Nordamerika - Dominikanische Republik - Bayahibe

Ein Herz voller Sonne: Mein Freiwilligeneinsatz in Bayahibe

Der Geruch von Mango und Abgasen kitzelte in meiner Nase, als ich aus dem Minibus stieg. Bayahibe. Endlich. Ich hatte mir vorgestellt, es würde überwältigender sein, aber es war…echt. Nicht die polierte Version, die man von Postkarten kennt, sondern das echte Leben, das hier einfach passiert. Hühner pickten im Straßengraben, Männer spielten Domino unter einem schattenspendenden Mangobaum und Kinder jagten einem Fußball hinterher, der mehr Löcher als Luft hatte.

Warum Bayahibe?

Ich bin Lisa, 25 Jahre alt und arbeite gerade als freiwillige Helferin in einem kleinen sozialen Projekt hier in der Dominikanischen Republik. Nach meinem Studium war mir klar: Ich will nicht einfach in den nächsten Bürojob einsteigen. Ich wollte etwas Sinnvolles machen, etwas, das wirklich einen Unterschied bewirkt. Und ich wollte raus aus Deutschland, aus meiner Komfortzone. Ich hatte verschiedene Optionen, aber das Projekt in Bayahibe hat mich besonders angesprochen. Es geht darum, benachteiligten Kindern eine Ausbildung zu ermöglichen und ihnen Perspektiven für die Zukunft zu geben. Das Team hier ist unglaublich engagiert und die Menschen sind so herzlich.

Die Anreise – ein kleiner Kulturschock

Die Reise hierher war nicht ganz einfach. Erst der lange Flug nach Santo Domingo, dann ein weiterer Bus nach La Romana und von dort aus noch ein “Guagua”, dieser kleine, überfüllte Minibus, der anscheinend jede noch so kleine Nebenstraße kennt. Ich war froh, als ich endlich ankam. Ich hatte mich zwar auf die Verhältnisse vorbereitet, aber der erste Kulturschock war trotzdem da. Alles ist anders, lauter, bunter, chaotischer. Aber genau das macht es ja auch so spannend. Ich musste mich daran gewöhnen, dass Pünktlichkeit hier nicht so wichtig ist, dass man für alles verhandeln muss und dass man einfach mal mit dem Fluss schwimmen muss.

Erste Eindrücke vom Alltag

Bayahibe ist ein kleines Fischerdorf, das sich in den letzten Jahren zu einem beliebten Urlaubsziel entwickelt hat. Aber es hat sich seinen ursprünglichen Charme bewahrt. Die meisten Menschen leben immer noch von der Fischerei oder vom Tourismus. Ich wohne in einer kleinen Casa Particular, einem Privatzimmer bei einer dominikanischen Familie. Meine Gastgeberin, Doña Maria, ist eine unglaublich liebevolle Frau, die mich wie eine Tochter behandelt. Sie kocht mir jeden Tag köstliche dominikanische Gerichte und versucht, mir die Sprache beizubringen.

Ich lerne schnell, dass “Ahora” nicht unbedingt “jetzt” bedeutet und dass ein freundliches Lächeln oft mehr bewirkt als viele Worte.

Die Kinder, mit denen ich im Projekt arbeite, sind einfach unglaublich. Sie sind neugierig, lebensfroh und voller Energie. Trotz ihrer schwierigen Lebensumstände strahlen sie eine unglaubliche Lebensfreude aus. Es ist unglaublich inspirierend zu sehen, wie sie trotz aller Herausforderungen lernen und wachsen.

Ein neuer Blickwinkel

Ich bin erst seit ein paar Tagen hier, aber ich habe das Gefühl, schon viel gelernt zu haben. Ich lerne über eine andere Kultur, über andere Lebensweisen und über andere Werte. Ich lerne, die kleinen Dinge im Leben zu schätzen und dankbar für das zu sein, was ich habe. Es ist nicht immer einfach. Es gibt Sprachbarrieren, kulturelle Unterschiede und manchmal auch Frustrationen. Aber ich bin dankbar für jede Herausforderung, denn sie hilft mir, zu wachsen und mich weiterzuentwickeln. Es ist noch viel zu tun, und ich bin gespannt, wie sich die nächsten Wochen hier gestalten werden. Die Arbeit mit den Kindern wird sicherlich anstrengend, aber ich bin voller Tatendrang und Motivation. Jetzt gilt es, sich tiefer in das Projekt einzufinden und zu verstehen, wo genau ich mit meiner Arbeit am meisten bewirken kann.

Das Leben in der Calle Principal

Die Calle Principal, die Hauptstraße von Bayahibe, ist das Herz des Dorfes. Hier pulsiert das Leben. Morgens drängen sich die “Guaguas” und Motorräder durch die enge Gasse, Händler bauen ihre Stände auf und verkaufen Obst, Gemüse und frischen Fisch. Ich liebe es, einfach nur dazusitzen, einen “Cafecito” trinken und dem Treiben zuzusehen. Gestern bin ich zum ersten Mal alleine zum Markt gegangen, um ein paar Lebensmittel einzukaufen. Ich hatte mir vorher eine Liste geschrieben, aber am Ende war alles anders. Ich verirrte mich in den Gängen, wurde von Händlern angesprochen und verhandelte um den Preis von Mangos, die doppelt so teuer waren, wie ich erwartet hatte. Ich fühlte mich total überfordert, aber dann kam Doña Maria zu meiner Rettung. Sie sprach mit den Händlern, lachte mit ihnen und am Ende hatte ich nicht nur günstige Mangos, sondern auch ein paar neue Freunde.

Der Strand von Playa Bonita

Playa Bonita ist ein kleines, verstecktes Paradies. Der Strand ist übersät mit bunten Fischerbooten und die Palmen spenden wohltuenden Schatten. Ich gehe oft hierher, um spazieren zu gehen, zu lesen oder einfach nur die Seele baumeln zu lassen. Ich habe gelernt, dass das Meer hier nicht nur ein Ort der Erholung ist, sondern auch die Lebensgrundlage vieler Menschen. Jeden Morgen fahren die Fischerboote hinaus und bringen frischen Fisch an Land, der dann auf dem Markt verkauft wird. Ich habe ein paar Fischer kennengelernt und sie haben mir viel über ihr Leben erzählt. Es ist hart, aber sie lieben ihre Arbeit und sind stolz darauf, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen.

Das bunte Viertel “Los Naranjos”

“Los Naranjos” ist ein Viertel am Rande von Bayahibe, das besonders farbenfroh und lebendig ist. Die Häuser sind in allen möglichen Farben gestrichen und die Straßen sind voller Kunstwerke und Graffiti. Hier leben viele Künstler und Handwerker, die ihre Werke auf dem Markt verkaufen. Ich habe eine kleine Werkstatt besucht, in der ein Künstler wunderschöne Holzschnitzereien herstellt. Er erzählte mir, dass er sein Handwerk von seinem Vater gelernt hat und dass er stolz darauf ist, seine Tradition fortzuführen. Ich habe ihm eine kleine Holzschnitzerei gekauft, als Andenken an meinen Besuch.

Gestern habe ich versucht, mit einem lokalen Bus zurück zur Casa Particular zu fahren. Ich hatte die falsche Linie erwischt und bin am Ende in einem ganz anderen Viertel gelandet. Ich war total verloren und hatte keine Ahnung, wie ich zurückkommen sollte. Zum Glück hat mir ein junger Mann geholfen, den richtigen Bus zu finden. Er hat mich bis zur Haltestelle begleitet und mir sogar noch ein paar Tipps für meinen weiteren Aufenthalt gegeben. Ich bin so dankbar für die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Menschen hier.

Die Zeit vergeht wie im Flug und ich merke, dass ich mich immer mehr in Bayahibe verliebe – mit all seinen Ecken und Kanten. All die Begegnungen, die kleinen Pannen und die vielen positiven Erfahrungen haben mich tief berührt und mir gezeigt, dass das Glück oft in den kleinen Dingen des Lebens zu finden ist. Und auch wenn ich noch viele Herausforderungen vor mir habe, bin ich zuversichtlich, dass ich hier noch viel lernen und erreichen kann, bevor meine Zeit hier zu Ende geht.

Die letzten Wochen sind wie im Flug vergangen. Ich sitze gerade auf der Veranda meiner Casa Particular, trinke einen letzten Mango-Saft und versuche, all die Eindrücke, die ich hier gesammelt habe, zu verarbeiten. Es ist schwer, in Worte zu fassen, was diese Zeit für mich bedeutet hat.

Mehr als nur Hilfe

Ich bin hierher gekommen, um zu helfen, um etwas zurückzugeben. Aber ich habe viel mehr bekommen, als ich je hätte geben können. Die Kinder, mit denen ich gearbeitet habe, haben mir so viel Freude und Lebensenergie geschenkt. Ihre Neugier, ihre Kreativität und ihre unerschütterliche Hoffnung haben mich tief berührt. Sie haben mir gezeigt, dass Glück nicht von materiellen Dingen abhängt, sondern von den kleinen Dingen im Leben – von einem Lächeln, einer Umarmung, einem gemeinsamen Spiel.

Die Herausforderungen und die kleinen Siege

Es war nicht immer einfach. Es gab Tage, an denen ich frustriert war, weil ich die Sprachbarriere nicht überwinden konnte oder weil ich nicht verstand, warum manche Dinge so anders funktionieren als zu Hause. Aber ich habe gelernt, geduldig zu sein, zuzuhören und mich anzupassen. Und ich habe gelernt, dass es in Ordnung ist, Fehler zu machen. Im Gegenteil, Fehler sind eine Chance zu lernen und zu wachsen.

Die Kraft der Gemeinschaft

Ich habe hier eine unglaubliche Gemeinschaft kennengelernt – Menschen, die trotz aller Schwierigkeiten zusammenhalten und sich gegenseitig unterstützen. Die Fischer, die jeden Morgen aufs Meer hinausfahren, um ihre Familie zu ernähren, die Händler auf dem Markt, die ihre Waren mit Stolz anbieten, die Künstler, die ihre Kreativität ausleben – sie alle haben mich inspiriert.

Abschied nehmen und weitergeben

Es fällt mir schwer, Abschied zu nehmen. Ich werde die warmherzigen Menschen, die bunten Straßen, den Duft von Mango und den Klang der Wellen vermissen. Aber ich weiß, dass ich ein Stück von Bayahibe in meinem Herzen mitnehme. Ich möchte meine Erfahrungen mit anderen teilen, um sie zu ermutigen, sich ebenfalls für eine sinnvolle Tätigkeit im Ausland zu engagieren.

Ein paar Tipps für deine Reise nach Bayahibe

  • Sprache: Lerne ein paar grundlegende spanische Sätze. Es wird dir helfen, dich mit den Einheimischen zu verständigen und ihre Kultur besser zu verstehen.
  • Offenheit: Sei offen für neue Erfahrungen und lass dich auf die dominikanische Kultur ein. Probiere lokale Gerichte, tanze zu den Klängen der Bachata und lass dich von der Lebensfreude der Menschen anstecken.
  • Verantwortung: Achte auf die Umwelt und unterstütze lokale Unternehmen. Kaufe Souvenirs von Handwerkern und iss in kleinen Restaurants.

Ein letzter Blick zurück

Ich bin dankbar für jede Erfahrung, jede Begegnung und jede Herausforderung, die ich hier gemacht habe. Ich habe gelernt, dass Glück nicht vom Wohnort abhängt, sondern von der Einstellung zum Leben. Ich bin voller Energie und Motivation und freue mich darauf, meine Erfahrungen zu nutzen, um einen positiven Beitrag zur Welt zu leisten.

    • Playa Bonita (wunderschöner Strand, ideal zum Entspannen)
    • Das bunte Viertel “Los Naranjos” (ein Muss für Kunst- und Kulturinteressierte)
    • Playa Bonita
    • Das bunte Viertel “Los Naranjos”
    • Das Fischerdorf Bayahibe
👤 Freiwillige (25) die in sozialen Projekten im Ausland mitarbeitet ✍️ inspirierend und motivierend