Afrika - Marokko - Essaouira

Blaue Häuser und Kamel-Frustration

Der Geruch von Minztee und irgendetwas undefinierbar Würzigem kitzelte in meiner Nase, während ich aus dem klimatisierten Taxi stieg. Essaouira, Marokko. Endlich. Ich hatte es mir im Winter erträumt, als draußen der Regen gegen die Fenster peitschte und ich in meinem perfekt beheizten Büro saß und mir Bilder von blauen Häusern und dem Atlantik ansah. Eine Auszeit. Eine dringend benötigte. Nicht von der Arbeit, versteht sich, die läuft ja bestens, sondern vom ganzen… Leben. Die Enkel sind zwar reizend, aber ein Wochenende mit "In den Wäldern" singen und Knete formen kann einen Mann altern lassen, das sage ich euch. Und meine Frau, liebe Gudrun, ist überzeugt davon, dass ich dringend „mehr Natur“ brauche. Sie hat den Essaouira-Trip indirekt finanziert, indem sie mir eine besonders luxuriöse Wanderausrüstung geschenkt hat. Die steht jetzt unberührt im Keller.

Ankunft im Chaos – oder: Wie ich versuchte, meine Würde zu bewahren

Der Flughafen, nun ja, „Flughafen“ ist vielleicht etwas übertrieben. Eher ein charmantes Sammelsurium von Menschen, Gepäck und getöteten Fliegen. Ein paar freundliche Helfer stürzten sich auf meine Koffer, die ich, versteht sich, von einem Privatfahrer direkt zum Flugzeug bringen lassen hatte. Man muss Prioritäten setzen. Ich versuchte, den freundlichen Gesten zu folgen, ohne dabei in einen Haufen Koffer oder unter die Füße einer neugierigen Ziegenherde zu geraten. Die Luft war erfüllt von einem ohrenbetäubenden Lärm – Hupen, Gebrüll, irgendjemand spielte auf einer Dudelsack-artigen Pfeife und eine Gruppe von Touristen versuchte, einen Kamelreiter zu überreden, ein Selfie mit ihnen zu machen. Ein Kamel, mitten in der Stadt. Marokko ist schon speziell.

Das Hotel – ein sicherer Hafen

Zum Glück hatte ich ein Hotel gefunden, das nicht gerade an den lokalen Markt grenzte. Das „Riad Dar Maya“ war eine Oase der Ruhe und des guten Geschmacks. Ein verstecktes Juwel inmitten der Medina. Hohe Mauern, ein kleiner Innenhof mit einem winzigen Pool, der vermutlich eher zur Dekoration diente, und ein Personal, das einem jeden Wunsch von den Augen ablesen konnte. Ich hatte eine Suite gebucht, versteht sich. Mit Meerblick. Und einer Badewanne, groß genug, um darin eine kleine Segelyacht zu parken.

Der Manager, ein freundlicher Mann namens Omar, begrüßte mich mit einem Glas frisch gepresstem Orangensaft und einer Flasche stilles Wasser. "Willkommen in Essaouira, Monsieur Dubois. Ich hoffe, Sie werden Ihren Aufenthalt genießen."

Ich lächelte. "Ich bin sicher, das werde ich."

Hintergrundgeschichte – warum eigentlich Essaouira?

Die Wahl fiel auf Essaouira nicht ganz zufällig. Ich hatte vor Jahren in einem Reiseführer einen Artikel über die Stadt gelesen. Etwas über die alten portugiesischen Befestigungsanlagen, die sich malerisch auf einem Felsen erheben. Über die Surfer, die die Wellen bezwingen. Über die Künstler, die in den verwinkelten Gassen ihre Werke verkaufen. Und natürlich über das Essen. Die marokkanische Küche ist ja legendär. Ich liebe guten Fisch, und ich hatte gehört, dass man in Essaouira den frischesten Fisch der Welt bekommt. Außerdem hatte ich mir eingebildet, dass die Stadt irgendwie… authentisch ist. Weniger überlaufen als Marrakesch, weniger von Touristen verdorben. Ein Ort, an dem man noch das echte Marokko erleben kann.

Die Suche nach Entspannung – oder: Die Kunst des Nichtstuns

Mein Plan war einfach: Entspannen. Mich treiben lassen. Mich von den kleinen Dingen des Lebens überraschen lassen. Kein Business, keine Termine, keine Anrufe. Einfach nur die Sonne genießen, guten Wein trinken und leckeres Essen essen. Ich hatte mir fest vorgenommen, nicht in irgendeinen Souvenir-Laden zu gehen. Ich habe schon genug Staubfänger zu Hause. Und ich wollte mich definitiv nicht an einer Kamel-Safari beteiligen. Ich bin schließlich kein Abenteurer, sondern ein Luxusreisender.

Nach dem kurzen Check-in und einem ersten, köstlichen Mittagessen mit gegrilltem Schwertfisch und einem Glas Roséwein am Pool, beschloss ich, mich auf eine Erkundungstour zu begeben. Ich wollte die Medina sehen, die alten Befestigungsanlagen, den Hafen. Ich wollte das Leben der Menschen beobachten, die hier leben. Und ich wollte vielleicht, ganz vielleicht, ein kleines, verstecktes Restaurant entdecken, in dem man den besten Fisch der Stadt bekommt. Ein erster Spaziergang durch die Gassen deutete an, dass das hier durchaus möglich sein könnte – und dass ich in den kommenden Tagen mehr als genug Gelegenheit haben würde, die marokkanische Gastfreundschaft und die Aromen dieses faszinierenden Landes zu genießen.

Die Medina – ein Labyrinth der Sinne

Die Medina war, gelinde gesagt, überwältigend. Ein dichtes Netzwerk von Gassen, so eng, dass man manchmal das Gefühl hatte, gleich an den Häuserwänden zu kleben. Überall Händler, die ihre Waren anpriesen, Handwerker, die in ihren Werkstätten arbeiteten, Kinder, die Fußball spielten und Katzen, die sich in der Sonne aalten. Und der Geruch! Eine Mischung aus Gewürzen, Leder, frischem Fisch und irgendetwas undefinierbar Süßem. Ich versuchte, mich zu orientieren, aber es war zwecklos. Ich verirrte mich sofort.

Zum Glück hatte ich meinen kleinen Reiseführer dabei. Aber selbst der konnte mir nicht helfen, den Überblick zu behalten. Ich bog in eine Gasse nach der anderen ab, immer tiefer in das Labyrinth hinein. Nach einer Weile hatte ich keine Ahnung mehr, wo ich war. Ich fragte einen Händler nach dem Weg, aber er sprach nur Arabisch und Französisch. Mein Schulfranzösisch war leider etwas eingerostet. Ich versuchte es trotzdem, aber er schaute mich nur verwirrt an. Schließlich winkte er einen Jungen herbei, der ein paar Brocken Englisch sprach. Der Junge führte mich dann aus dem Labyrinth heraus, gegen ein kleines Trinkgeld versteht sich. Man muss die lokale Wirtschaft unterstützen.

Der Hafen – ein Schauspiel der Farben

Der Hafen war ein völlig anderes Bild. Weitläufig, offen und voller Leben. Überall Fischerboote in allen Farben und Größen. Fischer, die ihre Netze flickten, ihre Fänge sortierten und ihre Waren an die Händler verkauften. Und der Geruch! Ein intensiver Geruch von Salz, Fisch und Meer. Ich setzte mich in ein kleines Café direkt am Hafen und bestellte einen frisch gepressten Orangensaft. Ich beobachtete das Treiben um mich herum und genoss die Atmosphäre. Das war genau das, was ich gesucht hatte.

Ich entdeckte einen kleinen Stand, an dem frischen Fisch gegrillt wurde. Der Fisch sah so gut aus, dass ich ihn einfach probieren musste. Ich bestellte einen Thunfisch und war begeistert. Der Fisch war unglaublich lecker, saftig und zart. Und das alles für einen Spottpreis. Ich aß den Fisch direkt am Hafen, mit Blick auf das Meer. Ein unvergessliches Erlebnis.

Ein kleiner Fauxpas im Souk

Ich hatte mir geschworen, keine Souvenir-Läden zu betreten. Aber dann stolperte ich in einen kleinen Souk, in dem es Handwerkskunst aller Art gab. Ich sah wunderschöne Teppiche, filigrane Schmuckstücke, bunte Keramiken und handgeschnitzte Holzfiguren. Ich konnte einfach nicht widerstehen. Ich kaufte eine kleine Holzschale, die ich meiner Frau schenken wollte. Der Händler versuchte, mir noch ein paar andere Dinge zu verkaufen, aber ich lehnte höflich ab.

Als ich bezahlen wollte, stellte ich fest, dass ich kein Bargeld dabei hatte. Ich hatte nur meine Kreditkarte. Der Händler schaute mich enttäuscht an. Kreditkarten wurden hier offenbar nicht akzeptiert. Ich versuchte, ihm das zu erklären, aber er verstand kein Wort Englisch. Zum Glück konnte ein anderer Händler, der Englisch sprach, vermitteln. Ich konnte ihm schließlich eine kleine Summe in Euro geben, die er dann in Dirham umtauschen konnte. Eine peinliche Situation, aber am Ende ging alles gut.

Der Skala de la Kasbah – eine Festung mit Geschichte

Die Skala de la Kasbah, die alte portugiesische Festung, war beeindruckend. Hohe Mauern, dicke Kanonen und ein atemberaubender Blick auf den Atlantik. Ich wanderte über die Zinnen und stellte mir vor, wie die Festung früher aussah, als sie noch zur Verteidigung der Stadt diente. Der Wind peitschte mir ins Gesicht, und die Möwen kreischten über mir. Ein magischer Ort.

Ich entdeckte einen kleinen Raum, in dem alte Waffen und Rüstungen ausgestellt waren. Ich betrachtete die Waffen mit Interesse und stellte mir vor, wie sie im Kampf eingesetzt wurden. Ich bin kein Experte für Waffen, aber ich konnte mir vorstellen, dass sie gefährlich waren.

Nach dem Besuch der Festung fühlte ich mich erschöpft, aber glücklich. Ich hatte viel gesehen und erlebt, und ich hatte das Gefühl, die Stadt ein bisschen besser kennengelernt zu haben. Während ich zurück zu meinem Riad spazierte, fragte ich mich, was der nächste Tag bringen würde, wohl wissend, dass Essaouira mich noch mit einigen Überraschungen aufwarten würde, bevor meine Reise zu Ende ging.

Ich saß auf der Terrasse meines Riads, nippte an einem Minztee und blickte auf den Atlantik. Die Sonne ging langsam unter, und der Himmel färbte sich in den schönsten Farben. Es war friedlich, entspannend und genau das, was ich brauchte. Und dann kam Omar, der Manager, mit einer weiteren Schüssel Datteln. „Für Sie, Monsieur Dubois. Als kleines Geschenk.“ Ich lächelte dankbar. Ich hatte ihm großzügig Trinkgeld gegeben, und er schien meine Vorliebe für Süßigkeiten zu verstehen. Ich fragte mich, wann er wohl anfangen würde, mir persönlich die Datteln zu schälen.

Die kulinarische Entdeckungstour

Abgesehen von den Datteln, die fast schon eine eigene Mahlzeit darstellten, hatte ich mich natürlich auch dem lokalen Essen verschrieben. Ich hatte in einem kleinen Restaurant in der Medina einen fantastischen Fisch gegessen, der frisch vom Grill kam. So frisch, dass ich fast den Eindruck hatte, der Fisch habe noch gelebt, als er auf meinen Teller kam. Und die Gewürze! Eine Explosion im Mund. Ich hatte versucht, das Rezept zu erfragen, aber der Koch schaute mich nur verwirrt an und murmelte etwas auf Arabisch. Ich vermutete, das Rezept sei ein Familiengeheimnis, das streng gehütet wurde. Oder er verstand einfach kein Deutsch.

Die Kamel-Frustration – Teil 2

Ich hatte eigentlich fest geschworen, keine Kamel-Safari zu machen. Aber dann wurde ich von einem hartnäckigen Kamelreiter abgefangen, der mir versicherte, dass seine Kamele besonders gut erzogen seien. Und dass er mir den besten Preis machen würde. Ich gab nach. Nur, weil ich dachte, es wäre eine lustige Anekdote für Gudrun. Es war alles andere als lustig. Das Kamel hatte eine Vorliebe für meine teure Sonnenbrille, und ich hatte Mühe, mich festzuhalten. Ich schwöre, das Kamel hat mich gezielt durch die tiefsten Pfützen geführt. Ich bin mit durchnässter Kleidung und einem schmerzenden Gesäß zurück im Riad angekommen. Ich brauchte dringend ein Bad.

Fazit: Essaouira – eine Stadt mit Ecken und Kanten

Essaouira ist nicht perfekt. Es ist chaotisch, laut und manchmal auch ein bisschen dreckig. Aber genau das macht die Stadt so besonders. Es ist authentisch, lebendig und voller Überraschungen. Ich habe hier nicht nur die Sonne, den Strand und das Essen genossen, sondern auch die Menschen kennengelernt. Die freundlichen Händler, die hartnäckigen Kamelreiter und der großzügige Omar, der mir ständig Datteln vorsetzte. Ich habe gelernt, mich zu entspannen, das Leben zu genießen und mich von den kleinen Dingen überraschen zu lassen. Und ich habe gelernt, dass man nicht alles kontrollieren kann. Zum Beispiel das Verhalten eines Kamels.

Meine Empfehlungen für Ihren Essaouira-Aufenthalt

  • Besuchen Sie den Fischmarkt: Frischer Fisch geht nicht. Beobachten Sie das Treiben und lassen Sie sich von den Aromen verzaubern.
  • Schlendern Sie durch die Medina: Verlieren Sie sich in den Gassen, entdecken Sie kleine Geschäfte und genießen Sie die Atmosphäre. Aber Vorsicht vor den Kamelreitern!
  • Entspannen Sie am Strand: Der Strand ist ideal zum Sonnenbaden, Spazierengehen und Surfen. Aber achten Sie auf den Wind!

Ich werde Essaouira nicht vergessen. Es ist eine Stadt, die mich berührt hat. Und ich bin sicher, dass ich eines Tages wiederkommen werde. Vielleicht mit einer neuen Sonnenbrille und einem besseren Verständnis für das Verhalten von Kamelen.

    • Fischmarkt
    • Strand von Essaouira
    • Atelier-Besuch (zahlreiche kleine Galerien in der Medina)
    • Medina von Essaouira
👤 Luxusreisende (50) die exklusive Hotels und Gourmetrestaurants bevorzugt ✍️ humorvoll und ironisch