Afrika - Mauritius - Port Louis

Ein Hauch von Zuckerrohr und Salz

Die Luft roch nach Zuckerrohr und Salz, eine ungewöhnliche, aber irgendwie beruhigende Mischung. Ich stand am Flughafen von Port Louis, die Hitze schlug mir wie eine sanfte Welle entgegen. Nach all den Jahren, in denen ich durch die Weinregionen Europas gereist war, hatte mich die Neugier nach anderen Teilen der Welt gepackt. Ein Freund, ein alter Reiselustiger, hatte mir von Mauritius erzählt, von den vulkanischen Hügeln, den üppigen Gärten und – was mich besonders neugierig machte – dem Versuch, Wein in dieser tropischen Umgebung anzubauen.

Eine Reise der Neugier

Ich bin kein Abenteurer im klassischen Sinne, eher ein Beobachter. Ich liebe es, die Seele eines Ortes zu spüren, nicht durch laute Touristenattraktionen, sondern durch die kleinen, unscheinbaren Momente. Und natürlich, durch den Wein. Die Idee, einen Wein zu probieren, der unter der Sonne des Indischen Ozeans gewachsen ist, klang einfach zu verlockend. Ich hatte schon so viele Reben gesehen, an den Hängen des Rheins, in den sonnigen Weinbergen der Toskana, an den steilen Hängen des Douro-Tals. Mauritius schien mir ein ganz anderer Planet, eine Herausforderung für meine Vorstellungskraft.

Der Duft der Ferne

Die Taxifahrt in die Stadt war ein Fest für die Sinne. Bunte Häuser säumten die Straßen, die mit Bougainvillea überwuchert waren. Überall waren Menschen unterwegs, lächelnd, plaudernd, lebendig. Ich roch exotische Gewürze, frisch gebackenes Brot, und diesen süßlichen Duft von Zuckerrohr, der sich wie ein roter Faden durch die Luft zog. Es war anders als alles, was ich bisher erlebt hatte, weniger hektisch, weniger perfekt, irgendwie ehrlicher.

Ich bin 50 Jahre alt, und ich habe einen Großteil meines Lebens damit verbracht, Wein zu verkosten und über ihn zu schreiben. Ich habe versucht, die Seele des Weins zu verstehen, die Geschichte, die in jeder Flasche steckt. Und ich habe gelernt, dass der Wein nicht nur ein Getränk ist, sondern ein Spiegelbild der Landschaft, des Klimas und der Menschen, die ihn gemacht haben.

Eine lange Reise

Die Idee zu dieser Reise hatte sich schon lange in meinem Kopf herumgetan. Es begann mit einem Artikel über Weinbau in tropischen Regionen, dann folgte ein Gespräch mit meinem Freund, und schließlich der Entschluss: Ich brauche eine Veränderung. Ich brauche einen neuen Horizont. Ich brauche Mauritius.

Ich hatte mir vorgenommen, nicht nur Wein zu probieren, sondern auch die Geschichte dieser Insel zu erkunden, die Menschen kennenzulernen und die Kultur zu verstehen. Ich wollte die vulkanischen Hänge erklimmen, die Teeplantagen besuchen und die farbenprächtigen Korallenriffe untertauchen. Ich wollte mich treiben lassen, mich überraschen lassen, mich von diesem fremden Land verzaubern lassen.

Der erste Eindruck

Port Louis wirkte auf mich wie eine Mischung aus afrikanischer und indischer Kultur, mit einem Hauch von Europa. Die Architektur war vielfältig, die Straßen belebt, die Atmosphäre lebendig. Ich checkte in mein kleines Hotel ein, ein charmantes, koloniales Gebäude mit einem blühenden Garten. Von meinem Balkon aus hatte ich einen Blick auf den Hafen, wo bunte Fischerboote vor Anker lagen.

Die ersten Stunden verbrachte ich damit, durch die Stadt zu schlendern, die Märkte zu erkunden und die lokalen Spezialitäten zu probieren. Ich aß Curry mit exotischen Gewürzen, trank frischen Saft aus tropischen Früchten und ließ mich von der Freundlichkeit der Menschen berühren. Es war, als ob ich in eine andere Welt eingetaucht wäre, eine Welt voller Farben, Düfte und Klänge.

Ich spürte, dass diese Reise mehr sein würde als nur eine Weinprobe. Es war eine Suche nach neuen Erfahrungen, nach neuen Eindrücken, nach neuen Perspektiven. Und ich wusste, dass ich in den kommenden Tagen viel lernen würde, nicht nur über Wein, sondern auch über das Leben selbst. Die ersten Eindrücke von Port Louis hatten meinen Appetit geweckt, und ich war gespannt darauf, was die kommenden Tage bringen würden, insbesondere die Erkundung der Weinbauregionen, die in den Hügeln verborgen lagen.

Auf den Spuren des mauritianischen Weins

Am nächsten Morgen startete ich meine Suche nach den Weinbergen. Ich hatte im Internet recherchiert und den Namen einer kleinen Domaine gefunden, „Domaine du Château“, die angeblich auf einer Anhöhe im Südwesten der Insel lag. Die Fahrt dorthin war ein Abenteuer für sich. Die Straßen wurden immer enger und kurviger, die Landschaft immer grüner und üppiger. Ich passierte kleine Dörfer, wo die Zeit stehen geblieben zu sein schien, und sah Menschen, die ihr Leben in Einklang mit der Natur lebten.

Die Überraschung in Chamarel

Auf dem Weg dorthin führte mich der Taxifahrer jedoch in ein verstecktes Juwel: Chamarel. Ich hatte von den farbigen Sanddünen gehört, aber die Realität übertraf meine Erwartungen. Rot, ocker, violett – die Farben waren einfach unglaublich. Es wirkte wie ein Gemälde, geschaffen von einem verrückten Künstler. Und dann entdeckte ich die Rhumerie de Chamarel, eine Rumdestillerie, die auch Wein anbaute. Eine unerwartete, aber willkommene Überraschung!

Der Besitzer, ein freundlicher Mann namens Philippe, führte mich durch die Weinberge. Es waren keine endlosen Reihen wie in Europa, sondern kleine Parzellen, die zwischen Zuckerrohrfeldern und tropischen Bäumen angeordnet waren. „Das Klima ist eine Herausforderung“, erklärte er. „Wir müssen unsere Reben sorgfältig auswählen und pflegen, um einen guten Wein zu erhalten.“ Er zeigte mir die Sorten, hauptsächlich französische Reben, die er importiert hatte, darunter Merlot, Cabernet Sauvignon und Chardonnay.

Der Gaumen tanzt

Die Weinprobe war ein Erlebnis. Der mauritianische Wein war anders, exotischer, als das, was ich gewohnt war. Er hatte eine fruchtige Note, einen Hauch von Gewürzen und eine erfrischende Säure. Ich probierte einen Rosé, der perfekt zu den warmen Temperaturen passte, und einen Rotwein, der überraschend komplex war. Es war kein Wein, der mit einem Bordeaux oder einem Barolo konkurrieren konnte, aber er hatte seinen eigenen Charakter, seine eigene Seele. Und ich war beeindruckt.

Später an diesem Tag erkundete ich Port Louis selbst genauer, abseits der touristischen Pfade. Ich verlor mich in den engen Gassen von Chinatown, wo der Duft von Räucherstäbchen und exotischen Gewürzen in der Luft lag. Ich besuchte den Central Market, ein lebhaftes Sammelsurium von Farben, Gerüchen und Klängen. Hier konnte ich die authentische Küche der Insel erleben, probierte lokale Delikatessen und unterhielt mich mit den freundlichen Händlern.

Ein kleiner Stolperstein

Allerdings gab es auch kleine Pannen. Einmal wollte ich mit dem Bus zu einer abgelegenen Teeplantage fahren, aber ich stieg an der falschen Haltestelle aus und landete in einem völlig unbekannten Viertel. Ich sprach zwar ein wenig Französisch, aber mein Akzent war offenbar so schlecht, dass mich niemand verstand. Zum Glück fand sich ein freundlicher junger Mann, der mir den Weg erklärte und mir sogar anbot, mich ein Stück mitzunehmen. Solche kleinen Zwischenfälle gehörten aber für mich zum Reisen dazu – sie machten die Reise erst richtig lebendig.

Die Tage vergingen wie im Flug, und ich begann, die Insel und ihre Menschen zu lieben. Ich entdeckte versteckte Strände, wanderte durch üppige Wälder und genoss die Gastfreundschaft der Einheimischen. Ich lernte, dass Mauritius mehr ist als nur ein tropisches Paradies – es ist ein Ort mit einer reichen Kultur, einer bewegten Geschichte und einer einzigartigen Seele.

Die Erkenntnis, dass Wein nicht nur aus traditionellen Regionen stammen kann, sondern auch an den unerwartetsten Orten gedeihen kann, schwebte in der Luft, während ich mich auf die letzte Etappe meiner Reise vorbereitete, mit dem Wissen, dass diese Insel ein Kapitel in meiner Weingeschichte geschrieben hatte.

Die letzten Tage auf Mauritius vergingen wie im Flug, ein sanfter Abschied von einer Insel, die mein Herz erobert hatte. Ich verbrachte viel Zeit damit, einfach nur zu sitzen, den Blick auf das tiefblaue Meer zu richten und die Stille zu genießen. Es war eine Art, mich zu verabschieden, die Wärme und die Schönheit dieser Insel in mir aufzunehmen.

Reflexionen am Strand

Ich erkannte, dass diese Reise mehr war als nur eine Suche nach gutem Wein. Es war eine Suche nach Authentizität, nach einem langsameren Rhythmus des Lebens, nach einer tieferen Verbindung zur Natur. Ich hatte gelernt, dass Glück nicht in materiellen Dingen liegt, sondern in den kleinen Momenten, in den Begegnungen mit freundlichen Menschen, in der Schönheit der Landschaft.

Der mauritianische Wein – eine Überraschung

Der Wein, den ich auf Mauritius probiert hatte, war kein Vergleich zu den edlen Tropfen aus Europa. Aber er hatte etwas Besonderes, eine gewisse Wildheit, einen Hauch von Exotik, der ihn einzigartig machte. Er war ein Spiegelbild der Insel, ihrer Vielfalt und ihrer Schönheit. Ich hatte gelernt, dass guter Wein nicht nur aus bestimmten Regionen kommen kann, sondern überall dort, wo Menschen mit Leidenschaft und Hingabe arbeiten.

Chamarel – ein Farbenspiel

Besonders in Erinnerung blieb mir der Besuch von Chamarel, mit seinen farbigen Sanddünen und der Rhumerie. Es war ein Ort, der die Sinne betörte, ein Fest für die Augen und den Gaumen. Die Kombination aus den leuchtenden Farben der Dünen und dem Duft von Rum und Zuckerrohr war einfach unvergesslich. Ich hatte das Gefühl, in eine andere Welt eingetaucht zu sein, eine Welt voller Magie und Fantasie.

Ein paar Tipps für die Reise

Wenn du selbst nach Mauritius reisen möchtest, habe ich ein paar Tipps für dich. Erstens: Nimm dir Zeit, um die Insel zu erkunden, abseits der touristischen Pfade. Miete ein Auto oder nimm den Bus und fahre durch die kleinen Dörfer, entdecke versteckte Strände und genieße die Landschaft. Zweitens: Probiere die lokale Küche, sie ist eine Mischung aus afrikanischen, indischen und europäischen Einflüssen und bietet eine Vielzahl von Aromen und Geschmäckern. Und drittens: Sei offen für neue Erfahrungen und lass dich von der Freundlichkeit der Menschen verzaubern.

Ein letzter Blick

Als ich am Flughafen saß und auf meinen Flug wartete, warf ich einen letzten Blick auf die Insel. Die Sonne ging gerade unter, und der Himmel leuchtete in allen Farben. Ich wusste, dass ich Mauritius nie vergessen würde, dass ein Teil meines Herzens für immer auf dieser Insel zurückbleiben würde. Es war eine Reise, die mich verändert hatte, die mir gezeigt hatte, dass das Glück oft in den kleinen Dingen liegt und dass das Leben voller Überraschungen steckt.

    • Chamarel – Die farbigen Sanddünen
    • Port Louis – Die lebhafte Hauptstadt
👤 Weinliebhaber (50) der Weinregionen erkundet und Weinproben unternimmt ✍️ romantisch und verträumt