Monastir: Eine Reise der Stille
Ein stiller Abschied und der Wunsch nach Ruhe
Ich bin, wie man so schön sagt, im besten Rentenalter. Genauer gesagt, 63. Die Kinder sind aus dem Haus, der Beruf hinter mir. Nach Jahrzehnten, in denen ich immer für andere da war, hatte ich beschlossen, mir selbst etwas Gutes zu tun. Keine lauten Familienurlaube mehr, kein Programm mit Termindruck. Einfach nur Ruhe, Sonne und das Gefühl, mal so richtig abschalten zu können. Tunesien schien mir da der perfekte Ort zu sein. Ich hatte in einer Reisegruppe einen älteren Herrn kennengelernt, der oft dort im Winter war. Er schwärmte von der Gastfreundschaft, dem Essen und dem milden Klima. Und so hatte ich mich entschlossen, die Stille und die Wärme Nordafrikas selbst zu erleben.Die Entscheidung für Monastir
Monastir hatte er mir besonders ans Herz gelegt. Nicht die riesigen Touristenhochburgen, sondern eben diese kleinere, überschaubare Stadt mit ihrem historischen Ribat, den Gärten und dem Hafen. Ich mag es, wenn ich mich noch ein bisschen wie ein Entdecker fühlen kann, auch wenn das natürlich romantisch klingt. Ich bin kein Mann für großes Halligalli. Lieber sitze ich mit einem Buch unter einem Baum, beobachte das Leben um mich herum und lasse die Seele baumeln.Die Formalitäten am Flughafen zogen sich etwas in die Länge. Aber die Beamten waren freundlich und geduldig. Ich hatte mir vorab einen Transfer zum Hotel gebucht, ein kleines, unscheinbares Haus etwas außerhalb des Stadtzentrums. Der Fahrer, ein freundlicher Mann mit einem breiten Lächeln, hieß Mohammed und sprach gebrochenes Deutsch. Auf der Fahrt in die Stadt erzählte er mir ein bisschen von Monastir, von den Olivenhainen, dem Fischmarkt und der berühmten Moschee.
Erste Eindrücke vom Stadtbild
Die Stadt wirkte auf mich zunächst etwas grau und staubig, aber mit einem ganz eigenen Charme. Die Häuser waren eng aneinander gebaut, die Gassen verwinkelt und eng. Überall hingen Wäscheleinen zwischen den Häusern, es roch nach Gewürzen und frisch gebackenem Brot. Ich sah alte Männer, die Schach spielten, Kinder, die Fußball spielten, und Frauen, die in traditioneller Kleidung auf dem Markt einkauften. Es war ein lebendiges, authentisches Bild, das mich sofort in seinen Bann zog. Ich mochte diese Mischung aus arabischer Tradition und europäischem Einfluss.
Das Hotel stellte sich als eine kleine, gepflegte Anlage mit einem Innenhof und einem Pool heraus. Ich bezog mein Zimmer, das zwar einfach, aber sauber und komfortabel war. Von meinem Balkon aus hatte ich Blick auf einen kleinen Garten mit Palmen und Bougainvillea. Ich stellte meine Reisetasche ab, trank ein Glas Wasser und lehnte mich zurück. Die Hitze des Tages begann langsam zu verfliegen, und eine leichte Brise wehte durch die Blätter. Es war ein Moment vollkommener Ruhe und Entspannung.
Nachdem ich mich ein wenig ausgeruht hatte, beschloss ich, einen ersten Spaziergang durch die Stadt zu machen. Ich wollte mich orientieren, die Umgebung erkunden und ein wenig das Flair der Stadt aufsaugen. Ich verließ das Hotel und wanderte in Richtung des Stadtzentrums. Die Gassen wurden enger und verwinkelter, die Gerüche intensiver und exotischer. Ich kam an kleinen Läden vorbei, die Souvenirs, Gewürze und traditionelle Kleidung verkauften. Überall hörte ich Gespräche, Gelächter und Musik. Ich fühlte mich, als wäre ich in eine andere Welt eingetaucht.
Ich bog in eine kleine Seitenstraße ein und entdeckte eine kleine, unscheinbare Kaffeestube. Ich setzte mich an einen der Tische und bestellte einen Minztee. Der Tee war süß und aromatisch, genau das Richtige, um die Seele baumeln zu lassen. Ich beobachtete das Treiben um mich herum, die Menschen, die vorbeigingen, die Gespräche, die geführt wurden. Ich fühlte mich wohl und entspannt. Es war ein perfekter Moment.
Langsam dämmerte es. Die Sonne versank am Horizont und tauchte die Stadt in ein warmes, goldenes Licht. Die Moscheen riefen zum Gebet. Ich stand auf und machte mich auf den Weg zurück zum Hotel. Ich hatte den ersten Eindruck gewonnen. Monastir war eine Stadt, die mich mit offenen Armen empfangen hatte. Und ich spürte, dass dies ein Urlaub werden würde, den ich so schnell nicht vergessen würde. Jetzt galt es, die kommenden Tage zu nutzen, um diese Stadt noch besser kennenzulernen und mich ganz der Ruhe und Entspannung hinzugeben, die ich so lange gesucht hatte.
Ein Bummel durch das Ribat und die Medina
Am nächsten Morgen, nach einem ausgiebigen Frühstück mit frischem Brot, Olivenöl und süßem Tee, beschloss ich, das historische Zentrum von Monastir zu erkunden. Natürlich durfte das Ribat nicht fehlen. Dieses alte Fort, eine beeindruckende Festungsanlage aus dem 8. Jahrhundert, thront auf einem kleinen Hügel und bietet einen fantastischen Blick über die Stadt und das Meer. Die Mauern sind noch gut erhalten, und ich konnte stundenlang durch die engen Gänge wandern, die alten Geschütztürme erklimmen und mir vorstellen, wie das Leben hier vor Jahrhunderten ausgesehen haben muss. Es war eine faszinierende Erfahrung, die mich tief in die Geschichte dieser Region eintauchen ließ.Verloren in den Gassen der Medina
Nach dem Ribat ging es in die Medina, die Altstadt von Monastir. Ein Labyrinth aus engen Gassen, verwinkelten Wegen und kleinen Geschäften. Hier pulsiert das Leben. Überall roch es nach Gewürzen, Leder, Kaffee und frisch gebackenem Brot. Ich ließ mich einfach treiben, ohne Ziel und ohne Eile. Es war herrlich, sich einfach treiben zu lassen und die Atmosphäre aufzusaugen. Ich entdeckte kleine Werkstätten, in denen Handwerker an ihren Produkten arbeiteten, kleine Cafés, in denen die Einheimischen ihren Tee tranken, und kleine Läden, in denen Souvenirs, Kleidung und Schmuck verkauft wurden.Ich geriet aber auch ein paar Mal verloren. Die Gassen sahen alle gleich aus, und ich hatte Mühe, den Überblick zu behalten. Einmal landete ich versehentlich in einem kleinen Hinterhof, in dem ein paar Männer Schach spielten. Sie musterten mich neugierig, aber freundlich, und boten mir einen Platz an. Ich lehnte dankend ab und entschuldigte mich mit einem Lächeln. Sie verstanden zwar kein Deutsch, aber sie verstanden meine Geste und wünschten mir mit einem Nicken viel Glück. Es war eine kleine, aber schöne Begegnung, die mir zeigte, wie gastfreundlich die Menschen hier sind.
Der Hafen und der Fischmarkt
Am Nachmittag machte ich mich auf den Weg zum Hafen. Hier herrschte ein buntes Treiben. Fischer, die ihre Boote beluden, Händler, die ihre Waren anpriesen, und Touristen, die das bunte Schauspiel beobachteten. Ich setzte mich in ein kleines Café mit Blick auf den Hafen und bestellte einen Minztee. Während ich meinen Tee trank, beobachtete ich das bunte Treiben.Besonders beeindruckend war der Fischmarkt. Hier wurden frische Fische, Krabben und Muscheln verkauft. Die Fische glitzerten in der Sonne, und der Geruch war unvergleichlich. Ich kaufte ein paar frische Sardinen und ließ sie mir in einem kleinen Restaurant zubereiten. Es war ein einfaches, aber köstliches Essen, das ich mit Blick auf das Meer genießen konnte.
Einmal wollte ich ein Foto von einem besonders schönen Fischerboot machen. Ich war so konzentriert auf mein Motiv, dass ich nicht auf eine herumrennende Katze achtete. Ich stolperte und fiel fast hin. Ein freundlicher Mann packte mich rechtzeitig und verhinderte einen Sturz. Er lachte und sagte etwas auf Arabisch, was ich nicht verstand. Aber ich verstand seine Geste. Er wollte mir nur sagen, dass ich vorsichtiger sein sollte. Ich bedankte mich bei ihm und lächelte zurück. Es war ein kleiner Moment, der mir aber gezeigt hat, wie hilfsbereit die Menschen hier sind.
Die Tage in Monastir vergingen wie im Flug. Ich erkundete die Stadt, besuchte historische Sehenswürdigkeiten, probierte lokale Spezialitäten und genoss die Ruhe und Entspannung. Ich lernte die Gastfreundschaft der Menschen kennen und erlebte eine Kultur, die mich tief beeindruckt hat. Es war ein Urlaub, den ich so schnell nicht vergessen würde. Und als ich am letzten Abend auf meinem Balkon saß und den Blick über die Stadt schweifen ließ, wusste ich, dass ich Monastir irgendwann wieder besuchen würde, um die Stille und die Wärme Nordafrikas erneut zu genießen.
Die letzten Tage in Monastir vergingen wie im Flug. Ich saß oft am Abend auf meinem Balkon, trank Minztee und beobachtete das Leben in der Stadt. Die Moscheen riefen zum Gebet, die Gassen füllten sich mit Menschen, und der Duft von Gewürzen lag in der Luft. Es war ein friedliches, harmonisches Bild, das mich tief berührte.
Mehr als nur Sehenswürdigkeiten
Ich hatte mir vorgenommen, die berühmten Sehenswürdigkeiten der Stadt zu besichtigen, und das tat ich auch. Das Ribat, die Medina, der Hafen – all diese Orte waren beeindruckend und lohnenswert. Aber was mich wirklich fasziniert hat, war das authentische Leben der Menschen, ihre Gastfreundschaft und ihre Lebensfreude.
Ich erinnere mich an einen Nachmittag, als ich mich in einem kleinen Café verirrt hatte. Ich konnte kein Arabisch und die Kellner sprachen kein Deutsch oder Englisch. Aber irgendwie konnten wir uns trotzdem verständigen. Ich bestellte einen Minztee und ein paar Datteln, und wir unterhielten uns mit Händen und Füßen. Es war eine einfache, aber schöne Begegnung, die mir gezeigt hat, dass man auch ohne Worte eine Verbindung zu anderen Menschen aufbauen kann.
Ein paar Tipps für deine Reise
Wenn du auch nach Monastir reist, möchte ich dir ein paar Tipps geben. Erstens: Lass dich treiben und entdecke die Stadt auf eigene Faust. Verliere dich in den Gassen der Medina, setz dich in ein Café und beobachte das Leben um dich herum. Zweitens: Sei offen und freundlich zu den Menschen. Sie werden dir mit offenen Armen empfangen und dir ihre Kultur näherbringen. Und drittens: Probiere die lokale Küche. Das Essen in Tunesien ist köstlich und vielfältig, und du wirst es nicht bereuen, neue Gerichte zu probieren.
Ich habe gelernt, dass man nicht viel braucht, um glücklich zu sein. Ein bisschen Ruhe, ein bisschen Sonne, ein bisschen Gastfreundschaft und ein bisschen Lebensfreude – das ist alles, was man braucht, um das Leben zu genießen. Monastir hat mir gezeigt, dass man auch im kleinen Rahmen große Glücksmomente erleben kann. Ich werde diese Reise nie vergessen und hoffe, dass ich bald wieder die Gelegenheit habe, nach Tunesien zu reisen.
Der Abschied fiel mir schwer. Ich verabschiedete mich von den Menschen, die ich kennengelernt hatte, und versprach, wiederzukommen. Ich packte meine Koffer und machte mich auf den Weg zum Flughafen. Als ich im Flugzeug saß und Monastir hinter mir ließ, spürte ich eine tiefe Dankbarkeit für diese unvergessliche Reise.
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- Ribat (historische Festung)
- Medina (Altstadt)
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- Hafen von Monastir