Reisebericht Europa - Spanien - Granada
Ankunft in Granada
Die letzten Wochen waren etwas chaotisch. Ich hatte meinen Abschied vom letzten Projekt in Thailand gerade erst hinter mir, als die Anfrage aus Granada kam. Eine kleine NGO, die sich um Straßenkinder kümmert, suchte dringend Unterstützung. Ich war eigentlich schon in der Planungsphase für ein Sabbatical, um ein bisschen zu reisen und zur Ruhe zu kommen, aber das hier fühlte sich…richtiger an. Ich meine, ich kann zur Ruhe kommen, wenn ich 60 bin. Jetzt ist Zeit, etwas Sinnvolles zu tun. Und Spanien hatte ich sowieso noch nicht auf dem Schmerzlappen. Der Busbahnhof war ein lebhafter Ort. Touristen mit riesigen Rucksäcken, Pendler, ältere Damen mit Einkaufstaschen – ein buntes Gemisch. Ich hatte mich vorher schon etwas über Granada informiert, aber das war natürlich nur ein Bruchteil dessen, was die Stadt wirklich zu bieten hatte. Ich wusste, dass die Alhambra die Hauptattraktion ist, aber ich war mehr daran interessiert, das echte Leben hier kennenzulernen, die Menschen, die hinter den Postkartenmotiven leben.Erste Schritte
Ich hatte eine kleine, einfache Unterkunft im Albaicín gebucht, dem alten arabischen Viertel. Der Weg dorthin führte mich durch enge Gassen, vorbei an weiß getünchten Häusern mit blühenden Geranien auf den Balkonen. Es war ein Labyrinth aus verwinkelten Wegen, und ich verirrte mich sofort. Aber das war gar nicht schlimm. Im Gegenteil, es war genau das, was ich brauchte. Eine Auszeit vom Perfekten, vom Organisierten, vom Vorhersehbaren. Ich stolperte über kleine Cafés, in denen ältere Männer Karten spielten und angeregte Diskussionen führten. Ich sah Frauen, die Wäsche aufhingen und dabei miteinander plauderten. Ich roch den Duft von frisch gebackenem Brot und würzigen Tapas. Es war ein authentisches Bild, das sich mir erschloss, weit entfernt von den touristischen Hotspots. Die Unterkunft selbst war ein kleines Zimmer in einem alten Haus. Einfach, aber sauber und gemütlich. Die Wirtin, eine ältere Dame namens Consuelo, begrüßte mich herzlich und versorgte mich mit einem Glas Wasser und ein paar Keksen. Sie sprach kaum Englisch, aber wir verstanden uns trotzdem irgendwie. Gesten und Lächeln sind universell, wie ich gelernt habe. Sie erklärte mir, wo ich das nächste Supermarkt und ein paar gute Tapas-Bars finde.Hintergrund und Motivation
Ich bin eigentlich gelernte Sozialarbeiterin, aber in den letzten Jahren habe ich mich mehr auf die praktische Arbeit konzentriert. Nach meinem Studium habe ich ein paar Jahre in einem Jugendzentrum gearbeitet, bevor ich beschlossen habe, ins Ausland zu gehen. Ich wollte sehen, wie andere Kulturen mit sozialen Problemen umgehen, welche Ansätze funktionieren und welche nicht. Es war nie mein Ziel, die Welt zu retten. Eher wollte ich meinen kleinen Beitrag leisten, dort, wo ich gebraucht werde. Und ich glaube, dass es wichtig ist, aus der eigenen Komfortzone auszubrechen und sich neuen Herausforderungen zu stellen. Vor allem, wenn man die Möglichkeit hat, etwas Gutes zu tun. Ich hatte schon in verschiedenen Ländern gearbeitet – Vietnam, Nepal, Thailand – und jedes Projekt hat mich verändert. Ich habe gelernt, dass es nicht immer einfache Lösungen gibt, dass es oft mehr Fragen als Antworten gibt und dass es wichtig ist, bescheiden zu bleiben. Ich muss ehrlich sagen, ich war auch ein bisschen erschöpft. Die Arbeit in sozialen Projekten kann sehr belastend sein, emotional und physisch. Aber ich glaube, dass es sich lohnt. Wenn ich auch nur einem Kind helfen kann, ein besseres Leben zu führen, dann ist es das alles wert. Die erste Woche werde ich damit verbringen, mich in der NGO einzuführen, die Kinder kennenzulernen und herauszufinden, wie ich am besten unterstützen kann. Es wird sicherlich eine Herausforderung, aber ich bin optimistisch und freue mich darauf. Ich habe das Gefühl, dass Granada eine besondere Stadt ist, voller Geschichte, Kultur und Lebensfreude. Und ich bin gespannt darauf, was die nächsten sechs Monate bringen werden. Es wird Zeit, die Stadt wirklich kennenzulernen und herauszufinden, wie ich hier einen Unterschied machen kann.Erste Eindrücke vom Viertel
Der erste Spaziergang durch Albaicín am Abend war überwältigend. Die engen Gassen waren voller Leben, Touristen mischten sich mit Einheimischen, und aus den zahlreichen Tapas-Bars drang ein buntes Gemisch aus Musik und Gelächter. Ich hatte mich zwar auf das chaotische Treiben eingestellt, aber es war trotzdem eine Umstellung nach den ruhigeren Orten, an denen ich in den letzten Monaten gelebt hatte. Ich entdeckte kleine Plätze, versteckte Innenhöfe und atemberaubende Ausblicke auf die Alhambra, die majestätisch über der Stadt thronte. Ich landete in einer winzigen Bar namens "El Trillo", die kaum größer war als mein Wohnzimmer. Die Wände waren mit alten Fotos und Postern bedeckt, und der Barkeeper, ein älterer Herr mit einem verschmitzten Lächeln, schien alles und jeden zu kennen. Ich bestellte ein "tinto de verano" – eine Art Sommerwein mit Zitronenlimonade – und ein paar Tapas. Die Atmosphäre war unglaublich entspannt und freundlich. Ich kam schnell mit einigen Einheimischen ins Gespräch, die mir Tipps gaben, welche Orte ich unbedingt besuchen sollte.Die Herausforderungen der Kommunikation
Die Sprachbarriere war allerdings eine ständige Herausforderung. Mein Spanisch beschränkt sich auf ein paar grundlegende Phrasen, und die meisten Leute sprachen kaum Englisch. Ich versuchte, mich mit Händen und Füßen und ein paar Worten Spanisch zu verständigen, was oft zu amüsanten Missverständnissen führte. Einmal wollte ich nach dem Weg zu einem bestimmten Park fragen, aber ich verwechselte die Wörter und fragte stattdessen nach dem Weg zum Bürgermeister. Die Leute lachten herzlich und versuchten, mir den richtigen Weg zu erklären, aber es dauerte eine Weile, bis ich es endlich verstanden hatte.Zwischen Alhambra und Alltag
Natürlich besuchte ich auch die Alhambra. Es war beeindruckend, keine Frage, aber ehrlich gesagt fand ich das authentische Leben in den Gassen des Albaicín viel interessanter. Die Alhambra war wunderschön, aber sie war auch voller Touristen, und es fehlte ihr die Wärme und Lebensfreude, die ich in den Wohnvierteln spürte. Ich verbrachte viel Zeit im Viertel Realejo, das früher das jüdische Viertel war. Es ist ein wenig weniger touristisch als das Albaicín und hat eine ganz eigene Atmosphäre. Ich entdeckte kleine Werkstätten, in denen Handwerker noch traditionelle Techniken anwendeten, und Cafés, in denen die Einheimischen ihren Morgenkaffee tranken. Ich lernte eine alte Dame kennen, die in einem kleinen Laden handgemachte Keramik verkaufte. Sie sprach zwar kein Englisch, aber wir verstanden uns trotzdem irgendwie. Sie zeigte mir ihre schönsten Stücke und erzählte mir mit Gesten und Mimik die Geschichten hinter ihnen.Kleine Pannen und große Momente
Eine kleine Panne gab es dann doch: Ich hatte versucht, mir einen Roller zu mieten, um die Umgebung zu erkunden. Ich unterschätzte allerdings meine Fähigkeiten und stürzte schon nach wenigen Metern. Zum Glück ging es mir gut, aber mein Stolz hatte einen kleinen Kratzer bekommen. Die Leute lachten, aber sie halfen mir sofort wieder auf die Beine. Ich beschloss, dass das Rollerfahren nicht so meine Stärke war und stieg lieber wieder in den Bus. Ich merkte, dass ich mich langsam an das Leben in Granada gewöhnte. Ich fand meinen Rhythmus, lernte die besten Tapas-Bars kennen und freundete mich mit einigen Einheimischen an. Es war ein gutes Gefühl, Teil dieser Gemeinschaft zu sein, auch wenn ich nur für kurze Zeit hier war. Ich spürte, dass ich hier nicht nur etwas lernen, sondern auch etwas geben konnte. Und das war es, was ich mir von diesem Aufenthalt erhofft hatte. Die kommenden Wochen würden zeigen, wie ich meine Fähigkeiten im sozialen Bereich in diesem neuen Kontext einsetzen könnte und ob ich wirklich einen kleinen Unterschied machen konnte.Die ersten Wochen sind wie im Flug vergangen. Ich habe mich mittlerweile gut in das Team der NGO eingearbeitet und lerne die Kinder langsam kennen. Es ist eine Herausforderung, aber auch unglaublich erfüllend. Die Arbeit ist anders als in meinen vorherigen Projekten. Hier gibt es eine größere soziale Ungleichheit, aber gleichzeitig auch eine starke Gemeinschaft und Solidarität.
Die Arbeit mit den Kindern
Die Kinder, mit denen ich arbeite, stammen aus schwierigen Verhältnissen. Viele von ihnen leben auf der Straße oder in prekären Wohnverhältnissen. Sie haben oft traumatische Erfahrungen gemacht und brauchen dringend Unterstützung. Wir versuchen, ihnen Bildung, medizinische Versorgung und emotionale Unterstützung zu bieten. Es ist nicht immer einfach, aber wir machen Fortschritte. Ich habe gelernt, dass es wichtig ist, geduldig zu sein und ihnen Zeit zu geben, sich zu öffnen.
Eine der größten Herausforderungen ist die Sprachbarriere. Viele der Kinder sprechen nur Spanisch oder einen Dialekt, den ich nicht verstehe. Ich habe angefangen, Spanisch zu lernen, aber es ist ein langer Prozess. Ich versuche, mich mit Gesten und Mimik zu verständigen, aber das ist nicht immer erfolgreich.
Kulturelle Unterschiede
Ich habe auch einige kulturelle Unterschiede festgestellt. In Spanien ist die Familie sehr wichtig. Die Kinder verbringen viel Zeit mit ihren Familien und Freunden. Es gibt eine starke soziale Bindung. In meinen vorherigen Projekten war das nicht immer der Fall.
Ich habe auch festgestellt, dass die Spanier eine andere Einstellung zur Zeit haben. Sie leben mehr im Moment und sind weniger auf Planung und Organisation fixiert. Das ist erfrischend, aber es kann auch zu Missverständnissen führen.
Mein Fazit
Granada ist eine faszinierende Stadt. Sie hat eine reiche Geschichte, eine lebendige Kultur und eine freundliche Bevölkerung. Ich habe gelernt, dass es wichtig ist, offen zu sein für neue Erfahrungen und sich auf Veränderungen einzulassen. Ich habe auch gelernt, dass es wichtig ist, bescheiden zu sein und die eigenen Grenzen zu akzeptieren.
Ich bin dankbar für die Möglichkeit, hier zu arbeiten und zu leben. Ich habe viel gelernt und bin als Mensch gewachsen. Ich werde Granada nie vergessen.
Empfehlungen
Wenn du nach Granada reist, solltest du unbedingt das Albaicín besuchen. Es ist ein wunderschönes Viertel mit engen Gassen, weiß getünchten Häusern und atemberaubenden Ausblicken auf die Alhambra. Aber vergiss nicht, auch die weniger touristischen Viertel zu erkunden, wie Realejo. Dort kannst du das authentische Leben der Granadinos erleben.
Probiere unbedingt die Tapas. Granada ist bekannt für seine kostenlosen Tapas, die zu jedem Getränk serviert werden. Es ist eine großartige Möglichkeit, die lokale Küche kennenzulernen.
Und nimm dir Zeit, um die Menschen kennenzulernen. Die Granadinos sind freundlich und gastfreundlich. Sie werden dir gerne ihre Stadt zeigen und dir ihre Kultur näherbringen.