Südamerikanische Impressionen: Eine Reise zu den Wasserfällen von Iguazú
Ein spontaner Impuls
Die Idee nach Iguazú kam eigentlich ganz plötzlich. Ich blätterte durch eine Reisemagazin, sah ein Foto von den Wasserfällen, und da war es, dieses Kribbeln. Ich hatte jahrelang nur noch geschäftlich gereist, kurz hierher, kurz dorthin, immer mit dem Kopf bei der Arbeit. Meine Frau, Elisabeth, hatte mich schon lange ermutigt, etwas Neues zu wagen, etwas, das wirklich Spaß macht. Sie ist leider vor zwei Jahren viel zu früh gestorben. Diese Reise ist also auch eine Art stiller Hommage an sie, ein Versuch, wieder etwas von der Lebensfreude zu finden, die sie immer ausgestrahlt hat.Die Wahl des Hotels
Das Gran Meliá Iguazú ist, ehrlich gesagt, ein Traum. Nicht protzig, sondern elegant und ruhig gelegen, direkt im Nationalpark. Man wachte morgens auf und hörte schon die ersten Rufe der Vögel und das ferne Grollen der Wasserfälle. Ich hatte eine Junior Suite mit Blick auf den üppigen Garten gebucht. Eine kleine Terrasse mit zwei Liegestühlen lud zum Verweilen ein. Ich hatte mir fest vorgenommen, jeden Morgen dort zu frühstücken und einfach die Seele baumeln zu lassen. Der Service ist diskret und aufmerksam, ohne aufdringlich zu sein. Man merkt sofort, dass hier Wert auf Qualität und Individualität gelegt wird.Ich erinnere mich noch gut an das erste Dinner im Hotelrestaurant. Das Ambiente war gedämpft, die Tische mit weißen Leinen bedeckt. Ich hatte ein argentinisches Filet bestellt, medium rare, dazu einen Glas Malbec. Das Fleisch war unglaublich zart, fast schon butterweich. Der Wein passte perfekt dazu. Ich saß lange am Tisch und beobachtete die anderen Gäste. Es waren hauptsächlich Paare und Familien, aber auch einige Alleinreisende wie ich. Alle schienen die Ruhe und die Schönheit der Umgebung zu genießen.
Erste Erkundungen
Am nächsten Morgen, nach einem ausgiebigen Frühstück, wagte ich mich dann endlich an die Wasserfälle heran. Ich hatte mich für eine private Führung entschieden, einfach weil ich mir etwas mehr Flexibilität und Ruhe gewünscht hatte. Mein Guide, ein freundlicher Mann namens Ricardo, erzählte mir viel über die Geschichte der Wasserfälle, die Tierwelt und die Bedeutung des Nationalparks.Wir begannen mit dem unteren Rundweg, der sich entlang der verschiedenen Wasserfälle schlängelte. Schon von Weitem hörte man das ohrenbetäubende Rauschen des Wassers. Als wir dann näher kamen, war es einfach überwältigend. Die Wassermassen stürzten mit unglaublicher Wucht in die Tiefe, und überall bildeten sich dichte Nebelwolken. Ich stand da und fühlte mich winzig klein angesichts dieser Naturgewalt.
Die Teufelsschlucht
Das absolute Highlight war natürlich die Teufelsschlucht, der größte und beeindruckendste der Wasserfälle. Man kann bis an den Rand gehen und direkt in den tosenden Wassermassen stehen. Ich hatte mich zunächst etwas gezögert, aber Ricardo versicherte mir, dass es sicher sei. Ich zog eine Regenjacke an und wagte den Schritt. Es war ein unglaubliches Gefühl, die Gischt auf der Haut zu spüren und das ohrenbetäubende Rauschen in sich aufzunehmen. Ich fühlte mich lebendig, befreit. Nach einigen Stunden intensiver Erkundung kehrte ich müde, aber glücklich ins Hotel zurück. Ich nahm mir ein langes Bad und ließ den Tag Revue passieren. Die ersten Eindrücke hatten sich tief in mein Gedächtnis gebrannt. Die Schönheit der Natur, die Gastfreundschaft der Menschen, die Ruhe und Entspannung. Es war genau das, was ich gebraucht hatte. Und während ich so in Gedanken versunken war, begann ich mich zu fragen, was die kommenden Tage noch bringen würden, denn diese Reise versprach, mehr als nur ein Urlaub zu werden.Ein Ausflug nach Puerto Iguazú
Am nächsten Tag beschloss ich, einen Ausflug in die Stadt Puerto Iguazú selbst zu unternehmen. Das Hotel hatte mir einen Fahrer organisiert, der mich für ein paar Stunden herumfuhr. Ich wollte das authentische Argentinien erleben, abseits der Touristenpfade. Wir starteten mit dem lokalen Markt, einer bunten Mischung aus Obst, Gemüse, Fleisch und Handwerkskunst. Die Gerüche waren intensiv, eine Mischung aus süßen Früchten und würzigem gegrilltem Fleisch. Ich probierte ein paar lokale Spezialitäten, darunter Empanadas und Dulce de Leche. Einfach köstlich!Ein unerwartetes Konzert
Dann fuhren wir durch die Straßen der Stadt, vorbei an kleinen Geschäften und Cafés. Plötzlich hörten wir Musik. Ein kleines, improvisiertes Konzert fand auf einem Platz statt. Eine Gruppe von Männern spielte traditionelle argentinische Musik mit Gitarren und Akkordeons. Ich konnte nicht widerstehen und stieg aus, um zuzusehen. Die Stimmung war ausgelassen, die Leute tanzten und lachten. Ich fühlte mich sofort wohl und willkommen. Der Fahrer, ein stiller Mann bis dahin, lächelte zum ersten Mal.Das Drei-Grenzen-Gebiet
Ein absolutes Highlight war der Besuch des Drei-Grenzen-Gebiets, wo Argentinien, Brasilien und Paraguay aufeinandertreffen. Man kann an einem Punkt stehen und die drei Länder gleichzeitig sehen. Es war schon eine surreale Erfahrung. Es gab eine kleine, aber sehenswerte Ausstellung über die Geschichte und Kultur der Region. Ich aß in einem Restaurant mit Blick auf den Fluss und genoss die Aussicht. Allerdings gab es einen kleinen Zwischenfall: Ich hatte mein Portemonnaie auf dem Tisch liegen lassen, und ein kleiner Affe versuchte, es zu stehlen! Zum Glück konnte der Kellner ihn rechtzeitig vertreiben. Ich war etwas erschrocken, aber auch amüsiert.Abendessen mit Blick auf den Fluss Am Abend suchte ich mir ein Restaurant am Fluss aus, um den Sonnenuntergang zu genießen. Ich hatte Glück und bekam einen Tisch direkt am Fenster. Das Essen war hervorragend, und der Blick auf den Fluss einfach atemberaubend. Während ich dort saß und den Tag Revue passieren ließ, wurde mir klar, dass diese Reise mehr war als nur ein Urlaub. Es war eine Möglichkeit, mich selbst neu zu entdecken, meine Batterien aufzuladen und die Schönheit des Lebens wieder zu schätzen. Die Tage vergingen wie im Flug, und bald war es Zeit, Abschied zu nehmen. Die Erinnerungen an Iguazú, die majestätischen Wasserfälle, die freundlichen Menschen und die unvergesslichen Erlebnisse würden mich noch lange begleiten, und so langsam begann ich zu verstehen, dass diese Reise vielleicht genau das war, was ich brauchte, um endlich wieder Frieden zu finden und einen neuen Lebensmut zu entwickeln.
Der Abschied von Iguazú fiel mir schwerer als erwartet. Ich hatte mich in die Ruhe, die Schönheit und die Wärme dieser Gegend verliebt. Als ich am Flughafen auf meinen Rückflug wartete, blätterte ich noch einmal in meinen Fotos und erinnerte mich an all die unvergesslichen Momente. Die majestätischen Wasserfälle, die üppige Vegetation, die freundlichen Menschen – alles hatte einen tiefen Eindruck hinterlassen.
Ein stiller Abschied
Ich erinnere mich noch gut an meinen letzten Morgen. Ich stand früh auf, ging auf meine Terrasse und trank eine Tasse Kaffee. Die Sonne ging gerade auf und tauchte den Garten in ein goldenes Licht. Ich hörte das ferne Grollen der Wasserfälle und fühlte eine tiefe Dankbarkeit für all das Glück, das ich hier erfahren hatte. Es war, als ob Elisabeth mit mir zusammen hier wäre und diese Schönheit mit mir teilte. Diese Reise war nicht nur ein Urlaub, sondern auch eine Art Pilgerfahrt zu ihren Erinnerungen.
Die kleinen Dinge, die zählen
Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist, sind die kleinen Dinge, die den Aufenthalt so besonders gemacht haben. Das freundliche Lächeln des Zimmermädchens, das jeden Tag frische Blumen auf mein Zimmer stellte. Das exquisite Essen im Hotelrestaurant, zubereitet mit frischen, lokalen Zutaten. Die entspannten Stunden am Pool, bei einem guten Buch und einem erfrischenden Cocktail. Es sind diese kleinen Aufmerksamkeiten, die den Unterschied ausmachen und einen Aufenthalt unvergesslich machen.
Empfehlungen für zukünftige Reisende
Wenn ich jemandem eine Reise nach Iguazú empfehlen würde, hätte ich ein paar Tipps parat. Erstens: Nehmen Sie sich genügend Zeit. Iguazú ist mehr als nur die Wasserfälle. Es gibt so viel zu entdecken, von der Tierwelt im Nationalpark bis hin zur Kultur der umliegenden Dörfer. Zweitens: Buchen Sie eine private Führung. Es ist zwar teurer, aber es lohnt sich, wenn Sie flexibler sein und die Sehenswürdigkeiten in Ruhe genießen möchten. Und drittens: Probieren Sie unbedingt die lokale Küche. Die argentinische Küche ist bekannt für ihr Fleisch, aber es gibt auch viele andere Köstlichkeiten zu entdecken, wie zum Beispiel Empanadas, Dulce de Leche und Alfajores.
Ein Versprechen für die Zukunft
Ich verspreche mir selbst, dass ich nicht zu lange warten werde, bis ich wieder nach Iguazú zurückkehre. Es ist ein Ort, der mir ans Herz gewachsen ist und der mich immer wieder aufs Neue verzaubern wird. Und wer weiß, vielleicht werde ich ja eines Tages wieder mit Elisabeth hier sein können, in meinen Gedanken und in meinen Träumen.
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