Europa - Portugal - Porto Santo

Reisebericht Europa - Portugal - Porto Santo

Der Geruch von Salz und Diesel hing in der Luft, vermischt mit dem süßlichen Duft von Pinien. Ich stand am Kai von Vila Baleira, Porto Santo, und sah zu, wie die Fähre aus Madeira langsam aus dem Blickfeld verschwand. Es war ein seltsames Gefühl. Befreiung, ja, aber auch ein Hauch von Melancholie, das Ablegen hinter sich lassen, das Aufbrechen zu etwas Neuem. Ich hatte Madeira eigentlich nur als Zwischenstopp geplant, eine kurze Pause auf dem Weg zu den Azoren. Aber irgendetwas an dieser rauen, grünen Insel hatte mich gefangen genommen, mich dazu gebracht, länger zu bleiben, tiefer einzutauchen.

Ein Inselwechsel aus innerer Notwendigkeit

Ich bin kein Mensch für lange Pausen, eigentlich. Eher das Gegenteil. Seit Jahren schon wandere ich, meistens alleine. Lange Wanderwege, alte Jakobspfade, die Küsten Irlands, die Pyrenäen… die Bewegung, das Gehen, das ist mein Anker. Aber in letzter Zeit… naja, es war anders. Ich hatte das Gefühl, ich laufe *vor* etwas weg, anstatt *auf* etwas zu. Eine innere Unruhe, die sich trotz all der Kilometer nicht legen wollte. Die Azoren sollten helfen, dachte ich. Eine noch wildere Natur, mehr Abgeschiedenheit. Aber Madeira hatte mir gezeigt, dass die Lösung vielleicht nicht in der Flucht, sondern in der Verlangsamung liegt. Und Porto Santo… Porto Santo fühlte sich an wie der nächste logische Schritt. Eine kleine Insel, fast vergessen, abseits der großen Touristenströme.

Die Suche nach Stille

Ich hatte schon viel über die Insel gelesen, über den neun Kilometer langen Sandstrand, der angeblich einer der schönsten der Welt sein soll, über die therapeutische Wirkung des Sandes und des Meeres. Aber das war nicht der Hauptgrund für meine Entscheidung. Ich suchte Stille. Echte Stille. Eine Stille, die mein Gehirn zur Ruhe bringt, die mich zwingt, mich mit meinen Gedanken auseinanderzusetzen. Und ich hatte das Gefühl, dass ich sie hier finden könnte. Die ersten Stunden auf der Insel verbrachte ich damit, einfach nur herumzuwandern. Entlang der Küste, durch die spärliche Vegetation im Inselinneren. Es gab kaum Menschen zu sehen, nur ein paar Fischer, die ihre Netze auslegten, ein paar ältere Männer, die auf Bänken saßen und den Blick auf das Meer richteten. Die Luft war klar und trocken, der Wind trug den Duft von Salz und Thymian mit sich.

Erste Begegnungen und der Sandstrand

Ich lernte ein paar Einheimische kennen, freundliche, zurückhaltende Menschen, die ihr Leben in diesem bescheidenen Paradies führten. Ein alter Mann, der mir auf einem der wenigen Wanderwege zur Seite stand, erzählte mir von der Geschichte der Insel, von den Entdeckungen des portugiesischen Seefahrers Zarco, von den Zeiten, in denen Porto Santo ein wichtiger Zwischenstopp für die Schiffe auf dem Weg nach Amerika war. Er sprach langsam und bedächtig, als wollte er jedes Wort abwägen. Und er erzählte mir von der besonderen Wirkung des Sandes, von seiner Fähigkeit, Schmerzen zu lindern und die Durchblutung zu fördern. Natürlich musste ich den Strand sehen. Den berühmten Sandstrand. Und er war tatsächlich beeindruckend. Neun Kilometer feiner, goldener Sand, der sich endlos am Ufer entlang erstreckte. Aber er war nicht überfüllt. Nicht einmal annähernd. Ich konnte stundenlang am Strand entlangspazieren, ohne einen einzigen Menschen zu treffen. Es war ein Gefühl von Freiheit und Weite, das ich lange nicht mehr erlebt hatte.

Ein neues Tempo

Ich begann, mein Tempo zu verlangsamen. Ich stand früher auf, um den Sonnenaufgang über dem Meer zu beobachten. Ich setzte mich stundenlang an den Strand und las ein Buch. Ich wanderte ohne Ziel, einfach nur, um die Insel zu erkunden. Und langsam, ganz langsam, begann ich, mich zu entspannen. Die innere Unruhe, die mich so lange begleitet hatte, begann zu verblassen. Ich begann, die kleinen Dinge zu schätzen: den Duft der Pinien, den Gesang der Vögel, die Wärme der Sonne auf meiner Haut. Ich war noch nicht am Ziel meiner Reise, das wusste ich. Die Azoren warteten immer noch. Aber ich hatte das Gefühl, dass ich hier, auf Porto Santo, einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu mir selbst gemacht hatte. Eine Insel, die nicht mit Schönheit, sondern mit Ruhe beeindruckt. Ich spürte, dass dieser Aufenthalt über das bloße Wandern hinausgehen würde – eine Art Selbstfindung, eingebettet in die raue Schönheit und stille Kraft der Insel.

Vila Baleira und die versteckten Ecken

Vila Baleira, das kleine Städtchen, das den einzigen größeren Ort auf der Insel bildet, ist… bescheiden. Nicht im negativen Sinne, sondern eher authentisch. Keine schicken Boutiquen, keine überlaufenen Restaurants, sondern kleine Lebensmittelläden, eine Apotheke, ein paar Bars, in denen die Einheimischen ihren Kaffee trinken. Ich verbrachte Stunden damit, einfach durch die engen Gassen zu schlendern, das Treiben zu beobachten. Einmal verirrte ich mich komplett, landete in einem Hinterhof, in dem ein alter Mann gerade dabei war, seine Wäsche aufzuhängen. Er lächelte mich freundlich an, bot mir ein Glas Wasser an und wies mir den Weg zurück zur Hauptstraße. Solche kleinen Begegnungen sind es, die das Reisen so wertvoll machen.

Der Aufstieg zum Pico do Facho

Eines Tages beschloss ich, den Pico do Facho zu erklimmen, den höchsten Berg der Insel. Der Weg war steil und anstrengend, aber die Aussicht von oben war atemberaubend. Man konnte die ganze Insel überblicken, das tiefblaue Meer, die goldene Küste, die spärliche Vegetation im Inselinneren. Es war ein Moment der Stille und Kontemplation. Auf dem Rückweg verlor ich jedoch kurzzeitig die Orientierung. Ich bog auf einen falschen Pfad ein und landete mitten in einem Gestrüpp aus Dornenbüschen. Ein kleiner Kratzer am Arm war die Bilanz, aber es war eine wertvolle Lektion: Auch auf einer kleinen Insel kann man sich verirren, wenn man nicht aufpasst.

Die Nordküste und die Höhlen

Die Nordküste von Porto Santo ist wild und ungezähmt. Hier schlägt das Meer mit voller Wucht an die Felsen. Ich wanderte stundenlang entlang der Küste, vorbei an kleinen Buchten und versteckten Höhlen. Einmal entdeckte ich eine kleine Grotte, die mit Muscheln und Seesternen übersät war. Es war ein magischer Ort, an dem ich mich für eine Weile zurückzog, um das Rauschen des Meeres zu genießen. Hier fand ich kleine, dunkle vulkanische Steine, die ich als Erinnerung mitnahm.

Kulinarische Entdeckungen und kleine Pannen

Das Essen auf Porto Santo ist einfach, aber schmackhaft. Frischer Fisch, Meeresfrüchte, gegrilltes Fleisch, dazu Kartoffeln und Salat. Ich probierte in einem kleinen Restaurant in Vila Baleira den lokalen "bolo do caco", ein flaches, knuspriges Brot, das mit Knoblauchbutter bestrichen wird. Köstlich! Einmal versuchte ich, selbst ein kleines Lagerfeuer am Strand zu machen, um mir ein Stück Fisch zu grillen. Leider ging das Vorhaben gründlich schief, weil ich vergessen hatte, Streichhölzer mitzunehmen. Ich musste lachend umkehren und in einem der Restaurants etwas bestellen.

Die Tage auf Porto Santo vergingen wie im Flug. Langsam aber sicher löste sich der Knoten in meinem Inneren, die innere Unruhe wich einer tiefen Gelassenheit. Ich hatte hier nicht nur eine wunderschöne Insel entdeckt, sondern auch einen Teil von mir selbst wiedergefunden. Ich wusste, dass meine Reise noch nicht zu Ende war, aber ich hatte das Gefühl, gestärkt und bereit zu sein, mich neuen Herausforderungen zu stellen – und vielleicht, irgendwann, wieder zurückzukehren.

Der Abschied von Porto Santo fiel mir schwerer, als ich erwartet hatte. Es war nicht die spektakuläre Schönheit Madeiras, die mich gefangen genommen hatte, sondern die subtile, fast unsichtbare Kraft der Stille. Die Insel hatte etwas in mir berührt, etwas, das ich lange verloren geglaubt hatte. Ich saß noch einmal am Strand, den Blick aufs weite Meer gerichtet, und spürte, wie die Sonne meine Haut wärmte. Die wenigen Menschen, die hier waren, schienen in einer eigenen Welt zu leben, versunken in Gedanken oder einfach nur genießend. Es war ein friedliches Bild, das sich tief in mein Gedächtnis einprägen wird.

Die Lektion der Langsamkeit

Ich habe auf meinen Reisen oft versucht, möglichst viel zu sehen und zu erleben. Ich wollte immer neue Orte entdecken, neue Kulturen kennenlernen. Dabei habe ich oft vergessen, einfach nur zu sein, den Moment zu genießen. Porto Santo hat mir gezeigt, dass es manchmal wichtiger ist, langsam zu machen, sich Zeit zu nehmen, die kleinen Dinge zu schätzen. Die Insel ist nicht der Ort für Action und Abenteuer, sondern für Kontemplation und Entspannung.

Die Wanderwege und ihre verborgenen Schätze

Die Wanderwege auf Porto Santo sind nicht besonders anspruchsvoll, aber sie führen durch eine abwechslungsreiche Landschaft. Von der rauen Küste mit ihren schwarzen Felsen und versteckten Buchten bis hin zum kargen Inselinneren mit seiner spärlichen Vegetation gibt es viel zu entdecken. Ich habe jeden Tag eine andere Strecke abgegangen, immer wieder neue Perspektiven gewonnen. Besonders beeindruckt hat mich die wilde Schönheit der Nordküste, wo das Meer mit voller Wucht an die Felsen prallt. Dort habe ich einige kleine Höhlen entdeckt, die mit Muscheln und Seesternen übersät waren.

Ein Tipp für angehende Wanderer

Nehmt euch unbedingt festes Schuhwerk mit, auch wenn die Wanderwege nicht besonders anspruchsvoll sind. Der Untergrund kann steinig und uneben sein. Und vergesst nicht, ausreichend Wasser und Proviant einzupacken, denn es gibt kaum Möglichkeiten, unterwegs etwas zu kaufen.

Die Küche von Porto Santo

Die Küche von Porto Santo ist einfach, aber schmackhaft. Frischer Fisch und Meeresfrüchte stehen natürlich auf der Speisekarte, aber auch gegrilltes Fleisch und lokale Spezialitäten wie der

👤 Alleinreisende Frau (40) die sich auf Selbstfindungstour begibt ✍️ minimalistisch und prägnant