Europa - Belgien - Lüttich

Reisebericht Europa - Belgien - Lüttich

Der Geruch von frittierten Pommes und Schokolade hing in der Luft, vermischt mit dem leicht muffigen Geruch alten Steins. Ich zog die Jacke enger um mich, während Leo, mein fast-16-jähriger, gelangweilt auf sein Handy starrte. Wir waren gerade aus dem Zug gestiegen, mitten in Lüttich. Belgien.

Ein bisschen Hintergrund

Ich hatte diese Reise wirklich gebraucht. Die letzten Monate waren… anstrengend. Arbeit, Schule, die ständige Organisation des Alltags als alleinerziehende Mutter. Leo war in dieser typischen Pubertätsphase, wo alles peinlich ist und jede meiner Bemühungen mit einem genervten Augenrollen quittiert wird. Also dachte ich, ein Tapetenwechsel könnte nicht schaden. Lüttich war nicht unbedingt mein Traumziel, aber es war gut erreichbar, relativ günstig und bot angeblich eine interessante Mischung aus Geschichte und Kultur. Und vor allem: es gab Schokolade. Viel Schokolade.

Die Zugfahrt

Die Zugfahrt selbst war schon ein kleines Abenteuer. Leo hatte sich direkt nach der Abfahrt seine Kopfhörer aufgesetzt und war in seiner eigenen Welt versunken. Ich versuchte, die Landschaft zu genießen, aber meine Gedanken kreisten hauptsächlich um die To-Do-Liste, die ich zu Hause gelassen hatte. Hatte ich wirklich alle wichtigen Unterlagen dabei? Habe ich das Ladegerät für Leos Tablet eingepackt? Der übliche Mutterstress eben.

Erster Eindruck: Lüttich begrüßt uns

Der Bahnhof von Lüttich war überraschend modern, aber sobald wir herausgetreten waren, fühlten wir uns sofort in eine andere Zeit versetzt. Die Häuser waren alt, mit verwinkelten Gassen und kleinen Läden. Überall hingen Blumenkästen an den Fenstern und es gab diese typisch belgischen Treppenhäuser, die sich bis in den Himmel erstreckten. Es war… charmant. Und ein bisschen chaotisch. Ich versuchte, Leo für die Umgebung zu begeistern. „Schau mal, die Häuser sind echt alt, oder? Findest du nicht auch, dass das total schön ist?“ Er zuckte nur mit den Schultern und murmelte irgendwas von „Ist okay“. Teenager.

Auf der Suche nach dem Hotel

Wir hatten das Hotel online gebucht, ein kleines Boutique-Hotel in der Nähe des Zentrums. Die Adresse war auf dem Handy gespeichert, aber die Navigation führte uns durch ein Labyrinth aus Gassen. Ich versuchte, mich zu orientieren, während ich gleichzeitig darauf achtete, dass Leo nicht über irgendeinen Bordstein stolperte. Irgendwann fragten wir eine ältere Dame nach dem Weg. Sie sprach kaum Englisch, aber mit Händen und Füßen und ein paar Brocken Französisch gelang es uns, sie zu verstehen. Sie erklärte uns den Weg und gab uns noch einen Tipp für eine gute Schokoladenboutique in der Nähe. So stellten wir uns das vor, so ein lokaler Kontakt.

Das Hotel

Das Hotel war klein, aber gemütlich. Die Zimmer waren einfach eingerichtet, aber sauber und komfortabel. Leo warf sich direkt aufs Bett und begann, auf seinem Handy zu scrollen. Ich atmete erleichtert auf. Endlich angekommen. Ich öffnete das Fenster und blickte auf die Straße. Es war laut, aber irgendwie auch lebendig. Menschen gingen vorbei, Autos hupten, ein Straßenmusiker spielte Gitarre. Es war ein typisches Stadtbild. Ich trank einen Schluck Wasser und versuchte, die Eindrücke zu verarbeiten. Es war noch ein langer Weg, bis wir Lüttich wirklich entdeckt hatten, aber ich hatte das Gefühl, dass diese Reise mehr sein könnte als nur ein Tapetenwechsel. Vielleicht konnten wir uns hier beide ein bisschen entspannen und wieder näher zueinanderfinden. Wir hatten uns gerade erst hier eingerichtet, aber ich ahnte, dass diese Tage uns einige Überraschungen bereithalten würden.

Schokoladenparadies und coole Streetart

Nachdem wir uns im Hotel eingerichtet hatten, war es Zeit, die Stadt zu erkunden. Leo war natürlich erstmal wenig begeistert, aber ich hatte versprochen, dass wir uns auf jeden Fall Schokolade holen würden. Das war zumindest ein kleiner Anreiz. Wir steuerten direkt auf das Viertel rund um die Place Saint-Lambert zu. Dort gab es nicht nur das Rathaus, sondern auch unzählige Schokoladengeschäfte.

Schokoladenrausch

Ich muss sagen, die Auswahl war überwältigend. Pralinen, Trüffel, Schokoladentafeln in allen möglichen Geschmacksrichtungen… Leo entschied sich für eine riesige Schokoladentafel mit Karamell und Meersalz, während ich mich für eine Auswahl an Pralinen entschied. Wir aßen sie direkt auf einer Bank und ich glaube, in diesem Moment war er dann doch ein bisschen beeindruckt von Lüttich. Zumindest für fünf Minuten.

Das Ausquartier und seine Überraschungen

Nach unserem Schokoladenrausch wollten wir etwas abseits der Touristenpfade erkunden. Ich hatte gelesen, dass das Ausquartier, ein etwas alternativeres Viertel, ganz interessant sein soll. Dort gibt es viele kleine Boutiquen, Vintage-Läden und coole Streetart.

Graffiti und ein missglücktes Foto

Das Ausquartier war wirklich anders. Bunte Fassaden, kleine Cafés und überall Streetart. Leo fand das überraschend cool und zog sogar sein Handy raus, um ein paar Fotos zu machen. Er fotografierte ein riesiges Graffiti-Gemälde, auf dem eine Katze mit einer Krone zu sehen war. Ich wollte auch ein Foto machen, aber in dem Moment kam ein Radfahrer vorbei und ich bin fast hingefallen. Leo musste lachen und sagte: „Na, Mama, alles okay?“ Ich grinste zurück und sagte: „Ja, alles gut. Ich bin eben nicht mehr die Jüngste.“

Ein kleines Café und unerwartete Begegnungen

Wir sind in einem kleinen Café gelandet, das „Le Chat Noir“ hieß. Es war gemütlich und hatte eine entspannte Atmosphäre. Wir bestellten Kaffee und Croissants und saßen einfach nur da und beobachteten die Leute. An einem Tisch saß eine ältere Dame, die ein Buch las. Sie lächelte uns an und sagte etwas auf Französisch. Ich verstand nur Bahnhof, aber sie schien nett zu sein. Dann stellte sich heraus, dass sie aus Kanada kam und seit Jahren in Lüttich lebte. Wir kamen ins Gespräch und sie erzählte uns viel über die Stadt und ihre Geschichte. Es war schön, mit einem Einheimischen zu plaudern und einen anderen Blickwinkel auf die Stadt zu bekommen. Leo war anfangs etwas zurückhaltend, aber dann beteiligte er sich auch an dem Gespräch und stellte sogar ein paar Fragen.

Pannen und ein verspäteter Abend

Am Abend wollten wir noch in ein Restaurant gehen, aber wir hatten uns in den Gassen verlaufen. Die Straßen waren eng und verwinkelt und wir konnten uns einfach nicht orientieren. Irgendwann fragten wir einen Passanten nach dem Weg, aber er sprach nur Französisch. Zum Glück kam uns ein junger Mann zu Hilfe, der Englisch sprach. Er begleitete uns bis zum Restaurant und gab uns noch ein paar Tipps für den nächsten Tag. Das Essen war lecker, aber wir waren so müde, dass wir kaum noch etwas sagen konnten.

Müde, aber zufrieden

Auf dem Weg zurück zum Hotel stellte ich fest, dass ich meine Geldbörse verloren hatte. Ich bekam einen Schreck und suchte überall, aber sie war nirgends zu finden. Leo half mir suchen, aber wir konnten sie nicht finden. Ich war total frustriert und kurz davor, aufzugeben. Dann erinnerte ich mich, dass ich sie im Café vergessen hatte. Ich rief dort an und die Dame am Telefon sagte, dass sie meine Geldbörse aufgehoben hatte und dass ich sie am nächsten Tag abholen konnte. Ich war so erleichtert. Dieser Tag war zwar etwas chaotisch, aber wir haben viel erlebt und neue Leute kennengelernt. Ich glaube, wir sind uns ein bisschen näher gekommen und haben gelernt, die kleinen Pannen mit Humor zu nehmen. Und ich ahnte, dass die kommenden Tage noch einige Überraschungen bereithalten würden, bevor wir Lüttich hinter uns lassen würden.

Der letzte Tag in Lüttich kam schneller als erwartet. Leo und ich saßen beim Frühstück in unserem Hotel und aßen Croissants. Er war überraschend gut drauf, sogar ein bisschen gesprächig. Ich glaube, er hatte die Tage in Lüttich auch ganz genossen, auch wenn er es nicht zugeben wollte. Wir hatten uns zwar nicht den Kopf zerbrochen, um die „perfekten“ Fotos zu machen oder alle Sehenswürdigkeiten abzuhaken, aber wir hatten eine gute Zeit zusammen und das war das Wichtigste.

Ein bisschen Wehmut

Ich muss sagen, Lüttich hat mich positiv überrascht. Ich hatte ehrlich gesagt nicht viel erwartet, aber die Stadt hat einen ganz besonderen Charme. Die alten Häuser, die verwinkelten Gassen, die freundlichen Menschen… Es war alles sehr authentisch und lebenswert. Und natürlich die Schokolade! Ich glaube, wir haben mehr Schokolade gegessen, als gut für uns war, aber das war es wert.

Was bleibt?

Ich habe festgestellt, dass man nicht unbedingt ein riesiges Budget oder einen detaillierten Reiseplan braucht, um einen schönen Urlaub zu haben. Manchmal reichen schon ein paar Tage in einer neuen Stadt, um den Kopf freizubekommen und neue Energie zu tanken. Und natürlich ist es schön, Zeit mit seinem Kind zu verbringen, ohne den Stress des Alltags. Leo und ich haben viel gelacht, geredet und einfach die gemeinsame Zeit genossen.

Ein paar Tipps für eure Reise

Wenn ihr mal nach Lüttich reist, hier ein paar Tipps von uns:

Schokolade, Schokolade, Schokolade! Probiert unbedingt die lokale Schokolade. Es gibt unzählige kleine Schokoladenboutiquen, in denen ihr die leckersten Pralinen und Trüffel finden könnt. Wir haben einen kleinen Laden im Ausquartier entdeckt, der besonders empfehlenswert war.

Das Ausquartier erkunden! Dieses Viertel ist etwas alternativer und hat einen ganz besonderen Charme. Hier findet ihr viele kleine Boutiquen, Vintage-Läden und coole Streetart. Perfekt, um ein paar Stunden zu bummeln und die Atmosphäre zu genießen.

Verliert euch in den Gassen! Lüttich ist eine Stadt, die man am besten zu Fuß erkundet. Verlasst die Hauptstraßen und verirrt euch in den kleinen Gassen. Hier findet ihr versteckte Cafés, gemütliche Restaurants und wunderschöne alte Häuser.

Seid offen für neue Begegnungen! Die Menschen in Lüttich sind sehr freundlich und hilfsbereit. Scheut euch nicht, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Vielleicht lernt ihr dabei etwas Neues über die Stadt und ihre Kultur.

Fazit

Lüttich war für uns mehr als nur ein Kurztrip. Es war eine Auszeit vom Alltag, eine Gelegenheit, neue Energie zu tanken und die Beziehung zu meinem Sohn zu vertiefen. Ich bin dankbar für diese Tage und werde Lüttich sicher noch einmal besuchen.

    👤 Tierliebhaber (40) der Safaris und Tierbeobachtungen unternimmt ✍️ romantisch und verträumt