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Ein Märchen aus Böhmen: Familienurlaub in Český Krumlov

Der Geruch von feuchtem Stein und irgendwie auch nach Apfelstrudel hing in der Luft, als wir aus dem kleinen Bus stiegen. Die Kinder, Linus (9) und Mia (6), waren total aufgeregt und zogen an meinen Händen. „Sind wir schon da? Ist das die Burg?“, quiekte Mia. Und ja, wir waren da. Český Krumlov. Ein Ort, von dem ich schon lange gelesen hatte, ein Märchenstädtchen in Südböhmen.

Warum Český Krumlov?

Ehrlich gesagt, war es meine Frau, Anna, die die Idee hatte. Wir wollten schon lange mal einen Urlaub machen, der nicht im klassischen Sinne „All Inclusive“ ist. Also weg vom Massentourismus, hin zu etwas Authentischem, etwas, das auch unseren Kindern die Augen für die Schönheit langsamerer, bewussterer Reiseformen öffnet. Anna ist da viel engagierter als ich, sie liest Blogs über nachhaltiges Reisen, sucht nach kleinen, lokalen Anbietern und achtet darauf, dass wir möglichst wenig ökologische Fußabdrücke hinterlassen. Ich bin eher der Pragmatiker, der guckt, dass die Logistik stimmt. Aber ich muss sagen, sie hat recht. Wir haben uns bewusst für Český Krumlov entschieden, weil es nicht so überlaufen ist wie Prag und weil die Stadt eine tolle Mischung aus Geschichte, Kultur und Natur bietet. Und natürlich, weil es einfach wunderschön aussieht.

Die Anreise

Die Anreise war schon ein kleines Abenteuer für sich. Wir haben uns bewusst gegen das Flugzeug entschieden und sind mit dem Zug angereist. Es war zwar etwas länger, aber dafür konnten wir die Landschaft genießen und es ist einfach entspannter für die Kinder. Von Deutschland aus sind wir erst nach Prag gefahren und von dort aus mit einem Regionalzug direkt nach Český Krumlov. Die Zugstrecke führte uns durch sanfte Hügel, vorbei an kleinen Dörfern und grünen Wiesen. Linus hat die ganze Zeit aus dem Fenster geschaut und versucht, Burgen und Schlösser zu entdecken. Mia hat sich mehr für die Kühe interessiert, die auf den Wiesen grasten.

Der erste Eindruck

Český Krumlov liegt eingebettet in einer Schleife der Moldau, umgeben von sanften Hügeln und grünen Wäldern. Die Altstadt ist ein UNESCO-Weltkulturerbe und besteht aus engen Gassen, historischen Bürgerhäusern und einer beeindruckenden Burg. Als wir durch das kleine Städtchen schlenderten, fühlte es sich an, als wären wir in eine andere Zeit zurückgereist. Überall hingen bunte Blumenkästen an den Fenstern, aus den kleinen Cafés duftete es nach Kaffee und Kuchen und die Luft war erfüllt vom leisen Murmeln der Moldau.

Unterkunft mit Köpfchen

Wir hatten uns für eine kleine Pension etwas außerhalb der Altstadt entschieden. Sie wird von einer Familie geführt, die großen Wert auf Nachhaltigkeit legt. Das Frühstück bestand hauptsächlich aus regionalen und biologischen Produkten und der Garten wurde mit Regenwasser bewässert. Außerdem boten sie Fahrräder zum Ausleihen an, was perfekt war, um die Umgebung zu erkunden. Linus und Mia waren begeistert von dem großen Garten mit Schaukel und Rutsche. Es war schön zu sehen, wie sie einfach nur draußen spielen und die Natur genießen konnten.

Am Nachmittag haben wir uns die Burg angesehen. Sie ist riesig und beeindruckend und bietet einen herrlichen Blick über die Stadt. Linus war sofort von den Rittern und den alten Waffen begeistert, während Mia sich mehr für die kleinen Ecken und Verstecke interessierte. Wir haben uns stundenlang in den Gängen und auf den Mauern aufgehalten und die Geschichte des Ortes aufgesogen.

Jetzt, nach dem ersten Erkunden der Stadt und dem Einchecken, wollen wir uns auf die Suche nach einem kleinen, lokalen Restaurant machen, um die tschechische Küche zu probieren und uns auf die kommenden Tage vorbereiten, die wir hoffentlich mit vielen nachhaltigen Entdeckungen füllen werden.

Wir fanden ein kleines Restaurant, "Krcma v Satlavske Ulici", etwas abseits der Haupttouristenpfade. Es war ein Glücksfall! Keine englische Speisekarte, keine Touristenfalle, sondern ehrliche, tschechische Küche. Anna versuchte sich an ein paar tschechischen Sätzen, die sie vorher gelernt hatte, und der Kellner war sofort begeistert. Linus und Mia bestellten "Svíčková", einen Rinderbraten mit Knödeln und Sahnesauce, und waren ganz begeistert. Ich probierte das "Trdelník", ein süßes Gebäck, das über offenem Feuer gebacken wird – unglaublich lecker! Es war schön, einfach dazusitzen und die Atmosphäre zu genießen, während draußen die Sonne langsam unterging.

Entdeckungstour durch die Altstadt

Am nächsten Tag haben wir uns entschieden, die Altstadt zu Fuß zu erkunden. Wir sind einfach ziellos durch die engen Gassen geschlendert und haben uns treiben lassen. Dabei sind wir an kleinen Handwerksläden, gemütlichen Cafés und historischen Bürgerhäusern vorbeigekommen. Besonders beeindruckt hat uns das "Latrán", das Viertel unterhalb der Burg. Hier befinden sich viele kleine Werkstätten, in denen Künstler und Handwerker arbeiten. Wir haben einen Glasbläser besucht und ihm bei der Herstellung von kleinen Glaskunstwerken zugesehen. Linus und Mia waren total fasziniert.

Ein Ausflug zum Lipno-Stausee

Wir haben auch einen Ausflug zum Lipno-Stausee gemacht, der etwa 20 Kilometer von Český Krumlov entfernt liegt. Wir haben Fahrräder gemietet und sind am Ufer entlang geradelt. Die Landschaft war einfach atemberaubend. Der See ist umgeben von dichten Wäldern und sanften Hügeln. Wir haben ein Picknick am Ufer gemacht und die Sonne genossen. Linus und Mia haben im See gebadet und sind mit kleinen Steinen gespielt. Es war ein perfekter Tag in der Natur.

Kleine Pannen, große Momente

Nicht alles verlief natürlich glatt. Einmal haben wir versucht, mit dem Bus zu einem nahegelegenen Nationalpark zu fahren, aber wir haben den Bus verpasst. Wir mussten eine ganze Stunde warten, und Mia war natürlich total ungeduldig. Aber dann haben wir beschlossen, die Zeit zu nutzen, um ein Eis zu essen und ein paar Fotos zu machen. Es ist immer gut, flexibel zu bleiben und sich nicht von kleinen Pannen den Tag verderben zu lassen. Es ist oft gerade in solchen Momenten, dass die schönsten Erinnerungen entstehen.

Nachhaltigkeit im Alltag

Uns war es wichtig, auch im Urlaub auf Nachhaltigkeit zu achten. Wir haben versucht, so wenig Plastikmüll wie möglich zu produzieren, haben regionale Produkte gekauft und haben uns viel mit dem Fahrrad oder zu Fuß fortbewegt. Es ist zwar nicht immer einfach, aber wir glauben, dass jeder kleine Beitrag zählt. Und wir wollen unseren Kindern zeigen, dass man auch im Urlaub verantwortungsbewusst handeln kann.

Die Tage in Český Krumlov sind viel zu schnell vergangen. Dieser Ort hat uns verzaubert und uns gezeigt, dass es noch viele authentische und nachhaltige Reiseziele gibt, die es zu entdecken gilt, und so kehren wir nun mit unvergesslichen Erinnerungen und dem festen Vorsatz nach Hause zurück, um auch in Zukunft bewusster und umweltfreundlicher zu reisen.

Der Abschied von Český Krumlov fiel uns schwer. Es war mehr als nur ein schöner Ort, es war ein Gefühl von Geborgenheit und Verbundenheit mit der Natur und der Kultur. Als wir am Bahnhof standen und auf den Zug warteten, schauten wir noch einmal zurück auf die wunderschöne Altstadt, die im warmen Abendlicht erstrahlte. Linus und Mia drückten uns fest an die Hand und versprachen, bald wiederzukommen.

Rückblick und was uns besonders gefallen hat

Was diesen Urlaub so besonders gemacht hat, war die Mischung aus Geschichte, Kultur und Natur. Český Krumlov ist ein Ort, an dem man die Zeit vergessen kann. Man kann stundenlang durch die engen Gassen schlendern, die beeindruckende Burg besichtigen oder einfach nur am Ufer der Moldau sitzen und das Treiben beobachten. Aber es war nicht nur die Schönheit des Ortes, sondern auch die Art und Weise, wie wir unseren Urlaub gestaltet haben. Wir haben uns bewusst für nachhaltige Aktivitäten entschieden, regionale Produkte gekauft und versucht, so wenig Plastikmüll wie möglich zu produzieren. Das hat uns nicht nur ein gutes Gefühl gegeben, sondern auch unseren Kindern gezeigt, dass man auch im Urlaub Verantwortung übernehmen kann.

Ein paar Tipps für eure Reise

Unterkünfte mit Herz

Achtet bei der Auswahl eurer Unterkunft auf Nachhaltigkeit. Es gibt viele kleine Pensionen und Hotels, die sich für umweltfreundliche Praktiken einsetzen. Wir waren begeistert von unserer Pension, die regionale und biologische Produkte verwendete und Regenwasser zur Bewässerung des Gartens nutzte.

Fahrrad statt Auto

Entdeckt die Umgebung mit dem Fahrrad. Es gibt viele gut ausgeschilderte Radwege, die euch durch die wunderschöne Landschaft führen. Der Lipno-Stausee ist perfekt für eine Fahrradtour mit der ganzen Familie.

Regionale Küche genießen

Probiert die tschechische Küche in kleinen, lokalen Restaurants. Achtet auf regionale Produkte und unterstützt die lokalen Bauern und Handwerker. Wir haben uns oft selbst versorgt, indem wir auf dem Markt frisches Obst, Gemüse und Käse gekauft haben.

Fazit

Český Krumlov hat uns verzaubert und uns gezeigt, dass es noch viele authentische und nachhaltige Reiseziele gibt. Es ist ein Ort, an dem man die Seele baumeln lassen und die Natur genießen kann. Wir werden diesen Urlaub nie vergessen und hoffen, bald wiederzukommen. Es war eine Erfahrung, die uns als Familie noch enger zusammengeschweißt hat und uns gezeigt hat, wie wichtig es ist, bewusste Entscheidungen zu treffen und die Welt mit Respekt zu behandeln.

    • Die Burg Český Krumlov
    • Die Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen
    • Der Lipno-Stausee (ideal zum Baden und für Wassersport)
    • Das Regionalmuseum Český Krumlov (um die Geschichte und Kultur der Region kennenzulernen)
    • Das historische Viertel Latrán (mit seinen Werkstätten und Geschäften)
👤 Familienvater mit zwei Kindern (6 und 9 Jahre) ✍️ ökologisch und nachhaltig