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Portland: Mehr als nur Regen und Rosen

Der Geruch von Kiefer und feuchtem Asphalt hing in der Luft, vermischt mit dem süßlichen Duft von Kaffee. Ich stand da, mitten am Portland International Airport, mit einem überbordenden Rucksack auf dem Rücken und einem ziemlich verwirrten Grinsen im Gesicht. Es war so anders, als alles, was ich bisher kannte. Nicht schlecht anders, eher… weich. Die Farben schienen gedämpfter, die Geräusche weniger schrill.

Warum Portland?

Klingt vielleicht komisch für einen Künstler, aber ich hatte genug von der Perfektion, die man überall sucht. Die glatten Oberflächen, die scharfen Kanten. Ich wollte etwas Echtes, etwas Unperfektes. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass Portland genau das sein könnte, wonach ich suchte. Ich hatte ein paar Dokumentationen über die Stadt gesehen, über die Maker-Szene, die Food Trucks, die Nähe zur Natur. Und diese Vorstellung von einer Stadt, die nicht versucht, irgendetwas zu sein, das sie nicht ist, hat mich einfach angezogen.

Ich bin ja eigentlich Illustrator. Mache viel Auftragsarbeit, Designs für Firmen, Albumcover und so weiter. Aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass mir die Inspiration ausgeht. Alles wirkte berechnet, vorhersehbar. Ich brauchte einen Reset. Und was gibt es Besseres, als sich in eine fremde Kultur zu stürzen? Oder zumindest in eine Stadt, die sich in vielerlei Hinsicht von meiner Heimat unterscheidet. Ich wohne nämlich in Berlin, und das ist… sagen wir mal, ziemlich direkt. Alles ist sehr laut und sehr präsent. Portland wirkte auf mich so… nachdenklich.

Erste Schritte in der Stadt

Nachdem ich meinen Rucksack am Flughafen verstaut hatte, nahm ich den MAX Light Rail in die Innenstadt. Die Fahrt war schon ein Erlebnis für sich. Überall grüne Bäume, kleine Holzhäuser, und überall diese entspannte Atmosphäre. Die Leute im Zug waren alle sehr freundlich, haben gelächelt und sich sogar unterhalten – ohne dass es gezwungen wirkte. In Berlin wäre das undenkbar. Da würde jeder in seinen Kopf gucken und tun so, als ob er unsichtbar wäre.

Mein Hotel lag in der Nähe des Pearl District, einem ehemaligen Industriegebiet, das jetzt voller Galerien, Boutiquen und Restaurants ist. Schon allein die Architektur war faszinierend. Alte Lagerhallen, die in moderne Wohnungen und Büros umgewandelt wurden, mit viel Glas und Stahl. Aber trotzdem irgendwie warm und einladend. Ich checkte ein und beschloss, direkt auf Erkundungstour zu gehen.

Der Duft von Kaffee und Büchern

Ich wanderte einfach ziellos durch die Straßen, ließ mich treiben und beobachtete das Leben um mich herum. Überall diese kleinen, unabhängigen Läden, die es so nicht in Berlin gibt. Buchhandlungen mit gemütlichen Leseecken, Vinyl-Plattenläden mit unzähligen Schallplatten, kleine Cafés mit dem Duft von frisch gebrühtem Kaffee. Und überall diese Kunst. Graffiti an den Hauswänden, Skulpturen auf den Plätzen, kleine Galerien mit wechselnden Ausstellungen.

Ich landete in einem kleinen Café namens “Powell’s City of Books”. Wahnsinn. Das ist nicht nur eine Buchhandlung, das ist eine Institution. Über 1 Million Bücher in allen möglichen Kategorien. Ich verbrachte Stunden damit, durch die Regale zu stöbern, alte Schätze zu entdecken und mich von den Geschichten inspirieren zu lassen. Ich kaufte mir ein paar gebrauchte Bücher über die Geschichte der amerikanischen Westküste und einen Bildband über die Landschaft Oregons. Die dachten wohl, ich wäre ein Tourist. Aber ich bin hier, um zu lernen, um zu verstehen, um etwas Neues zu finden.

Der erste Eindruck verdichtet sich

Ich merkte, dass Portland anders war, als ich es erwartet hatte. Es war nicht nur eine Stadt mit vielen Kunst und Kultur, es war eine Stadt mit einer Seele. Eine Stadt, die sich selbst nicht zu ernst nimmt, die Spaß an der Kreativität hat und die Menschen ermutigt, ihre eigenen Wege zu gehen. Und ich hatte das Gefühl, dass ich hier endlich wieder zu mir selbst finden konnte. Die vielen Eindrücke begannen sich zu verdichten und ich fühlte mich schon fast wie zuhause. Ich ahnte, dass dies der Anfang einer spannenden Reise werden würde, eine Reise, die mich nicht nur als Künstler, sondern auch als Mensch verändern würde. Und so fragte ich mich, wie diese neue Umgebung meine Arbeit beeinflussen und welche Geschichten ich hier eigentlich finden würde.

Ein bisschen verloren im Alphabet District

Am nächsten Tag beschloss ich, den Alphabet District zu erkunden. Klingt erstmal witzig, oder? Aber es ist genau das, was es ist: Ein Viertel, in dem die Straßen nach Buchstaben benannt sind. A Street, B Street, C Street und so weiter. Ich hatte mir eine Karte besorgt, aber ich muss sagen, ich habe mich trotzdem ein paar Mal verlaufen. Aber das war eigentlich ganz gut so. So habe ich ein paar versteckte Cafés und kleine Boutiquen entdeckt, die ich sonst nie gefunden hätte. Ein kleines Café, "Besaw's", hatte unglaublich leckere Zimtschnecken – fast schon eine Sünde wert. Ich saß dort eine Weile und beobachtete die Leute. Es waren viele junge Familien, Studenten und Künstler. Alle wirkten so entspannt und zufrieden. Ich fragte mich, ob das hier wirklich das Paradies ist.

Food Trucks und der Geruch von Streetfood

Aber das wirklich Besondere an Portland sind die Food Trucks. Überall in der Stadt stehen sie, bieten eine unglaubliche Vielfalt an Gerichten an. Von vietnamesischer Streetfood über kubanische Sandwiches bis hin zu veganen Tacos – alles ist dabei. Ich probierte mich durch die verschiedenen Angebote und war begeistert. Ich landete an einem Food-Truck-Pod namens "Cartopia". Dort gab es alles, was das Herz begehrt. Ich entschied mich für einen koreanischen Burger – eine interessante Kombination, aber unglaublich lecker. Das Essen war nicht nur gut, sondern auch günstig. Und die Atmosphäre war einfach fantastisch. Alle saßen zusammen an langen Tischen, unterhielten sich und lachten. Ich fühlte mich sofort willkommen.

Der International Rose Test Garden – mehr als nur Rosen

Ich wusste, dass Portland für seine Rosen berühmt ist, also beschloss ich, den International Rose Test Garden zu besuchen. Ich hatte mir vorgestellt, dass es ein schöner, aber etwas langweiliger Garten sein würde. Aber ich wurde überrascht. Der Garten war riesig und voller Rosen in allen Farben und Formen. Aber es gab auch andere Pflanzen und Blumen, die den Garten zu einem wahren Paradies machten. Und die Aussicht auf die Stadt und den Mount Hood war einfach atemberaubend. Ich saß dort eine Weile und zeichnete in meinem Skizzenbuch. Die Rosen inspirierten mich zu neuen Ideen und Konzepten. Ich spürte, wie meine Kreativität wieder aufblühte.

Eine kleine Panne und ein freundliches Gesicht

Eines Abends wollte ich mit dem Fahrrad zurück zu meinem Hotel fahren. Ich hatte mir ein Fahrrad gemietet, um die Stadt besser erkunden zu können. Aber leider hatte ich einen Platten. Ich stand also mitten im Dunkeln, mit einem kaputten Fahrrad und ohne Ahnung, was ich tun sollte. Ich war ziemlich frustriert. Aber dann kam eine ältere Dame vorbei. Sie sah, dass ich Probleme hatte, und fragte, ob sie mir helfen könne. Sie war ein echter Engel. Sie half mir, den Reifen zu flicken, und begleitete mich sogar ein Stück des Weges zurück zu meinem Hotel. Ich war so dankbar für ihre Hilfe. Es war ein Beweis dafür, wie freundlich und hilfsbereit die Menschen in Portland sind. Diese kleine Begegnung erinnerte mich daran, dass es manchmal die kleinen Dinge sind, die das Leben schön machen.

Ich begann zu verstehen, dass Portland nicht nur eine Stadt ist, sondern ein Lebensgefühl. Ein Gefühl von Freiheit, Kreativität und Gemeinschaft. Und ich spürte, dass diese Reise nicht nur meine Kunst, sondern auch mich selbst verändern würde, und dass ich mit jedem Tag tiefer in die Seele dieser Stadt eindrang.

Ich saß am Ufer des Willamette River, die Füße baumelten in der Luft. Die Sonne kämpfte sich durch die Wolken und tauchte die Stadt in ein goldenes Licht. Es war ein Moment der Stille, der mir die Zeit gab, alles zu verarbeiten. Diese Reise nach Portland war anders, als alles, was ich bisher erlebt hatte. Es war nicht nur eine Reise zu neuen Orten, sondern auch eine Reise zu mir selbst.

Die Suche nach Authentizität

Ich kam hierher, um Inspiration zu finden, um den kreativen Funken wiederzuentdecken, der in letzter Zeit so verblasst war. Und ich glaube, ich habe ihn gefunden. Portland ist eine Stadt, die Authentizität lebt. Es ist eine Stadt, in der Menschen ermutigt werden, sie selbst zu sein, ihre eigenen Wege zu gehen, ihre eigenen Träume zu verfolgen. Das hat mich tief berührt.

Der Einfluss auf meine Kunst

Ich habe angefangen, anders zu sehen, anders zu denken, anders zu arbeiten. Die Farben, die Texturen, die Formen, die ich hier gefunden habe, haben meine künstlerische Vision verändert. Ich habe begonnen, mit neuen Materialien zu experimentieren, mit neuen Techniken zu spielen, neue Geschichten zu erzählen. Die Natur Oregons, die urbane Kunstszene, die Vielfalt der Kulturen – all das hat mich inspiriert.

Ein paar letzte Gedanken

Portland ist nicht perfekt. Es regnet oft, die Straßen sind manchmal schmutzig, und es gibt auch soziale Probleme. Aber gerade diese Imperfektionen machen die Stadt so liebenswert. Es ist eine Stadt, die echt ist, die ehrlich ist, die menschlich ist.

Meine Top 3 Tipps für Portland

Wenn du nach Portland reist, hier sind ein paar Dinge, die du unbedingt tun solltest:

  • Besuche den International Rose Test Garden: Es ist nicht nur ein Garten, es ist ein Erlebnis für die Sinne. Die Rosen sind wunderschön, die Aussicht ist atemberaubend, und die Atmosphäre ist magisch.
  • Erkunde die Food-Truck-Szene: Portland ist ein Paradies für Feinschmecker. Die Food Trucks bieten eine unglaubliche Vielfalt an Gerichten zu erschwinglichen Preisen.
  • Schlendere durch den Alphabet District: Es ist ein charmantes Viertel mit vielen unabhängigen Geschäften, Cafés und Restaurants.

Ich verlasse Portland mit einem schweren Herzen, aber auch mit einem Gefühl der Dankbarkeit. Ich habe hier so viel gelernt, so viel erlebt, so viel inspiriert bekommen. Ich glaube, dass diese Reise mich als Künstler und als Mensch verändert hat. Und ich hoffe, dass ich bald wiederkommen kann, um weitere Geschichten zu entdecken und weitere Träume zu verfolgen.

    • International Rose Test Garden
    • Food-Truck-Szene
    • Powell’s City of Books
    • Alphabet District
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