Nordamerika - Panama - Boquete

Zwischen Mangos und Bergen

Die feuchte Hitze schlug mir beim Öffnen der Flugzeugtür entgegen, vermischt mit dem süßlichen Duft von reifen Mangos und – seltsamerweise – Abgasen. Panama City. Es war anders, viel anders, als alles, was wir kannten. Leo, der Große mit seinen sieben Jahren, klammerte sich an meine Hand, während Mia, die Kleine, kaum von der Aufregung zu beruhigen war. Mein Mann, Thomas, versuchte, den Überblick über unser Gepäck zu behalten – ein unlösbares Unterfangen, wie ich gleich merkte.

Ein Traum von fernen Ufern

Es war ein verrückter Gedanke gewesen, das gebe ich zu. Mitten im deutschen Winter, als die Tage grau und kurz waren, hatte Thomas abends, bei einer Tasse Tee, von Panama erzählt. Von Bergen, die direkt in den Dschungel stürzten, von bunten Vögeln und – am wichtigsten – von einem Leben, das erschwinglich sein könnte. Wir waren beide erschöpft. Er von der Arbeit, ich von dem ständigen Gefühl, mehr zu wollen, ohne zu wissen, was das genau ist. Unser kleines Reihenhaus in der Vorstadt fühlte sich plötzlich wie ein Käfig an. Wir hatten gespart, wirklich gespart. Auf Urlaube, auf neue Kleidung, auf alles, was nicht lebensnotwendig war. Das Geld reichte für einen einfachen Flug und ein paar Wochen Unterkunft, wenn wir auf Campingplätze und Ferienwohnungen setzten. Luxus war ausgeschlossen. Aber das war okay. Wir wollten nicht verwöhnt werden, wir wollten leben. Einfach, authentisch, fernab vom Alltag.

Die erste Ferienwohnung

Die erste Ferienwohnung, die wir in Panama City gebucht hatten, war… sagen wir mal, rustikal. Klein, zweckmäßig, mit einer Klimaanlage, die mehr Geräusche als Kühle produzierte. Aber es hatte ein Dach über dem Kopf und eine kleine Küche, in der ich versuchen konnte, etwas Gesundes für die Kinder zu zaubern. Der Vermieter, ein freundlicher Mann namens Ricardo, sprach kaum Englisch, aber er verstand, dass wir ein kleines Budget hatten und bot uns an, ein paar Mangos aus seinem Garten zu bringen. Die ersten Tage vergingen mit Erkundungstouren durch die Stadt. Wir besuchten den Casco Viejo, das historische Viertel mit seinen farbenprächtigen Kolonialbauten. Leo war fasziniert von den alten Kirchen und den Straßenhändlern, während Mia versuchte, jeden einzelnen Hund in der Stadt zu streicheln. Es war heiß, stickig, und das Chaos überwältigend, aber es war auch lebendig, echt.
Das Gefühl der Entfremdung
Wir waren Fremde in einem fremden Land. Ich merkte, wie ich ständig versuchte, die Preise umzurechnen, wie ich mich vor den Blicken der Taxifahrer fürchtete, wie ich mich nach einem einfachen Gespräch auf Deutsch sehnte. Es war anstrengend, dieses ständige Übersetzen, dieses ständige Beobachten, dieses ständige Abwägen. Thomas versuchte, uns zu ermutigen, "einfach mal loszulassen", aber das war leichter gesagt als getan. Ich erinnere mich an einen Abend, als wir auf einer Parkbank saßen und den Sonnenuntergang über der Bucht von Panama beobachteten. Leo und Mia spielten mit ein paar kleinen Steinen, und Thomas hatte seinen Arm um mich gelegt. Es war ein schöner Moment, aber ich konnte die Melancholie nicht unterdrücken. Ich fragte mich, ob wir einen Fehler begangen hatten. Ob wir unseren Kindern etwas Wichtiges entzogen hatten, indem wir sie aus ihrer vertrauten Umgebung gerissen hatten. Ob wir überhaupt in der Lage waren, uns in dieser neuen Welt zurechtzufinden. Die Antwort kam nicht sofort, aber sie begann sich in den folgenden Tagen zu formen, als wir uns auf den Weg in die Berge machten, in Richtung Boquete, und uns dem versprachen, was uns dort erwarten würde, fernab vom Lärm und der Hitze der Stadt, eingebettet in die grüne Wildnis.

Boquete: Ein Hauch von Heimat

Die Fahrt nach Boquete war abenteuerlich, um es milde auszudrücken. Ein alter, klappriger Bus, vollgestopft mit Menschen und Gepäck, schlängelte sich die kurvigen Bergstraßen hinauf. Leo klammerte sich an meinen Arm, während Mia versuchte, mit einem kleinen Mädchen, das ein rosafarbenes Einhorn-Rucksack trug, Freundschaft zu schließen. Thomas kämpfte derweil mit unseren Koffern und versuchte, sie irgendwie im Bus unterzubringen, ohne jemanden zu treffen. Es war eng, schwitzig und die Luft roch nach Benzin und frischer Erde. Aber es war auch wunderschön. Die Landschaft wurde mit jeder Kurve grüner und dramatischer.

Der Campingplatz am Fluss

Unser Campingplatz lag etwas außerhalb des eigentlichen Ortes, direkt an einem kleinen, klaren Fluss. Es war einfach, aber perfekt. Ein paar einfache Hütten, ein Gemeinschaftsbad und eine große Wiese, auf der die Kinder spielen konnten. Der Besitzer, ein älterer Mann namens Don Rafael, war ein stiller Beobachter, der uns aber freundlich zulächelte, wenn wir vorbeikamen. Ich erinnere mich noch gut an den ersten Morgen. Ich wachte früh auf, noch bevor die Sonne aufgegangen war, und setzte mich vor unsere Hütte. Der Fluss rauschte beruhigend, und der Nebel hing tief über den Bergen. Es war eine Stille, die ich lange nicht mehr erlebt hatte. Eine Stille, die mich tief berührte.
Kaffeeplantagen und kleine Pannen
Boquete ist bekannt für seinen Kaffee, und natürlich mussten wir eine Plantage besuchen. Wir wanderten durch grüne Hügel, vorbei an roten Kaffeekirschen, und lernten von einem freundlichen Farmer, wie der Kaffee angebaut, geerntet und geröstet wird. Leo und Mia waren begeistert, die Kirschen zu pflücken und zu probieren. Aber es gab auch kleine Pannen. Beim Versuch, zum Vulkan Barú zu wandern, wurden wir von einem plötzlichen Regenschauer überrascht. Wir waren unvorbereitet, durchnässt bis auf die Haut und froh, als wir eine kleine Hütte fanden, in der wir Schutz suchen konnten. Thomas hatte vergessen, Regenjacken einzupacken. Ich war sauer, aber wir lachten darüber. Manchmal sind es die kleinen Unannehmlichkeiten, die die Erinnerung erst richtig ausmachen.

Das bunte Treiben in Bajo Chiriquí

Wir besuchten auch das nahegelegene Dorf Bajo Chiriquí, einen lebendigen Ort mit einem bunten Markt. Die Luft war erfüllt von den Geräuschen der Händler, dem Duft von Gewürzen und dem Lachen der Menschen. Wir kauften frisches Obst, Gemüse und ein paar kleine Souvenirs. Leo verliebte sich in einen kleinen Holzdrachen, und Mia in eine bunte Puppe. Es war schön, die lokale Kultur kennenzulernen und zu sehen, wie die Menschen hier leben. Ich kaufte ein paar kleine, handgemachte Kerzen, die ich als Erinnerung mitnehmen wollte.
Abschied von Boquete
Die Zeit in Boquete verging viel zu schnell. Es fühlte sich an, als hätten wir gerade erst angefangen, uns einzuleben, als wir schon wieder abreisen mussten. Aber wir hatten wunderschöne Erinnerungen gesammelt, neue Freunde kennengelernt und gelernt, dass Glück nicht von materiellen Dingen abhängt, sondern von den kleinen Momenten im Leben. Als wir den Bus bestiegen, blickte ich noch einmal zurück auf die grünen Berge und den klaren Fluss. Ein Gefühl der Wehmut stieg in mir auf, aber auch ein Gefühl der Dankbarkeit. Wir hatten etwas Besonderes erlebt, etwas, das uns für immer verbinden würde. Diese Reise, so begann ich zu ahnen, würde uns alle auf eine Weise verändern, die wir in diesem Moment noch nicht vollständig erfassen konnten.

Die letzten Tage in Boquete waren wie ein sanfter Abschied. Wir hatten uns eingelebt, eine Routine gefunden. Jeden Morgen der Duft von frisch gebrühtem Kaffee, der von den umliegenden Plantagen herüberwehte. Leo und Mia hatten Freunde gefunden, Kinder aus den USA und Europa, die für einige Wochen hier lebten. Sie bauten kleine Burgen aus Steinen am Fluss und erzählten sich Geistergeschichten bei Kerzenschein.

Die kleinen Dinge zählen

Es waren die kleinen Dinge, die diese Reise so besonders machten. Das Lachen der Kinder, die Wärme der Sonne auf der Haut, das Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit. Wir hatten gelernt, mit weniger auszukommen, die einfachen Freuden des Lebens zu schätzen. Wir hatten gelernt, uns zu entspannen, loszulassen und den Moment zu genießen.

Ein unerwarteter Abschied

Der Abschied von Boquete fiel uns schwerer als erwartet. Wir hatten uns in dieses kleine Paradies verliebt, in die grüne Landschaft, die freundlichen Menschen und die entspannte Atmosphäre. Als wir am Morgen des Abreisetages aufwachten, fühlte es sich an, als würden wir einen Teil von uns zurücklassen. Mia weinte, als sie sich von ihren neuen Freunden verabschiedete, und Leo klammerte sich fest an seinen kleinen Holzdrachen.

Der Bus zurück nach Panama City war eng und unbequem, aber wir waren zu müde, um uns zu beschweren. Wir saßen nebeneinander, hielten uns die Hände und blickten aus dem Fenster. Die Landschaft zog an uns vorbei, und wir versuchten, jeden Moment festzuhalten.

Zurück in der Realität

Panama City empfing uns mit Hitze und Lärm. Die Stadt war ein krasser Gegensatz zu der Ruhe und Stille von Boquete. Aber wir waren bereit, in die Realität zurückzukehren. Wir hatten viele neue Erfahrungen gesammelt, viele neue Erinnerungen geschaffen, und wir waren dankbar für jede einzelne Sekunde.

Was wir gelernt haben

Diese Reise hatte uns gezeigt, dass Glück nicht von materiellen Dingen abhängt, sondern von den Menschen, die wir lieben, und den Erfahrungen, die wir teilen. Wir hatten gelernt, dass es nicht wichtig ist, wohin wir reisen, sondern wie wir reisen. Und wir hatten gelernt, dass das Leben zu kurz ist, um es zu verschwenden.

Empfehlungen für andere Familien

Wenn ihr mit eurer Familie eine Reise nach Panama plant, hier ein paar Empfehlungen: Erstens: Nehmt euch Zeit für die Berge. Boquete ist ein wunderschöner Ort, der sich perfekt zum Wandern, Kaffeetrinken und Entspannen eignet. Zweitens: Seid offen für neue Erfahrungen. Probiert das lokale Essen, lernt ein paar spanische Wörter und lasst euch von der Kultur verzaubern. Und drittens: Vergesst nicht, eure Kamera einzupacken. Panama ist ein wunderschönes Land, und ihr werdet viele Fotos machen wollen.

Die Reise neigte sich dem Ende zu, aber die Erinnerungen würden uns ein Leben lang begleiten. Wir hatten einen kleinen Teil der Welt entdeckt, und dieser kleine Teil hatte uns für immer verändert.

    • Boquete (Bergdorf mit Kaffeeplantagen)
    • Der Fluss in Boquete (ideal zum Spielen mit Kindern)
    • Panama City (Start- und Endpunkt der Reise)
👤 Familie mit kleinem Budget (Eltern mit 2 Kindern unter 10) die Camping und Ferienwohnungen bevorzugt ✍️ nostalgisch und melancholisch