Reisebericht Europa - Ungarn - Debrecen
Ankunft in Debrecen
Ich war total platt. Der Nachtbus aus Wien war zwar einigermaßen bequem gewesen, aber Schlaf war trotzdem Mangelware. Und jetzt stand ich hier, in einer fremden Stadt, mit kaum Geld in der Tasche und dem Plan, für die nächsten zwei Wochen so richtig durchzustarten. Das Ganze war eigentlich ein bisschen spontan. Eigentlich wollte ich dieses Jahr Interrail durch Westeuropa machen, aber dann hat meine beste Freundin Lisa mir von Debrecen erzählt. Sie war letztes Semester im Austausch hier und meinte, die Stadt wäre super authentisch, total günstig und eben nicht so überlaufen wie Budapest. Und da ich eh knapp bei Kasse war, dachte ich mir, warum nicht?Ich hatte mir zwar ein Hostel gebucht, aber wie das aussieht, wusste ich auch nicht so genau. Die Bewertungen online waren gemischt, aber hey, was soll’s? Hauptsache ein Dach über dem Kopf und vielleicht ein paar nette Leute zum Quatschen. Ich zog meinen Stadtplan hervor, ein zerknittertes Ding, das ich mir vor der Reise ausgedruckt hatte. Modernes Zeug wie Google Maps wollte ich eigentlich vermeiden, um ein bisschen mehr offline zu sein, aber ehrlich gesagt, fühlte ich mich gerade ziemlich verloren.
Auf der Suche nach dem Hostel
Ich schlurfte also los, versuchte, den Schildern zu folgen und dabei nicht über meine eigenen Füße zu stolpern. Debrecen wirkte auf den ersten Blick irgendwie… grau. Nicht unbedingt hässlich, aber eben auch nicht so fotogen, wie ich es mir vorgestellt hatte. Viele Plattenbauten, ein paar ältere Gebäude, die aber alle ziemlich renovierungsbedürftig aussahen. Aber dann, zwischen den ganzen grauen Fassaden, entdeckte ich immer wieder kleine Details, die mir gefielen: bunte Blumenkästen an den Fenstern, kleine Cafés mit gemütlichen Außenbereichen, alte Männer, die auf Bänken Schach spielten.
Ich passierte einen Markt, auf dem es nach frischem Obst und Gemüse roch. Es war so ein richtig lebhafter Ort, mit vielen Leuten, die feilschten und lachten. Ich hätte gerne einen Apfel gekauft, aber ich wusste nicht, ob ich überhaupt genug Forint dabei hatte. Ich öffnete meinen Geldbeutel und zählte meine Münzen. Puh, knapp, aber es sollte reichen. Ich kaufte mir einen knackig roten Apfel und biss hinein. Mmmh, der war wirklich lecker! So richtig nach Sommer geschmeckt.
Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichte ich endlich mein Hostel. Es war ein kleines, unscheinbares Gebäude in einer Seitenstraße. Von außen sah es nicht besonders einladend aus, aber ich war ja auch nicht hier, um mich vom Äußeren beeindrucken zu lassen. Ich öffnete die Tür und betrat einen kleinen, dunklen Flur. Hinter der Rezeption stand ein Mann mit langen Haaren und einem Bart. Er musterte mich kurz und fragte dann auf gebrochenem Englisch, ob ich reserviert hätte. Ich nickte und sagte meinen Namen. Er suchte in einem dicken Buch und fand dann meine Reservierung. Er gab mir einen Schlüssel und wies mir den Weg zu meinem Zimmer.
Erste Eindrücke vom Hostel
Mein Zimmer war einfach, aber sauber. Es gab zwei Betten, einen Schrank und ein kleines Fenster. Mein Mitbewohner war noch nicht da. Ich war froh darüber, zumindest für den Moment. Ich ließ meinen Rucksack fallen und seufzte erleichtert. Endlich angekommen. Ich setzte mich auf mein Bett und betrachtete den Raum. Es war zwar nicht luxuriös, aber es war ein Ort, an dem ich mich für die nächsten paar Tage einrichten konnte. Ich zog meine Wanderschuhe aus und lehnte mich zurück. Ich fühlte mich erschöpft, aber auch aufgeregt. Was würde diese Reise bringen? Ich hatte keine Ahnung, aber ich freute mich darauf, es herauszufinden. Ich war gespannt, die Stadt zu erkunden, die Menschen kennenzulernen und neue Erfahrungen zu sammeln. Ich wusste, dass ich hier weit weg von zu Hause war, aber ich fühlte mich seltsam wohl. Ich war allein, aber nicht einsam. Ich hatte das Gefühl, dass ich genau hierhergehörte, zumindest für eine Weile. Die ersten Begegnungen mit den Einheimischen ließen mich neugierig auf das, was noch kommen würde.
Erste Erkundungen und der Kossuth-Platz
Ich beschloss, mich nicht lange aufzuhalten und direkt loszugehen. Nach einer schnellen Dusche und dem Verstauen meiner Wertsachen im Spind war ich bereit für die Stadt. Der Rezeptionist hatte mir einen Stadtplan gegeben und ein paar Tipps, wo es gute, günstige Restaurants gab. Er meinte, ich sollte unbedingt den Kossuth-Platz besuchen, das Herz der Stadt.Also machte ich mich auf den Weg. Der Platz war viel größer, als ich erwartet hatte. Eine riesige Statue von Kossuth Lajos, einem ungarischen Nationalhelden, dominierte das Bild. Um den Platz herum standen beeindruckende Gebäude, darunter das Rathaus und die Große Kirche. Es war ein belebter Ort, voller Menschen, Touristen und Einheimischer. Ich setzte mich auf eine Bank und beobachtete das Treiben. Ein Straßenmusiker spielte auf einer Gitarre ungarische Volksmusik. Eine Gruppe von Kindern jagte Tauben. Ein älterer Mann fütterte die Tiere mit Brot. Es war ein friedliches und entspanntes Ambiente.
Der Flohmarkt am Forum
Am nächsten Tag entdeckte ich zufällig einen Flohmarkt in der Nähe des Forums. Das Forum ist so eine Art Fußgängerzone mit vielen Cafés und Geschäften. Aber der Flohmarkt war viel interessanter. Dort gab es alles Mögliche zu kaufen: alte Möbel, Bücher, Kleidung, Schallplatten, Spielzeug, Kunsthandwerk. Ich stöberte stundenlang zwischen den Ständen und fand ein paar tolle Schnäppchen. Ein altes, ledergebundenes Notizbuch für ein paar Euro, eine lustige Postkarte und eine kleine, handgemachte Holzfigur. Ich liebte es, durch die alten Sachen zu stöbern und die Geschichten dahinter zu erahnen.
Dabei passierte mir eine kleine Panne. Ich wollte einen alten Plattenspieler kaufen, aber als ich ihn genauer betrachtete, stellte ich fest, dass der Tonarm kaputt war. Ich war enttäuscht, aber der Verkäufer meinte nur schulterzuckend, dass er ihn so billig verkaufen konnte. Ich lachte und kaufte trotzdem die Postkarte. Manchmal muss man eben mit den Dingen leben, die nicht perfekt sind.
Das jüdische Viertel und die Synagoge
Ein weiteres Highlight war das jüdische Viertel. Es ist ein ruhiger und beschaulicher Teil der Stadt, mit engen Gassen und alten Häusern. Die Synagoge ist ein beeindruckendes Gebäude, das im 19. Jahrhundert erbaut wurde. Ich besuchte die Synagoge und war von ihrer Schönheit und ihrem historischen Wert beeindruckt. Die Wände waren mit kunstvollen Ornamenten verziert und die Bänke waren aus dunklem Holz. Es war ein Ort der Stille und Besinnung.
Dort traf ich eine ältere Dame, die mir viel über die Geschichte des jüdischen Viertels erzählte. Sie erklärte mir, dass das Viertel früher ein wichtiges Zentrum des jüdischen Lebens in Debrecen war. Im Zweiten Weltkrieg wurden viele Juden deportiert und ermordet. Die Synagoge wurde schwer beschädigt, aber nach dem Krieg wieder aufgebaut. Die Dame war stolz auf ihre jüdische Identität und erzählte mir mit leuchtenden Augen von den Traditionen und Bräuchen ihrer Vorfahren. Ihre Geschichte berührte mich tief und ich fühlte mich dankbar, dass ich die Gelegenheit hatte, sie kennenzulernen.
Nach ein paar Tagen in Debrecen hatte ich das Gefühl, die Stadt richtig kennengelernt zu haben. Es ist keine glamouröse Metropole wie Budapest, aber sie hat ihren eigenen Charme und ihre eigene Atmosphäre. Die Menschen sind freundlich und hilfsbereit, das Essen ist lecker und günstig und es gibt viele interessante Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Ich hatte einige unvergessliche Momente erlebt und viele neue Eindrücke gesammelt. Und obwohl mein Budget immer noch knapp war, fühlte ich mich reich an Erfahrungen. Diese Reise lehrte mich, dass man nicht viel Geld braucht, um glücklich zu sein, sondern nur die Bereitschaft, neue Dinge auszuprobieren und die Welt mit offenen Augen zu betrachten.
Mit jedem Tag, den ich in Debrecen verbrachte, wurde klar, dass diese Reise mehr war als nur ein Abenteuer – sie war eine Lektion in Demut, Offenheit und der Schönheit des Einfachen, und ich wusste, dass diese Erfahrungen mich noch lange begleiten würden.
Die letzten Tage in Debrecen flogen wie im Flug vorbei. Ich saß oft in kleinen Cafés, beobachtete die Leute und schrieb in mein Tagebuch. Es ist erstaunlich, wie schnell man sich an eine neue Umgebung gewöhnen kann und wie leicht es fällt, Kontakte zu knüpfen, wenn man offen ist und sich einfach treiben lässt. Ich hatte einige wirklich schöne Gespräche mit Einheimischen, die mir viel über die ungarische Kultur und Lebensweise erzählt haben.
Kulinarische Entdeckungen und kleine Glücksmomente
Was das Essen angeht, habe ich mich hauptsächlich von Langos, Gulasch und Kürtőskalács ernährt. Zugegeben, es war nicht die gesündeste Ernährung, aber es war unglaublich lecker und günstig. Besonders den Langos mit Käse und Sauerrahm konnte ich mir einfach nicht verkneifen. Ich habe auch versucht, einige lokale Märkte zu besuchen, um frisches Obst und Gemüse zu kaufen. Dort habe ich nicht nur gesunde Zutaten gefunden, sondern auch die Gelegenheit genutzt, mit den Händlern zu plaudern und mehr über die regionale Küche zu erfahren.
Ein kleines Highlight war ein spontaner Ausflug zum Nagyerdő, dem großen Waldpark am Stadtrand. Dort konnte ich dem Trubel der Stadt entfliehen und die Natur genießen. Ich bin stundenlang gewandert, habe die frische Luft eingeatmet und einfach die Ruhe genossen. Es war ein perfekter Ort, um neue Energie zu tanken und meine Gedanken zu ordnen.
Abschied von Debrecen
Der Tag meiner Abreise kam viel zu schnell. Ich fühlte mich traurig, Debrecen zu verlassen, aber ich war auch dankbar für die vielen schönen Erfahrungen, die ich hier gemacht hatte. Ich hatte nicht nur eine neue Stadt entdeckt, sondern auch neue Freunde gefunden und meine eigenen Grenzen überwunden.
Ich saß noch einmal in meinem Lieblingscafé, bestellte einen Kürtőskalács und genoss die letzten Momente in Debrecen. Ich beobachtete die Leute, die an mir vorbeiliefen, und lächelte. Ich wusste, dass ich diese Stadt nie vergessen würde.
Debrecen ist vielleicht nicht die glamouröseste Stadt Europas, aber sie hat einen ganz besonderen Charme und eine ganz besondere Atmosphäre. Es ist ein Ort, an dem man sich wohlfühlen und entspannen kann, ein Ort, an dem man die einfachen Dinge im Leben wiederentdecken kann.
Tipps für Low-Budget-Reisende
Für alle, die Debrecen mit kleinem Budget besuchen möchten, habe ich noch ein paar Tipps:
- Hostels: Es gibt einige günstige Hostels in Debrecen, die eine gute Unterkunft bieten.
- Öffentliche Verkehrsmittel: Die öffentlichen Verkehrsmittel in Debrecen sind gut ausgebaut und günstig.
- Märkte: Besuchen Sie die lokalen Märkte, um frisches Obst und Gemüse zu kaufen und Geld zu sparen.
- Kostenlose Aktivitäten: Nutzen Sie die kostenlosen Aktivitäten, wie z.B. Spaziergänge im Park oder Besuche von Kirchen und Museen.
- Straßenküche: Probieren Sie die lokale Straßenküche, um günstig und lecker zu essen.
Ich hoffe, meine Reiseberichte haben Sie inspiriert, Debrecen selbst zu entdecken. Ich kann Ihnen versichern, Sie werden es nicht bereuen.