Asien - Indien - Mumbai

Reisebericht Asien - Indien - Mumbai

Der Geruch von Gewürzen und Abgasen vermischte sich zu einer eigentümlichen, fast überwältigenden Mischung, als ich aus dem klimatisierten Flughafen herausstolperte. Mumbai. Es war heiß, stickig und unglaublich laut. Nicht das romantische, exotische Indien, das ich mir in meinen Träumen ausgemalt hatte, sondern eine pulsierende, chaotische Realität. Ein Mann zog an meinem Rucksack, bot mir ein Taxi an, bevor ich überhaupt richtig stehen konnte. Ich winkte ab. Ich wollte erst mal atmen, mich orientieren.

Die Entscheidung für Indien

Es war nicht meine erste Backpacking-Tour, aber irgendwie fühlte es sich anders an. Eigentlich hatte ich geplant, noch ein Jahr in Australien zu bleiben, ein bisschen mehr zu arbeiten, Geld zu sparen. Aber irgendwann wurde mir klar, dass ich das nicht wollte. Ich wollte nicht länger das Gefühl haben, auf etwas zu warten. Ich wollte leben, wirklich leben. Und irgendwie klang Indien nach dem Gegenteil von Warten. Nach einem Sprung ins kalte Wasser. Ich hatte mich schon lange mit dem Workaway-Prinzip beschäftigt. Im Grunde tauscht man ein paar Stunden Arbeit pro Tag gegen Unterkunft und Verpflegung. Für mich war das die perfekte Lösung, um länger unterwegs zu sein, ohne mein ganzes Erspartes aufzubrauchen und gleichzeitig etwas Sinnvolles zu tun. Ich hatte mich auf ein paar Projekte in Goa beworben, aber dann hatte ich eine Anfrage aus Mumbai bekommen – eine kleine Schule, die Hilfe beim Englischunterricht brauchte. Irgendwie klang das genau nach dem, was ich suchte.

Erste Schritte in der Stadt

Ich hatte mir ein Hostel in der Nähe des Bahnhofs ausgesucht. Eine kluge Entscheidung, wie sich herausstellte, denn der Bahnhof war ein guter Ausgangspunkt, um sich in der Stadt zurechtzufinden. Auf dem Weg dorthin wurde ich von einer Welle von Menschen überrollt. Es war unglaublich eng, laut und chaotisch. Männer in bunten Saris, Frauen mit schweren Einkaufstaschen, Kinder, die durch die Menge flitzten. Überall Hupende Autos, Motorräder und Rikschas. Es war überwältigend, aber gleichzeitig auch faszinierend. Das Hostel war eine Oase der Ruhe inmitten des Chaos. Ein kleiner Innenhof mit ein paar Tischen und Stühlen, umgeben von hohen Mauern. Ich checkte ein und lernte ein paar andere Reisende kennen – eine deutsche Studentin, die ein Praktikum in einer NGO absolvierte, und einen kanadischen Fotografen, der die Stadt dokumentieren wollte. Wir tauschten Reisetipps aus und beschlossen, gemeinsam einen Spaziergang durch die Stadt zu machen.

Der erste Kulturschock

Wir liefen durch enge Gassen, vorbei an kleinen Läden und Garküchen. Überall der Geruch von Essen – scharf, süß, würzig. Wir sahen arm wirkende Menschen am Straßenrand sitzen, bettelten um Geld. Es war hart, das zu sehen, aber gleichzeitig auch wichtig, sich mit der Realität auseinanderzusetzen. Ich hatte mir zwar bewusst gemacht, dass Indien ein armes Land ist, aber die Armut hautnah zu erleben, war trotzdem ein Schock. Wir besuchten den Gateway of India, ein riesiges Tor am Hafen, das an die britische Kolonialzeit erinnert. Es war voller Touristen und Einheimischer, die Selfies machten und den Blick auf das Arabische Meer genossen. Wir aßen Straßenessen – würzige Samosas und süße Lassis. Es schmeckte fantastisch, aber ich musste vorsichtig sein, dass ich nicht krank wurde. Ich merkte, dass ich ständig versuchte, alles zu verarbeiten. Die Gerüche, die Geräusche, die Menschen, die Armut, die Schönheit. Es war eine Achterbahn der Gefühle. Ich fühlte mich verloren, überfordert, aber gleichzeitig auch lebendig und inspiriert. Ich begann zu verstehen, dass Indien nicht nur ein Reiseziel ist, sondern eine Erfahrung, die einen verändert. Ich hatte das Gefühl, dass diese ersten paar Stunden erst den Anfang von einer langen Reise waren, einer Reise, die mich herausfordern, verändern und bereichern würde. Und ich war gespannt darauf, was noch kommen würde.

Leben und Lernen in Dharavi

Am nächsten Tag begann mein Workaway-Abenteuer. Die Schule, bei der ich arbeitete, lag in Dharavi, einem der größten Slums Asiens. Ehrlich gesagt hatte ich Angst. Ich hatte so viele negative Dinge über Dharavi gehört, und ich war mir nicht sicher, was mich erwarten würde. Aber ich hatte mich entschieden, offen zu sein und mich auf die Erfahrung einzulassen. Die Schule war eine kleine, einfache Blechbude, aber sie war voller Leben und Energie. Die Kinder waren unglaublich motiviert und wissbegierig, obwohl sie unter schwierigen Bedingungen lebten. Ich unterrichtete Englisch, aber ich versuchte auch, ihnen etwas über meine Kultur zu erzählen. Wir spielten Spiele, sangen Lieder und lasen Geschichten. Es war unglaublich erfüllend, zu sehen, wie sie lernten und aufblühten.

Ein Tag auf dem Markt

Eines Tages begleitete mich ein Lehrer auf den lokalen Markt in Dharavi. Es war ein überwältigendes Erlebnis. Die Gassen waren eng und voll mit Menschen, die handelten, feilschten und einkauften. Überall gab es Stände mit Gewürzen, Gemüse, Kleidung und Schuhen. Der Geruch von Essen, Gewürzen und Schweiß lag in der Luft. Ich fühlte mich verloren und überfordert, aber ich war auch fasziniert. Ich probierte verschiedene Straßenküchen – scharfe Currys, süße Halwas und würzige Chaats. Alles schmeckte unglaublich lecker, aber ich musste vorsichtig sein, dass ich nicht krank wurde. Ich kaufte ein paar Souvenirs – bunte Stoffe, handgemachte Schmuckstücke und Gewürze. Ich beobachtete das Treiben um mich herum. Männer spielten Domino, Frauen plauderten und lachten, Kinder rannten und spielten. Ich merkte, dass Dharavi nicht nur ein Slum ist, sondern ein lebendiger, pulsierender Stadtteil mit einer eigenen Kultur und Identität.

Kleine Pannen und große Lektionen

Natürlich gab es auch Pannen. Einmal verirrte ich mich auf dem Weg zur Schule und wurde von einem freundlichen Mann auf einem Motorrad mitgenommen. Er sprach kein Englisch, und ich kein Hindi, aber wir verstanden uns irgendwie. Er brachte mich sicher zur Schule, und ich bedankte mich mit einem Lächeln und einer Umarmung. Ein anderes Mal versuchte ich, mit einem Taxi zu fahren, aber der Fahrer verlangte mir ein viel zu hohes Preis. Ich weigerte mich zu zahlen, und wir gerieten in einen Streit. Zum Glück kam ein Einheimischer vorbei und half uns, eine Einigung zu erzielen. Ich lernte schnell, dass Indien ein Land der Kontraste ist. Es gibt Armut und Reichtum, Schönheit und Hässlichkeit, Freude und Leid. Aber es ist auch ein Land der Freundlichkeit, der Gastfreundschaft und der Hoffnung. Ich verbrachte mehrere Wochen in Dharavi, und ich fühlte mich immer wohler und sicherer. Ich lernte die Menschen kennen, ihre Geschichten, ihre Träume. Ich verstand, dass sie nicht anders sind als wir. Sie wollen nur ein gutes Leben für sich und ihre Familien.

Mumbai – Mehr als nur Dharavi

Ich nutzte die Wochenenden, um die Stadt zu erkunden. Ich besuchte den Marine Drive, eine lange Uferpromenade, die sich entlang der Küste erstreckt. Ich sah den Chhatrapati Shivaji Maharaj Terminus, einen beeindruckenden Bahnhof im viktorianischen Stil. Ich wanderte durch die Colaba Causeway, eine belebte Einkaufsstraße. Ich entdeckte versteckte Tempel, farbenfrohe Märkte und kleine Garküchen. Ich probierte verschiedene Spezialitäten – Vada Pav, Pav Bhaji und Misal Pav. Alles schmeckte fantastisch, aber ich musste immer vorsichtig sein, dass ich nicht krank wurde. Es war ein intensives und anstrengendes Erlebnis, aber ich würde es jederzeit wieder tun. Mumbai hatte mich verändert, mich herausgefordert und inspiriert. Es hatte mir gezeigt, dass das Leben nicht immer einfach ist, aber dass es immer Hoffnung gibt. Und es hatte mir gezeigt, dass es wichtig ist, offen zu sein für neue Kulturen und Erfahrungen. Ich fühlte, dass diese Zeit in Mumbai mich nicht nur bereichert hatte, sondern auch meine Perspektive auf das Leben für immer verändert hatte, und ich wusste, dass diese Erfahrung mich noch lange begleiten würde.

Der Abschied von Dharavi fiel mir schwerer als erwartet. Ich hatte mich an das Leben dort gewöhnt, an die Nähe zu den Menschen, an die Einfachheit des Alltags. Ich hatte gelernt, dass Glück nicht von materiellen Dingen abhängt, sondern von den Beziehungen, die wir zu anderen Menschen haben. Ich hatte gelernt, dass man auch mit wenig viel erreichen kann.

Die Suche nach dem eigenen Rhythmus

Ich verbrachte noch ein paar Tage in Mumbai, erkundete die Stadt auf eigene Faust und versuchte, meinen eigenen Rhythmus zu finden. Ich besuchte den Dhobi Ghat, eine riesige Freiluftwäscherei, wo unzählige Menschen Wäsche waschen und trocknen. Ich sah den Haji Ali Dargah, eine Moschee auf einer kleinen Insel, die nur bei Ebbe zugänglich ist. Ich wanderte durch die Straßen von Colaba, vorbei an alten Kolonialgebäuden und bunten Geschäften.

Mehr als nur Sehenswürdigkeiten

Ich merkte, dass Mumbai mehr ist als nur eine Ansammlung von Sehenswürdigkeiten. Es ist eine Stadt der Kontraste, eine Stadt der Extreme, eine Stadt der Hoffnung und der Verzweiflung. Es ist eine Stadt, die dich herausfordert, die dich inspiriert, die dich verändert. Ich hatte das Gefühl, dass ich in dieser Stadt etwas Besonderes gefunden hatte, etwas, das ich so schnell nicht vergessen würde.

Ein letzter Spaziergang

Eines Abends machte ich einen letzten Spaziergang am Marine Drive. Die Sonne ging unter, und der Himmel färbte sich in leuchtenden Farben. Ich saß auf einer Mauer und beobachtete das Treiben um mich herum. Kinder spielten am Strand, Verliebte spazierten Hand in Hand, Familien machten ein Picknick. Ich fühlte mich geborgen und glücklich.

Reflexionen und Empfehlungen

Indien hatte meine Erwartungen übertroffen und gleichzeitig meine Vorurteile bestätigt. Es ist ein Land, das dich herausfordert, deine Komfortzone zu verlassen und dich auf neue Erfahrungen einzulassen. Es ist ein Land, das dich lehrt, das Leben mit anderen Augen zu sehen.

Für andere Reisende, die Indien besuchen möchten, habe ich ein paar Empfehlungen. Erstens: Seid offen und neugierig. Lasst euch auf die Kultur ein und versucht, die Menschen kennenzulernen. Zweitens: Seid respektvoll und achtsam. Behandelt die Menschen mit Würde und Respekt. Drittens: Seid geduldig und flexibel. In Indien läuft nicht immer alles nach Plan.

Und schließlich: Vergesst nicht, das Leben zu genießen. Nehmt euch Zeit, die Schönheit des Landes zu entdecken, die Freundlichkeit der Menschen zu erleben und die kleinen Dinge zu schätzen.

Ich weiß nicht, wann ich wieder nach Indien zurückkehren werde, aber ich weiß, dass ich dieses Land immer in meinem Herzen tragen werde. Es hat mich verändert, inspiriert und bereichert. Es hat mir gezeigt, dass das Leben ein Geschenk ist, das es zu schätzen und zu leben gilt.

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