Reisebericht Europa - Polen - Krakau
Ein spontaner Entschluss
Dass es überhaupt nach Krakau gehen würde, war ein bisschen Glücksfall. Eigentlich hatten wir für den Sommer einen Strandurlaub in Italien geplant. Aber dann kam alles anders. Meine Frau, Anna, hatte im Internet ein paar Fotos von Krakau gesehen – der Rynek Główny, die Burg Wawel – und war sofort begeistert. "Das wäre doch mal was anderes!", hatte sie gesagt, und wider Erwarten fand ich die Idee gar nicht so schlecht. Italien war schön, klar, aber auch sehr touristisch. Krakau schien ein bisschen authentischer, ein bisschen weniger überlaufen. Und irgendwie brauchten wir das, nach einem stressigen Frühling. Also kurzerhand alles umgebucht, neue Flüge, ein kleines Hotel in der Altstadt, und schon waren wir dabei, Polen zu entdecken.Erste Schritte in der Altstadt
Das Hotel war Glückstreffer. Keine fünf Minuten vom Hauptbahnhof entfernt, versteckt in einer kleinen Seitenstraße, aber trotzdem mitten im Geschehen. Die Zimmer waren zwar nicht riesig, aber gemütlich und sauber. Und das Beste: Es gab einen kleinen Innenhof mit einem Apfelbaum, unter dem man wunderbar sitzen konnte. Nach dem kurzen Check-in und dem Auspacken der wichtigsten Dinge machten wir uns auf den Weg, um die Altstadt zu erkunden. Der Rynek Główny, der Hauptmarkt, ist einfach überwältigend. Riesig, voller Leben, mit bunten Häusern, kleinen Cafés und dem beeindruckenden Tuchhallen. Mia war sofort von den Tauben begeistert, die über den Platz flogen, und Leo wollte unbedingt auf den Marktplatz aufsteigen, um alles von oben zu sehen. Wir setzten uns in ein kleines Café, bestellten Apfelstrudel und beobachteten das bunte Treiben. Es gab Straßenmusiker, die mittelalterliche Musik spielten, Verkäufer, die Souvenirs anboten, und ganz viele Menschen, die einfach nur flanierten.Die Luft war erfüllt von einem leichten Duft nach Zimt und Zucker. Leo wollte unbedingt einen Drachen kaufen, aber ich erklärte ihm, dass wir erstmal die Stadt erkunden wollen, bevor wir uns um Souvenirs kümmern. Mia hingegen war fasziniert von einer alten Frau, die kleine handgestrickte Puppen verkaufte. Wir schlenderten weiter durch die Gassen, vorbei an kleinen Läden und Kunstgalerien. Überall hingen Blumenkästen an den Fenstern, und die Häuser waren in den schönsten Farben gestrichen. Es fühlte sich an, als wären wir in eine andere Zeit gereist.
Ein erstes kulinarisches Abenteuer
Am späten Nachmittag wurden wir alle ziemlich hungrig. Also beschlossen wir, in einem traditionellen polnischen Restaurant zu essen. Wir fanden ein kleines Lokal in einer Seitenstraße, das von vielen Einheimischen besucht wurde. Die Speisekarte war auf Polnisch, aber die Kellnerin konnte ein bisschen Englisch und half uns bei der Auswahl. Leo bestellte Pierogi mit Fleisch, Mia wollte unbedingt Kartoffelpuffer, und Anna und ich entschieden uns für ein Rindergulasch mit Knödeln. Das Essen war unglaublich lecker und sättigend. Wir aßen uns durch die polnische Küche und fühlten uns rundum wohl.
Als wir satt waren, machten wir einen Spaziergang entlang der Weichsel. Die Sonne ging langsam unter, und der Himmel färbte sich in den schönsten Farben. Die Burg Wawel leuchtete im goldenen Licht, und die Stadt wirkte wie aus einem Märchen. Nach diesem ersten, intensiven Tag waren wir alle ziemlich müde. Aber wir waren auch voller Vorfreude auf die kommenden Tage. Krakau hatte uns schon jetzt in seinen Bann gezogen, und wir waren gespannt darauf, was diese Reise noch alles für uns bereithalten würde. Wir kehrten zurück ins Hotel, um uns für den nächsten Tag auszuruhen, denn wir wollten die Burg Wawel erkunden und noch viel mehr von dieser faszinierenden Stadt entdecken.Die Burg Wawel – Geschichte zum Anfassen
Der nächste Morgen begann mit einem ausgiebigen Frühstück im Hotel. Anna hatte frische Brötchen und Aufschnitt besorgt, und wir stärkten uns für den Tag. Unser Ziel war die Burg Wawel, die ehemalige Residenz der polnischen Könige. Der Weg dorthin führte uns durch den Planty Park, einen grünen Ring um die Altstadt. Es war ein angenehmer Spaziergang, und die Kinder konnten sich ein bisschen austoben.Die Burg Wawel ist beeindruckend. Riesig, majestätisch, mit Türmen, Zinnen und einer langen Geschichte. Wir kauften uns Tickets für die Staatlichen Gemäldegalerien und die Schatzkammer. Leo war sofort von den Rüstungen und den Schwertern fasziniert, während Mia die vielen Gemälde bestaunte. Einige davon waren ziemlich düster, aber sie fand die bunten Kleider und die prächtigen Schlösser spannend.
In der Schatzkammer gab es eine unglaubliche Sammlung von Juwelen, Kronen und wertvollen Gegenständen. Die Kinder waren sprachlos. Besonders beeindruckt waren sie von den goldenen Geräten, die die Könige bei ihren Mahlzeiten benutzt hatten. Es war, als wären wir in eine andere Welt eingetaucht.
Kazimierz – Das jüdische Viertel
Am Nachmittag beschlossen wir, das jüdische Viertel Kazimierz zu erkunden. Es ist ein ganz anderes Viertel als die Altstadt, mit engen Gassen, alten Synagogen und einer besonderen Atmosphäre. Es war ein bisschen heruntergekommen, aber gerade das machte den Charme aus.Wir besuchten die Alte Synagoge, die heute ein Museum ist. Dort lernten wir etwas über die Geschichte der Juden in Polen. Es war eine traurige Geschichte, aber auch eine Geschichte von Widerstand und Überleben. Die Kinder waren sehr betroffen, aber sie haben auch viel gelernt.
In Kazimierz gibt es viele kleine Cafés und Restaurants. Wir fanden ein kleines Lokal, das Zurek, eine saure Roggensuppe, servierte. Es war ein bisschen ungewöhnlich, aber lecker. Leo war skeptisch, aber er probierte es dann doch und fand es sogar gut. Mia hingegen war ganz begeistert und trank ihre Schüssel leer.
Eine kleine Panne am Marktplatz
Am nächsten Tag wollten wir noch einmal zum Rynek Główny, um ein paar Souvenirs zu kaufen. Leo hatte sich einen Drachen gewünscht, und Mia wollte eine Puppe. Der Marktplatz war voller Menschen, und es war schwer, einen Überblick zu behalten.Plötzlich merkte ich, dass meine Brieftasche weg war. Ich durchsuchte meine Taschen, aber sie war nirgends zu finden. Ich bekam Panik. Was, wenn jemand sie gestohlen hatte? All das Geld, die Karten, der Ausweis – alles weg. Ich erzählte Anna davon, und wir suchten gemeinsam in der Gegend. Wir fragten die Leute, ob sie etwas gesehen hatten, aber niemand konnte uns helfen.
Dann, ganz plötzlich, fand Mia die Brieftasche unter einem Tisch in einem Café. Sie hatte sie dort abgelegt, als wir uns einen Kaffee bestellt hatten. Ich war so erleichtert, dass ich sie fest in die Arme nahm. Es war eine Lektion für uns alle: Man muss immer auf seine Sachen achten, egal wo man ist.
Nach diesem kleinen Abenteuer beschlossen wir, noch ein paar Stunden in Krakau zu verbringen, bevor wir am nächsten Tag abreisen mussten. Wir schlenderten noch einmal durch die Altstadt, aßen ein Eis und genossen die Atmosphäre. Krakau hatte uns in seinen Bann gezogen, und wir waren traurig, dass unsere Reise zu Ende ging, aber mit unvergesslichen Erinnerungen im Gepäck traten wir die Heimreise an.Die Heimreise war seltsam still. Nicht im Sinne von unangenehm, sondern eher erfüllt von einer Art friedlicher Müdigkeit. Leo und Mia hatten fast die ganze Zeit geschlafen, und Anna und ich hatten uns gegenseitig mit Erinnerungen an die vergangenen Tage überhäuft. Krakau hatte uns wirklich verzaubert. Es war nicht nur die Schönheit der Stadt, sondern auch die Art und Weise, wie wir sie erlebt hatten – mit Kinderaugen, mit Neugier und mit dem Bedürfnis, einfach mal abzuschalten.
Ein Fazit für die ganze Familie
Was bleibt, ist das Gefühl, eine Stadt entdeckt zu haben, die authentisch und lebendig ist. Krakau ist nicht nur ein Schaufenster für Geschichte und Kultur, sondern ein Ort, an dem das Leben pulsiert. Die Menschen sind freundlich und offen, das Essen ist köstlich, und die Atmosphäre ist einzigartig. Besonders schön fand ich, dass es so viele Möglichkeiten gab, die Stadt mit Kindern zu erleben. Die Burg Wawel, der Rynek Główny, Kazimierz – all diese Orte haben uns allen viel Spaß gemacht. Und auch die kleinen Dinge, wie ein Eis in der Altstadt oder ein Spaziergang durch den Planty Park, bleiben uns in guter Erinnerung.
Was ich anders machen würde…
Ehrlich gesagt, gibt es nicht viel, was ich anders machen würde. Vielleicht hätten wir uns ein bisschen mehr Zeit für Kazimierz nehmen können, um das jüdische Viertel noch intensiver zu erkunden. Aber insgesamt war es eine perfekte Reise. Ein kleiner Tipp für alle, die mit Kindern nach Krakau reisen: Plant nicht zu viel ein. Lasst genug Zeit für spontane Entdeckungen und Pausen. Kinder brauchen Zeit, um die Eindrücke zu verarbeiten und sich auszuruhen. Und vergesst nicht, die lokale Küche zu probieren! Die Pierogi und die Zurek sind einfach unglaublich lecker.
Drei konkrete Empfehlungen
Wenn ich drei Dinge empfehlen müsste, dann wären das:
- Die Burg Wawel: Ein absolutes Muss! Nehmt euch genügend Zeit, um die Burg zu erkunden und die Geschichte der polnischen Könige zu entdecken.
- Der Rynek Główny: Der Hauptmarkt ist das Herz der Stadt. Hier könnt ihr das bunte Treiben genießen, einen Kaffee trinken und Souvenirs kaufen.
- Kazimierz: Das jüdische Viertel ist ein einzigartiger Ort mit einer besonderen Atmosphäre. Erkundet die alten Synagogen und probiert die lokale Küche.
Und noch ein letzter Tipp: Lasst euch einfach treiben und genießt die Atmosphäre von Krakau. Es ist eine Stadt, die euch in ihren Bann ziehen wird.