von dem Gefühl, an einem Ort zu stehen, über den ich seit meiner Kindheit gelesen hatte.

Eine lange geplante Reise

Die Idee zu dieser Reise hatte ich schon lange. Meine Oma, eine begeisterte Geschichtenerzählerin, hatte uns als Kinder immer von den Geschichten rund um Jerusalem erzählt. Von König David, dem Tempel, und den vielen Pilgern, die über die Jahrhunderte hierhergekommen waren. Ich wollte, dass Lina und Max diese Geschichten nicht nur lesen, sondern den Ort selbst erleben. Israel schien mir ein guter Kompromiss – Geschichte, Kultur, und für die Kinder auch noch ein bisschen Abenteuer. Asien war ursprünglich auch noch im Gespräch, aber irgendwie hat es Jerusalem dann doch am stärksten gezogen.

Die Planung war nicht einfach. Es gab viele Dinge zu bedenken. Sicherheit stand natürlich an erster Stelle. Wir haben uns gründlich informiert, Reiseführer gelesen und uns mit Freunden ausgetauscht, die bereits dort waren. Dann die Frage nach der Unterkunft. Wir haben uns für ein kleines Apartment in der Nähe der Altstadt entschieden, mit dem Gedanken, uns schnell einleben und den Alltag dort spüren zu können. Und natürlich das Budget – eine Reise mit Kindern ist selten günstig.

Die erste Fahrt durch die Stadt

Unser Taxi schlängelte sich durch die engen Straßen. Es war ein buntes Durcheinander aus alten und neuen Gebäuden, Autos, Bussen und Fußgängern. Überall hingen Schilder in Hebräisch und Arabisch, manchmal auch in Englisch. Die Menschen wirkten sehr unterschiedlich, manche in traditioneller Kleidung, andere ganz modern. Ich versuchte, alles aufzusaugen, die Geräusche, die Gerüche, die Gesichter. Lina klebte an meinem Arm und zeigte auf alles Neue, während Max unaufhörlich Fragen stellte. "Papa, warum haben die Männer da so komische Hüte auf?", "Was ist das für ein rotes Ding auf dem Dach?". Ich versuchte, alle Fragen zu beantworten, aber manchmal musste ich einfach zugeben, dass ich es nicht wusste.

Unser Apartment war klein, aber gemütlich. Es hatte einen kleinen Balkon mit Blick auf eine belebte Straße. Die Kinder waren sofort begeistert und flitzten hin und her. Nachdem wir unser Gepäck ausgepackt hatten, machten wir uns auf den Weg, um uns ein bisschen zu orientieren. Wir gingen in Richtung der Altstadt, vorbei an kleinen Geschäften, Cafés und Restaurants. Der Duft von frisch gebackenem Brot und Gewürzen lag in der Luft. Lina und Max bestaunten die Auslagen, voller bunter Souvenirs und lokaler Produkte.

Erste Eindrücke der Altstadt

Als wir dann endlich das Jaffator erreichten, waren wir überwältigt. Die hohen Mauern, die alten Gassen, die vielen Menschen – es war, als wären wir in eine andere Zeit zurückgereist. Wir gingen durch das Tor und verloren uns sofort in dem labyrinthartigen Gassennetz. Überall waren kleine Geschäfte, die Souvenirs, Gewürze, Schmuck und Kleidung verkauften. Die Händler riefen uns zu, um ihre Waren anzupreisen, und wir versuchten, nicht auf ihre Verkaufsgespräche einzugehen. Es war anstrengend, aber auch faszinierend. Lina und Max waren begeistert von den vielen Eindrücken und liefen voller Energie voraus.

Wir besuchten die Grabeskirche, einen der heiligsten Orte des Christentums. Es war sehr voll und laut, aber wir schafften es, uns durch die Menschenmengen zu drängen und das Grab Jesu zu sehen. Lina und Max waren sehr beeindruckt und verstanden, warum dieser Ort für so viele Menschen so wichtig ist. Danach gingen wir zur Klagemauer, dem heiligsten Ort des Judentums. Dort beteten die Menschen, schrieben Gebete auf kleine Zettel und steckten sie in die Mauerritzen. Es war eine sehr bewegende Atmosphäre.

Am Abend kehrten wir erschöpft, aber glücklich in unser Apartment zurück. Die Kinder fielen sofort ins Bett, und ich setzte mich auf den Balkon, um den Tag Revue passieren zu lassen. Der Lärm der Stadt war immer noch zu hören, aber er wirkte nicht mehr so aufdringlich. Ich fühlte mich verbunden mit diesem Ort, mit seiner Geschichte, seiner Kultur und seinen Menschen. Die Reise hatte gerade erst begonnen, aber ich wusste bereits, dass sie uns noch viele unvergessliche Momente bescheren würde. Und so standen wir nun am Anfang unseres Abenteuers, bereit, tiefer in die Geheimnisse Jerusalems einzutauchen und die Geschichten, die meine Oma uns erzählt hatte, mit eigenen Augen zu erleben.

Der Geruch von Gewürzen und ein verlorener Rucksack

Den nächsten Tag begannen wir mit einem Besuch auf dem arabischen Markt, der Suk. Wow, das war ein Erlebnis! Enge Gassen, voll mit Ständen, die alles Mögliche verkauften: Gewürze in allen Farben und Duftrichtungen, türkische Lampen, Lederwaren, Stoffe, Schmuck… Es war unglaublich lebendig und laut. Lina war sofort fasziniert von den bunten Gewürzen und wollte unbedingt eine kleine Dose Safran mitnehmen – ein Geschenk für ihre Oma. Max hingegen war eher an den Süßigkeiten interessiert, die an fast jedem Stand angeboten wurden. Ich versuchte, den Überblick zu behalten, während wir uns durch die Menschenmengen schlängelten, aber es war fast unmöglich. Irgendwann merkte ich, dass mein Rucksack weg war. Panik stieg in mir auf. Darin waren nicht nur meine Wertsachen, sondern auch die Wasserflaschen und Snacks für die Kinder. Ich suchte überall, fragte die Händler, aber niemand hatte ihn gesehen. Ich war kurz davor, die Polizei zu rufen, als ein junger Mann auf mich zukam und mir meinen Rucksack zurückgab. Er hatte ihn in einer Ecke gefunden und auf mich gewartet. Ich war so erleichtert! Ich bedankte mich überschwänglich bei ihm und gab ihm ein kleines Trinkgeld. Diese kleine Aufregung hat uns gezeigt, dass man auch an solchen belebten Orten wachsam sein muss, aber auch, dass es immer noch freundliche Menschen gibt.

Ein Blick vom Ölberg

Am Nachmittag wollten wir den Ölberg besuchen, um einen Panoramablick auf die Altstadt zu genießen. Der Weg dorthin führte uns durch den Kidron-Tal, einen alten Friedhof mit vielen historischen Gräbern. Die Kinder waren etwas unbeeindruckt, aber ich versuchte, ihnen die Geschichte des Ortes zu erklären. Oben auf dem Ölberg angekommen, wurden wir mit einem atemberaubenden Blick belohnt. Die Altstadt lag uns zu Füßen, mit ihren goldenen Kuppeln und alten Mauern. Es war ein magischer Moment. Wir setzten uns auf eine Bank und genossen die Aussicht, während die Sonne langsam unterging. Lina malte die Szene in ihr Skizzenbuch, während Max versuchte, die vielen Tauben zu zählen, die um uns herumflatterten.

Ein Besuch in der Davidstadt

Eines unserer Highlights war der Besuch der Davidstadt, der alten Stadt Jerusalems, die unterhalb der Altstadt liegt. Der Eingang befindet sich in einem Tunnel, der uns direkt in die Vergangenheit führte. Wir erkundeten die alten Gräben, die Tunnel und die Überreste der alten Stadtmauern. Es war faszinierend zu sehen, wie die Menschen vor Tausenden von Jahren gelebt haben. Die Kinder waren begeistert, als sie die alten Wasserleitungen entdeckten und versuchten, sich vorzustellen, wie das Wasser in die Stadt transportiert wurde. Der Besuch war zwar anstrengend, da es viele Treppen und enge Gänge gab, aber es war die Mühe wert. Es hat uns geholfen, die Geschichte Jerusalems besser zu verstehen und die Verbindung zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart zu spüren.

Nach einigen Tagen voller Entdeckungen und Abenteuer waren wir erschöpft, aber glücklich. Jerusalem hatte uns in seinen Bann gezogen, mit seiner Geschichte, seiner Kultur und seinen Menschen. Die Reise hatte uns nicht nur viele unvergessliche Momente beschert, sondern auch unsere Familie enger zusammengebracht. Wir hatten gelernt, die Welt mit anderen Augen zu sehen und die Schönheit in den kleinen Dingen zu entdecken. Nun, da wir uns auf den Heimweg vorbereiteten, war klar, dass dies nicht unsere letzte Reise nach Israel sein würde, denn die Geschichten dieses Landes würden uns noch lange begleiten.

Der letzte Tag in Jerusalem war seltsam. Einerseits fühlten wir uns erschöpft von all den Eindrücken, von den vielen Kilometern, die wir zu Fuß zurückgelegt hatten, und von der Hitze. Andererseits waren wir traurig, dass unsere Reise bald zu Ende ging. Wir beschlossen, den Tag ganz entspannt anzugehen und einfach noch einmal durch die Altstadt zu schlendern, ohne uns von irgendwelchen To-Do-Listen stressen zu lassen.

Wir begannen mit einem Frühstück in einem kleinen Café in der Nähe des Jaffators. Es gab frittierte Falafel, Hummus und Pita-Brot. Lina und Max liebten es, in den warmen Brot zu tunken. Danach bummelten wir durch die Gassen, kauften noch ein paar Souvenirs und genossen die Atmosphäre. Ich beobachtete die Menschen, die an uns vorbeiliefen, und versuchte, ihre Geschichten zu erraten. Jerusalem ist ein Ort, an dem sich so viele verschiedene Kulturen und Religionen treffen, und das spürt man überall.

Ein letzter Blick auf die Klagemauer

Am Nachmittag gingen wir noch einmal zur Klagemauer. Diesmal war es nicht so voll wie bei unserem ersten Besuch. Wir nahmen uns Zeit, um einfach nur dazusitzen und die besondere Atmosphäre aufzusaugen. Lina und Max schrieben kleine Gebete auf Zettel und steckten sie in die Mauerritzen. Es war ein bewegender Moment für uns alle.

Was wir gelernt haben

Diese Reise nach Jerusalem war mehr als nur ein Urlaub. Es war eine Erfahrung, die uns als Familie enger zusammengeschweißt hat. Wir haben gelernt, andere Kulturen zu respektieren, Geschichte lebendig zu erleben und die Schönheit in den kleinen Dingen zu erkennen. Und wir haben gelernt, dass es nicht immer notwendig ist, einen perfekten Plan zu haben. Manchmal ist es auch schön, sich einfach treiben zu lassen und zu sehen, wohin die Reise einen führt.

Tipps für eure Reise

Wenn ihr mit euren Kindern nach Jerusalem reist, habe ich ein paar Tipps für euch:

Packt bequeme Schuhe ein. Ihr werdet viel zu Fuß unterwegs sein.

Vergesst Sonnencreme und Kopfbedeckung nicht. Die Sonne in Jerusalem kann sehr stark sein.

Seid offen für neue Erfahrungen. Jerusalem ist ein Ort, der euch überraschen wird.

Lasst euch Zeit. Es gibt so viel zu sehen und zu erleben, dass ihr nicht alles an einem Tag schaffen könnt.

Und vor allem: Habt Spaß! Jerusalem ist ein magischer Ort, der euch noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Auf dem Rückweg zum Flughafen blickten wir noch einmal auf die Stadt zurück. Die goldenen Kuppeln und alten Mauern leuchteten in der Abendsonne. Wir wussten, dass wir eines Tages wiederkommen würden. Jerusalem hatte uns verzaubert. Es war eine Reise, die uns für immer in Erinnerung bleiben wird. Wir fuhren mit dem Gefühl, einen ganz besonderen Ort kennengelernt zu haben, der uns viel über Geschichte, Kultur und Menschlichkeit gelehrt hat.

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