Vietnamesische Momente: Ein Eintauchen in Ho-Chi-Minh-Stadt
Warum Vietnam?
Ich bin Lisa, 25 Jahre alt und mache gerade eine Auszeit nach meinem Bachelor. Eigentlich studiere ich Linguistik, also Sprachen, und ich wollte schon immer mal eine Sprache so richtig, mit allen Sinnen, lernen. Nicht nur Vokabeln pauken, sondern eintauchen in die Kultur, mit den Leuten reden, das Essen schmecken und einfach *leben* in der Sprache. Nach einigem Hin und Her entschied ich mich für Vietnamesisch. Die Sprache klang wunderschön, und Vietnam schien mir ein Land, das noch nicht vom Massentourismus überrollt ist, aber trotzdem genug Infrastruktur bietet, um nicht völlig abzukratzen. Dazu kam, dass ich schon viel über die Geschichte und die Küche gelesen hatte – und diese mich neugierig gemacht hat.
Die ersten Schritte
Die Einreise war überraschend problemlos. Ich hatte vorher online das E-Visum beantragt, was ich nur empfehlen kann. Dann ging es an die Taxischlange. Ich hatte gelesen, dass man besser keine offiziellen Taxis vom Flughafen nehmen sollte, sondern Grab, die lokale Version von Uber, nutzen. Das klappte auch ganz gut. Mein Fahrer, ein älterer Herr mit einem breiten Lächeln, brachte mich zu meinem Hostel im Distrikt 1, dem touristischen Zentrum der Stadt.
Das Hostel war – naja, ein Hostel eben. Einfach, aber sauber und mit einer netten Gemeinschaftsküche. Ich checkte ein, warf meinen Rucksack ins Bett und machte mich direkt auf den Weg, um die Umgebung zu erkunden. Die Straßen waren voller Leben: Frauen mit traditionischen Non La (Spitzhüten), Motorrollerfahrer, die sich gekonnt durch den Verkehr schlängelten, und überall kleine Essensstände. Ich fühlte mich sofort wohl, aber auch ein bisschen überwältigt.
Ich ging zum Ben Thanh Markt, einem riesigen Indoor-Markt, wo man wirklich alles kaufen kann: Kleidung, Schuhe, Souvenirs, Lebensmittel, Blumen… und natürlich Essen! Ich probierte sofort ein Banh Mi, ein vietnamesisches Sandwich mit verschiedenen Füllungen. Es war unglaublich lecker und kostete nur etwa 50 Cent. Ich schlenderte noch eine Weile durch die Gänge, beobachtete die Händler und versuchte, ein paar Worte Vietnamesisch zu üben. „Xin chào“ (Hallo) und „Cảm ơn“ (Danke) kamen zumindest schon mal gut an.
Erste kulturelle Beobachtungen
Was mir gleich auffiel, war die Gastfreundschaft der Menschen. Überall wurde ich freundlich angelächelt und oft auch einfach mal auf einen Kaffee eingeladen (Café Sữa đá, starker Kaffee mit Kondensmilch und Eis – ein absolutes Muss!). Auch die Bedeutung der Familie scheint hier sehr groß zu sein. Ich sah oft Familien, die gemeinsam auf kleinen Plastikstühlen am Straßenrand saßen und aßen oder spielten.
Andererseits ist auch klar, dass Vietnam ein Land der Gegensätze ist. Neben dem modernen Stadtbild gibt es auch viele Armut und soziale Ungleichheit. Überall sieht man Baustellen und neue Hochhäuser, aber auch verfallene Gebäude und Slums. Das ist natürlich nicht immer einfach zu ertragen, aber es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass Vietnam eine lange und komplizierte Geschichte hat und dass die Menschen hier mit vielen Herausforderungen zu kämpfen haben.
Sprachliche Herausforderungen
Die vietnamesische Sprache ist, ehrlich gesagt, eine echte Herausforderung. Die Aussprache ist knifflig, weil es viele Töne gibt, die man erst einmal lernen muss. Außerdem ist die Grammatik ganz anders als im Deutschen oder Englischen. Ich habe vor der Reise angefangen, ein paar Grundlagen zu lernen, aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Ich habe mich jetzt für einen Sprachkurs am lokalen Kulturzentrum angemeldet und hoffe, dass ich so schneller Fortschritte machen kann. Aber selbst wenn ich am Ende nur ein paar grundlegende Sätze beherrsche, wird es sich lohnen. Schon jetzt habe ich das Gefühl, dass ich durch das Sprechen mit den Einheimischen viel mehr über die Kultur und das Leben hier lerne.
Ich habe zwar erst wenige Tage hier verbracht, aber Vietnam hat mich jetzt schon in seinen Bann gezogen. Die Mischung aus Chaos und Gelassenheit, die freundlichen Menschen und die köstliche Küche machen diesen Ort zu etwas Besonderem. Jetzt geht es darum, die Sprache zu lernen, tiefer in die Kultur einzutauchen und all die kleinen und großen Abenteuer zu erleben, die auf mich warten.Abseits der Touristenpfade: Entdeckungstouren in District 3 und Cholon
Nach ein paar Tagen im quirligen District 1 wurde es Zeit, auch andere Teile der Stadt zu erkunden. Ich hatte gelesen, dass District 3 eine ruhigere, authentischere Atmosphäre hat und wollte das unbedingt sehen. Also schwang ich mich auf einen Leih-Motorroller (ja, ich habe mich getraut – und es war definitiv die richtige Entscheidung, auch wenn der Verkehr am Anfang etwas beängstigend war). District 3 ist voller kleiner Cafés, versteckter Tempel und wunderschöner Kolonialarchitektur. Ich verirrte mich in den engen Gassen, entdeckte einen kleinen Familienbetrieb, der Banh Xeo (vietnamesische Pfannkuchen) zubereitete und aß dort zu Mittag. Es war so lecker und die Leute waren so freundlich, dass ich mich sofort wie zu Hause fühlte.
Cholon: Ein Tag im Chinatown von Ho-Chi-Minh-Stadt
Ein weiteres Highlight war mein Ausflug nach Cholon, dem Chinatown von Ho-Chi-Minh-Stadt. Die Gegend ist voller bunter Tempel, traditioneller Kräuterläden und geschäftiger Märkte. Ich besuchte den Thien Hau Tempel, der der Göttin des Meeres gewidmet ist, und war beeindruckt von der kunstvollen Dekoration und der spirituellen Atmosphäre. Danach schlenderte ich über den Binh Tay Markt, einen riesigen Indoor-Markt, wo man wirklich alles finden kann: Gewürze, Stoffe, Kleidung, Lebensmittel… und natürlich jede Menge Touristen. Ich versuchte, ein paar Fotos zu machen, aber es war schwierig, da der Markt ständig überfüllt war. Ich kaufte ein paar getrocknete Früchte und einen kleinen Buddha als Souvenir.
Kleine Pannen und große Lektionen
Natürlich gab es auch ein paar kleine Pannen. Einmal wollte ich mit dem Bus fahren und hatte absolut keine Ahnung, wo ich aussteigen sollte. Ich fragte eine ältere Dame um Hilfe, aber sie sprach kein Englisch. Zum Glück kam ein junger Mann vorbei, der Englisch konnte und mir erklärte, wie ich zum richtigen Bussteig komme. Ich lernte schnell, dass es sich lohnt, sich auf nonverbale Kommunikation einzulassen und einfach nach Hilfe zu fragen. Eine andere Herausforderung war das Essen. Ich bin zwar ein großer Fan der vietnamesischen Küche, aber ich bin auch etwas empfindlich, was Schärfe angeht. Einmal bestellte ich ein Gericht, das ich für mild hielt, und es stellte sich heraus, dass es unglaublich scharf war. Ich musste literweise Wasser trinken, um das Feuer zu löschen! Aber selbst diese unangenehmen Erfahrungen haben mich gelehrt, flexibler zu sein und neue Dinge auszuprobieren.
Sprachkurs und erste Erfolge
Mein Sprachkurs läuft gut. Ich habe schon einige grundlegende Sätze gelernt und kann mich jetzt in einfachen Situationen verständlich machen. Die Lehrer sind sehr geduldig und freundlich, und die anderen Studenten sind alle motiviert. Es ist toll, mit anderen zusammenzuarbeiten und voneinander zu lernen. Ich habe auch angefangen, jeden Tag ein paar Stunden zu üben, indem ich mit den Einheimischen rede und vietnamesische Musik höre. Es macht Spaß, die Sprache zu lernen und zu sehen, wie ich Fortschritte mache. Ich kann jetzt zumindest nach dem Weg fragen, Essen bestellen und mich vorstellen. Das ist schon eine riesige Erleichterung und gibt mir ein besseres Gefühl, mich hier zurechtzufinden.
Die letzten Wochen in Ho-Chi-Minh-Stadt waren eine unvergessliche Erfahrung voller neuer Eindrücke, Herausforderungen und unzähliger kleiner Momente, die ich für immer in meinem Herzen tragen werde. Jetzt ist es Zeit, mich auf die nächsten Abenteuer zu konzentrieren und die gesammelten Erfahrungen in den kommenden Reisen einfließen zu lassen.
Die letzten Wochen sind wie im Flug vergangen. Ich sitze gerade in einem kleinen Café in District 3, trinke einen Café Sữa đá und lasse all die Eindrücke Revue passieren. Es ist schwer zu glauben, dass ich schon bald wieder abreisen werde. Ho-Chi-Minh-Stadt hat mich wirklich verzaubert und mir so viel gegeben.
Mehr als nur Sehenswürdigkeiten
Natürlich habe ich auch einige der berühmten Sehenswürdigkeiten besichtigt, wie die Notre-Dame-Kathedrale, den Unabhängigkeitspalast und die Kriegsopfermuseum. Aber was mich wirklich beeindruckt hat, sind die kleinen, unscheinbaren Momente: das Lächeln einer alten Frau auf dem Markt, das Gespräch mit einem jungen Studenten über seine Träume, der Geruch von frisch zubereitetem Essen auf der Straße. Diese Erfahrungen haben mir einen viel tieferen Einblick in die vietnamesische Kultur ermöglicht, als jeder Reiseführer.
Sprachliche Fortschritte und kulturelle Missverständnisse
Mein Vietnamesisch ist zwar noch weit entfernt von Perfektion, aber ich habe große Fortschritte gemacht. Ich kann mich jetzt in einfachen Situationen verständlich machen und führe kurze Gespräche mit den Einheimischen. Natürlich gab es auch einige lustige Missverständnisse. Einmal wollte ich nach dem Preis einer Jacke fragen und habe versehentlich gesagt, dass ich sie heiraten möchte. Zum Glück konnten alle darüber lachen.
Essen, Essen, Essen!
Die vietnamesische Küche ist einfach unglaublich vielfältig und lecker. Ich habe so viele neue Gerichte probiert, von Pho und Banh Mi bis hin zu Cao Lầu und Bún chả. Besonders gerne habe ich die kleinen Essensstände am Straßenrand besucht, wo man für wenig Geld authentische vietnamesische Küche bekommt. Ich habe auch gelernt, wie man einige einfache Gerichte selbst zubereitet, wie zum Beispiel Sommerrollen und Papayasalat. Das werde ich auf jeden Fall mit nach Hause nehmen.
Mein persönliches Fazit und ein paar Tipps
Ho-Chi-Minh-Stadt ist eine Stadt der Gegensätze, aber gerade das macht sie so faszinierend. Hier gibt es Armut und Reichtum, Tradition und Moderne, Chaos und Gelassenheit. Ich habe gelernt, dass man sich einfach treiben lassen und die kleinen Dinge im Leben genießen muss. Ich bin dankbar für all die Erfahrungen, die ich hier gemacht habe, und werde diese Stadt nie vergessen.
Meine Tipps für andere Reisende:
- Seid offen und neugierig: Lasst euch auf die Kultur ein und versucht, mit den Einheimischen in Kontakt zu treten.
- Probiert das Essen: Die vietnamesische Küche ist ein echtes Highlight. Scheut euch nicht, neue Gerichte zu probieren.
- Seid vorsichtig im Straßenverkehr: Der Verkehr in Ho-Chi-Minh-Stadt ist chaotisch und unberechenbar. Achtet gut auf euch und seid vorsichtig beim Überqueren der Straße.
- Lernt ein paar grundlegende vietnamesische Wörter: Das wird euch helfen, mit den Einheimischen zu kommunizieren und zeigt Respekt für ihre Kultur.
Ich werde Ho-Chi-Minh-Stadt auf jeden Fall wieder besuchen. Es ist ein Ort, der mich immer wieder aufs Neue fasziniert und inspiriert.
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- Ben Thanh Markt
- Notre-Dame-Kathedrale
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- Kriegsopfermuseum
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- District 3