Reisebericht Südamerika - Peru - Lake Titicaca (Puno)
Die Idee zum Titicaca-Trip
Ehrlich gesagt, kam die Idee ziemlich spontan. Wir hatten schon überlegt, vielleicht nach Italien zu fahren, aber dann stieß ich in einem Eltern-Forum auf Berichte über Familien, die den Titicaca-See besucht hatten. Die Fotos waren atemberaubend und die Geschichten positiv. Der See ist riesig, die Kultur spannend und irgendwie…anders. Und das Beste: Es gab scheinbar viele kinderfreundliche Möglichkeiten. Hotels mit Familienzimmern, Bootsfahrten, die nicht zu wild waren, und jede Menge freundliche Menschen. Wir packten also kurzerhand die Koffer und buchten die Flüge. Klingt verrückt, ich weiß, aber manchmal muss man einfach machen, oder?Die Ankunft in Puno
Puno selbst ist…naja, sagen wir mal, es ist authentisch. Es ist keine glattpolierte Touristenhochburg, sondern eine echte Stadt mit all ihren Ecken und Kanten. Überall sind kleine Geschäfte, die alles Mögliche verkaufen, von bunten Strickwaren bis zu Obst und Gemüse. Und es ist laut. Immer laut. Hupende Autos, rufe verkaufende Händler, das Geplapper der Menschen. Lina fand das anfangs etwas irritierend, aber nach einer Weile schien sie sich daran zu gewöhnen. Wir hatten uns ein kleines Hotel in der Nähe des Hafens ausgesucht, das "Casa Andina Standard Puno". Es war einfach, aber sauber und freundlich. Und das Wichtigste: Es gab ein Familienzimmer mit einem extra Bett für Lina. Die Luft war dünn, das merkte man sofort. Wir versuchten, es langsam angehen zu lassen und Lina nicht zu überanstrengen.Erste Eindrücke und kulturelle Unterschiede
Die Menschen hier sind unglaublich freundlich und hilfsbereit. Wir waren sofort von ihrer Gastfreundschaft berührt. Lina wurde ständig angelächelt und von den Einheimischen bemuttert. Sie liebten es, ihr die Haare zu streicheln oder ihr kleine Geschenke zu machen. Das war wirklich schön zu sehen. Allerdings gibt es auch kulturelle Unterschiede, die man beachten muss. So ist es zum Beispiel üblich, dass man sich vor dem Essen die Hände wäscht. Und man sollte nicht mit der linken Hand essen oder Gegenstände reichen. Kleine Dinge, aber wichtig, um Respekt zu zeigen.Die Suche nach kinderfreundlichen Angeboten
Wir hatten im Vorfeld schon ein paar Recherchen angestellt, aber vor Ort war es trotzdem schwierig, kinderfreundliche Angebote zu finden. Viele Touren sind entweder zu anstrengend für ein Baby oder beinhalten Aktivitäten, die für Lina noch nicht geeignet sind. Aber wir waren entschlossen, etwas zu finden, das für uns alle passt. Wir fragten im Hotel nach Empfehlungen und sprachen mit anderen Reisenden. Wir fanden dann eine halbtägige Bootsfahrt zu den schwimmenden Inseln der Uros, die speziell auf Familien zugeschnitten war. Die Inseln sind aus Schilf gebaut und werden von den Uros-Indianern bewohnt, die seit Jahrhunderten auf dem Titicaca-See leben. Das war ein wirklich faszinierendes Erlebnis. Lina war begeistert von den bunten Schilfhütten und den freundlichen Menschen. Sie lachte und kicherte, als sie von einer Uros-Frau einen kleinen Schilzopf geschenkt bekam. Jetzt, wo wir uns etwas eingelebt haben und Lina sich akklimatisiert hat, freuten wir uns darauf, die Uros-Inseln genauer zu erkunden und herauszufinden, was Puno und der Titicaca-See noch alles zu bieten haben.Die Uros – Ein schwimmender Spielplatz für Lina
Die Bootsfahrt zu den Uros-Inseln war wirklich etwas Besonderes. Ich hatte zwar Bilder gesehen, aber das Gefühl, auf einem komplett aus Schilf geflochtenen Eiland zu stehen, war unbeschreiblich. Lina war natürlich am begeistertsten. Sie krabbelte sofort los und erkundete jeden Zentimeter der Insel. Es war, als hätte jemand einen riesigen, natürlichen Spielplatz für sie gebaut. Die Frauen dort waren unglaublich geduldig und haben ihr immer wieder geholfen, wieder auf die Beine zu kommen, wenn sie mal hingefallen ist. Ich war etwas besorgt wegen der Hygiene, aber die Inseln waren erstaunlich sauber. Die Uros-Frauen achten sehr darauf, ihre Inseln sauber zu halten und regelmäßig neues Schilf zu verarbeiten. Wir haben eine kleine Demonstration bekommen, wie sie das Schilf schneiden, binden und zu neuen Inseln verarbeiten. Das war wirklich beeindruckend.Puno’s Markt – Ein Fest für die Sinne (und eine kleine Katastrophe)
Nach den Uros wollten wir Puno selbst noch etwas besser kennenlernen. Wir beschlossen, den lokalen Markt zu besuchen. Das war ein Fehler – und gleichzeitig ein Highlight. Es war unglaublich laut, bunt und voll mit Menschen. Überall wurden Obst, Gemüse, Fleisch, Kleidung und Souvenirs verkauft. Lina war von den vielen Eindrücken überwältigt und fing an zu weinen. Und dann, mitten im Gedränge, verlor ich kurz ihre Hand. Panik brach aus. Ich rief nach ihr, suchte verzweifelt nach ihr und mein Mann begann auch, sich auf die Suche zu machen. Nach gefühlt endlosen Minuten entdeckten wir sie in den Armen einer älteren Frau, die sie beruhigte und ihr einen Apfel gab. Puh, das war eine Erleichterung! Wir bedankten uns überschwänglich bei der Frau und versprachen uns, Lina von nun an noch besser im Auge zu behalten. Trotz des kleinen Zwischenfalls war der Markt ein unvergessliches Erlebnis.Ein Spaziergang durch den Stadtteil San Antonio
Um etwas zur Ruhe zu kommen, machten wir am nächsten Tag einen Spaziergang durch den Stadtteil San Antonio. Das ist ein etwas abgelegenes Viertel mit vielen kleinen Werkstätten und Handwerksbetrieben. Hier konnten wir das authentische Leben in Puno beobachten und die freundlichen Menschen treffen. Wir besuchten eine kleine Töpferei, wo wir zusahen, wie die Handwerker wunderschöne Keramik herstellten. Lina war fasziniert von den drehenden Töpferscheiben und den bunten Farben. Wir kauften ein kleines Keramiktier als Souvenir.Kulinarische Entdeckungen – und ein bisschen Mut
Wir haben uns auch getraut, einige lokale Spezialitäten zu probieren. Wir aßen "Trucha Frita" (gebratene Forelle) und "Sopa de Quinua" (Quinoa-Suppe). Lina mochte die Suppe überraschenderweise sehr gerne. Mein Mann und ich probierten auch "Cuy" (Meerschweinchen), aber das war dann doch nicht so unser Fall. Es war interessant, neue Geschmacksrichtungen auszuprobieren, aber wir waren froh, dass es auch noch andere Optionen gab. Nach ein paar Tagen in Puno und am Titicaca-See fühlten wir uns gut erholt und bereit für das nächste Abenteuer, während wir doch spürten, dass wir diese Eindrücke noch lange mit nach Hause nehmen würden.Die letzten Tage in Puno waren eine Mischung aus Entspannung, kulturellen Erlebnissen und ein bisschen Baby-Chaos. Wir hatten uns vorgenommen, nicht zu viel zu programmieren und einfach die Zeit zu genießen. Und das hat auch geklappt.
Rückblick auf eine besondere Zeit
Es ist verrückt, wie schnell die Zeit vergeht. Gerade noch standen wir in Deutschland und haben Koffer gepackt, und jetzt sitzen wir hier und denken zurück auf eine unglaubliche Reise. Der Titicaca-See ist wirklich etwas Besonderes. Die Landschaft ist atemberaubend, die Kultur faszinierend und die Menschen unglaublich freundlich. Und Lina hat die ganze Erfahrung mit offenen Armen aufgenommen.
Klar, es war nicht immer einfach. Mit einem Baby unternehmen ist anstrengend, egal wo man ist. Aber die Mühe hat sich gelohnt. Wir haben so viele schöne Momente erlebt, die wir nie vergessen werden. Lina hat zum ersten Mal Schnee gesehen (okay, es war eher Graupel, aber trotzdem!), hat mit einheimischen Kindern gespielt und neue Geschmacksrichtungen entdeckt.
Was wir gelernt haben
Diese Reise hat uns gezeigt, dass man mit einem Baby durchaus anspruchsvolle Orte bereisen kann. Man muss nur ein bisschen flexibler sein und sich auf das Unerwartete einstellen. Und man muss bereit sein, Kompromisse einzugehen. Nicht alle Aktivitäten sind mit einem Baby möglich, aber es gibt immer Alternativen.
Wir haben auch gelernt, dass es nicht darum geht, so viele Sehenswürdigkeiten wie möglich anzusehen, sondern darum, die Zeit mit der Familie zu genießen und neue Erfahrungen zu sammeln. Das ist wertvoller als alles andere.
Unsere Top-Tipps für Familien
Wenn ihr mit Baby an den Titicaca-See reisen möchtet, hier ein paar Tipps von uns:
Höhenkrankheit: Nehmt euch Zeit, um euch an die Höhe zu gewöhnen. Trinkt viel Wasser und vermeidet anstrengende Aktivitäten in den ersten Tagen.
Sonnenschutz: Die Sonne ist hier sehr stark. Schützt eure Haut und die von eurem Baby mit Sonnencreme, Hut und Sonnenbrille.
Verpflegung: Nehmt ausreichend Babynahrung und Snacks mit, falls ihr nicht immer passende Produkte vor Ort findet.
Flexibilität: Seid flexibel und passt eure Pläne an die Bedürfnisse eures Babys an.
Unterkünfte: Sucht euch Unterkünfte, die kinderfreundlich sind und über ausreichend Platz verfügen.
Abschied nehmen
Jetzt heißt es Abschied nehmen von Puno und dem Titicaca-See. Wir sind traurig, aber auch dankbar für die vielen schönen Erfahrungen, die wir hier gemacht haben. Diese Reise wird uns noch lange in Erinnerung bleiben.
Wir sind uns sicher, dass wir noch oft an diesen magischen Ort zurückkehren werden. Vielleicht mit Lina, wenn sie etwas älter ist und die Umgebung noch mehr genießen kann.
Bis dahin bewahren wir die Erinnerungen an den Titicaca-See in unseren Herzen auf.