Afrika - Äthiopien - Gondar

Reisebericht Afrika - Äthiopien - Gondar

Der Geruch von geröstetem Kaffee und etwas undefinierbar Würzigem hing in der Luft, vermischt mit dem Abgas von einem alten, bläulich qualmenden Bus. Ich stand am Flughafen von Gondar, Äthiopien, und versuchte, meine Reisetasche festzuhalten, während ein Dutzend Leute gleichzeitig versuchen wollten, ihre Gepäckstücke aufs Dach zu schnallen. War ganz anders als die sterile Atmosphäre, an die ich von den europäischen Flughäfen gewöhnt war. Sofort spürte ich eine Energie, die mich sofort in ihren Bann zog. Ich war da. Endlich.

Ein paar Worte vorab

Ich bin Lena, 25, und arbeite seit ein paar Jahren in der Entwicklungszusammenarbeit. Nach meinem Studium der Sozialen Arbeit habe ich mich entschieden, nicht den klassischen Weg einzuschlagen, sondern meine Zeit und Energie in Projekte zu investieren, die wirklich etwas bewegen. Jetzt bin ich seit sechs Monaten unterwegs – zuerst in Ghana, dann in Tansania und jetzt hier in Äthiopien. Ich arbeite mit lokalen Organisationen zusammen, die sich für Bildung, Gesundheitsversorgung und nachhaltige Landwirtschaft einsetzen. In Gondar unterstütze ich ein kleines Gemeindezentrum, das sich um Straßenkinder kümmert. Es ist harte Arbeit, oft frustrierend, aber auch unglaublich erfüllend.

Warum gerade Äthiopien?

Äthiopien fasziniert mich schon lange. Nicht nur die reiche Geschichte und Kultur, sondern auch die komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen. Das Land ist voller Widersprüche: unglaubliche Schönheit und Armut, Tradition und Moderne, Hoffnung und Verzweiflung. Ich wollte mit meinen eigenen Augen sehen, wie die Menschen hier leben, was ihre Bedürfnisse sind und wie ich dazu beitragen kann, ihre Lebenssituation zu verbessern. Und Gondar, die ehemalige Hauptstadt des äthiopischen Kaiserreichs, schien mir ein guter Ausgangspunkt, um das Land kennenzulernen und mich in die Kultur zu vertiefen.

Erste Eindrücke von Gondar

Die Stadt selbst ist ein faszinierendes Sammelsurium aus Alt und Neu. Neben den historischen Kirchen und Palästen gibt es moderne Gebäude und lebhafte Märkte. Überall wuseln Menschen herum, tragen bunte Kleidung und sprechen eine Sprache, die ich noch nicht verstehe. Die Luft ist erfüllt von den Geräuschen des Straßenverkehrs, dem Geschrei der Händler und dem Gelächter der Kinder. Es ist chaotisch, laut und intensiv – aber auch unglaublich lebendig und authentisch.

Die ersten Tage habe ich damit verbracht, mich in der Stadt zurechtzufinden und Kontakte zu knüpfen. Ich wohne in einer einfachen Pension in der Nähe des Zentrums, die von einer freundlichen Familie geführt wird. Sie haben mir schon ein paar grundlegende Amharische Wörter beigebracht und mir die besten Restaurants und Märkte gezeigt.

Das Gemeindezentrum

Das Gemeindezentrum, in dem ich arbeite, ist ein kleines, aber feines Projekt. Es wird von einer engagierten Gruppe von Freiwilligen geleitet, die sich um die Straßenkinder von Gondar kümmern. Sie bieten ihnen Essen, Kleidung, medizinische Versorgung und vor allem Bildung. Viele der Kinder haben traumatische Erfahrungen gemacht und brauchen dringend psychologische Unterstützung. Ich helfe den Freiwilligen bei der Organisation von Freizeitaktivitäten, bei der Hausaufgabenbetreuung und bei der Vermittlung von Sprachkursen.

Was mich besonders berührt, ist die unglaubliche Resilienz der Kinder. Trotz ihrer schwierigen Lebensumstände sind sie voller Lebensfreude und Hoffnung. Sie lachen, spielen und lernen mit einer Energie, die mich immer wieder inspiriert. Es ist eine Ehre für mich, mit ihnen zusammenarbeiten zu dürfen und einen kleinen Beitrag zu ihrem Wohlbefinden leisten zu können.

Ich weiß, dass meine Zeit hier begrenzt ist. Aber ich hoffe, dass ich in den nächsten Monaten noch viel bewirken und von den Menschen in Gondar lernen kann. Denn das ist es, was ich mir von dieser Reise erhoffe: nicht nur zu helfen, sondern auch zu lernen, zu wachsen und meinen Horizont zu erweitern. Und während ich hier sitze, in einem kleinen Café, den Duft von geröstetem Kaffee in der Nase, den Lärm der Stadt im Ohr und die freundlichen Gesichter um mich herum, stelle ich fest, dass ich genau an dem Ort bin, wo ich hingehöre. Der nächste Schritt ist nun, tief in die Arbeit einzusteigen und herauszufinden, wie ich meine Fähigkeiten und mein Wissen am besten einsetzen kann, um das Leben dieser Kinder ein Stückchen besser zu machen.Ich sitze hier, in einem kleinen Café, den Duft von geröstetem Kaffee in der Nase, den Lärm der Stadt im Ohr und die freundlichen Gesichter um mich herum, stelle ich fest, dass ich genau an dem Ort bin, wo ich hingehöre. Der nächste Schritt ist nun, tief in die Arbeit einzusteigen und herauszufinden, wie ich meine Fähigkeiten und mein Wissen am besten einsetzen kann, um das Leben dieser Kinder ein Stückchen besser zu machen.

Das Leben in Kebele 7

Ein Großteil meiner Arbeit führt mich in den Kebele 7, ein Viertel am Rande der Stadt. Es ist ein ganz anderes Gondar als das touristische Zentrum. Hier sind die Straßen staubig und unbefestigt, die Häuser einfach und aus Lehm gebaut. Es herrscht Armut, aber auch eine unglaubliche Gemeinschaft. Die Menschen teilen, was sie haben, und helfen einander. Ich habe gelernt, dass es nicht viel braucht, um glücklich zu sein.

Es war anfangs schwierig, sich zurechtzufinden. Ich habe mich mehrmals verlaufen und musste mich mit Händen und Füßen verständigen. Einmal wollte ich zum Gemeindezentrum und bin versehentlich in einer Art Hinterhof gelandet, voller Hühner und neugieriger Blicke. Aber die Leute waren immer freundlich und hilfsbereit. Sie haben mich angelacht, mir den Weg gewiesen und mir sogar eine Tasse Tee angeboten.

Der Markt von Mercato

Der Mercato ist der größte Markt in Gondar und ein absolutes Muss für jeden Besucher. Es ist ein riesiges, chaotisches Labyrinth aus Gassen und Ständen, auf denen alles verkauft wird: Gewürze, Kaffee, Kleidung, Haushaltswaren, Tiere – einfach alles!

Ich war überwältigt von den Eindrücken. Die Gerüche waren intensiv, die Geräusche ohrenbetäubend und die Menschenmassen unvorstellbar. Ich habe versucht, ein paar Fotos zu machen, aber es war fast unmöglich. Überall wurde ich angerempelt und von Händlern angesprochen, die mir ihre Waren aufdrängen wollten. Ich habe dann beschlossen, mich einfach treiben zu lassen und die Atmosphäre aufzusaugen. Es war ein unvergessliches Erlebnis. Ich habe ein paar bunte Tücher und eine handgeschnitzte Holfibel gekauft – kleine Souvenirs, die mich immer an diesen Ort erinnern werden.

Die Fasil Ghebbi – Ein Blick in die Vergangenheit

Neben meiner Arbeit im Gemeindezentrum habe ich auch versucht, die historischen Sehenswürdigkeiten von Gondar zu erkunden. Die Fasil Ghebbi, die ehemalige Königsburg, ist ein beeindruckender Komplex aus Burgen, Palästen und Kirchen.

Ich habe Stunden damit verbracht, durch die alten Gemäuer zu schlendern und mir die kunstvollen Verzierungen anzusehen. Es war faszinierend, sich vorzustellen, wie das Leben am kaiserlichen Hof vor Jahrhunderten ausgesehen haben muss. Aber es war auch traurig zu sehen, wie viele Gebäude verfallen und vernachlässigt werden. Die Regierung hat zwar begonnen, die Anlage zu restaurieren, aber es ist ein langer und schwieriger Prozess. Ich finde, es ist wichtig, die historische und kulturelle Identität eines Landes zu bewahren – nicht nur für die heutige Generation, sondern auch für die zukünftigen.

Kleine Pannen und große Lektionen

Natürlich gab es auch einige Pannen. Einmal habe ich versucht, mit einem lokalen Bus zu fahren und bin versehentlich in einer Sackgasse gelandet. Ich musste fast eine Stunde zu Fuß zurücklegen, bevor ich wieder den richtigen Weg gefunden habe. Aber ich habe gelernt, dass es nicht schlimm ist, sich zu verirren. Manchmal findet man auf dem Umweg dorthin genau das, wonach man sucht.

Und ich habe gelernt, dass es nicht darum geht, alles richtig zu machen. Es geht darum, offen zu sein, sich anzupassen und aus seinen Fehlern zu lernen. Und vor allem geht es darum, die kleinen Dinge im Leben zu schätzen – ein Lächeln, eine freundliche Geste, ein gemeinsames Essen. Diese Dinge sind universell und verbinden uns alle miteinander.

Nach einigen Wochen hier in Gondar, spüre ich, dass diese Erfahrung mich nachhaltig verändern wird und ich mit jeder Interaktion, jedem Lachen und jeder Herausforderung, mehr über mich selbst und die Welt lerne, die uns umgibt.

Die Tage sind angefüllt, die Nächte kurz. Ich sitze jetzt oft auf der Veranda meiner kleinen Pension und beobachte das Leben um mich herum. Die Frauen, die Wasser holen, die Kinder, die spielen, die Männer, die sich vor den kleinen Geschäften versammeln. Es ist ein simples Leben, oft hart, aber voller Würde und Respekt. Und ich bin dankbar, ein Teil davon sein zu dürfen, wenn auch nur für kurze Zeit.

Die Herausforderungen und die kleinen Siege

Die Arbeit im Gemeindezentrum ist nicht immer einfach. Es gibt Tage, an denen ich frustriert bin, weil ich nicht genug tun kann. Die Bedürfnisse sind so groß, die Ressourcen so begrenzt. Aber dann sehe ich ein Kind lachen, das gerade eine Mahlzeit bekommen hat, oder beobachte, wie ein Teenager stolz seine Hausaufgaben vorzeigt, und all die Müdigkeit ist vergessen. Diese kleinen Siege sind es, die mich antreiben und mir Mut geben.

Ich habe gelernt, dass es nicht darum geht, alles zu reparieren oder zu lösen. Es geht darum, da zu sein, zuzuhören, Unterstützung anzubieten und Hoffnung zu schenken. Es geht darum, die Menschen in ihrer Würde zu sehen und ihre Stärken zu erkennen.

Die Magie des Alltags

Gondar ist nicht nur ein Ort der Herausforderungen, sondern auch ein Ort der Magie. Die alten Kirchen, die hoch in den Bergen thronen, die bunten Märkte, die voller Leben und Farben sind, die traditionellen Musik- und Tanzaufführungen, die mich immer wieder aufs Neue begeistern.

Ich habe gelernt, die kleinen Dinge zu schätzen: den Duft des Kaffees am Morgen, das Lächeln eines Fremden, die Wärme der Sonne auf meiner Haut. Diese Dinge sind universell und verbinden uns alle miteinander.

Abschied und neue Perspektiven

Meine Zeit in Gondar neigt sich dem Ende zu. Es ist schwer, Abschied zu nehmen, aber ich weiß, dass ich diese Erfahrung für immer in meinem Herzen tragen werde. Ich habe viel gelernt, nicht nur über Äthiopien und seine Menschen, sondern auch über mich selbst. Ich habe gelernt, was wirklich wichtig ist im Leben: Liebe, Mitgefühl, Respekt und die Fähigkeit, die Schönheit im Einfachen zu erkennen.

Ich werde Äthiopien nicht vergessen. Ich hoffe, ich kann eines Tages zurückkehren und sehen, wie sich das Leben der Menschen, denen ich begegnet bin, entwickelt hat. Und ich hoffe, dass ich meinen Teil dazu beitragen konnte, ihr Leben ein bisschen besser zu machen.

Ein paar Tipps für Reisende

Wenn du planst, nach Gondar zu reisen, hier sind ein paar Tipps, die dir helfen können:

Sei offen und respektvoll: Äthiopien ist ein Land mit einer reichen Kultur und Tradition. Sei respektvoll gegenüber den Menschen und ihren Bräuchen. Lerne ein paar grundlegende Amharische Wörter und zeige Interesse an ihrer Kultur.

Sei geduldig: Das Leben in Äthiopien kann manchmal langsam sein. Sei geduldig und erwarte nicht, dass alles sofort passiert. Nimm dir Zeit, um die Umgebung zu genießen und die Menschen kennenzulernen.

Sei vorsichtig: Gondar ist eine relativ sichere Stadt, aber es ist trotzdem wichtig, auf seine Sachen aufzupassen und nicht nachts alleine herumzulaufen.

Probiere das Essen: Die äthiopische Küche ist köstlich und vielfältig. Probiere unbedingt die lokalen Spezialitäten wie Injera, Wat und Tej.

Vergiss nicht die Sonnencreme und den Hut: Die Sonne in Äthiopien ist sehr stark. Schütze dich vor Sonnenbrand und Hitzschlag.

Bleib neugierig und offen für neue Erfahrungen

Äthiopien ist ein Land, das dich verändern wird. Sei offen für neue Erfahrungen, lass dich überraschen und genieße die Magie dieses einzigartigen Ortes.

    👤 Yoga-Lehrerin (32) die Yoga-Retreats und Wellness-Erlebnisse kombiniert ✍️ sozial und engagiert