Europa - Italien - Bologna

Bologna mit Kindern: Zwischen roten Ziegeln und Pasta

Der Geruch von feuchtem Beton und Espresso hängt in der Luft, vermischt mit dem undefinierbaren Duft von Abgasen. Mein Mann, Thomas, kämpft gerade mit dem umgebauten Transporter, unserem "Bello" – ein wirklich treffender Name, wenn man bedenkt, wie oft er uns im Stich lässt – und versucht, ihn irgendwie in diese winzige Parklücke in Bologna zu manövrieren. Die Kinder, Lena (8) und Max (6), schreien im Fond, weil sie schon seit Stunden auf dem unbequemen Sitz polieren und dringend raus wollen. "Noch fünf Minuten!", brülle ich, obwohl ich selbst am liebsten einfach aussteigen und einen riesigen Espresso trinken würde.

Warum eigentlich Bologna?

Eigentlich war Italien gar nicht erst geplant. Wir hatten mit dem Auto Richtung Kroatien fahren wollen, aber irgendwann kam mir die Idee: Was, wenn wir einfach mal spontan Richtung Süden brechen? Thomas war erstmal skeptisch. "Spontan" und "mit zwei Kindern und einem klapprigen Bus" – das ist selten eine gute Kombination, fand er. Aber dann hat er die Fotos von Bologna gesehen: die roten Ziegelgebäude, die langen Arkaden, das Essen. Und er gab nach. Wir sind keine Luxusreisende, das ist klar. Campingplätze und Ferienwohnungen sind unsere Sache. Hotels sind uns einfach zu teuer, und wir wollen auch nicht, dass die Kinder den ganzen Tag nur vor dem Fernseher sitzen. Wir sind eher der Typ "abenteuerliche Entdeckungstour", auch wenn das manchmal bedeutet, dass wir am Ende des Tages erschöpft und voller Sand sind.

Die Anreise – Eine Herausforderung

Die Fahrt war… sagen wir mal anstrengend. Bello hat sich geweigert, einen Hügel nach dem anderen hochzukommen, und wir mussten mehrfach anhalten und ihn mit Anlauf holen. Die Kinder haben sich gestritten, die Kassette mit den Kinderliedern ist ständig hängen geblieben, und ich habe fast einen Nervenzusammenbruch bekommen, als Max versucht hat, seinen Joghurt aus dem Fenster zu werfen. Aber irgendwann, nach gefühlt hundert Stunden Fahrt, sind wir dann doch in Bologna angekommen. Und ehrlich gesagt, war es das alles wert.

Erste Eindrücke – Rot und lebendig

Die Stadt ist anders, als ich sie mir vorgestellt hatte. Nicht so touristisch überlaufen wie Rom oder Venedig. Es ist ein echtes italienisches Leben, das hier pulsiert. Überall sind Menschen auf Fahrrädern unterwegs, es riecht nach frischem Brot und Pasta, und die roten Ziegelgebäude leuchten in der Sonne. Die Arkaden sind genial! Endlich Schatten und Schutz vor der Hitze. Die Kinder sind sofort begeistert und rennen von einer Säule zur nächsten. Thomas kämpft noch mit dem Parken, aber ich merke schon, dass er sich langsam entspannt.

Der Campingplatz – Eine gemischte Erfahrung

Wir haben uns für einen Campingplatz etwas außerhalb des Stadtzentrums entschieden. Er ist nicht der schönste, das ist klar. Die Sanitäranlagen sind etwas in die Jahre gekommen, und es gibt nicht viele Bäume, die Schatten spenden. Aber er ist günstig, und es gibt einen kleinen Pool, der die Kinder sofort in seinen Bann zieht. Die anderen Camper sind freundlich, aber größtenteils ältere Leute, die ihre Ruhe suchen. Das ist vielleicht nicht ganz unser Stil, aber wir passen uns an. Das Wichtigste ist, dass wir einen Platz zum Ausruhen haben, bevor wir uns in die Stadt stürzen.

Die Suche nach dem perfekten Essen

Nachdem wir das Zelt aufgebaut und die Kinder im Pool untergebracht haben, machen wir uns auf den Weg, um etwas zu essen zu finden. Wir wollen nicht in einem der typischen Touristenrestaurants landen, sondern in einem echten italienischen Lokal, in dem die Einheimischen essen. Das ist gar nicht so einfach, wie es klingt. Wir laufen eine Weile durch die Gassen, vorbei an kleinen Läden und Cafés, und lassen uns treiben. Schließlich entdecken wir eine kleine Trattoria, die uns sofort anspricht. Sie ist nicht besonders schick, aber sie ist gemütlich und einladend. Und das Essen ist fantastisch. Pasta mit Trüffeln, frischer Fisch, und ein Glas Wein. Einfach, aber perfekt. Jetzt, nach dem ersten Tag und dem ersten richtigen Essen, bin ich wirklich gespannt darauf, was Bologna noch alles für uns bereithält.

Bologna mit Kindern – Ein Balanceakt

Am nächsten Morgen starten wir mit einem kleinen Frühstück auf dem Campingplatz. Thomas hat versucht, Rühreier zu machen, aber die sind eher grau geworden. Egal, Hauptsache, es schmeckt. Wir beschließen, zuerst die Piazza Maggiore zu erkunden, das Herz der Stadt. Der Platz ist riesig und voller Leben. Straßenmusiker spielen, Tauben fliegen herum, und überall sitzen Menschen in Cafés und genießen den Morgen. Lena ist sofort fasziniert von der Basilica di San Petronio, die riesige Kirche, die eine Seite des Platzes dominiert. Wir gehen hinein und sind beeindruckt von der schlichten Schönheit des Innenraums. Max ist allerdings schnell gelangweilt und will lieber wieder nach draußen, um die Tauben zu jagen.

Das jüdische Viertel – Ein verstecktes Juwel

Nach dem Platz schlendern wir durch das jüdische Viertel. Es ist ein ruhiger, etwas versteckter Ort, der ganz anders ist als der belebte Platz. Die Gassen sind eng und verwinkelt, und die Häuser sind alt und charmant. Wir entdecken eine kleine Bäckerei, in der es gefüllte Brote und süße Leckereien gibt. Lena und Max sind begeistert und dürfen sich jeweils etwas aussuchen. Wir setzen uns in einen kleinen Park und genießen unsere Snacks. Es ist ein entspannter Moment, der mir zeigt, dass es nicht immer die großen Sehenswürdigkeiten sein müssen, um glücklich zu sein.

Der Two Towers – Höhenangst und Eis

Am Nachmittag stehen die Two Towers auf dem Programm, Asinelli und Garisenda. Lena ist sofort Feuer und Flamme und will unbedingt auf den Asinelli-Turm klettern. Thomas und ich sind uns nicht so sicher. Wir wissen, dass die Treppen eng und steil sind, und wir haben Angst, dass Max nicht mithalten kann. Aber Lena bettelt so lange, bis wir nachgeben. Der Aufstieg ist anstrengend, und meine Beine brennen. Max wird irgendwann müde und will auf meinen Armen getragen werden. Aber die Aussicht von oben ist atemberaubend. Wir können die ganze Stadt überblicken und fühlen uns wie die Könige von Bologna. Als Belohnung gibt es ein Eis, das wir in einem kleinen Café in der Nähe des Turms essen. Es ist das beste Eis, das ich je gegessen habe.

Pannen und kleine Heldentaten

Nicht alles läuft natürlich glatt. Auf dem Rückweg zum Campingplatz verliert Max seinen Lieblingskuscheltiger. Er ist untröstlich, und wir müssen auf der Suche nach dem verlorenen Freund noch einmal den ganzen Weg zurück zur Piazza Maggiore. Zum Glück finden wir ihn in einem kleinen Souvenirladen, wo er von einer freundlichen Verkäuferin aufbewahrt wurde. Außerdem hat Bello, unser treuer Transporter, mal wieder Zicken gemacht und sich mitten in der Stadt den Geist aufgegeben. Thomas hat ihn zwar wieder zum Laufen gebracht, aber es hat eine ganze Stunde gedauert und uns viel Nervenkitzel gekostet. Trotz all dieser kleinen Pannen und Hindernisse haben wir eine tolle Zeit in Bologna. Es ist eine Stadt, die uns mit ihrer Lebensfreude, ihrem Essen und ihren freundlichen Menschen verzaubert hat. Nach ein paar Tagen voller Entdeckungen und Abenteuer spüren wir, dass es Zeit ist, weiterzuziehen, denn das italienische Reiseziel ist größer als nur diese wunderschöne Stadt.

Nach ein paar Tagen voller Entdeckungen spüren wir, dass es Zeit ist, weiterzuziehen. Nicht, weil Bologna uns nicht gefällt – im Gegenteil! – sondern weil wir einfach noch so viel von Italien sehen wollen. Und ehrlich gesagt, der Campingplatz war auf Dauer doch etwas trist. Aber das ist ja bei solchen Trips oft so: Man nimmt das, was man kriegen kann, und versucht, das Beste daraus zu machen.

Rückblick und Fazit

Bologna hat uns überrascht. Ich hatte erwartet, dass die Stadt sehr touristisch ist, aber das ist sie zum Glück nicht. Hier leben echte Menschen, die ihren Alltag leben, und das spürt man. Die Arkaden sind genial, besonders im Sommer, wenn die Sonne brennt. Und das Essen… oh, das Essen! Pasta, Pizza, Gelato – ein Traum! Wir haben versucht, uns gesund zu ernähren, aber es ist schwer, wenn überall so leckere Sachen angeboten werden. Die Kinder haben sich jeden Tag über etwas gefreut, sei es das Eis, die Tauben auf der Piazza Maggiore oder die Aussicht vom Asinelli-Turm.

Was wir gelernt haben

So eine Reise mit Kindern ist immer eine Herausforderung. Man muss flexibel sein, viel Geduld haben und sich darauf einstellen, dass nicht alles nach Plan läuft. Aber gerade das macht es ja auch spannend. Wir haben gelernt, dass es nicht immer die teuren Hotels und die schicken Restaurants sein müssen, um einen schönen Urlaub zu haben. Oft sind es die kleinen Dinge, die in Erinnerung bleiben: ein freundliches Lächeln, ein leckeres Eis, ein gemeinsamer Spaziergang.

Ein paar Tipps für andere Familien

Der Asinelli-Turm

Wenn ihr mit Kindern den Asinelli-Turm besteigen wollt, solltet ihr früh dran sein, um die langen Schlangen zu vermeiden. Und nehmt genug Wasser mit, denn die Treppen sind steil und anstrengend. Aber die Aussicht ist es wert!

Die Gassen des jüdischen Viertels

Verliert euch in den engen Gassen des jüdischen Viertels und entdeckt kleine Läden und Cafés. Hier findet ihr authentische italienische Küche und freundliche Menschen.

Der Mercato di Mezzo

Besucht den Mercato di Mezzo, einen überdachten Markt, auf dem ihr frische Lebensmittel, Käse, Wurst und andere Spezialitäten kaufen könnt. Hier könnt ihr ein Picknick zusammenstellen oder einfach nur ein leckeres Mittagessen genießen.

Auf Wiedersehen, Bologna!

Wir verlassen Bologna mit vielen schönen Erinnerungen und dem Gefühl, eine tolle Zeit gehabt zu haben. Diese Stadt ist ein echtes Juwel, das man unbedingt besuchen sollte. Und wer weiß, vielleicht kommen wir ja irgendwann noch einmal wieder.

    • Piazza Maggiore
    • Asinelli-Turm
    • Jüdisches Viertel
👤 Familie mit kleinem Budget (Eltern mit 2 Kindern unter 10) die Camping und Ferienwohnungen bevorzugt ✍️ kritisch und hinterfragend