Limerick: Ein irischer Herbst
Ein bisschen Hintergrund
Mit siebzig Jahren hat man so ein bisschen das Gefühl, dass die Zeit schneller rennt, als man ihr hinterherhüpfen kann. Die Enkel sind aus dem Haus, die Renten sind zwar da, aber die Inflation frisst sie schneller auf, als ich mein Frühstück. Und dann war da noch dieses Gefühl, dass ich noch mal was sehen muss, bevor die Knochen endgültig knirschen. Ich hab mich entschieden, dass es kein teures Karibik-Resort sein soll. Dafür bin ich einfach nicht der Typ. Ich bin eher der Typ für kleine Pensionen, Pubs mit Live-Musik und das Gefühl, nicht nur Tourist, sondern ein bisschen Teil des Lebens zu sein. Irland hatte mich schon immer reizt, diese Mischung aus rauer Natur, herzlichen Menschen und der ganzen Mythologie. Und mit ein bisschen Planung und dem Glück, ein günstiges Ticket zu erwischen, war Limerick das Ziel.Die Anreise
Die Fluggesellschaft hatte zwar meine Koffer nicht ganz sanft behandelt, aber wenigstens waren sie angekommen. Der Bus vom Flughafen in die Stadt war voll mit Studenten und ein paar älteren Damen mit Einkaufstüten. Die Fahrt dauerte etwa 40 Minuten und bot einen ersten Einblick in die Landschaft. Felder, Kühe, und immer wieder dieser Himmel. Ein Himmel, der ständig wechselte, von sonnenhell bis wolkenverhangen in wenigen Minuten. Ich hatte mir einen Platz am Fenster gesucht und versucht, die Namen der kleinen Ortschaften zu lesen, die an uns vorbeizogen. Ein paar waren mir bekannt aus den Geschichten meiner Mutter, die aus der Nähe von Cork stammte.Erste Eindrücke von Limerick
Der Busbahnhof war – sagen wir mal – funktional. Keine architektonischen Meisterwerke, eher ein Ort, an dem Menschen ankommen und wieder abfahren. Ich hatte mir ein kleines Hotel in der Nähe des Flusses Shannon ausgesucht, das „The Old Mill“. War nicht luxuriös, aber sauber und die Lage war gut. Der Besitzer, ein freundlicher Mann namens Sean, begrüßte mich mit einem breiten Lächeln und einem starken irischen Akzent. Er erklärte mir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und empfahl ein paar gute Pubs. Ich zog mein Zimmer in Angriff. Einfach eingerichtet, mit einem Bett, einem Schrank und einem Fenster mit Blick auf den Fluss. Perfekt.Ein Spaziergang am Shannon
Ich beschloss, die Beine zu vertreten und erkundete die Stadt. Der Shannon ist der Lebensnerv von Limerick. Er fließt träge durch die Stadt und prägt das Bild. Entlang des Ufers gibt es eine Promenade, auf der ich entlangschlendern konnte. Ich sah Fischer, die ihre Angeln auswarfen, und Touristen, die Fotos machten. Ein paar junge Leute saßen am Ufer und spielten Gitarre. Die Musik war nicht perfekt, aber sie passte zur Atmosphäre. Ich passierte das King John’s Castle, eine beeindruckende mittelalterliche Burg. Ich entschied mich, sie mir für einen anderen Tag anzusehen. Ich wollte erst mal die Stadt auf mich wirken lassen. Die Straßen waren eng und verwinkelt, die Häuser bunt und unterschiedlich. Ich sah kleine Läden mit handgemachten Souvenirs, Pubs mit Live-Musik und Cafés mit duftendem Gebäck. Der Geruch von Guinness lag in der Luft. Ich war mir sicher, dass ich heute Abend einen Pub besuchen würde. Nach ein paar Stunden des Herumwanderens hatte ich einen guten Überblick über die Stadt gewonnen. Limerick ist keine typische irische Stadt. Sie hat eine gewisse Rauheit, eine gewisse Melancholie, aber auch eine gewisse Lebendigkeit. Und ich spürte, dass ich hier eine gute Zeit haben würde. Die Sonne begann unterzugehen und färbte den Himmel in leuchtenden Farben. Es war ein schöner Anblick. Ich kehrte zu meinem Hotel zurück, müde aber zufrieden. Der erste Tag in Limerick war vorbei. Und ich hatte das Gefühl, dass die Reise gerade erst begonnen hatte.Ein Abend in der St. Mary's Cathedral
Nach dem Abendessen – ein simpler Eintopf im Hotel, aber lecker – beschloss ich, die St. Mary’s Cathedral zu besuchen. Die war gar nicht weit, und ich wollte mir das Innere ansehen. Von außen wirkte sie schon beeindruckend, aber innen… Wow. Hohe Decken, bunte Glasfenster, und eine unglaubliche Ruhe. Ich setzte mich in eine der Kirchenbänke und ließ die Atmosphäre auf mich wirken. Es waren nur wenige Leute da, hauptsächlich Einheimische, die still andachtsvoll vor den Heiligenbildern knieten. Ich bin zwar nicht besonders religiös, aber ich schätze solche Orte, weil sie einem ein Gefühl von Frieden und Geborgenheit geben. Ich saß eine ganze Weile da und betrachtete die kunstvollen Details der Kirche. Besonders beeindruckt war ich von den Buntglasfenstern, die das Licht in den schönsten Farben brechen ließen.Ein Ausflug in die Nicholas Quarter
Am nächsten Tag wagte ich mich tiefer in die Stadt hinein, in das Nicholas Quarter. Das ist ein altes Viertel mit engen Gassen und historischen Gebäuden. Hier findet man kleine Läden, Kunstgalerien und Pubs. Ich verirrte mich ein paar Mal, aber das war gar nicht schlimm. Es war schön, einfach so durch die Gassen zu schlendern und die Atmosphäre zu genießen. Ich entdeckte ein kleines Antiquariat, in dem ich ein altes Buch über irische Sagen und Legenden kaufte. Der Besitzer war ein freundlicher alter Mann, der mir stundenlang von den Geschichten in dem Buch erzählte.Die Georgian Quarter und eine kleine Panne
Der Georgian Quarter ist ganz anders als das Nicholas Quarter. Hier findet man elegante Häuser aus dem 18. Jahrhundert, breite Straßen und Parks. Ich besuchte das People’s Museum, ein kleines Museum, das die Geschichte der Arbeiterklasse in Limerick dokumentiert. Es war sehr interessant, mehr über das Leben der Menschen zu erfahren, die hier früher gelebt und gearbeitet haben.Ein Missverständnis im Pub
Am Abend wollte ich mir einen Pub aussuchen und ein Glas Guinness trinken. Ich betrat einen kleinen Pub, der gut besucht war. Ich bestellte ein Guinness, und der Barkeeper brachte mir ein Bier. Ich sagte ihm, dass ich ein Guinness bestellt hätte, und er sagte, dass das Guinness leer sei. Ich dachte, ich hätte mich falsch verstanden gemacht, und bestellte ein anderes Bier. Als ich bezahlen wollte, stellte sich heraus, dass ich ein völlig anderes Bier bekommen hatte. Der Barkeeper entschuldigte sich, und ich lachte darüber. Es war ein kleines Missverständnis, aber es zeigte mir, dass die Menschen in Limerick sehr freundlich und hilfsbereit sind. Nach ein paar weiteren Bieren und einer angeregten Unterhaltung mit den anderen Gästen verließ ich den Pub glücklich und zufrieden.Ein letzter Blick auf den Shannon
Am nächsten Morgen machte ich einen letzten Spaziergang am Shannon. Die Sonne schien, und das Wasser glitzerte. Ich setzte mich auf eine Bank und beobachtete die vorbeifahrenden Boote und die spielenden Kinder. Ich spürte eine tiefe Dankbarkeit für diese Reise und für die Möglichkeit, diesen wunderschönen Ort kennenzulernen. Limerick ist eine Stadt, die mich beeindruckt und berührt hat, und ich bin sicher, dass ich hier nicht das letzte Mal war. Die Tage in Limerick vergingen wie im Flug, und ich spürte, dass es Zeit war, mich auf den Heimweg zu machen, voller Erinnerungen und mit dem festen Vorsatz, bald wiederzukommen.Der letzte Morgen in Limerick war grau, aber nicht traurig. Eher besinnlich. Ich saß noch einmal in einem kleinen Café, trank meinen Kaffee und beobachtete die Leute. Die meisten eilten ihren Geschäften nach, aber ein paar nahmen sich Zeit für ein Schwätzchen am Tresen. Es ist diese kleine, alltägliche Herzlichkeit, die mir in Irland so gut gefallen hat. Ich hatte mir vorgenommen, noch einmal den Shannon zu besuchen, bevor ich zum Busbahnhof ging. Der Fluss sah an diesem Morgen besonders melancholisch aus, als ob er sich von mir verabschieden wollte.
Ein Rückblick auf die Tage
Die Woche in Limerick ist wie im Flug vergangen. Ich hatte mir keine großen Pläne gemacht, wollte einfach die Stadt auf mich wirken lassen und das irische Lebensgefühl genießen. Und das ist mir gelungen. Ich habe alte Burgen besichtigt, durch verwinkelte Gassen geschlendert, in gemütlichen Pubs gesessen und mit den Einheimischen geplaudert. Ich habe gelernt, dass die Iren ein Volk mit viel Humor und Herzlichkeit sind. Sie nehmen das Leben nicht zu ernst, aber sie sind stolz auf ihre Kultur und ihre Traditionen.
Die kleinen Dinge, die zählen
Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist, sind die kleinen Dinge. Der Duft von frisch gebackenem Brot, das Lachen der Kinder auf dem Spielplatz, die sanfte Melodie der irischen Musik in den Pubs, die freundlichen Gesichter der Menschen, denen ich begegnet bin. Diese kleinen Dinge machen Limerick zu einem besonderen Ort. Es ist eine Stadt, die nicht mit großen Sehenswürdigkeiten protzt, sondern mit ihrer Atmosphäre und ihrer Lebensart verzaubert.
Ein paar Tipps für zukünftige Reisende
Wenn Sie Limerick besuchen möchten, habe ich ein paar Tipps für Sie. Erstens: Packen Sie wetterfeste Kleidung ein. Das irische Wetter ist unberechenbar, und es kann innerhalb eines Tages von Sonne zu Regen wechseln. Zweitens: Seien Sie offen und freundlich zu den Einheimischen. Die Iren sind sehr gastfreundlich, und sie freuen sich, wenn Sie Interesse an ihrer Kultur zeigen. Drittens: Probieren Sie die lokale Küche. Es gibt viele gute Restaurants und Pubs, die traditionelle irische Gerichte anbieten. Und viertens: Nehmen Sie sich Zeit, die Stadt auf sich wirken zu lassen. Limerick ist keine Stadt, die man in wenigen Stunden erkunden kann. Sie braucht Zeit, um ihre Geheimnisse preiszugeben.
Der Abschied
Am Busbahnhof war es dann soweit. Ich verabschiedete mich von Limerick und stieg in den Bus, der mich zurück nach Hause bringen sollte. Ich blickte noch einmal zurück auf die Stadt und lächelte. Limerick hatte mir eine unvergessliche Woche beschert. Ich werde diese Reise nie vergessen. Und ich bin sicher, dass ich eines Tages wiederkommen werde.
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- King John’s Castle
- St. Mary’s Cathedral
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- People’s Museum
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- Nicholas Quarter