Asien - Vietnam - Nha Trang

Reisebericht Asien - Vietnam - Nha Trang

Der Geruch von Fischsoße und Abgasen kitzelte in der Nase, vermischt mit einer süßlichen Note, die ich nicht sofort zuordnen konnte. Ich stand also hier, am Flughafen Cam Ranh, Nha Trang, Vietnam. Die Hitze schlug mir sofort ins Gesicht, feucht und schwer. Es war anders, als ich es von Thailand oder den Philippinen kannte – weniger auf polierte Touristenattraktionen ausgelegt, roher, direkter.

Der Plan und die Realität

Ich bin Max, 28, und verbringe die nächsten vier Wochen allein in Vietnam. Nicht unbedingt, um "mein Ich zu finden", wie es in irgendwelchen Reiseblogs heißt. Eher, um den Adrenalinspiegel hochzuhalten. Klettern, Tauchen, Motorradtouren abseits der ausgetretenen Pfade – das ist mein Ding. Die Idee zu dieser Reise kam mir, als ich in Nepal einen ziemlich wackligen Bungee-Sprung von einer tibetischen Hängebrücke gewagt hatte. Danach brauchte ich etwas Neues, eine Herausforderung, die nicht nur körperlich, sondern auch mental fordernd war. Vietnam schien perfekt, eine Mischung aus atemberaubender Natur und chaotischer Urbanität.

Erste Schritte in der Stadt

Der Bus zum Stadtzentrum war ein Erlebnis für sich. Ein alter, abgenutzter Kleinbus, vollgestopft mit Einheimischen, Hühnern und Kisten unbekannten Inhalts. Ich quetschte mich zwischen eine ältere Dame mit einem riesigen Reisstrohhut und einen jungen Mann, der scheinbar eine ganze Kiste Mangos transportierte. Die Fahrt war holprig, laut und unglaublich authentisch. Ich lächelte. Genau so sollte es sein. Mein Hostel, das "Coconut Beach Hostel", lag etwas abseits der Haupttouristenstraßen, in einer kleinen Gasse. Einfach, aber sauber und freundlich. Der Besitzer, ein junger Mann namens Linh, begrüßte mich mit einem breiten Lächeln und einem Glas eiskalten, süßen Tee. Er gab mir eine Karte und markierte ein paar lokale Restaurants und Sehenswürdigkeiten. „Nha Trang ist klein, du kannst fast alles zu Fuß erreichen“, sagte er. „Aber für längere Strecken empfehle ich dir ein Motorrad zu mieten. Sei vorsichtig, der Verkehr ist hier… anders.“

Die ersten Eindrücke vom Strand

Ich warf meine Sachen ab und machte mich direkt zum Strand. Die Strandpromenade war belebt, aber nicht überfüllt. Es gab eine Mischung aus lokalen Familien, Touristen und Straßenhändlern, die alles von gegrillten Garnelen bis zu Souvenirs verkauften. Der Strand selbst war lang und sandig, mit türkisfarbenem Wasser. Ein paar Fischerboote lagen im Wasser, ihre Netze wurden gerade geflickt. Ich setzte mich in eine Strandbar und bestellte ein Bia Hoi, das lokale, supergünstige Bier. Es schmeckte erfrischend, aber auch etwas wässrig. Ich beobachtete das Treiben um mich herum. Kinder spielten im Sand, ältere Männer spielten Schach, junge Paare spazierten am Strand entlang. Es war ein friedliches Bild, aber ich spürte auch eine unterschwellige Energie, einen Rhythmus, der die Stadt antrieb.

Auf der Suche nach dem Abenteuer

Ich hatte mich im Vorfeld über mögliche Klettergebiete in der Nähe von Nha Trang informiert. Es gab ein paar kleine Felsformationen am Hon Chong Promontory, aber die Bewertungen waren gemischt. Ich beschloss, mich morgen mal dorthin zu begeben und zu sehen, was möglich ist. Tauchen stand auch auf meiner Liste, aber ich wollte erst einen erfahrenen Tauchlehrer finden, der mich zu den besten Spots in der Umgebung führt. Linh hatte mir einen guten Laden empfohlen, den ich morgen besuchen wollte. Ich spürte, dass Nha Trang mehr zu bieten hatte, als nur Strände und touristische Attraktionen. Ich war überzeugt, dass ich hier einige unvergessliche Abenteuer erleben würde. Irgendwo abseits der ausgetretenen Pfade, in den Bergen oder unter Wasser, wartete das wahre Vietnam auf mich. Das Abenteuer hatte begonnen, und ich war bereit, mich darauf einzulassen. Aber bevor es losging, brauchte ich einen Plan, und vor allem, ich brauchte die richtigen Leute, die mir die Gegend zeigen konnten.

Der Hon Chong Promontory und erste Kletterversuche

Am nächsten Morgen mietete ich einen Motorroller – Linh hatte recht, der Verkehr war *anders*. Es fühlte sich an, als würden die Regeln ständig neu geschrieben. Hupen waren nicht nur Warnsignale, sondern auch Begrüßungen, Ermutigungen und manchmal einfach nur Ausdruck von Existenz. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, war es eine Erfahrung für sich. Der Hon Chong Promontory lag etwas außerhalb des Stadtzentrums, eine zerklüftete Landzunge mit bizarren Felsformationen, die aus dem Meer ragten. Es war ein beliebter Ort für Einheimische, um zu picknicken und zu fotografieren, aber die Kletterspots waren eher versteckt. Ich fand ein paar Routen, die von anderen Kletterern markiert waren, aber sie waren nicht gut gesichert. Die Felsen waren brüchig und mit Algen bedeckt. Ich kletterte eine kurze, einfache Route, aber ich fühlte mich nicht wohl. Das Risiko war mir zu hoch. Ich beschloss, dass ich hier nicht lange bleiben würde. Stattdessen erkundete ich die Gegend um den Promontory. Ich entdeckte eine kleine Bucht mit kristallklarem Wasser und einem versteckten Strand. Dort saß ich eine Weile und beobachtete die Fischer, die ihre Boote vorbereiteten. Es war ein friedlicher Ort, weit weg vom Trubel der Stadt.

Der lokale Markt und ein kulinarisches Abenteuer

Am Nachmittag wagte ich mich in den Dam Markt, den größten Markt in Nha Trang. Es war ein Labyrinth aus Gängen und Ständen, voll mit Lebensmitteln, Kleidung, Souvenirs und allem dazwischen. Der Geruch von Gewürzen, Fisch und frischem Obst lag in der Luft. Es war überwältigend, aber auch faszinierend. Ich wollte unbedingt lokale Spezialitäten probieren. Ich entschied mich für ein kleines, unscheinbares Restaurant mitten im Markt. Die Speisekarte war nur auf Vietnamesisch, aber ich zeigte einfach auf ein Gericht, das mir gut aussah. Es stellte sich heraus, dass es eine Art Nudelsuppe mit Meeresfrüchten war. Sie war unglaublich lecker, aber auch unglaublich scharf. Ich schwitzte und hustete, aber ich konnte nicht aufhören zu essen. Danach probierte ich verschiedene Früchte, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Rambutan, Langsat, Durian – einige schmeckten süß und saftig, andere eher säuerlich und herb. Der Durian roch allerdings so intensiv, dass die anderen Marktbesucher mich misstrauisch anblickten.

Tauchen mit dem falschen Anbieter – eine Lektion

Linh hatte mir den "Nha Trang Scuba Diving Club" empfohlen, aber ich hatte mich von einem aufdringlichen Flyer am Strand verleiten lassen und bei einem anderen Anbieter gebucht – eine Entscheidung, die ich schnell bereuen sollte. Die Ausrüstung war abgenutzt, das Boot war überfüllt und der Tauchlehrer schien mehr an seinen Instagram-Followern als an der Sicherheit seiner Kunden interessiert zu sein. Der Tauchplatz war zwar schön, aber die Sicht war schlecht und der Tauchlehrer hetzte uns durch das Riff. Ich fühlte mich unwohl und unsicher. Ich beendete den Tauchgang vorzeitig und kehrte an Bord des Bootes zurück. Ich war enttäuscht und frustriert. Ich hatte mich von einem billigen Angebot locken lassen und dafür mit meiner Sicherheit bezahlt. Ich beschloss, am nächsten Tag den von Linh empfohlenen Tauchclub zu kontaktieren und einen Tauchgang mit erfahrenen Tauchlehrern zu buchen. Ich hatte gelernt, dass es sich lohnt, auf Qualität und Sicherheit zu achten, auch wenn es etwas teurer ist.

Ein erster Eindruck, der sich vertieft

Nha Trang war komplexer, als ich gedacht hatte. Es war nicht nur ein Strandurlaubsort, sondern eine Stadt mit einer reichen Geschichte, einer lebendigen Kultur und einer authentischen Lebensweise. Es war ein Ort, an dem ich mich herausgefordert und inspiriert fühlte, ein Ort, an dem ich neue Erfahrungen machte und neue Perspektiven gewann. Die ersten Tage hatten mir gezeigt, dass dieses Abenteuer noch lange nicht zu Ende war, und ich spürte, dass die wahren Highlights noch vor mir lagen.

Der Tag nach dem misslungenen Tauchgang begann mit einem Besuch beim „Nha Trang Scuba Diving Club“. Linh hatte Recht – hier stimmte alles. Die Ausrüstung war top in Schuss, die Tauchlehrer professionell und die Atmosphäre entspannt. Wir fuhren zu einem Riff namens „Hon Mun“, das als einer der besten Tauchplätze Vietnams gilt. Und es hielt, was es versprach. Bunte Korallen, Schwärme von Fischen, Schildkröten – ein Unterwasserparadies. Ich fühlte mich endlich sicher und konnte das Tauchen wirklich genießen.

Abseits der Touristenpfade

Ich wollte noch mehr von der authentischen Seite von Nha Trang entdecken. Ich mietete den Motorroller erneut und fuhr in die ländlichen Gegenden außerhalb der Stadt. Ich passierte Reisfelder, kleine Dörfer und Fischerdörfer. Ich hielt an einem lokalen Markt, wo ich exotische Früchte und Gewürze kaufte. Ich sprach mit den Einheimischen, die freundlich und neugierig waren. Es war ein völlig anderer Vietnam, als das, was ich bisher gesehen hatte.

Ich entdeckte einen versteckten Wasserfall, der sich in einem dichten Dschungel versteckte. Der Weg dorthin war steil und holprig, aber die Mühe hat sich gelohnt. Das Wasser war erfrischend kalt und das Ambiente atemberaubend. Ich schwamm im Becken und genoss die Stille und die Natur. Es war ein magischer Moment.

Kulinarische Entdeckungen und kleine Missgeschicke

Die vietnamesische Küche ist unglaublich vielfältig und lecker. Ich probierte verschiedene Gerichte, von Pho (Nudelsuppe) über Banh Mi (Sandwich) bis hin zu Ca Com (gegrillter Fisch). Ich besuchte lokale Restaurants und Streetfood-Stände. Ich lernte, mit Stäbchen zu essen und die verschiedenen Geschmacksrichtungen zu schätzen.

Einmal versuchte ich, Banh Xeo (vietnamesische Pfannkuchen) selbst zuzubereiten. Es war ein Fiasko. Die Pfannkuchen waren verbrannt und die Füllung klebte am Boden. Die Besitzerin des kleinen Restaurants lachte und half mir dabei, es besser zu machen. Es war eine lustige Erfahrung.

Ein Fazit und ein paar Tipps

Nha Trang ist eine Stadt, die viele Facetten hat. Es ist ein beliebter Badeort, aber auch ein Ort mit einer reichen Geschichte, einer lebendigen Kultur und einer authentischen Lebensweise. Ich habe hier viele unvergessliche Abenteuer erlebt, neue Freunde gefunden und meine Perspektive erweitert.

Wenn du auch nach Nha Trang reisen möchtest, hier ein paar Tipps:

  • Miete einen Motorroller, um die Umgebung zu erkunden. Aber sei vorsichtig im Verkehr!
  • Probiere das lokale Essen. Es ist unglaublich lecker und günstig.
  • Besuche die lokalen Märkte, um das authentische Vietnam kennenzulernen.
  • Buche deine Tauchgänge bei einem seriösen Anbieter. Sicherheit geht vor!
  • Sei offen für neue Erfahrungen und Begegnungen. Das macht das Reisen erst richtig spannend.

Ich werde Nha Trang in guter Erinnerung behalten. Es war ein Abenteuer, das ich so schnell nicht vergessen werde.

    👤 Weinliebhaber (50) der Weinregionen erkundet und Weinproben unternimmt ✍️ dokumentarisch und beobachtend