Asien - Vietnam - Da Nang

Reisebericht Asien - Vietnam - Da Nang

Der Geruch von Abgasen und süßem, unbekanntem Essen vermischte sich in der schwülen Luft, als ich aus dem Taxi stieg. Da Nang. Der Flughafen war überraschend modern, viel sauberer und übersichtlicher als ich es von anderen südostasiatischen Städten kannte. Draußen erwartete mich ein Wirrwarr aus Motorrädern, die sich irgendwie, ohne erkennbares System, durch den Verkehr schlängelten.

Erste Orientierung und die Reisevorbereitung

Ich hatte Vietnam schon lange auf meiner Liste stehen. Nicht wegen der Kultur oder des Essens – obwohl beides sicher interessant sein würde – sondern wegen der Landschaft. Ich hatte Monate damit verbracht, Karten zu studieren, Höhenprofile zu analysieren und potenzielle Routen für Mountainbike-Touren und Klettergebiete ausfindig zu machen. Die Küstenregion um Da Nang schien perfekt. Nicht so überlaufen wie beispielsweise Nha Trang, aber trotzdem mit einer guten Infrastruktur und einer vielfältigen Topographie. Ich bin 30, arbeite als Softwareentwickler, aber mein Herz schlägt für die Natur. Ich brauche den Ausgleich zum Bildschirmalltag, die Herausforderung, die Bewegung. Wandern, Klettern, Mountainbiken – das sind meine Leidenschaften. Und Vietnam versprach, all das in einem Paket zu bieten. Ich hatte mir für diesen Trip vier Wochen Zeit genommen, um die Gegend rund um Da Nang ausgiebig zu erkunden. Ich hatte keine festen Pläne, keine gebuchten Hotels, keine organisierten Touren. Ich wollte einfach losziehen, die Gegend erkunden und mich treiben lassen.

Ankunft und erster Eindruck

Mein Hostel lag etwas abseits des Stadtzentrums, in einem ruhigeren Viertel. Es war einfach, aber sauber und freundlich. Der Besitzer, ein älterer Mann namens Mr. Hung, begrüßte mich mit einem breiten Lächeln und einem Glas eiskaltem Tee. Er sprach nur wenig Englisch, aber mit Händen und Füßen verstand ich, dass er stolz auf seine Stadt war und mir gerne Tipps geben würde. Nach dem Einchecken ging ich auf einen ersten Erkundungsgang. Die Straßen waren voller Leben. Frauen mit Non La, den traditionellen Strohhüten, balancierten Körbe voller Obst und Gemüse auf ihren Schultern. Kinder spielten auf den Bürgersteigen. Männer saßen vor ihren Geschäften und spielten Domino. Überall roch es nach Pho, Banh Mi und anderen Köstlichkeiten, die ich noch nicht kannte. Ich war überrascht, wie modern Da Nang war. Es gab viele neue Gebäude, breite Straßen und gut ausgebaute Gehwege. Aber neben all dem modernen Trubel gab es auch noch Spuren der Vergangenheit. Alte Tempel, französische Kolonialbauten und traditionelle Dörfer erinnerten an die lange Geschichte der Stadt.

Die Entscheidung für die Marble Mountains

Die Marble Mountains waren das erste Ziel, das ich mir vorgenommen hatte. Ich hatte Bilder von den Höhlen, Tempeln und Aussichtspunkten gesehen und war neugierig, sie mit eigenen Augen zu sehen. Mr. Hung hatte mir empfohlen, mit dem Motorrad zu fahren. Ich konnte zwar kein Motorrad fahren, aber er bot an, mir einen Fahrer zu vermitteln. Ich willigte ein und am nächsten Morgen saßen wir auf zwei Motorrädern, bereit für die Fahrt zu den Marble Mountains. Der Verkehr war dicht, aber unser Fahrer navigierte geschickt durch den Verkehr. Ich klammerte mich fest und versuchte, die Fahrt zu genießen. Die Fahrt führte uns durch grüne Reisfelder, kleine Dörfer und entlang der Küste. Ich sah viele Wasserbüffel, die in den Reisfeldern grasten, und Fischerboote, die auf dem Meer trieben. Die Marble Mountains ragten wie riesige Felsen aus der Ebene auf. Sie bestehen aus fünf Hügeln, die nach den fünf Elementen benannt sind: Erde, Wasser, Feuer, Metall und Holz. Jeder Hügel hat seine eigene Geschichte und seine eigenen Sehenswürdigkeiten. Ich war gespannt darauf, sie zu erkunden und herauszufinden, welche Herausforderungen sie für mich bereithielten. Von hier aus, mit Blick auf die ersten Felsformationen, begann ich, mir die Routen für die kommenden Tage auszumalen, und spürte, dass dieser Trip mehr werden würde als nur ein Abenteuer.

Die Marble Mountains: Zwischen Tempeln und Kletterrouten

Die Marble Mountains entpuppten sich als ein faszinierender Mix aus Kultur und Abenteuer. Ich begann mit dem Erklimmen des Thuy Son, dem "Wasserberg", der als der schönste und spirituellste der fünf Hügel gilt. Der Aufstieg war steil und anstrengend, aber die Aussicht von oben war atemberaubend. Ich konnte die gesamte Küstenlinie von Da Nang sehen, die sanften Hügel und das türkisfarbene Meer. Der Berg war übersät mit buddhistischen Tempeln und Schreinen, die in den Fels gehauen waren. Überall gab es Statuen von Buddhas, Bodhisattvas und anderen religiösen Figuren. Die Tempel waren voller Räucherstäbchen, Blumen und Opfergaben. Ich war beeindruckt von der Spiritualität und der Schönheit dieser Orte. Aber die Marble Mountains waren nicht nur ein Ort der Besinnung, sondern auch ein Paradies für Kletterer. Ich entdeckte schnell, dass es hier zahlreiche Kletterrouten gab, die für alle Schwierigkeitsgrade geeignet waren. Ich hatte zwar keine Kletterausrüstung dabei, aber ich konnte einen lokalen Anbieter finden, der mir alles vermietete. Ich kletterte an einem Tag eine mittelschwere Route und war begeistert von den Herausforderungen und der Aussicht von oben. Die Felsen waren zwar nicht ideal – oft glatt und brüchig – aber die Lage war unschlagbar.

Hoi An: Mehr als nur Touristen

Nach ein paar Tagen in Da Nang beschloss ich, einen Ausflug nach Hoi An zu machen, einer historischen Stadt, die etwa 30 Kilometer südlich von Da Nang liegt. Hoi An ist bekannt für seine gut erhaltene Altstadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Ich hatte erwartet, dass die Stadt voller Touristen sein würde, und ich sollte nicht enttäuscht werden. Aber abseits der Hauptstraßen gab es immer noch ruhige Ecken und authentische Erlebnisse zu finden. Ich verbrachte einen Tag damit, durch die engen Gassen der Altstadt zu schlendern, die traditionellen Handwerksläden zu besuchen und die lokalen Spezialitäten zu probieren. Ich besuchte eine Schneiderwerkstatt, in der ich mir ein maßgeschneidertes Hemd anfertigen ließ. Ich aß Cao Lau, eine lokale Nudelsuppe, in einem kleinen Restaurant am Fluss. Und ich ließ mich von einem alten Mann ein Floß bauen, mit dem ich den Fluss hinauf und hinunter fuhr. Was mir besonders gefallen hat, war die Atmosphäre der Stadt. Hoi An war nicht nur ein Museum, sondern ein lebendiger Ort, an dem die Menschen noch ihren traditionellen Lebensstil pflegten. Ich sah Fischer, die ihre Netze auswarfen, Bauern, die ihre Ernte verkauften, und Handwerker, die ihre Waren herstellten. Ich spürte, dass ich Teil einer Gemeinschaft war, die stolz auf ihre Kultur und ihre Geschichte war.

My Khe Beach: Zwischen Surfern und Entspannung

Zur Abwechslung von den kulturellen Sehenswürdigkeiten beschloss ich, einen Tag am My Khe Beach zu verbringen, einem der schönsten Strände Vietnams. Der Strand war lang, breit und sandig, mit klarem, blauem Wasser. Ich mietete mir ein Surfbrett und versuchte, ein paar Wellen zu reiten. Ich war zwar kein besonders guter Surfer, aber ich hatte viel Spaß. Der Strand war auch ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Touristen. Ich sah Familien, die Sandburgen bauten, Freunde, die Volleyball spielten, und Pärchen, die Hand in Hand am Strand entlang spazierten. Ich entspannte mich in einer Strandbar und genoss ein kühles Bier, während ich den Sonnenuntergang beobachtete. Der Himmel färbte sich in leuchtenden Farben, und das Meer glitzerte im goldenen Licht. Es war ein perfekter Tag. Nach zwei Wochen in Da Nang und Umgebung hatte ich das Gefühl, ein tieferes Verständnis für Vietnam und seine Menschen gewonnen zu haben. Es war ein unvergessliches Abenteuer, das mich nachhaltig geprägt hatte. Die Mischung aus Kultur, Natur und Abenteuer hatte meine Erwartungen übertroffen. Und ich wusste, dass dies nicht meine letzte Reise nach Vietnam gewesen sein würde – die unzähligen unentdeckten Pfade und Gipfel riefen bereits wieder nach mir.

Die letzten Tage in Da Nang vergingen wie im Flug. Ich hatte mir vorgenommen, noch einmal die Marble Mountains zu besuchen, um eine andere Route zu klettern und die Aussicht in vollen Zügen zu genießen. Das Wetter spielte zum Glück mit: strahlender Sonnenschein und eine angenehme Brise. Nach dem Klettern ließ ich den Tag bei einem Banh Mi in einem kleinen Straßenlokal ausklingen. Es sind diese einfachen Momente, die eine Reise unvergesslich machen.

Reflexionen und Erkenntnisse

Vietnam hat meine Erwartungen in vielerlei Hinsicht übertroffen. Ich war auf eine atemberaubende Landschaft vorbereitet, aber die Vielfalt der Topographie und die Schönheit der Küstenlinie haben mich wirklich beeindruckt. Aber es war nicht nur die Natur, die mich in ihren Bann gezogen hat. Die Menschen waren unglaublich freundlich und hilfsbereit, und ich fühlte mich als Gast willkommen.

Ich habe gelernt, dass man nicht immer einen detaillierten Plan braucht, um eine gute Zeit zu haben. Manchmal sind es die spontanen Entscheidungen und die unerwarteten Begegnungen, die eine Reise besonders machen. Ich habe mich bewusst von den touristischen Pfaden entfernt und versucht, das authentische Vietnam kennenzulernen. Das hat mir eine ganz andere Perspektive auf das Land und seine Kultur eröffnet.

Tipps für deine Reise nach Da Nang

Wenn du planst, Da Nang zu besuchen, habe ich ein paar Tipps für dich. Erstens: Miete dir ein Motorrad oder einen Roller. Das ist die beste Möglichkeit, die Umgebung zu erkunden und an abgelegene Orte zu gelangen. Aber sei vorsichtig im Straßenverkehr, denn die Straßen können chaotisch sein. Zweitens: Probiere die lokale Küche. Vietnam ist ein Paradies für Feinschmecker, und es gibt unzählige köstliche Gerichte zu entdecken. Scheue dich nicht, neue Dinge auszuprobieren, und lass dich von den Aromen und Geschmäckern verzaubern.

Drittens: Nimm dir Zeit, um die Marble Mountains zu erkunden. Sie sind nicht nur ein schöner Ort, sondern auch ein spirituelles Zentrum. Besuche die Tempel, klettere auf die Hügel und genieße die Aussicht. Und viertens: Sei offen und freundlich zu den Menschen. Die Vietnamesen sind sehr gastfreundlich, und sie werden sich freuen, dich kennenzulernen und dir ihr Land zu zeigen.

Ich verlasse Da Nang mit vielen schönen Erinnerungen und dem Versprechen, bald wiederzukommen. Es gibt noch so viel zu entdecken, so viele Wanderwege zu erklimmen und so viele Kletterrouten zu bezwingen. Vietnam hat mein Herz erobert, und ich bin sicher, dass es auch dein Herz erobern wird.

Ein letzter Blick auf die Küste

Bevor ich zum Flughafen fuhr, ging ich noch einmal an den My Khe Beach. Ich setzte mich in den Sand, schloss die Augen und lauschte dem Rauschen des Meeres. Der Geruch von Salz und Sonne erfüllte die Luft. Ich atmete tief ein und versuchte, diesen Moment festzuhalten. Es war ein perfekter Abschied von einem unvergesslichen Ort.

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