Reisebericht Südamerika - Brasilien - Natal
Landung in der Realität (und im Chaos)
Der Flug war… sagen wir mal, interessant. Ein Kleinkind hat die gesamte Reise über beschlossen, die Rückseite meines Sitzes als Schlagzeug zu missbrauchen. Und der Mann neben mir hat die komplette Zeit über versucht, mit seinem Laptop das Weltall zu erobern, offensichtlich erfolglos. Aber hey, immerhin bin ich angekommen. Und Natal? Nun, es war bunter, lauter und chaotischer, als ich es mir vorgestellt hatte. Eine Art kontrolliertes Chaos, wenn man so will. Ich bin ja eigentlich auf der Suche nach Inspiration. Klingt pathetisch, ich weiß. Aber ich bin seit einiger Zeit in einer kreativen Sackgasse und dachte mir, eine neue Kultur könnte vielleicht den Knoten lösen. Ich male ja hauptsächlich abstrakte Sachen, also Formen und Farben, die irgendwas aussagen sollen. Oder auch nicht. Hauptsache, es sieht gut aus. Aber in letzter Zeit waren meine Leinwände einfach nur… leer. Weiß. Hoffnungslos. Also hab ich beschlossen, dem tristen Grau meiner Atelierwohnung in Berlin den Rücken zu kehren und mich in ein Land zu stürzen, in dem die Farben geradezu schreien.Warum gerade Natal?
Die Wahl fiel auf Natal, weil ich irgendwelche Fotos von Dünen gesehen hatte. Riesige Sandhügel, die direkt an den Strand grenzen. Sah dramatisch aus. Und ich bin ein Fan von Dramatik. Außerdem hab ich gelesen, dass es dort irgendwelche Buggys gibt, mit denen man durch die Dünen düsen kann. Ich bin ja nicht gerade der Typ für ruhige Urlaube. Lieber Adrenalin, Staub und das Gefühl, gleich abzustürzen. Der Transfer vom Flughafen zum Hotel war… eine Erfahrung. Ich hatte mir ein Taxi bestellt, aber der Fahrer schien mehr an einer persönlichen Höchstgeschwindigkeit interessiert zu sein, als an meiner Sicherheit. Ich hab mich gefühlt wie in einer Achterbahn, nur ohne Sicherheitsgurt. Und der Verkehr… Gott, der Verkehr! Motorräder, die sich zwischen den Autos hindurchschlängeln, Busse, die an jeder Ecke halten, und Hupen, die einem die Ohren zerreissen. Ich hab mich gefragt, ob es hier überhaupt Verkehrsregeln gibt. Oder ob die einfach ignoriert werden. Ich hab versucht, mich mit meinem holprigen Portugiesisch zu verständigen, aber der Fahrer schien mehr an seiner Fußballmannschaft interessiert zu sein. Er hat die ganze Zeit irgendwelche Namen gerufen und mit den Händen gestikuliert. Ich hab irgendwann aufgegeben und einfach gelächelt und gehofft, dass er mich zum richtigen Hotel bringt.Erste Eindrücke vom Hotel
Das Hotel war… okay. Nicht luxuriös, aber sauber und mit einer Dachterrasse, von der man aufs Meer schauen konnte. Und es gab eine Bar, was immer ein guter Anfang ist. Ich hab mir erstmal ein Caipirinha bestellt und versucht, die Fahrt hinter mir zu lassen. Das Zeug ist stark, muss ich sagen. Aber lecker. Die Dachterrasse war voller Touristen. Deutsche, Engländer, Franzosen… und ein paar Brasilianer, die uns Touristen offensichtlich amüsiert beobachteten. Ich hab mich an einen Tisch gesetzt und versucht, die Aussicht zu genießen. Das Meer war türkisblau und die Sonne schien hell. Es war wirklich wunderschön. Aber irgendwie fühlte ich mich trotzdem nicht so ganz inspiriert. Vielleicht lag es am Jetlag. Oder am Caipirinha. Oder einfach daran, dass ich immer noch nicht wusste, was ich hier eigentlich machen sollte. Ich war also hier, inmitten dieser lebendigen, farbenfrohen Stadt, und fühlte mich trotzdem ein bisschen verloren. Aber zumindest hatte ich eine gute Aussicht und einen vollen Drink. Und das ist doch schon mal was, oder? Jetzt muss ich mich nur noch trauen, rausgehen und diese Stadt wirklich erleben. Und vielleicht, ganz vielleicht, finde ich ja auch noch die Inspiration, die ich suche. Es bleibt ja spannend.Entdeckungstour durch die Altstadt
Am nächsten Tag hab ich mich dann doch aufgerafft und bin losgezogen, um Natal zu erkunden. Ich hatte irgendwas von einer Altstadt gelesen, also hab ich mich einfach mal in die Richtung bewegt. Die Straßen waren eng und verwinkelt, voller bunter Häuser und kleiner Läden. Überall roch es nach Essen – seltsamerweise nach einer Mischung aus frischem Fisch und süßen Kuchen. Ich bin an einer Kirche vorbeigekommen, die aussah, als hätte sie seit Jahrhunderten keine Farbe mehr gesehen. Und an einem Markt, auf dem man alles kaufen konnte – von Obst und Gemüse bis hin zu gefälschten Handtaschen und kitschigen Souvenirs. Ich hab versucht, mit einem Straßenhändler zu verhandeln, aber meine Portugiesischkenntnisse waren einfach nicht ausreichend. Ich hab irgendwelche Zahlen durcheinandergebracht und am Ende das Doppelte bezahlt. Typisch ich. Aber der Mann hat zumindest gelächelt und mir einen extra Mango mitgegeben. Also war es doch nicht so schlimm.Ponte Negra und die Sonnenuntergänge
Am Nachmittag bin ich dann zum Strand von Ponte Negra gefahren. Der soll einer der schönsten Strände von Natal sein. Und ja, er war wirklich schön. Feiner Sand, türkisfarbenes Wasser und eine beeindruckende Felsformation, die aussah wie ein riesiger Drache. Ich hab mir einen Liegestuhl gemietet und versucht, die Sonne zu genießen. Aber es war einfach zu heiß. Und zu voll. Und es gab zu viele Verkäufer, die mir Sonnenbrillen und Kokosnüsse andrehen wollten. Ich hab mich dann doch ins Meer gewagt, aber das Wasser war voller Quallen. Ich hab mich zwar nicht gestochen, aber ich hab trotzdem lieber den Strand verlassen. Aber den Sonnenuntergang hab ich noch mitbekommen. Der war wirklich atemberaubend. Der Himmel hat in allen möglichen Farben geleuchtet – von Orange und Rot bis hin zu Lila und Pink. Das war wirklich einen Besuch wert.Das Chaos im Mercado Central
Am nächsten Tag hab ich mich in den Mercado Central gewagt. Das ist ein riesiger Markt, auf dem man alles kaufen kann – von Lebensmitteln über Kleidung bis hin zu Elektrogeräten. Es war unglaublich laut und chaotisch. Überall drängelten sich die Leute, schrien die Verkäufer und roch es nach allen möglichen Sachen. Ich hab versucht, ein paar Souvenirs zu kaufen, aber ich hab mich schnell verloren. Und überfordert. Ich bin an einem Stand vorbeigekommen, auf dem man getrocknete Seepferdchen verkauft hat. Ja, richtig gelesen. Getrocknete Seepferdchen. Ich hab keine Ahnung, wozu die gut sein sollen, aber ich hab mich entschieden, lieber einen Bogen darum zu machen. Ich hab am Ende ein paar bunte Armbänder gekauft und bin dann schnell wieder rausgekommen. Ich brauchte dringend eine Pause. Und ein Bier.Die Suche nach Inspiration geht weiter
Ich muss sagen, Natal ist eine interessante Stadt. Laut, chaotisch, bunt und irgendwie auch charmant. Ich hab zwar noch nicht die erhoffte kreative Erleuchtung gehabt, aber ich hab zumindest ein paar interessante Eindrücke gesammelt. Und ein paar lustige Geschichten. Und vielleicht ist das ja auch schon ein Anfang. Ich hab noch ein paar Tage Zeit, um die Stadt zu erkunden und meine Inspiration zu finden. Und wenn nicht, dann hab ich zumindest einen guten Grund, um wiederzukommen. Denn eins ist sicher: In Natal wird es definitiv nicht langweilig. Jetzt muss ich nur noch herausfinden, wie ich all diese Eindrücke in meine Kunst einfließen lassen kann, ohne dass es zu kitschig wird. Das wird eine Herausforderung. Aber ich bin ja schließlich Künstler, also bin ich darauf vorbereitet.Ich sitze gerade in einem kleinen Café am Strand und versuche, meine Gedanken zu ordnen. Der Geruch von Kokosnuss und Sonnencreme ist allgegenwärtig, die Wellen rauschen und die Sonne brennt erbarmungslos. Klingt idyllisch, oder? Naja, fast. Ich bin immer noch nicht wirklich inspiriert. Ich hab zwar eine Menge Fotos gemacht, ein paar Souvenirs gekauft und ein paar Kilo zugenommen, aber meine Leinwände bleiben vorerst leer. Aber vielleicht ist das ja auch okay. Manchmal muss man sich einfach treiben lassen und schauen, was passiert.
Die Suche nach dem Roten Faden
Ich hab mir überlegt, was mich an Natal am meisten beeindruckt hat. Es ist nicht der atemberaubende Strand von Ponta Negra, obwohl der wirklich schön ist. Es ist auch nicht die beeindruckende Düne, die ich mit dem Buggy unsicher gemacht habe (was übrigens mehr an eine Achterbahnfahrt erinnert hat als an eine entspannte Tour). Es ist eher das Chaos, die Lebensfreude und die ungeschminkte Ehrlichkeit der Menschen. Die Art und Weise, wie sie mit ihren Problemen umgehen, wie sie lachen und tanzen, selbst wenn das Leben nicht gerade einfach ist. Das ist etwas, das ich in Berlin selten sehe. Da sind die Leute entweder zu gestresst, zu zynisch oder zu beschäftigt, um sich am Leben zu erfreuen.
Was Natal mir beigebracht hat
Ich hab gelernt, dass man nicht alles kontrollieren kann. Manchmal muss man einfach loslassen und sich dem Moment hingeben. Man muss sich erlauben, Fehler zu machen, sich zu verirren und sich von neuen Erfahrungen überraschen zu lassen. Und man muss lernen, die kleinen Dinge im Leben zu schätzen – einen guten Caipirinha, einen Sonnenuntergang am Strand oder ein freundliches Lächeln von einem Fremden. Das klingt kitschig, ich weiß. Aber es ist wahr.
Ein paar Tipps für angehende Natal-Entdecker
Wenn ihr also vorhabt, Natal zu besuchen, dann hier ein paar Tipps von einem kreativen Chaoten: Packt ausreichend Sonnencreme ein (ich hab meine verbummelt), lasst eure Vorurteile zu Hause und seid offen für neue Erfahrungen. Vergesst nicht, die lokalen Spezialitäten zu probieren (besonders die Meeresfrüchte) und verliert euch in den Gassen der Altstadt. Und wenn ihr Glück habt, könnt ihr vielleicht sogar einen brasilianischen Karneval miterleben. Das ist angeblich unvergesslich.
Ich weiß immer noch nicht, ob ich die erhoffte Inspiration gefunden habe. Aber ich hab eine gute Zeit gehabt und ein paar interessante Erfahrungen gesammelt. Und das ist ja auch schon etwas. Ich werde Natal auf jeden Fall in guter Erinnerung behalten. Und wer weiß, vielleicht schaffe ich ja irgendwann ein Bild, das die Atmosphäre dieser lebendigen Stadt einfängt. Bis dahin werde ich einfach weiter träumen und mich an die warmen Sonnenstrahlen erinnern.