Ein Schluck Ecuador: Auf den Spuren vergessener Weine
Ein Traum wird wahr – und ein bisschen Wein
Du kennst mich ja, ich bin der Typ, der sein Leben um Wein baut. Nicht im kommerziellen Sinne, versteht mich nicht falsch. Ich bin kein Sommelier und habe auch keine Weinberge. Aber ich liebe es, die Geschichten hinter den Weinen zu entdecken, die Menschen zu treffen, die sie machen, und die Terroirs zu erkunden, die ihnen ihren einzigartigen Charakter verleihen. Südamerika stand schon lange auf meiner Liste, und Ecuador, nun ja, das war eher ein glücklicher Zufall. Ich hatte in einem Fachforum gelesen, dass es in den Anden einige kleine, aber feine Weingüter geben soll, die mit Sorten experimentieren, die ich noch nie zuvor probiert hatte. Das klang nach einer Herausforderung, nach einem Abenteuer – und nach ein paar wirklich guten Weinen.Ehrlich gesagt, hatte ich vor der Reise nicht viel über Ecuador gewusst. Irgendwas mit dem Amazonas, Galapagos-Inseln und Bananen, das war so mein grobes Bild. Aber das Forum hatte mich neugierig gemacht. Und ich hatte das Gefühl, dass es Zeit für etwas Neues war, für einen Ort, der nicht schon tausendmal von anderen Weinfreunden durchstreift wurde.
Erste Eindrücke vom Küstenwind
Der Flughafen selbst war überraschend modern und übersichtlich. Es dauerte nicht lange, bis ich mein Gepäck hatte und ein Taxi zur Innenstadt genommen hatte. Schon während der Fahrt bemerkte ich, dass Guayaquil eine ganz andere Atmosphäre hatte, als ich erwartet hatte. Keine stickige, feuchte Hitze wie im Amazonas, sondern ein angenehmer, trockener Wind, der vom Pazifik herüberwehte. Die Stadt wirkte lebendig, chaotisch und irgendwie auch charmant. Überall bunte Häuser, kleine Werkstätten und Straßenhändler, die ihre Waren anpriesen.
Malecón 2000 und die Frage nach dem Wein
Ich ließ mich am Malecón 2000, der Uferpromenade, absetzen. Wow, was für ein Ausblick! Palmen säumten den Weg, bunte Boote schaukelten im Hafen und im Hintergrund ragten die Hügel der Küstenregion empor. Ich schlenderte ein wenig herum, beobachtete das Treiben und versuchte, mich zu orientieren. Natürlich musste ich mich sofort nach dem Wein erkundigen. Ich sprach einen älteren Mann an, der gerade seinen Enkel auf einer Parkbank schaukelte. „Perdón, señor, ¿saben dónde puedo encontrar vino ecuatoriano aquí en Guayaquil?” (Entschuldigung, Herr, wissen Sie, wo ich hier in Guayaquil ecuadorianischen Wein finden kann?) Er lächelte freundlich und zeigte mit dem Finger auf eine Straße, die ein paar Blocks entfernt lag. „Da hinten, in der Calle 10 de Agosto, gibt es einen kleinen Supermarkt, der eine gute Auswahl hat.”
Ich bedankte mich und machte mich auf den Weg. Der Supermarkt war klein, aber gut sortiert. Und tatsächlich, dort standen sie – die ersten ecuadorianischen Weine, die ich sah. Ein paar Flaschen Rotwein, ein Weißwein und ein Rosé. Die Etiketten waren einfach, aber ansprechend. Ich nahm eine Flasche Rotwein, einen Cabernet Sauvignon, und eine Flasche Weißwein, einen Chardonnay, und ging zur Kasse. Die Verkäuferin lächelte mich an und sagte etwas auf Spanisch, das ich nicht ganz verstand. Aber ich vermutete, dass sie mir einen schönen Abend wünschte.
Ein erster Schluck – und die Suche geht weiter
Zurück in meinem Hotelzimmer öffnete ich die Flaschen und goss mir ein Glas ein. Der Cabernet Sauvignon war überraschend fruchtig und weich, mit Aromen von Kirsche und Pflaume. Der Chardonnay war frisch und lebendig, mit Noten von Zitrusfrüchten und Apfel. Kein Weltklasse-Wein, aber definitiv trinkbar und vielversprechend. Es war ein guter Anfang.
Aber ich war nicht hier, um nur trinkbaren Wein zu finden. Ich wollte die besten Weine Ecuadors entdecken, die Menschen hinter den Weinen treffen und die Geschichten hinter den Weinen erfahren. Und ich hatte das Gefühl, dass ich erst am Anfang meiner Suche stand. Morgen würde ich mich auf den Weg machen, um die Weingüter in den Anden zu erkunden. Und ich war gespannt darauf, was ich dort finden würde.
Ich konnte es kaum erwarten, tiefer in das unbekannte Weinland einzutauchen und die Aromen und Geschichten hinter diesen verborgenen Schätzen zu entdecken.Ich konnte es kaum erwarten, tiefer in das unbekannte Weinland einzutauchen und die Aromen und Geschichten hinter diesen verborgenen Schätzen zu entdecken.Las Peñas: Farben, Künstler und ein unerwarteter Fund
Am nächsten Morgen beschloss ich, zuerst die Altstadt von Guayaquil zu erkunden, speziell das Viertel Las Peñas. Ich hatte gelesen, dass es bekannt für seine farbenfrohen Häuser und Künstlerateliers ist. Und das stimmte! Die Straßen waren eng und steil, die Häuser in allen Farben des Regenbogens gestrichen. Überall hingen Bilder und Skulpturen aus, und in den kleinen Cafés saßen Leute und tranken Kaffee. Es war ein lebendiger, kreativer Ort. Ich verbrachte Stunden damit, durch die Gassen zu schlendern, die Kunstgalerien zu besuchen und die Atmosphäre zu genießen.
Auf halbem Weg nach oben, keuchend vor Anstrengung, entdeckte ich ein kleines Geschäft, das auf den ersten Blick wie eine Antiquitätensammlung aussah. Aber als ich genauer hinsah, erkannte ich, dass es sich um einen Weinladen handelte – einen, der sich auf lokale Weine spezialisiert hatte! Ich war begeistert. Der Besitzer, ein freundlicher Mann namens Ricardo, erzählte mir, dass er seit über 30 Jahren Weine sammelt und verkauft. Er hatte eine beeindruckende Auswahl an ecuadorianischen Weinen, darunter auch einige, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Wir plauderten lange über die Geschichte des Weinbaus in Ecuador, die Herausforderungen, denen die Winzer gegenüberstehen, und die Zukunft des Weinbaus in dem Land. Ricardo erklärte mir, dass der Weinbau in Ecuador sehr anspruchsvoll sei, da das Klima feucht und heiß ist und die Böden nicht immer ideal sind. Aber die Winzer seien sehr leidenschaftlich und experimentierten ständig mit neuen Sorten und Techniken. Er gab mir einige Empfehlungen und verkaufte mir ein paar Flaschen, die ich unbedingt probieren sollte.
Der Mercado Central: Ein kulinarisches Abenteuer – und eine kleine Panne
Nach Las Peñas ging es zum Mercado Central, dem zentralen Markt von Guayaquil. Das war ein Erlebnis für sich! Ein riesiger, überfüllter Markt, auf dem alles verkauft wurde – von frischem Obst und Gemüse über Fleisch und Fisch bis hin zu Kleidung und Souvenirs. Der Lärmpegel war enorm, und die Gerüche waren überwältigend. Ich wagte mich hinein und versuchte, mich zu orientieren. Ich wollte ein paar lokale Spezialitäten probieren und vielleicht noch ein paar Zutaten für ein Picknick kaufen. Ich entdeckte einen Stand, der Ceviche anbot, und bestellte eine Portion. Es war köstlich! Frischer Fisch, mariniert in Limettensaft, mit Zwiebeln und Koriander. Ich genoss es inmitten des Markttrubels.
Dann kam es zu einer kleinen Panne. Ich wollte ein paar Mangos kaufen, aber ich hatte kein Bargeld dabei. Ich versuchte, mit meiner Kreditkarte zu bezahlen, aber der Verkäufer akzeptierte keine Karten. Ich suchte verzweifelt nach einem Geldautomaten, aber ich konnte keinen finden. Zum Glück kam mir ein freundlicher Mann zu Hilfe. Er bot mir an, meine Mangos zu kaufen und mir das Geld zurückzugeben. Ich war sehr dankbar für seine Hilfe. Der Mercado Central war ein chaotisches, aber faszinierendes Erlebnis. Es zeigte mir, wie lebendig und authentisch das Leben in Guayaquil sein kann.
Malecon 2000 bei Nacht: Reflektionen und der Blick nach vorn
Am Abend ging ich zurück zum Malecón 2000. Die Uferpromenade war bei Nacht wunderschön beleuchtet. Ich setzte mich auf eine Bank und beobachtete die Menschen, die vorbeigingen. Die Stadt war lebendig und pulsierend. Ich dachte über die Erlebnisse des Tages nach. Ich hatte so viel gelernt und entdeckt. Ich hatte neue Leute kennengelernt, neue Geschmäcker probiert und neue Eindrücke gesammelt. Ich war froh, dass ich mich entschieden hatte, nach Ecuador zu reisen.
Während ich den Blick über den Pazifik schweifen ließ, wurde mir klar, dass dies erst der Anfang meiner Reise war. Ich hatte noch so viel vor. Ich wollte die Weingüter in den Anden besuchen, die verschiedenen Weinregionen erkunden und die Menschen hinter den Weinen treffen. Ich war gespannt darauf, was mich noch erwarten würde, und voller Vorfreude auf die kommenden Tage und Wochen. Ich ahnte, dass diese Reise mich noch lange begleiten würde und mich in vielerlei Hinsicht bereichern würde.
Die ersten Eindrücke von Guayaquil waren überwältigend und hatten den Appetit auf die Erkundung der Weinregionen des Landes geweckt.Die Tage in Guayaquil vergingen wie im Flug. Ich hatte die Stadt ein wenig kennengelernt, ihre Wärme, ihren Charme und ihre unerwartete Dynamik. Doch der eigentliche Grund meiner Reise lag vor mir: die Weinregionen. Ich hatte mich mit einem lokalen Fahrer, Ricardo, verabredet, der mich in den Anden bringen sollte. Ricardo war ein ruhiger, besonnener Mann, der die Gegend wie seine Westentasche kannte. Während der Fahrt erzählte er mir viel über die Geschichte des Weinbaus in Ecuador, die von den Spaniern ins Land gebracht wurde, aber aufgrund des schwierigen Klimas und der Topographie nie richtig Fuß fassen konnte.
Aufbruch in die Anden
Die Fahrt durch die Anden war atemberaubend. Grüne Hügel, tiefe Täler und kleine Dörfer säumten den Weg. Wir passierten Kaffeeplantagen und Obstgärten, bevor wir endlich unser erstes Weingut erreichten: Bodega Andrade. Es war ein kleines, familiengeführtes Weingut, das von Don Alberto Andrade betrieben wurde. Don Alberto empfing uns herzlich und führte uns durch seine Weinberge. Er erklärte uns, dass er mit verschiedenen Rebsorten experimentiert, darunter Merlot, Cabernet Sauvignon und Syrah, aber auch mit einigen lokalen Sorten, die er aus alten Aufzeichnungen wiederentdeckt hatte. Die Weine, die er produzierte, waren überraschend komplex und aromatisch, geprägt vom Terroir der Anden.
Die Herausforderungen des Weinbaus
Ich lernte, dass der Weinbau in Ecuador mit vielen Herausforderungen verbunden ist. Das Klima ist feucht und heiß, und die Weinberge liegen oft in großer Höhe, was den Anbau erschwert. Die Böden sind zudem oft vulkanischen Ursprungs, was den Weinen einen besonderen Charakter verleiht. Die Winzer müssen viel Geduld und Know-how aufwenden, um qualitativ hochwertige Weine zu produzieren. Viele von ihnen setzen auf biologische Anbaumethoden, um die Umwelt zu schonen und die Qualität der Weine zu verbessern.
Bodega Santa Rosa: Ein Pionierprojekt
Ein weiteres Weingut, das ich besuchte, war Bodega Santa Rosa. Es war ein relativ junges Weingut, das von einem jungen Paar, Isabel und Javier, gegründet worden war. Sie hatten sich zum Ziel gesetzt, die ecuadorianische Weinkultur neu zu beleben und hochwertige Weine zu produzieren, die mit den besten Weinen der Welt mithalten können. Sie setzten auf moderne Anbaumethoden und eine sorgfältige Vinifizierung. Ihre Weine waren frisch, fruchtig und elegant.
Reflexionen und Empfehlungen
Nach einer Woche in Ecuador konnte ich sagen, dass es ein Land mit großem Potenzial für den Weinbau ist. Die Weine, die ich probiert hatte, waren überraschend vielfältig und aromatisch, geprägt vom Terroir der Anden und der Leidenschaft der Winzer. Es war eine Reise, die meine Erwartungen übertroffen hatte. Ich hatte nicht nur neue Weine entdeckt, sondern auch neue Menschen kennengelernt und neue Erfahrungen gesammelt.
Wenn du auch Weinliebhaber bist und auf der Suche nach einem neuen Abenteuer bist, kann ich dir Ecuador wärmstens empfehlen. Hier sind ein paar Tipps:
- Besuche die Weinregionen in den Anden: Dort findest du kleine, familiengeführte Weingüter, die hochwertige Weine produzieren.
- Probiere die lokalen Rebsorten: Es gibt einige lokale Rebsorten, die du nirgendwo anders auf der Welt findest.
- Sprich mit den Winzern: Sie können dir viel über die Geschichte des Weinbaus in Ecuador und die Herausforderungen erzählen, denen sie gegenüberstehen.
- Sei offen für Neues: Die ecuadorianischen Weine sind anders als die Weine, die du vielleicht kennst. Sei bereit, neue Aromen und Geschmacksrichtungen zu entdecken.
Ich werde Ecuador und seine Weine nicht vergessen. Es war eine Reise, die mich inspiriert und bereichert hat. Und ich bin sicher, dass ich eines Tages wiederkommen werde, um neue Weine zu entdecken und die Leidenschaft der Winzer zu teilen.
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- Bodega Andrade: Ein charmantes Weingut mit traditionellen Methoden
- Bodega Santa Rosa: Ein innovatives Weingut mit modernen Techniken
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- Weinregionen in den Anden: Eine malerische Umgebung mit kleinen Dörfern und Weinbergen