Birmingham mit 70: Ein bisschen Glück, ein bisschen Geschichte
Warum Birmingham?
Die Frage stellt sich natürlich. Birmingham? Nicht gerade das erste Reiseziel, das einem einfällt, wenn man an Europa denkt. Aber Sarah studiert dort Geschichte, also dachte ich, die Gelegenheit ist gut, sie zu besuchen und gleichzeitig ein bisschen was von der Stadt zu sehen. Und mal ehrlich, London ist teuer. Birmingham ist… vernünftig. Als Rentner muss man eben sparen, wo man kann.Das mit dem Sparen ist wichtig. Die Rente ist nicht gerade üppig und Sarah hat auch nicht viel Geld. Ich wollte ihr auf keinen Fall zur Last fallen, deswegen habe ich lange nach günstigen Angeboten gesucht. Flug und Hotel waren okay, aber die Verpflegung… da muss ich wohl öfter mal beim Supermarkt zuschlagen. Aber das macht nichts, Hauptsache ich bin hier.
Die Anreise
Die Flugreise war… interessant. Ich bin ja nicht mehr der Jüngste und so ein Flugzeug ist schon eine Belastung für den alten Kreislauf. Aber gut gegangen ist es. Und das Wichtigste: mein Koffer ist auch angekommen! Das ist nicht immer selbstverständlich, habe ich in den Nachrichten schon oft gehört.
Am Flughafen habe ich dann Sarah getroffen. Sie hat mich mit einem riesigen Lächeln empfangen und gleich meinen Koffer gepackt. „Opa, schön dich zu sehen!“, hat sie gerufen. Das hat mich gefreut. Die beiden sind die einzigen, die mich noch „Opa“ nennen. Alle anderen sind schon längst bei „Herr Meier“ angekommen.
Erster Eindruck
Die Fahrt vom Flughafen zur Stadt war unspektakulär. Vorbei an grauen Plattenbauten und grünen Wiesen. Birmingham ist eben keine Schönheit, aber es hat seinen eigenen Charme. Die Leute hier sind freundlich, aber eher zurückhaltend. Kein Vergleich zu den quirligen Italienern oder den offenen Franzosen.
Wir sind in einem kleinen Hotel untergekommen, nicht weit vom Stadtzentrum. Einfach, aber sauber und zweckmäßig. Sarah hat sich gleich ans Werk gemacht, um mir alles zu zeigen. Erst mal einen Kaffee, dann eine kleine Stadtführung. Wir sind durch enge Gassen gelaufen, vorbei an alten Pubs und modernen Geschäften. Birmingham ist eine Mischung aus Alt und Neu, aus Tradition und Moderne.
Ein bisschen Geschichte
Sarah hat mir dann die Geschichte von Birmingham erzählt. Früher eine Industriestadt, geprägt von Stahl und Kohle. Aber jetzt ein Zentrum für Dienstleistungen und Kultur. Sie hat mir das Rathaus gezeigt, die St. Philip’s Cathedral und das Birmingham Museum & Art Gallery. Alles interessant, aber ich muss gestehen, nach einer Weile wurde mir das alles etwas zu viel. Ich bin eben kein Museumsbesucher.
Was mir aber gefallen hat, war der Bullring Shopping Centre. Ein riesiges Einkaufszentrum mit allem, was das Herz begehrt. Ich habe zwar nichts gekauft, aber es war trotzdem interessant, sich alles anzuschauen. Und vor allem: es war warm! Draußen nieselte es immer noch, aber im Bullring war es gemütlich.
Am Abend haben wir in einem kleinen Pub zu Abend gegessen. Fish and Chips, natürlich. Und ein Pint Bier dazu. Das hat geschmeckt. Sarah hat mir erzählt, wie es ihr in Birmingham gefällt, was sie studiert und was sie in Zukunft plant. Es war schön, so viel Zeit mit ihr zu verbringen. Es ist nicht immer leicht, den Kontakt zu halten, wenn man so weit voneinander entfernt wohnt. Aber solche Reisen helfen, die Distanz zu überwinden.
Jetzt, wo ich hier sitze und auf meinen Kaffee schaue, frage ich mich, was die nächsten Tage noch bringen werden. Sarah hat schon ein paar Ideen, aber wir werden sehen, was daraus wird. Ich bin gespannt darauf, mehr von Birmingham zu entdecken und vor allem, mehr Zeit mit meiner Enkelin zu verbringen. Und vielleicht, ganz vielleicht, lerne ich ja auch noch den Unterschied zwischen einem Pub und einer Kneipe.
Die nächsten Tage stehen vor der Tür, voller kleiner Entdeckungen und Gespräche, und ich bin gespannt darauf, wie sich dieses kleine Abenteuer entfalten wird.
Die nächsten Tage vergingen wie im Flug. Birmingham hatte mehr zu bieten, als ich gedacht hätte. Sarah hatte sich einiges vorgenommen und ich ließ mich gerne treiben, solange es nicht zu anstrengend wurde.Canal Quarter: Mehr als nur Wasser
Sarah hatte mir erzählt, dass Birmingham mehr Kanäle hat als Venedig. Das klang erstmal übertrieben, aber als wir durch das Canal Quarter liefen, musste ich zugeben, dass da was dran war. Überall Wasser, alte Fabrikgebäude, die jetzt zu Wohnungen und Restaurants umgebaut wurden. Es war eine ganz besondere Atmosphäre, ruhig und entspannt. Wir haben uns ein Eis gekauft und sind am Kanalufer entlangspaziert. Ein älterer Herr fütterte Enten. Ganz friedlich. Ich hätte stundenlang dort sitzen können.
Wir sind auch in ein kleines Café gegangen, direkt am Kanal. Sarah bestellte einen Latte Macchiato, ich einen einfachen Kaffee. Ich bin da nicht so der Experimentierer. Der Kaffee schmeckte gut, aber der Blick auf das Wasser war noch besser. Ich habe ein paar Fotos gemacht, aber die sind wahrscheinlich nicht so gut geworden. Meine Hand zittert manchmal. Aber das ist nicht schlimm. Hauptsache, die Erinnerung bleibt.
Eine kleine Panne
Als wir gerade aus dem Café kamen, passierte es. Ich stolperte über einen Bordstein und fiel hin. Zum Glück war Sarah sofort zur Stelle, um mir aufzuhelfen. Ich hatte ein paar Schrammen und eine Prellung, aber ansonsten ging es mir gut. Sarah war ganz aufgeregt und wollte sofort zum Arzt fahren. Aber ich habe sie beruhigt und gesagt, dass das schon wieder wird. Ein bisschen Tape und ein Pflaster haben gereicht. Ich bin ja nicht aus Zucker.
Sarah hat mich trotzdem den ganzen Tag über beobachtet und sich ständig nach meinem Befinden erkundigt. Das war sehr lieb von ihr, aber ich wollte ihr keine Sorgen bereiten. Ich habe ihr versichert, dass ich fit genug bin, um noch ein paar Tage in Birmingham zu verbringen. Und das war auch so.
Jewellery Quarter: Glitzer und Gold
Ein anderes Viertel, das uns gefallen hat, war das Jewellery Quarter. Überall kleine Geschäfte, die Schmuck verkauften. Gold, Silber, Edelsteine… es glitzerte und blinkte, wo man hinsah. Sarah hat mir erklärt, dass Birmingham schon seit Jahrhunderten ein Zentrum für Schmuckherstellung ist. Wir sind in ein kleines Atelier gegangen, wo ein Goldschmied gerade an einem Ring arbeitete. Er hat uns erklärt, wie er das macht und uns ein paar Tipps gegeben. Ich habe zwar keinen Ring gekauft, aber es war trotzdem interessant, zuzusehen.
Wir haben auch eine alte Fabrik besucht, die jetzt ein Museum ist. Dort konnte man sehen, wie die Schmuckherstellung früher aussah. Es war ganz anders als heute. Viel Handarbeit und viel Geduld. Ich habe Respekt vor den Handwerkern von früher. Sie hatten es nicht leicht.
Die Abende haben wir meistens in einem Pub verbracht. Wir haben uns mit Sarahs Freunden getroffen und ein bisschen geplaudert. Ich habe gelernt, dass die jungen Leute heute ganz anders denken als wir es früher getan haben. Aber das ist nicht schlimm. Jede Generation hat ihre eigenen Vorstellungen. Hauptsache, man versteht sich.
Die Tage in Birmingham sind fast vorbei und ich blicke auf eine schöne Zeit zurück. Die Stadt hat mich positiv überrascht und ich habe viel Neues gelernt. Vor allem aber habe ich die Zeit mit meiner Enkelin genossen. Sie ist ein wunderbarer Mensch und ich bin stolz auf sie. Und so steht mir das Fazit bevor, die Koffer zu packen und die Reise hinter mir zu lassen, mit dem Gefühl, ein bisschen mehr von der Welt gesehen und vor allem, ein bisschen mehr Zeit mit denen geteilt zu haben, die mir am wichtigsten sind.
Der letzte Tag in Birmingham war seltsam ruhig. Kein großes Finale, kein Feuerwerk. Nur ein grauer Himmel und ein leichter Nieselregen. Aber das war okay. Ich hatte genug gesehen und genug erlebt für eine Woche. Ich saß in unserem kleinen Hotelzimmer und packte meinen Koffer. Es fiel mir schwer, mich zu verabschieden. Birmingham ist nicht die schönste Stadt der Welt, aber sie hat etwas Besonderes. Eine Mischung aus Alt und Neu, aus Tradition und Moderne. Und vor allem: freundliche Menschen.
Fazit
Ich bin ehrlich gesagt überrascht, wie gut mir die Reise gefallen hat. Ich hatte ja nicht viel erwartet. Birmingham ist eben keine typische Touristenstadt. Aber gerade das hat ihren Reiz ausgemacht. Ich habe viel Neues gelernt, sowohl über die Stadt als auch über mich selbst. Ich habe gelernt, dass man auch mit 70 noch reisen und neue Erfahrungen sammeln kann. Man muss nur bereit sein, sich auf das Unbekannte einzulassen.
Ein paar Tipps
Wenn ich jemandem raten würde, Birmingham zu besuchen, würde ich ihm sagen, er soll sich nicht zu viel erwarten. Die Stadt ist nicht perfekt, aber sie hat ihren eigenen Charme. Und er soll sich die Zeit nehmen, die Menschen kennenzulernen. Die Leute hier sind freundlich und hilfsbereit. Und er soll unbedingt den Canal Quarter besuchen. Das ist ein wunderschönes Viertel, das zum Spazierengehen und Entspannen einlädt.
Was ich besonders schön fand
Besonders gefallen hat mir der Kontrast zwischen der industriellen Vergangenheit und der modernen Gegenwart. Birmingham hat sich in den letzten Jahren stark verändert, aber es hat seine Wurzeln nicht vergessen. Das spürt man überall. Und ich war beeindruckt von der Vielfalt der Stadt. Hier leben Menschen aus aller Welt, die ihre Kulturen und Traditionen mitbringen. Das macht Birmingham zu einem lebendigen und spannenden Ort.
Und noch ein kleiner Rat
Wenn man mit dem Budget sparen möchte, sollte man sich selbst verpflegen und die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Die sind in Birmingham gut ausgebaut und relativ günstig. Und man sollte sich nicht scheuen, die Einheimischen nach Tipps und Empfehlungen zu fragen. Die kennen die Stadt am besten und können einem viel verraten.
So, jetzt ist es soweit. Der Koffer ist gepackt, das Taxi bestellt. Ich verlasse Birmingham mit einem Koffer voller Erinnerungen und einem warmen Gefühl im Herzen. Es war eine schöne Reise. Und wer weiß, vielleicht komme ich ja irgendwann wieder.
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- Canal Quarter
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- Birmingham Museum & Art Gallery
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- Jewellery Quarter