Reisebericht Afrika - Tunesien - Sousse
Ein spontaner Impuls
Eigentlich sollte es dieses Jahr nach Japan gehen. Ich hatte schon die Flüge gebucht, die ersten Kochkurse recherchiert und mich auf die faszinierende japanische Küche gefreut. Doch dann kam alles anders. Ein Artikel über die tunesische Küche in einem Food-Magazin, ein paar inspirierende Bilder von Souks und Gewürzmärkten und plötzlich hatte ich alles umgebucht. Tunesien klang nach Abenteuer, nach Authentizität und – ganz wichtig – nach unglaublich gutem Essen. Ich bin ja quasi ein hoffnungsloser Fall, wenn es um kulinarische Reisen geht. Ich sammle keine Souvenirs, sondern Aromen, Geschmäcker, Geschichten hinter den Rezepten.Ich liebe es, mich einfach treiben zu lassen, in kleine Lokale zu gehen, wo die Einheimischen essen, und mich von den Gerüchen leiten zu lassen. Und natürlich, ich liebe es, selbst zu kochen. Ich bin kein Profi, aber ich koche leidenschaftlich gerne und versuche, die Aromen der Orte, die ich bereise, in meine Gerichte einzubauen.
Erste Eindrücke
Mein Hotel lag in Sousse, einer Stadt, die offenbar eine Mischung aus moderner Touristik und traditionellem tunesischem Leben ist. Der Transfer führte mich durch belebte Straßen, vorbei an weißen Häusern mit blauen Fensterläden, kleinen Werkstätten und Marktständen, die mit frischem Obst und Gemüse beladen waren. Überall waren Olivenbäume zu sehen, und der Duft von Jasmin lag in der Luft.Sousse ist – zumindest auf den ersten Blick – nicht das typische Postkarten-Tunesien mit Wüstendünen und Kamelen. Es ist eine lebendige Stadt mit einer eigenen Dynamik, einer Mischung aus afrikanischer, arabischer und europäischer Kultur. Ich war sofort gefesselt.
Das Hotel und der erste Hunger
Mein Hotel war ein kleiner, familiengeführter Betrieb, eher unscheinbar, aber mit einer unglaublich herzlichen Atmosphäre. Ich wurde mit einem Glas Minztee und ein paar Datteln begrüßt – eine Geste, die ich sofort zu schätzen wusste. Das Zimmer war einfach, aber sauber und gemütlich, mit einem kleinen Balkon, von dem aus ich auf einen belebten Platz blickte.Nachdem ich mein Gepäck abgestellt hatte, meldete sich der Hunger unbarmherzig zu Wort. Ich hatte mir vorgenommen, nicht gleich im Hotel zu essen, sondern auf die Suche nach einem authentischen Restaurant zu gehen. Also verließ ich das Hotel und ließ mich einfach treiben.
Der Souk ruft
Der Souk von Sousse ist ein Labyrinth aus engen Gassen, in denen sich Händler und Handwerker dicht an dicht drängen. Überall gab es etwas zu entdecken: Gewürze, Olivenöl, Datteln, Teppiche, Lederwaren, Keramik, Schmuck. Der Duft von Zimt, Kreuzkümmel und Safran lag in der Luft, vermischt mit dem Geruch von Leder und frischem Brot.Ich verlief mich sofort, was ja eigentlich der Sinn der Sache war. Ich wollte nicht einfach nur einkaufen, sondern die Atmosphäre aufsaugen, die Menschen beobachten, die Geräusche hören. Ich blieb an einem Stand stehen, an dem ein Mann gerade Olivenöl verkostete. Er bot mir auch eine Kostprobe an, und ich war sofort begeistert. Es war ein fruchtiges, aromatisches Öl, das perfekt zu dem frischen Brot passte, das er mir ebenfalls anbot.
Auf der Suche nach dem perfekten Tagine
Nach ein paar Stunden im Souk hatte ich genug eingekauft und wollte nun endlich etwas essen. Ich hatte mir vorgenommen, einen guten Tagine zu finden – das tunesisches Nationalgericht, ein Schmorgericht aus Fleisch oder Gemüse, das in einem speziellen Tongefäß zubereitet wird. Ich fragte einen Händler nach einer Empfehlung, und er schickte mich in ein kleines Restaurant in einer Seitengasse.Das Restaurant war einfach, aber sauber und einladend. Es gab nur wenige Tische, und alle waren besetzt mit Einheimischen. Ich setzte mich an einen freien Tisch und bestellte einen Lamm-Tagine mit Pflaumen und Mandeln. Als das Gericht serviert wurde, war ich sofort begeistert. Es duftete unglaublich lecker, und die Aromen waren perfekt aufeinander abgestimmt. Das Fleisch war zart und saftig, die Pflaumen süß und würzig, und die Mandeln sorgten für einen angenehmen Crunch. Ich aß langsam und genussvoll, und jedes Gericht war ein Fest für die Sinne. Hier, inmitten des pulsierenden Lebens von Sousse, wusste ich, dass diese Reise etwas Besonderes werden würde – eine Entdeckungsreise für den Gaumen und eine Hommage an die authentische tunesische Küche. Und so begann mein kulinarisches Abenteuer, und ich konnte es kaum erwarten, zu entdecken, welche Köstlichkeiten Tunesien noch für mich bereithalten würde.
Mehr als nur Tagine: Entdeckungstour durch Sousse
Nach dem unglaublich leckeren Lamm-Tagine fühlte ich mich gestärkt und bereit für weitere kulinarische Erkundungen. Ich hatte mir vorgenommen, nicht nur die bekannten Gerichte zu probieren, sondern auch die kleinen, versteckten Lokale zu entdecken, in denen die Einheimischen essen. Also verließ ich die belebten Gassen des Souks und wanderte in das Viertel Medina, ein Labyrinth aus engen Gassen, in denen das Leben noch im traditionellen tunesischen Stil pulsiert.Die Medina war ein Fest für die Sinne: Überall gab es den Duft von frisch gebackenem Brot, den Klang von arabischer Musik und das bunte Treiben des Alltags. Ich verirrte mich erneut, was mir aber recht war. Ich wollte nicht einfach nur ein Tourist sein, sondern für einen Moment Teil dieser faszinierenden Kultur werden.
Brik und Minztee am Hafen
Irgendwann landete ich am Hafen von Sousse. Dort gab es eine Reihe von kleinen Imbissständen, an denen man frischen Fisch und andere Leckereien kaufen konnte. Ich entschied mich für ein Brik, eine Art dünner Teigfladen, gefüllt mit Ei, Thunfisch und Kapern. Es war unglaublich lecker, knusprig und saftig zugleich. Dazu bestellte ich einen Minztee, der perfekt zu dem Brik passte.Ich saß an einem kleinen Tisch am Hafen und beobachtete das Treiben. Fischer, die ihre Netze reparierten, Kinder, die spielten, alte Männer, die Schach spielten. Es war ein friedliches und entspanntes Ambiente, das ich sehr genoss. Plötzlich kam ein älterer Mann auf mich zu und fragte in gebrochenem Englisch, ob ich aus Deutschland käme. Als ich bejahte, strahlte er und erzählte mir, dass er früher als Gastarbeiter in Deutschland gearbeitet hatte. Wir unterhielten uns eine Weile, und er gab mir einige Tipps, was ich in Sousse unbedingt sehen sollte. Es war ein unerwartetes und schönes Zusammentreffen, das mir zeigte, wie offen und freundlich die Menschen hier sind.
Eine kleine Küchenkatastrophe
Am nächsten Tag beschloss ich, selbst in die tunesische Küche einzutauchen. Ich hatte mir einen Kochkurs in einem kleinen, privaten Haus in einem ruhigen Wohnviertel gebucht. Die Kursleiterin, eine sympathische Frau namens Fatima, zeigte uns, wie man Couscous zubereitet – das tunesisches Nationalgericht schlechthin.Ich war zwar kein erfahrener Koch, aber ich gab mein Bestes. Allerdings ging etwas schief, als ich versuchte, die Couscous-Körner aufzukochen. Ich hatte die Hitze zu hoch eingestellt, und die Körner klebten am Topfboden fest. Es war eine kleine Küchenkatastrophe, aber Fatima lachte nur und zeigte mir, wie man das Problem beheben konnte. Sie sagte, dass es in der Küche immer mal zu Fehlern kommt, und dass das Wichtigste sei, daraus zu lernen. Am Ende schafften wir es doch noch, einen köstlichen Couscous zuzubereiten. Wir aßen ihn gemeinsam mit einem Lamm-Tajine und einem frischen Salat. Es war ein unvergessliches kulinarisches Erlebnis, das mir zeigte, wie viel Liebe und Leidenschaft in der tunesischen Küche steckt.
Der Markt in der Rue de l'Olive
Mein letzter kulinarischer Abstecher führte mich in die Rue de l’Olive, eine belebte Straße, die für ihren Markt bekannt ist. Dort gab es alles, was das Herz begehrt: frisches Obst und Gemüse, Olivenöl, Gewürze, Datteln, Nüsse, Käse, Fisch, Fleisch. Ich schlenderte durch die Gassen und ließ mich von den Düften und Farben verzaubern. Ich kaufte ein paar Datteln, Olivenöl und Gewürze als Souvenir – nicht für mich, sondern für meine Geschmacksnerven, die ich mit nach Hause nehmen wollte.Die Reise neigte sich dem Ende zu, aber die Aromen und Geschichten von Sousse würden noch lange in meiner Erinnerung bleiben. Mit einem letzten Blick auf das pulsierende Leben in der Medina wusste ich, dass ich dieses Land und seine Küche noch lange nicht vergessen würde, und dass diese Reise der Auftakt zu vielen weiteren kulinarischen Abenteuern sein würde.
Die letzten Tage in Sousse sind wie im Flug vergangen. Ich sitze gerade in einem kleinen Café am Place du 14 Janvier, nippe an einem süßen Minztee und lasse die Eindrücke Revue passieren. Der Lärm der Stadt, das bunte Treiben, die Düfte von Gewürzen und frisch gebackenem Brot – all das hat sich tief in mein Gedächtnis gebrannt.
Mehr als nur Essen
Es war nicht nur das Essen selbst, das mich so begeistert hat, sondern die Art und Weise, wie die Tunesier ihre Küche leben. Es ist mehr als nur Nahrungsaufnahme, es ist ein soziales Ereignis, ein Ausdruck von Gastfreundschaft und Lebensfreude. Ich erinnere mich noch gut an das Gespräch mit Fatima, der Kochkursleiterin. Sie hat mir nicht nur gezeigt, wie man Couscous zubereitet, sondern auch die Philosophie der tunesischen Küche erklärt: frische Zutaten, einfache Zubereitung und viel Liebe zum Detail.
Ein unerwarteter Abschied
Der Abschied von Sousse fiel mir schwerer als erwartet. Ich hatte mich in diese Stadt verliebt, in ihre authentische Atmosphäre, in die freundlichen Menschen und in die köstliche Küche. Ich versprach mir, bald wiederzukommen, um weitere kulinarische Schätze zu entdecken und um die tunesische Gastfreundschaft erneut zu erleben.
Meine persönlichen Highlights und Tipps
Wenn ich jemandem eine Reise nach Sousse empfehlen würde, würde ich ihm folgende Tipps geben:
- Verliere dich im Souk: Lass dich treiben, entdecke die kleinen Gassen und lass dich von den Düften und Farben verzaubern. Probiere die verschiedenen Gewürze, Olivenöle und Datteln.
- Probiere den Brik: Dieser dünne Teigfladen, gefüllt mit Ei, Thunfisch und Kapern, ist eine tunesischer Klassiker und unbedingt einen Versuch wert.
- Besuche einen Kochkurs: Lerne, wie man Couscous oder Tajine zubereitet, und tauche in die Geheimnisse der tunesischen Küche ein.
Und ganz wichtig: Sei offen, neugierig und lass dich von der tunesischen Gastfreundschaft verzaubern. Dann wird deine Reise nach Sousse unvergesslich werden.
Eine letzte Mahlzeit
Bevor ich mich zum Flughafen mache, möchte ich noch einmal in meinem Lieblingsrestaurant essen. Ich bestelle einen Lamm-Tagine mit Pflaumen und Mandeln, dazu ein Glas Minztee und ein Stück Baklava. Während ich das köstliche Essen genieße, schließe ich die Augen und lasse die Aromen auf mich wirken. Ich weiß, dass ich diese Reise niemals vergessen werde.