Afrika - Marokko - Fès

Reisebericht Afrika - Marokko - Fès

Der Geruch von Minztee und Gewürzen hing schon in der Luft, als wir aus dem Flughafen Fès-Saïs traten. Nicht dieser aufdringliche, künstliche Duft, den man manchmal in touristischen Gegenden riecht, sondern ein warmes, echtes Aroma, das sofort ein Gefühl von Andersartigkeit vermittelte. Leo, unser kleiner Mann, knapp neun Monate alt, fand die vielen neuen Eindrücke offenbar auch überwältigend. Er quiekte kurz und krallte sich fester an Mamas Schulter.

Die Idee und die Vorbereitung

Wir hatten lange überlegt, wohin es gehen sollte. Mit Baby ist Urlaub natürlich nochmal eine ganz andere Nummer. Wir wollten etwas Neues, etwas Authentisches, aber eben auch etwas, wo wir nicht ständig Angst haben müssen, dass Leo sich etwas einfängt. Die Kanaren, der Mittelmeerraum – alles schon so oft gemacht. Marokko kam ins Gespräch, weil es kulturell so viel zu bieten hat und gleichzeitig relativ gut erreichbar ist. Fès schien uns ein guter Kompromiss: Eine alte Königsstadt, lebendig, aber nicht so überlaufen wie Marrakesch. Die Vorbereitung war intensiver als bei unseren früheren Reisen. Impfungen checken, das richtige Essen für Leo recherchieren, einen guten Kinderwagen finden, der auch auf Kopfsteinpflaster und unebenem Gelände funktioniert. Und natürlich die Frage: Wie viel ist zu viel? Wir wollten nicht mit Koffern vollgestopft anreisen, aber Leo braucht trotzdem eine ganze Menge Zeug.

Erster Kontakt mit der Medina

Die Fahrt vom Flughafen in die Medina war schon ein Erlebnis für sich. Überall wussten die Taxifahrer genau, wie sie uns abzocken können, aber wir hatten uns vorbereitet und den Preis vorher verhandelt. Die Straßen wurden immer enger, die Häuser höher und bunter. Mopeds huschten an uns vorbei, Esel mit schweren Lasten trabten gemächlich dahin, und überall waren Menschen unterwegs. Ein totales Chaos, aber ein organisiertes Chaos. Als wir endlich vor unserem Riad, einem traditionellen marokkanischen Haus mit Innenhof, standen, waren wir erstmal überwältigt. Die Tür war unscheinbar, aber dahinter verbarg sich eine kleine Oase der Ruhe. Ein freundlicher Mann begrüßte uns und half uns mit unserem Gepäck. Der Innenhof war mit Pflanzen und bunten Kacheln geschmückt, ein kleiner Brunnen plätscherte leise vor sich hin. Leo war sofort begeistert und krabbelte los, um alles zu erkunden.

Die ersten Schritte

Unser Riad lag mitten in der Medina, also im Herzen der Altstadt. Die Gassen waren schmal und verwinkelt, manchmal kaum breit genug für einen Menschen. Es war ein Labyrinth aus Ständen, Werkstätten und Wohnungen. Überall roch es nach Gewürzen, Leder und frischem Brot. Die ersten Tage waren etwas anstrengend, ehrlich gesagt. Die Medina ist laut und hektisch, und man muss sich ständig auf seine Umgebung achten. Leo war zwar fasziniert von all den neuen Eindrücken, aber er wurde auch schnell müde und überreizt. Wir mussten immer wieder Pausen einlegen und uns einen ruhigen Ort suchen, wo er schlafen konnte. Ich erinnere mich an einen Moment, als wir an einem kleinen Stand vorbeikamen, wo eine alte Frau gerade Hühner rupfte. Leo starrte sie fasziniert an, und sie lächelte ihn an und gab ihm ein Stück frisches Brot. Es war ein einfacher Moment, aber er hat uns gezeigt, dass die Menschen hier sehr offen und freundlich sind. Wir haben uns schnell daran gewöhnt, uns in der Medina zu bewegen. Wir haben gelernt, die vielen kleinen Gassen zu nutzen, um den Menschenmassen auszuweichen, und wir haben uns einen Überblick über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten verschafft. Wir haben die Gerbereien besucht, die Medressen (islamische Schulen) besichtigt und uns in den Souks (Märkten) treiben lassen. Es war aber auch herausfordernd. Wir mussten ständig auf Leo aufpassen, dass er nicht in etwas hineinfasst oder sich verletzt. Und es war nicht immer einfach, ein sauberes Restaurant oder eine Wickelmöglichkeit zu finden. Aber wir haben es trotzdem geschafft, die Stadt zu genießen. Wir haben gelernt, dass Marokko mehr zu bieten hat als nur exotische Landschaften und bunte Märkte. Es ist ein Land mit einer reichen Kultur, einer faszinierenden Geschichte und vor allem mit unglaublich freundlichen Menschen. Und wir haben gelernt, dass man auch mit kleinem Baby einen unvergesslichen Urlaub erleben kann. Jetzt, nach den ersten Tagen, waren wir bereit, tiefer in das Leben der Stadt einzutauchen, uns treiben zu lassen und die authentische Seite von Fès kennenzulernen.

Die Chouara-Gärten und ein missglückter Mittagsschlaf

Nach ein paar Tagen des Erkundens der engeren Medina wollten wir etwas mehr Ruhe und Grün. Wir hatten von den Chouara-Gärten gelesen, einer Art verstecktem Park am Rande der Altstadt. Der Weg dorthin führte uns durch ein ganz anderes Viertel, abseits der Touristenströme. Hier lebten die Menschen ihren Alltag, spielten Karten in den Gassen, reparierten Motorräder und kochten auf offenen Feuerstellen. Es war unglaublich authentisch und wir fühlten uns sofort wohl. Die Gärten selbst waren eine kleine Oase. Palmen, Zypressen, duftende Rosen – ein Paradies für Leo, der sich sofort auf den Rasen stürzte und versuchte, alles zu erkunden. Wir setzten uns auf eine Bank und beobachteten die Einheimischen, die hier ihre Mittagspause verbrachten. Ein älterer Mann spielte Oud, ein traditionelles arabisches Instrument, und die Melodie schwebte durch die Luft. Es war einfach wunderschön. Leider erwies sich der Garten auch als schwieriger Ort für Leos Mittagsschlaf. Er war zu aufgeregt, zu fasziniert von all den neuen Eindrücken. Wir versuchten es mit dem Kinderwagen, mit Tragen, mit Singen – nichts half. Er quiekte und zappelte und wollte einfach nur spielen. Am Ende mussten wir aufgeben und zurück zum Riad gehen, wo er dann endlich in seinen vertrauten Schlafzimmern einschlief.

Ein Tee bei Fatima und die Kunst des Geschichtenerzählens

Ein paar Tage später erkundeten wir die Gegend um die Karaouine-Universität. Hier gab es viele kleine Werkstätten, in denen Handwerker ihre Waren herstellten. Wir gerieten in eine Gasse, in der eine ältere Frau vor ihrem Haus saß und Minztee zubereitete. Sie lächelte uns an und bot uns an, mit ihr zu trinken. Ihr Name war Fatima und sie erzählte uns viele Geschichten über Fès und die Menschen hier. Sie sprach zwar kein Englisch, aber mit Händen und Füßen und ein paar Brocken Französisch verstanden wir einiges. Sie erzählte uns von ihrer Familie, von ihren Enkeln, von den Traditionen ihrer Vorfahren. Sie schenkte Leo einen kleinen Holzlöffel und streichelte ihm übers Haar. Es war ein magischer Moment, ein Beweis dafür, dass man auch ohne gemeinsame Sprache eine Verbindung zu anderen Menschen aufbauen kann. Wir saßen dort fast eine Stunde und genossen den Tee und die Gesellschaft von Fatima. Es war eine Erfahrung, die uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Das Babbouche-Viertel und Leos neuer Hut

Ein weiteres Highlight war unser Besuch im Babbouche-Viertel, wo die traditionellen marokkanischen Lederschuhe hergestellt werden. Überall hingen bunte Schuhe in den Gassen, und der Duft von Leder lag in der Luft. Leo war begeistert von all den Farben und Formen und wollte unbedingt einen Schuh anprobieren. Wir fanden einen kleinen Laden, in dem ein freundlicher Mann handgefertigte Babouches verkaufte. Er schenkte Leo einen kleinen blauen Babouche, der ihm perfekt passte. Leo trug den Hut den Rest des Tages und lachte jedes Mal, wenn er sich im Spiegel sah. Es war ein lustiges und süßes Erlebnis. Die Gassen des Babbouche-Viertels waren eng und verwinkelt, aber voller Leben. Wir sahen Handwerker bei der Arbeit, Frauen, die Wolle färbten, und Kinder, die spielten. Es war ein authentischer Einblick in das Leben der Menschen in Fès.

Mit jedem Tag verliebten wir uns ein bisschen mehr in diese faszinierende Stadt und stellten fest, dass Marokko ein unglaubliches Reiseziel für Familien sein kann, und während wir unsere Koffer packten, war uns klar, dass dies nicht unser letzter Besuch sein würde.

Der letzte Morgen in Fès war ruhig. Leo, unser kleiner Entdecker, lag noch im Bettchen und brummelte vor sich hin. Draußen begann der Tag langsam zu erwachen, die ersten Rufe der Händler drangen durch die dicken Mauern unseres Riads. Wir saßen im Innenhof, tranken unseren letzten Minztee und ließen die letzten Tage Revue passieren.

Es war anders, als wir erwartet hatten, anstrengender, aber auch unglaublich bereichernder. Mit Baby reist man natürlich langsamer, man muss flexibler sein, aber man nimmt auch ganz andere Dinge wahr. Die kleinen Momente, die Begegnungen mit den Menschen, die Wärme und Gastfreundschaft, die uns überall entgegenschlugen.

Was Fès kinderfreundlich macht

Fès ist nicht unbedingt der typische „All Inclusive“-Urlaubsort. Es gibt keine großen Kinderparks oder Spielplätze. Aber gerade das macht es so besonders. Die Stadt ist lebendig, authentisch und voller Möglichkeiten, die Welt mit Kinderaugen zu entdecken. Leo hat es geliebt, durch die engen Gassen zu krabbeln, die bunten Babouches anzufassen und die Geräusche und Gerüche der Medina aufzunehmen.

Natürlich ist es wichtig, sich gut vorzubereiten. Ein guter Kinderwagen, der auch auf unebenem Gelände funktioniert, ist ein Muss. Und man sollte sich bewusst sein, dass es nicht immer einfach ist, ein sauberes Restaurant oder eine Wickelmöglichkeit zu finden. Aber mit etwas Planung und Flexibilität kann man einen unvergesslichen Urlaub in Fès mit Baby verbringen.

Ein paar Tipps für Eltern

Wir haben festgestellt, dass es hilfreich ist, sich nicht zu viel vorzunehmen. Lieber ein paar Gassen erkunden, als zu versuchen, alle Sehenswürdigkeiten an einem Tag abzuklappern. Und man sollte sich Zeit nehmen, um einfach nur zu sitzen und das Leben zu beobachten. Leo hat es geliebt, im Innenhof unseres Riads zu spielen, während wir unseren Tee tranken.

Außerdem haben wir gelernt, dass die Menschen in Fès sehr kinderfreundlich sind. Sie lächeln Leo an, geben ihm kleine Geschenke und sind immer bereit, uns zu helfen. Wir haben uns von Anfang an wohl und sicher gefühlt.

Unser Lieblingsort: Die Chouara-Gärten

Die Chouara-Gärten waren unser absoluter Lieblingsort in Fès. Ein kleines Paradies inmitten der Stadt, wo wir uns entspannen und Leo frei laufen lassen konnten. Es war ein Ort der Ruhe und Schönheit, wo wir die Seele baumeln lassen konnten.

Und die Babouches, natürlich!

Die bunten Babouches in den engen Gassen des gleichnamigen Viertels waren ein weiteres Highlight. Leo war begeistert von den leuchtenden Farben und Formen und hat uns dazu gebracht, ihm einen kleinen blauen Babouche zu kaufen. Er hat ihn den Rest des Urlaubs getragen und sich wie ein kleiner König gefühlt.

Wir haben gelernt, dass Marokko mehr zu bieten hat als nur exotische Landschaften und bunte Märkte. Es ist ein Land mit einer reichen Kultur, einer faszinierenden Geschichte und vor allem mit unglaublich freundlichen Menschen. Und wir haben gelernt, dass man auch mit kleinem Baby einen unvergesslichen Urlaub erleben kann. Als wir am Flughafen saßen und auf unseren Flug warteten, waren wir uns einig: Wir kommen wieder.

    👤 Familie mit älteren Kindern (12 und 16) die Abenteuer und Kultur verbinden ✍️ romantisch und verträumt