Zwischen Mangroven und Mythen: Eine Reise durch Panama und Bocas del Toro
Ankunft in Panama City
Der Tocumen International Airport war ein Gewirr aus Menschen, Rollkoffern und hektischen Bewegungen. Ich hatte bewusst einen Flug am frühen Morgen gewählt, um dem größten Trubel aus dem Weg zu gehen, aber das schien nicht ganz aufgegangen zu sein. Oder vielleicht war ich einfach nur müde. Die letzten 24 Stunden hatten sich in einem Nebel aus Flughäfen, Sicherheitskontrollen und unbequemen Sitzen verflügt. Ich bin 55, und lange Flüge fühlen sich anders an als früher. Man nimmt mehr wahr, fühlt die Erschöpfung deutlicher. Aber das ist okay. Das gehört dazu.
Ich hatte lange überlegt, wie diese Reise aussehen sollte. Eigentlich bin ich eher der Typ für lange Wanderwege in Europa, die klassischen Routen, die gut ausgeschildert sind und wo man abends in einer Pension landet. Aber irgendwann hatte ich das Bedürfnis, etwas ganz anderes zu machen. Etwas, das mich aus meiner Komfortzone lockt. Panama und die Bocas del Toro schienen mir da genau richtig. Eine Mischung aus Abenteuer, Natur und einer Kultur, die ich noch nicht kenne.
Warum gerade Panama?
Die Entscheidung für Panama war nicht zufällig. Ich hatte vor einigen Jahren einen Dokumentarfilm über die Geschichte des Panama-Kanals gesehen. Die schiere Ingenieursleistung, die politische Dimension, die menschlichen Schicksale – das hatte mich tief beeindruckt. Und dann natürlich die Natur. Ich hatte Bilder von Regenwäldern, Vulkanen und unberührten Stränden gesehen. Das war einfach zu verlockend, um es zu ignorieren.
Ich bin kein Mensch, der gerne in Resorts sitzt und den ganzen Tag am Pool verbringt. Ich brauche Bewegung, ich brauche Herausforderungen, ich brauche das Gefühl, etwas zu entdecken. Und ich glaube, das bietet Panama in Hülle und Fülle. Es ist kein einfaches Reiseziel, das weiß ich. Es gibt politische Spannungen, soziale Ungleichheit und eine Infrastruktur, die nicht mit europäischen Standards vergleichbar ist. Aber genau das macht es ja auch interessant.
Die ersten Schritte
Nachdem ich meinen Rucksack vom Gepäckband abgeholt hatte, ging es zum Taxistand. Die Taxifahrer waren sofort auf mich eingestürzt, jeder bot mir den besten Preis an. Ich entschied mich für einen älteren Mann mit einem freundlichen Lächeln und einem abgewetzten Toyota. Er sprach kaum Englisch, aber mit Händen und Füßen konnten wir uns verständigen. Die Fahrt in die Stadt dauerte etwa 30 Minuten. Wir fuhren an modernen Hochhäusern, heruntergekommenen Vierteln und belebten Märkten vorbei. Es war ein faszinierender Mikrokosmos der panamaischen Gesellschaft.
Mein Hotel lag im Casco Viejo, dem historischen Zentrum von Panama City. Es war ein wunderschönes, restauriertes Gebäude mit einem Innenhof voller Pflanzen und einer Dachterrasse mit Blick auf die Skyline. Ich hatte bewusst ein kleines, lokales Hotel gewählt, um authentischer zu sein und die Menschen vor Ort kennenzulernen. Der Besitzer, ein freundlicher Mann namens Ricardo, empfing mich mit einem Glas frisch gepresstem Orangensaft und einigen Tipps für die Stadt.
Erste Beobachtungen
Die ersten Stunden in Panama City waren überwältigend. Überall gab es etwas zu sehen, zu hören, zu riechen. Die Farben waren intensiver, die Geräusche lauter, die Menschen offener. Ich schlenderte durch die engen Gassen des Casco Viejo, besuchte die Plaza de la Independencia und die Kathedrale, und aß in einem kleinen Restaurant ein traditionelles panamaisches Gericht. Es war ein Fest für die Sinne.
Aber es gab auch Dinge, die mich nachdenklich machten. Die Armut war überall präsent, die Kluft zwischen Arm und Reich offensichtlich. Ich sah viele Menschen, die am Straßenrand bettelten oder versuchten, ihren Lebensunterhalt mit kleinen Verkäufen zu verdienen. Es war ein deutlicher Kontrast zu dem modernen Glanz der Hochhäuser und Einkaufszentren.
Ich verbrachte den Abend auf der Dachterrasse meines Hotels und blickte auf die beleuchtete Skyline von Panama City. Die Stadt pulsierte mit Leben, aber unter der Oberfläche schlummerte eine gewisse Anspannung. Ich spürte, dass es hier noch viel zu entdecken gab, sowohl im Positiven als auch im Negativen. Und während ich dort saß, wurde mir klar, dass meine Reise nach Bocas del Toro erst der Anfang eines tieferen Eintauchens in die panamaische Seele sein würde.
Mit diesen ersten Eindrücken im Gepäck, fühlte ich mich bereit, die Küste zu erkunden und die Inselwelt von Bocas del Toro kennenzulernen, wo ich hoffte, eine noch authentischere Seite Panamas zu entdecken.
Die Nacht in Panama City war ruhig, trotz des nächtlichen Verkehrs. Ich wachte früh auf, motiviert, die Stadt noch etwas genauer zu erkunden, bevor ich mich auf den Weg nach Bocas del Toro machen sollte. Ich hatte mir vorgenommen, das Viertel San Felipe Neri zu besuchen, ein historisches Arbeitsviertel, das oft von Touristen übersehen wird.
San Felipe Neri – Ein Blick hinter die Fassade
Die Fahrt dorthin mit dem Metrobus war schon ein Erlebnis für sich. Gedrängt, geschaukelt, umgeben von Menschen unterschiedlichster Herkunft. Es war ein authentischer Einblick in das Alltagsleben der Panamaischen Bevölkerung. San Felipe Neri war anders als das glatt polierte Casco Viejo. Hier waren die Häuser heruntergekommen, die Straßen eng und verwinkelt, die Atmosphäre rau und ehrlich. Ich sah Werkstätten, in denen fleißig gearbeitet wurde, kleine Läden, die alles Mögliche verkauften, und Menschen, die auf der Straße spielten oder sich unterhielten.
Ich verirrte mich bewusst in den Gassen, beobachtete das Treiben und versuchte, ein Gefühl für den Ort zu bekommen. Ein älterer Mann, der vor seiner Werkstatt saß, bot mir ein Glas Agua de Panela an, ein traditionelles Getränk aus unraffiniertem Zuckerrohr. Wir unterhielten uns mit Händen und Füßen, und er erzählte mir, dass er sein Leben lang hier gearbeitet hatte. Er war stolz auf seine Arbeit und auf sein Viertel, trotz aller Schwierigkeiten. Es war ein kleines, aber bedeutungsvolles Zusammentreffen.
Zwischenstopp am Mercado de Mariscos
Auf dem Rückweg zum Hotel legte ich einen Zwischenstopp am Mercado de Mariscos ein, dem Fischmarkt von Panama City. Der Geruch von frischem Fisch und Meeresfrüchten lag in der Luft. Es war ein buntes, chaotisches Spektakel. Händler riefen ihre Waren an, Kunden feilschten um den Preis, und Köche bereiteten vor Ort Ceviche und andere Spezialitäten zu. Ich ließ mich dazu überreden, eine Schale Ceviche zu probieren. Es war köstlich, aber auch scharf – viel schärfer, als ich erwartet hatte. Meine Augen tränten, aber ich lächelte trotzdem.
Ich beobachtete, wie die Fischer ihre Fänge an die Händler verkauften und wie die Köche die Meeresfrüchte zubereiteten. Es war ein faszinierendes Zusammenspiel von Handwerk und Tradition. Ich kaufte ein paar Mangos und Papayas, um sie für die Reise nach Bocas del Toro mitzunehmen.
Aufbruch nach Almirante
Am Nachmittag ging es zum Busbahnhof, um ein Ticket nach Almirante zu kaufen, dem Ausgangspunkt für die Fahrt nach Bocas del Toro. Der Busbahnhof war ein riesiges, lautes und chaotisches Gewirr aus Menschen und Bussen. Es dauerte eine Weile, bis ich den richtigen Bus gefunden hatte. Die Fahrt nach Almirante dauerte etwa drei Stunden. Die Landschaft wurde immer grüner und hügeliger. Ich saß neben einer jungen Frau, die mir erzählte, dass sie auf dem Weg zu ihrer Familie in Bocas del Toro war. Sie erzählte mir von den Inseln, von den Stränden, von den Menschen.
In Almirante angekommen, stieg ich in ein Wassertaxi, um nach Bocas Town zu gelangen. Die Fahrt dauerte etwa 30 Minuten. Das Wasser war türkisblau, die Inseln waren mit üppiger Vegetation bedeckt. Ich spürte, wie die Anspannung der Reise nachließ und wie eine neue Energie in mir aufstieg. Bocas del Toro, ich komme! Die ersten Eindrücke ließen darauf schließen, dass dieser Teil der Reise eine noch tiefere Verbindung zur Natur und einer entspannteren Lebensweise versprach, was mich freudig erwartete, um die Reise zu vervollständigen.
Die ersten Tage in Bocas del Toro vergingen wie im Flug. Ich hatte ein kleines, einfaches Hostel direkt am Wasser gefunden, und von dort aus konnte ich die Inseln erkunden. Bocas Town selbst ist ein quirliger Ort, eine Mischung aus Touristen, Einheimischen und Rastafaris. Es gibt viele Restaurants, Bars und Souvenirläden, aber es ist auch ein Ort, an dem man das echte panamaische Leben spüren kann.
Erkundung der Inseln
Ich verbrachte viel Zeit damit, mit dem Wassertaxi die umliegenden Inseln zu erkunden. Isla Bastimentos mit seinem Nationalpark war besonders beeindruckend. Ich wanderte durch den Regenwald, beobachtete Affen und Faultiere und schwamm in kristallklarem Wasser. Die Strände von Isla Bastimentos sind noch relativ unberührt, und es gibt viele versteckte Buchten, in denen man die Ruhe genießen kann. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir Red Frog Beach, ein wunderschöner Strand, der von üppiger Vegetation umgeben ist. Die Wellen sind dort zwar etwas stärker, aber es ist ein Paradies für Surfer.
Mehr als nur Strände
Aber Bocas del Toro ist mehr als nur Strände und Sonne. Ich besuchte auch einige der indigenen Dörfer auf den Inseln und lernte etwas über die Kultur und Lebensweise der Ngäbe-Buglé. Es war eine bescheidene Erfahrung, die mir zeigte, wie wichtig es ist, die Traditionen und Werte anderer Kulturen zu respektieren. Ich erfuhr, dass die Ngäbe-Buglé seit Jahrhunderten in dieser Region leben und dass ihre Kultur eng mit der Natur verbunden ist.
Ein Fazit
Panama und Bocas del Toro haben mich tief beeindruckt. Es ist ein Land voller Kontraste, voller Schönheit und voller Herausforderungen. Ich habe viel gelernt über die Geschichte, die Kultur und die Natur dieses Landes. Und ich habe gelernt, dass es wichtig ist, offen zu sein für neue Erfahrungen und sich auf das Unerwartete einzulassen. Die Reise war anstrengend, ja, aber sie war auch unglaublich bereichernd.
Empfehlungen
Wenn du planst, nach Panama und Bocas del Toro zu reisen, hier sind ein paar Tipps:
- Sei offen für neue Erfahrungen: Lass dich auf die Kultur ein und probiere neue Dinge aus.
- Respektiere die Natur: Hinterlasse keinen Müll und schütze die Umwelt.
- Lerne ein paar Brocken Spanisch: Es wird dir helfen, mit den Einheimischen zu kommunizieren.
- Nimm genügend Zeit mit: Panama und Bocas del Toro haben viel zu bieten, und es lohnt sich, langsam zu reisen und die Atmosphäre zu genießen.
Ich werde dieses Abenteuer nicht vergessen. Die Erinnerungen an die grünen Regenwälder, die türkisfarbenen Strände und die freundlichen Menschen werden mich noch lange begleiten. Panama und Bocas del Toro sind ein Ort, an dem man die Seele baumeln lassen und neue Energie tanken kann. Und ich bin dankbar, dass ich die Gelegenheit hatte, dieses Paradies zu erleben.
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- Isla Bastimentos Nationalpark
- Casco Viejo (Panama City)
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- Red Frog Beach (Isla Bastimentos)
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- Bocas Town