Reisebericht Afrika - Ägypten - Assuan
Aufbruch zur Inspiration
Ich bin eigentlich Maler, oder zumindest versuche ich das zu sein. Aber in letzter Zeit fühlt es sich eher nach einem endlosen Kreislauf von leeren Leinwänden an. Irgendwann habe ich begriffen, dass ich nicht neue Techniken brauche, sondern neue Perspektiven. Eine neue Art, die Welt zu sehen. Und wo könnte man das besser tun, als hier? Afrika war schon immer ein Traum. Nicht die Safari-Romantik, die man aus dem Fernsehen kennt, sondern die tieferliegende Geschichte, die in den Gesichtern der Menschen, in den alten Steinen, in der Musik steckt. Ägypten schien mir der perfekte Ausgangspunkt – eine Kreuzung der Kulturen, ein Land, das gleichzeitig Vergangenheit und Gegenwart atmet.Der Nil und seine Geschichten
Ich habe ein kleines Hotel direkt am Nil gebucht, ein einfaches Haus mit einer Dachterrasse, von der aus man den Fluss überblicken kann. Das Rauschen des Wassers ist beruhigend, fast hypnotisch. Es erinnert mich an meine Kindheit, an die kleinen Bäche, in denen ich als Junge mit selbstgebauten Schiffchen gespielt habe. Aber dieser Fluss ist anders. Er ist gewaltig, majestätisch, voller Leben und Geschichte. Ich sitze stundenlang auf der Terrasse und beobachte die Fellukas, die traditionellen Segelboote, die elegant über das Wasser gleiten. Die Fischer werfen ihre Netze aus, Kinder planschen am Ufer, Frauen waschen ihre Kleidung. Es ist ein lebendiges Bild, das sich ständig verändert.Ich habe mich bewusst für Assuan entschieden, weil es nicht so touristisch überlaufen ist wie Luxor oder Kairo. Ich wollte nicht in einer Blase leben, sondern das echte Ägypten erleben. Und ich glaube, das klappt ganz gut. Ich spaziere durch die engen Gassen der Stadt, vorbei an kleinen Läden und Werkstätten. Überall duften Gewürze und frisches Brot. Die Menschen sind freundlich und aufgeschlossen, obwohl sie anfangs etwas zurückhaltend wirken. Wenn man sich die Zeit nimmt, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, öffnen sie sich und erzählen von ihrem Leben, ihren Träumen und Sorgen.
Erste Eindrücke und kleine Wunder
Gestern bin ich mit einer Felukka zum Philae-Tempel gefahren, einer wunderschönen Anlage, die auf einer kleinen Insel im Nil steht. Der Tempel ist der Göttin Isis gewidmet, einer der wichtigsten Gottheiten im alten Ägypten. Die Reliefs und Hieroglyphen sind unglaublich gut erhalten, und man spürt förmlich die Magie dieses Ortes. Ich habe stundenlang dort verbracht und versucht, die Geschichten zu entschlüsseln, die in den Steinen verborgen liegen.
Aber es sind nicht nur die großen Monumente, die mich faszinieren, sondern auch die kleinen Dinge. Die Art, wie die Menschen ihren Tee trinken, mit viel Zucker und Minze. Die bunten Stoffe, die auf den Märkten verkauft werden. Die Melodien, die aus den Teestuben dringen. Ich versuche, all diese Eindrücke in mir aufzusaugen, sie zu verarbeiten und in meine Kunst einfließen zu lassen.
Ich habe angefangen, Skizzen zu machen, Notizen zu schreiben und Fotos zu schießen. Aber ich merke, dass das nicht genug ist. Ich muss tiefer eintauchen, mich mehr öffnen, die Sprache lernen, die Kultur verstehen. Ich muss mich von meinen Vorurteilen befreien und die Welt mit neuen Augen sehen.
Ich habe mich entschlossen, noch ein paar Tage in Assuan zu bleiben, bevor ich weiter nach Nubien reise. Ich möchte die Umgebung erkunden, die Dörfer besuchen und die Menschen kennenlernen. Ich möchte herausfinden, was dieses Land so besonders macht und warum es mich so in seinen Bann zieht.
Und während ich hier sitze, auf der Dachterrasse meines kleinen Hotels, mit Blick auf den Nil, spüre ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Die Inspiration, nach der ich so lange gesucht habe, scheint endlich greifbar. Die Farben, die Formen, die Geschichten – sie sind überall um mich herum. Es liegt an mir, sie einzufangen und in etwas Neues zu verwandeln.Ich sitze hier, auf der Dachterrasse meines kleinen Hotels, und spüre, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Die Inspiration, nach der ich so lange gesucht habe, scheint endlich greifbar. Die Farben, die Formen, die Geschichten – sie sind überall um mich herum. Es liegt an mir, sie einzufangen und in etwas Neues zu verwandeln.Das bunte Treiben im Souk
Einen Tag habe ich mich komplett dem Souk, dem Markt von Assuan, hingegeben. Es war überwältigend, ein Labyrinth aus Gassen, voller Gerüche, Geräusche und Menschen. Gewürze in allen Farben des Regenbogens türmten sich neben Bergen von Datteln und Feigen. Händler riefen ihre Waren an, Kinder spielten zwischen den Ständen, und überall wurde gehandelt und gefeilscht. Ich war von Anfang an verloren, aber das war Teil des Reizes. Ich habe mich einfach treiben lassen, bin herumgestolpert und habe die Atmosphäre aufgesogen.Ich wollte ein paar kleine Souvenirs kaufen, aber das war gar nicht so einfach. Überall wurde ich angesprochen, beworben und überredet. Ich habe schnell gelernt, freundlich, aber bestimmt zu bleiben und den Preis zu verhandeln. Es ist ein Spiel, das hier gespielt wird, und ich wollte nicht als Naivling gelten. Ich habe ein paar schöne Gewürze, eine handgemachte Ledertasche und ein paar bunte Stoffe gekauft. Aber das Interessanteste war nicht das, was ich gekauft habe, sondern das, was ich gesehen und erlebt habe.
Ich bin in ein kleines Teestübchen gegangen und habe einen Pfefferminztee getrunken. Der Tee war süß und erfrischend, und der Besitzer, ein freundlicher alter Mann, hat mir Geschichten über Assuan erzählt. Er hat mir erzählt, wie sich die Stadt in den letzten Jahren verändert hat, wie der Tourismus das Leben der Menschen beeinflusst hat und wie wichtig es ist, die Traditionen zu bewahren.
Nubische Gastfreundschaft in West Bank
Ein Highlight war der Besuch eines nubischen Dorfes auf der Westbank des Nils. Ich hatte mir einen Fahrer gemietet, der mich durch die Wüste gefahren hat. Die Landschaft war karg und öde, aber trotzdem wunderschön. Als wir im Dorf ankamen, wurden wir von einer Gruppe von Kindern begrüßt, die uns mit Gesang und Tanz empfingen. Die Nubier sind bekannt für ihre Gastfreundschaft, und das hat sich sofort gezeigt. Wir wurden in ein einfaches Haus eingeladen, wo uns Tee und Fladenbrot serviert wurden. Die Familie, die uns empfangen hat, lebte sehr bescheiden, aber sie strahlte eine unglaubliche Lebensfreude aus.
Ich habe versucht, mich mit ihnen zu unterhalten, aber meine Arabischkenntnisse waren begrenzt. Zum Glück konnte mein Fahrer übersetzen. Ich habe sie gefragt, wie sie leben, was sie arbeiten und was ihnen wichtig ist. Sie haben mir erzählt, dass sie hauptsächlich von der Landwirtschaft und dem Tourismus leben. Sie haben mir auch erzählt, dass sie stolz auf ihre Kultur und ihre Traditionen sind. Ich habe mich tief berührt von ihrer Offenheit und ihrer Ehrlichkeit.
Ein kleiner Fauxpas und eine Lektion
Ich hatte mir vorgenommen, ein paar Fotos von den Menschen im Dorf zu machen, aber ich habe es versäumt, vorher um Erlaubnis zu fragen. Das war ein Fehler. Eine ältere Frau war sichtlich verärgert, als ich ihren Sohn fotografierte. Ich habe mich sofort entschuldigt und versucht, die Situation zu erklären. Zum Glück konnte mein Fahrer vermitteln. Die Frau war zwar immer noch nicht begeistert, aber sie hat mir dann doch erlaubt, ein Foto von ihr zu machen. Ich habe gelernt, dass man in anderen Kulturen immer respektvoll sein muss und dass man niemals davon ausgehen darf, dass man etwas tun kann, nur weil es in der eigenen Kultur üblich ist.
Dieser kleine Fauxpas hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, sich bewusst mit der Kultur auseinanderzusetzen und wie leicht man unabsichtlich jemanden verletzen kann. Es war eine wertvolle Lektion, die ich so schnell nicht vergessen werde.
Die Tage in Assuan ziehen zu einem Ende, doch das Gefühl, hier neu zu beginnen, etwas Echtes zu entdecken, ist stärker denn je. Ich glaube, ich habe hier nicht nur Inspiration gefunden, sondern auch ein Stück von mir selbst.Die letzten Tage in Assuan sind wie im Flug vergangen. Ich sitze jetzt in einem kleinen Café am Corniche, dem Uferpromenade, und beobachte das bunte Treiben. Die Sonne geht langsam unter, und der Nil spiegelt die Farben des Himmels wider. Es ist ein friedlicher Moment, der mir die Möglichkeit gibt, meine Gedanken zu sammeln und meine Erfahrungen Revue passieren zu lassen.
Ich bin hierher gekommen, um Inspiration zu finden, um neue Perspektiven zu gewinnen und um meine kreative Blockade zu überwinden. Und ich glaube, dass ich das erreicht habe. Assuan ist ein Ort, der einen tief berührt, der einen herausfordert und der einen inspiriert. Die Schönheit der Landschaft, die Freundlichkeit der Menschen, die Vielfalt der Kultur – all das hat mich tief beeindruckt.
Mehr als nur Postkartenmotive
Es war nicht immer einfach. Es gab Momente der Frustration, der Unsicherheit und der Überforderung. Aber ich habe gelernt, dass es wichtig ist, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, sich von den kleinen Dingen inspirieren zu lassen und sich von der Schönheit des Lebens überraschen zu lassen.
Ich habe angefangen, meine Skizzenbücher zu füllen, neue Farben auszuprobieren und meine Gedanken in Worte zu fassen. Ich habe versucht, die Atmosphäre, die Stimmung, die Energie von Assuan einzufangen. Es ist ein Prozess, der Zeit und Geduld erfordert, aber er ist auch unglaublich befriedigend.
Die Kunst des Beobachtens
Ich habe gelernt, die Kunst des Beobachtens neu zu schätzen. Einfach nur sitzen und zusehen, wie sich das Leben um einen herum entfaltet. Die Art, wie die Menschen interagieren, die Art, wie sie ihre Arbeit verrichten, die Art, wie sie ihre Freizeit verbringen. All das ist eine Quelle der Inspiration.
Ich habe auch gelernt, dass es wichtig ist, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Sich nicht von den oberflächlichen Dingen ablenken zu lassen, sondern auf das zu achten, was wirklich wichtig ist. Die Liebe, die Freundschaft, die Familie, die Gesundheit, die Freiheit.
Empfehlungen für angehende Entdecker
Wenn ich jemandem raten müsste, der nach Assuan reisen möchte, würde ich ihm sagen, er solle offen sein für neue Erfahrungen, sich Zeit nehmen, um die Kultur kennenzulernen, und sich nicht scheuen, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Und er solle unbedingt einen Ausflug zum Philae-Tempel machen, eine Felukka-Fahrt auf dem Nil unternehmen und die Nubischen Dörfer besuchen.
Ich würde ihm auch empfehlen, sich nicht nur auf die touristischen Highlights zu konzentrieren, sondern auch die kleinen, versteckten Ecken der Stadt zu erkunden. Die lokalen Märkte, die kleinen Cafés, die engen Gassen. Dort findet man das echte Assuan.
Ein Abschied mit Vorfreude
Ich verlasse Assuan mit einem schweren Herzen, aber auch mit einem Gefühl der Dankbarkeit und Vorfreude. Ich habe hier viel gelernt, viel erlebt und viel inspiriert. Und ich bin sicher, dass ich diese Erfahrungen in Zukunft nutzen kann, um meine Kunst weiterzuentwickeln und meine kreative Vision zu verwirklichen.
Ich werde Assuan nie vergessen. Es wird immer ein besonderer Ort in meinem Herzen bleiben. Und ich hoffe, dass ich eines Tages wieder hierher zurückkehren kann, um die Schönheit und die Magie dieses einzigartigen Ortes erneut zu erleben.