Europa - Tschechien - Pilsen

Reisebericht Europa - Tschechien - Pilsen

Der Geruch von abgestandenem Bier und irgendeinem undefinierbaren Fett hing in der Luft, als ich aus dem Bus in Pilsen stieg. Nicht gerade das romantische Europa-Erlebnis, das man sich so vorstellt, aber hey, ich hatte schlimmeres erwartet. Und ehrlich gesagt, war es irgendwie… authentisch.

Pilsen – Weil Prag zu Mainstream war

Ich bin Alex, Mitte dreißig, und arbeite, naja, ich arbeite von überall aus, wo es halbwegs stabiles WLAN gibt. Digitaler Nomade, nennt man das. Klingt viel glamouröser, als es ist. In Wahrheit bedeutet es meistens: In irgendwelchen zweifelhaften Cafés sitzen und versuchen, einen halbwegs ergonomischen Arbeitsplatz zu improvisieren. Prag war dieses Mal zu überlaufen, zu teuer, zu… instagrammable. Ich brauchte etwas Echtes, etwas Unaufgeregtes. Pilsen schien auf der Karte der europäischen Städte so etwas wie der vernünftige Kompromiss zwischen Großstadttrubel und Kleinstadtlangeweile zu sein. Und natürlich: Das Bier. Man muss seine Prioritäten kennen.

Ich hatte mich ziemlich spontan für diese Reise entschieden. Irgendwie hatte mich der tägliche Trott des Homeoffice eingeholt. Die gleichen vier Wände, die gleichen virtuellen Meetings, die gleichen Katzen, die mich beim Arbeiten anstarren. Ich brauchte eine Veränderung, eine Auszeit, einen Grund, meine Wohnung aufzuräumen (oder auch nicht, in diesem Fall). Also habe ich kurzerhand einen Flug und eine Airbnb-Unterkunft gebucht, ohne groß darüber nachzudenken. Das ist mein Standardmodus, wenn es darum geht, dem Alltag zu entfliehen. Funktioniert meistens ganz gut.

Die Airbnb-Herausforderung

Die Unterkunft selbst stellte sich als eine interessante Herausforderung heraus. Es war zwar sauber (mehr oder weniger) und hatte WLAN (halbwegs stabil), aber die Beschreibung war, sagen wir mal, etwas optimistisch. “Charmantes Apartment im Herzen der Altstadt” hatte eher den Charakter von “Kellerwohnung mit Blick auf eine Backsteinmauer”. Aber hey, ich bin ja nicht anspruchsvoll. Hauptsache, es gibt eine funktionierende Dusche und einen Kühlschrank für mein Bier. Und beides war gegeben, also kann ich mich nicht beschweren.

Der Vermieter, ein älterer Herr namens Josef, sprach weder Englisch noch Deutsch, und mein Tschechisch beschränkt sich auf “Dobrý den” und “Pivo, prosím”. Die Kommunikation gestaltete sich daher etwas schwierig. Er hat mir mehrfach versucht, etwas in meinem Handy zu tippen (vermutlich Anweisungen oder Warnungen), aber ich habe es einfach ignoriert. Irgendwann hat er aufgegeben und mich mit einem breiten Grinsen und einer Flasche lokales Bier in den Flur gewunken. Das war dann unsere Art der Verständigung.

Erste Eindrücke – Zwischen Plattenbauten und Biergärten

Die Stadt selbst ist… interessant. Es ist eine Mischung aus wunderschöner Altstadtarchitektur und grauen Plattenbauten, die an die sozialistische Vergangenheit erinnern. Überall gibt es kleine Biergärten und Kneipen, in denen man das berühmte Pilsener Urquell genießen kann. Ich habe schon einige davon getestet, versteht sich. Für wissenschaftliche Zwecke, natürlich.

Was mir sofort auffiel, war die entspannte Atmosphäre. Die Leute scheinen hier weniger gestresst und hektisch zu sein als in anderen europäischen Städten. Sie sitzen einfach in den Parks, trinken Bier und unterhalten sich. Ich habe mich sofort wohl gefühlt, als ob ich hier hingehöre. Oder zumindest als ob ich mich hier für ein paar Tage verstecken könnte.

Ich habe mich schon ein paar Mal verlaufen, aber das ist ja auch Teil des Reiz von Städtereisen. Man entdeckt immer wieder neue, versteckte Gassen und Plätze. Und selbst wenn man sich verirrt, findet man meistens irgendwann eine Kneipe, in der man sich wieder orientieren kann. Mit Hilfe von Pivo, versteht sich.

Ich hatte noch keine große Touristenattraktion gesehen, keine Museen besucht und keine historischen Gebäude besichtigt. Ich hatte einfach nur durch die Straßen geschlendert, das Leben beobachtet und das lokale Bier genossen. Und das war genau das, was ich wollte. Eine Auszeit vom Alltag, eine Chance, mich zu entspannen und neue Energie zu tanken. Und bevor ich mich den Sehenswürdigkeiten widme, muss ich erst mal herausfinden, wo Josef die beste Kneipe versteckt hat.

Der Pilsener Stadtpark – Mehr als nur Grün

Der Pilsener Stadtpark ist riesig. Wirklich riesig. Ich bin da hingelaufen, weil ich dachte, ein bisschen Natur wäre mal wieder ganz gut. Nach Tagen in Airbnb-Kellerwohnungen und Kneipen brauchte mein Körper etwas Sauerstoff und meine Augen etwas anderes als Backsteinmauern. Der Park ist voller Statuen – wirklich, überall stehen irgendwelche Helden und Denkmäler. Ich habe versucht, herauszufinden, wer da alles verewigt wurde, aber ehrlich gesagt, habe ich nach der dritten Statue aufgegeben. Zu viele Leute, die ich nicht kenne, und zu viele Möglichkeiten, sich zu verirren. Ich habe mir einen Platz gesucht, ein Bier aus der Dose (ja, ich bin faul) und einfach nur Leute beobachtet. Es gab eine Unmenge an Familien, die picknickten, Hunde, die Frisbees jagten, und ältere Herren, die Schach spielten. Irgendwann hat mich ein kleiner Junge angesprochen und versucht, mir seinen selbstgebastelten Papierflieger zu verkaufen. Ich habe ihm fünf Kronen gegeben und den Flieger angenommen. Er war ziemlich zerknittert, aber hey, es ist die Geste, die zählt.

Das Viertel Loznice – Abseits der Touristenpfade

Ich bin dann etwas weiter gelaufen und habe mich in das Viertel Loznice verirrt. Das ist kein typisches Touristengebiet, sondern eher ein Wohngebiet mit Plattenbauten und kleinen Geschäften. Ich habe versucht, ein lokales Restaurant zu finden, aber das war gar nicht so einfach. Die meisten Schilder waren auf Tschechisch, und mein Google Translate hat auch nicht immer geholfen. Irgendwann bin ich auf ein kleines Bistro gestoßen, das aussah, als wäre es seit Jahrzehnten unverändert. Ich bin hineingegangen und habe mich an einen Tisch gesetzt. Die Bedienung sprach kein Wort Englisch, aber wir haben uns irgendwie verständigt. Ich habe ein Gericht bestellt, das ich nicht kannte, und es war… interessant. Es bestand hauptsächlich aus Kartoffeln und irgendwelchen Fleischklößchen in einer seltsamen Soße. Aber es war lecker, auf eine ganz eigene Art und Weise.

Die „U Fleků“ Brauerei – Touristisch, aber trotzdem gut

Okay, ich gebe es zu. Ich bin in die „U Fleků“ Brauerei gegangen. Ja, die ist total überlaufen mit Touristen. Aber hey, ich wollte halt auch mal das berühmte dunkle Bier probieren. Und ehrlich gesagt, war es ziemlich gut. Die Atmosphäre war zwar etwas chaotisch, aber das hat irgendwie zum Erlebnis dazu gehört. Ich habe mich an einen Tisch gesetzt und eine halbe Liter bestellt. Der Kellner war ziemlich gestresst, aber er hat mir trotzdem ein Lächeln spendiert. Ich habe ein paar Gespräche mit anderen Touristen geführt, hauptsächlich über das Wetter und das Bier. Und dann habe ich einfach nur das Leben genossen. Ich habe mich auch kurz in der Souvenir-Abteilung umgesehen. Es gab dort alles Mögliche, von T-Shirts bis zu Bierkrügen. Ich habe mich aber dagegen entschieden, irgendetwas zu kaufen. Ich bin ja schließlich ein digitaler Nomade, ich brauche keine unnötigen Dinge. Ich habe dann noch einen Spaziergang durch die Altstadt gemacht, bevor ich zurück zu meiner Airbnb-Unterkunft gegangen bin. Die Straßen waren voller Menschen, und es gab überall Musik. Ich habe mich in dieser Stadt wirklich wohl gefühlt. Und ich wusste, dass ich noch ein paar Tage hier verbringen wollte, bevor ich mich wieder auf den Weg machen würde, um andere europäische Städte zu erkunden. Pilsen hatte mich irgendwie für sich gewonnen, und ich ahnte, dass ich hier noch einiges entdecken würde, bevor meine Reise zu Ende ging.

Ich saß gerade in einem kleinen Café, versuchte, meine Steuererklärung zu machen (ja, auch digitale Nomaden müssen das) und beobachtete das Treiben auf der Straße. Pilsen ist eine Stadt, die irgendwie unter dem Radar fliegt. Nicht so überlaufen wie Prag, nicht so poliert und perfekt, sondern eher… echt. Es ist eine Stadt, in der man das Gefühl hat, noch echte Menschen zu treffen, und nicht nur andere Touristen, die versuchen, das perfekte Instagram-Foto zu machen.

Ich habe mich in den letzten Tagen ziemlich gut eingelebt. Ich habe meine Routine gefunden: Aufwachen, Kaffee trinken, ein bisschen arbeiten, ein bisschen die Stadt erkunden, abends ein paar Biere trinken. Klingt langweilig? Vielleicht. Aber es ist genau das, was ich gebraucht habe. Eine Auszeit vom Chaos des Alltags, eine Chance, mich zu entspannen und neue Energie zu tanken.

Das U Fleků-Dilemma

Ich muss zugeben, ich bin noch ein paar Mal in das „U Fleků“ gegangen. Ja, ich weiß, es ist total touristisch und überteuert. Aber hey, ich bin halt ein Mensch mit Schwächen. Und mein Schwäche ist gutes dunkles Bier. Außerdem ist es ein bisschen wie ein Pilgergang. Man muss es einfach mal gemacht haben.

Ich habe dort ein paar interessante Leute kennengelernt, hauptsächlich andere Touristen, die genauso verloren und verwirrt waren wie ich. Wir haben über Gott und die Welt geredet, über unsere Reisen, unsere Jobs, unsere Beziehungen. Es war schön, sich mit anderen Menschen zu verbinden, auch wenn es nur für einen kurzen Moment war.

Abseits der Touristenpfade

Ich habe versucht, so oft wie möglich abseits der ausgetretenen Pfade zu gehen. Ich bin durch kleine Gassen geschlendert, habe versteckte Parks entdeckt und bin in lokalen Kneipen eingekehrt. Ich habe versucht, mich mit den Einheimischen zu unterhalten, auch wenn mein Tschechisch sich auf „Dobrý den“ und „Pivo, prosím“ beschränkt.

Ich habe gelernt, dass die Menschen in Pilsen sehr freundlich und gastfreundlich sind. Sie sind immer bereit, einem zu helfen, auch wenn man sich nicht verständigen kann. Ich habe das Gefühl, dass sie stolz auf ihre Stadt sind und dass sie gerne mit anderen teilen, was sie haben.

Was Pilsen besonders macht

Pilsen ist nicht die schönste Stadt der Welt. Es ist auch nicht die aufregendste. Aber es ist eine Stadt mit Charakter. Eine Stadt, die mich irgendwie für sich gewonnen hat. Es ist eine Stadt, in der man das Gefühl hat, noch echte Menschen zu treffen, und in der man das Leben in vollen Zügen genießen kann.

Ich habe gelernt, dass man nicht viel braucht, um glücklich zu sein. Man braucht nur gutes Bier, nette Menschen und eine schöne Umgebung. Pilsen hat all das zu bieten. Ich bin froh, dass ich hierhergekommen bin. Und ich werde diese Stadt nicht vergessen.

Meine Tipps für Pilsen

Wenn ihr nach Pilsen reist, solltet ihr euch ein paar Dinge nicht entgehen lassen. Erstens: Probiert das Pilsner Urquell. Es ist das beste Bier der Welt (oder zumindest in meinen Augen). Zweitens: Erkundet die Stadt zu Fuß. Pilsen ist nicht so groß, dass man ein Auto braucht. Und drittens: Vergesst nicht, die Einheimischen zu grüßen. Sie werden sich freuen, wenn ihr ihnen ein Lächeln schenkt.

Ich werde Pilsen mit vielen schönen Erinnerungen verlassen. Ich habe neue Freunde gefunden, neue Erfahrungen gemacht und neue Erkenntnisse gewonnen. Ich bin dankbar für diese Zeit. Und ich werde wiederkommen.

    👤 Junges Paar (Anfang 30) mit kleinem Baby, Suche nach kinderfreundlichen Urlaubsorten ✍️ persönlich und intim